Children need hope, they need REWA
Children need hope, they need REWA

Reisebericht Ladakh 2026

Nach langer Zeit war ich in diesem Jahr wieder in Ladakh vor Ort, um die Arbeit in den Zentren zu begleiten, Gespräche mit den Teams zu führen, Probleme zu evaluieren, Bedarfe zu analysieren und einen Ausblick auf das Jahr 2026 und 2027 mit seinen anstehenden Planungen und Projekten zu erstellen.

Rewa Society Leh

Meine erste Station war Leh. Dort besuchte ich das Zentrum der Rewa Society Leh, die seit 2024 selbstständig ist und die Arbeit in Eigenregie weiterführt.

Der Übergang in die Selbstständigkeit und finanzielle unabhängigkeit war in den ersten Monaten nicht einfach gewesen. Zudem hatten viele der ehemaligen Mitarbeiter_innen aus verschiedenen Gründen das Team verlassen.

Erfreulicherweise hat sich die Situation erholt und es werden wieder Pläne zur Fertigstellung der bisher nur geplanten und noch nicht umgesetzten Gebäude (Fertigstellung der kleinen Ladenzeile zur straße hin, Inklusive Schule, Hostel) geschmiedet.

Das Team besteht derzeit aus unserer langjährigen und sehr engagierten Mitarbeiterin Rinchen Angmo (Physiotherapeutin) und zwei Lehrerinnen der Regierung (leider ohne Erfahrung bezüglich Sonder- und Heilpädagogik sowie Inklusion). Einmal in der Woche kommt eine Logopädin aus dem öffentlichen Krankenhaus zur Therapie.

24 Kinder sind registriert, von denen 12 Kinder bei meinem Besuch anwesend waren. Es war eine fröhliche und schöne Stimmung. Die Räumlichkeiten sind gut ausgestattet, gepflegt und werden rege genutzt. Es findet ein Austausch mit anderen Schulen und Zentren statt und die Kinder machen immer wieder gemeinsame Ausflüge.

Ein großer Wunsch von Rinchen und dem Team wäre eine fachliche Unterstützung durch unsere monatliche Online-Fortbildung und durch freiwillige Fachkräfte aus Deutschland (Physiotherapeut_innen, Logopäd_innen, Sonderschulpädagog_innen, Heilpädagog_innen) zur fachlichen Qualitätssicherung.

Es war sehr schön zu sehen, dass das Team die Arbeit für die Kinder weiterführt!

Transport von Therapiegeräten und Hilfsmitteln für die neuen Therapieräume in Kargil

Bevor ich nach Kargil aufbrach organisierte ich noch einen Transport der Therapiegeräte und Hilfsmittel, die 2019 durch eine Materialgroßspende mittels eines großen Containers den Weg nach Ladakh gefunden hatten. Sie waren all die Jahre nur in Leh im Einsatz bzw. gelagert und der Transport nach Kargil hatte sich bisher nicht organisieren lassen. Einen Teil nahmen wir auf meinem Weg im Jeep von Rewa na KASCO Kargil mit, die verbliebenen Geräte und Hilfsmittel wurden in einer zweiten Aktion, organisiert durch unsere Freiwillige Milena Bender, nach Kargil gebracht.

Besuch von Stanzin und Lobzang

Eine sehr große Freude war der Besuch bei Stanzin, dem Kind, für das die ganze Initiative gegründet wurde, und ihrer Schwester Lobzang. Lobzang befindet sich in unserem Sponsor-Programm und macht derzeit einen Bachelor of Education (Voraussetzung zur Arbeit in Regierungsinsitutionen). Sie ist studierte Rehabilitationswissenschaftlerin (BA und MA). Derzeit ist sie im Mutterschutz. Sie wird ihr Studium nach einer Pause von 7 Monaten wiederaufnehmen.

Stanzin ist eine große junge Frau geworden, die alles mit großen Augen und Ohren mitverfolgt. Ihre Freude über meinen Besuch war sehr groß. Um ihre Kommunikation zu fördern und zu unterstützen, schenkten wir ihr ein Tool (GoTalk20+), welches über Metacom-Symbole Nachrichten, die vorher entsprechend aufgesprochen wurden, ansteuert und auf Druck über einen Lautsprecher wiedergibt. So soll Menschen, die sich nicht sprachlich äußern können eine Kommunikation ermöglich werden.

Rewa na KASCO Kargil

Die zweite Hälfte meines Aufenthaltes verbrachte ich in Kargil. Das Zentrum befindet sich in Räumlichkeiten der Munshi Habibullah Schule und ist groß. 47 Kinder kommen täglich in die Schule und zur Therapie. Davon gehen 37 Kinder in die sonderschulpädagogische Klasse und 10 Kinder sind im Rahmen des Inklusionsprogrammes in die Regelklassen der Munshi Haibullah Schule integriert. Die Kinder werden durch den Schulbus zuhause abgeholt oder von den Angehörigen gebracht. Zu regelmäßigen Zeiten (i. d. R. 2x/Woche) werden die Kinder aus dem Unterricht genommen und erhalten individuelle Förderung und Therapie. Über das ganze Jahr verteilt finden immer wieder Ausflüge und Aktionen statt, in denen der Austausch mit den Regelklassen und der Gesellschaft gefördert wird. Hierzu berichten wir immer regelmäßig auf unserer Internet-Seite in der Rubrik „Aktuelles“.

 

Das Team von Rewa na KASCO Kargil besteht aus 3 Physiotherapeutinnen (Bilquis Fatima, Ameena Parveen und bis 31.05.26 Farzana Akhtar, ab 01.06.26 Zahra Banoo) und zwei Sonderschulpädagoginnen (Archo Fatima, Tohira Banoo), die durch zwei Helferinnen (Fatima Nissa, Fatima Sugra) im Unterricht unterstützt werden. Eine Köchin (Hassina Banoo) versorgt die Mitarbeiter_innen und einige Kinder mittags mit einer warmen Malzeit. Die anderen Kinder bringen ihr Essen selber mit. Gefahren werden die Kinder durch den Fahrer von Rewa na KASCO (Abdul Hamid), der auch den Jeep bei den Heimbesuchen lenkt.

Es gibt einen Therapieraum, ein Klassenzimmer, einen Ruheraum und einen Essraum mit Küchenzeile. Für die vielen Kinder mit den unterschiedlichen Förderbedarfen, reichen die Räumlichkeiten für eine gute Förderung und individuelle/ruhige Betreuung nicht aus. Trotzdem schaffen es die Therapeutinnen und Lehrerinnen mit ihrem Engagement und ihrer liebevollen Hingabe, diese bestmöglichst auszunutzen.

Aus diesen Kapazitätsgründen wird derzeit auch einer neuer großer Therapieraum in einem angrenzenden Gebäude gebaut, der durch bewegliche Wände in 4 geräumige Therapieräume unterteilt werden kann. Dann können aus den jetzigen Räumlichkeiten insgesamt 3 Klassenzimmer gemacht werden, sodass die Möglichkeit besteht, die Kinder nach Bedarf auf 3 Gruppen aufzuteilen. Das wird die Qualität der Therapie und des Unterrichtes deutlich verbessern.

Mit Blick auf diese anstehenden Veränderungen wird auch deutlich, dass es gut wäre das fachlich professionelle Team zu vergrößern. Wir besprachen dazu verschiedenste Möglichkeiten und sind gespannt, was die Zukunft bringen wird.

Während meines Aufenthaltes begleitete ich die Kinder durch den Alltag und konnte so miterleben, mit welcher Freude und welchem Ehrgeiz sie an den Angeboten teilnahmen. Zudem konnte ich sehen wo es noch Förder- und Unterstützungsbedarf gibt, den wir bisher noch nicht bewusst wahrgenommen und ergriffen hatten.

Neben den Aktivitäten vor Ort nahm ich auch an den Hausbesuchen teil. In einem Umkreis von 22 km werden Kinder, die aus verschiedenen Gründen nicht regelmäßig ins Zentrum kommen können, durch unsere Therapeutinnen i. d. R. einmal wöchtenlich versorgt.

Fieldtrips – Hausbesuche in die entlegeneren Regionen Ladakhs

Seit 2020 wurden aus verschiedenen Gründen keine Hausbesuche unserer Patient_innen, die in entlegeneren Gebieten der Region leben, mehr durchgeführt. Da diese Patient_innen so keine Möglichkeit einer Unterstützung und Förderung haben, beschlossen wir dieses Programm wieder aufzunehmen. Zunächst sind Survey-Reisen in die entsprechenden Gebiete geplant, um den Bedarf zu evaluieren. Dann sollen Therapiepläne erstellt werden und die Patient_innen und ihre Angehörigen in vierteljährlichen Therapiebesuchen therapiert und angeleitet werden.

Dank Milena Benders Kompetenz und Engagement, wird bei den Surveys eine gute Grundlage für die zukünfte Arbeit geschaffen werden.

Insgesamt war die Reise eine sehr wertvolle und wunderschöne Zeit des Austausches, des gegenseitigen Respekts und des Weiterspinnens einer Vision, den Menschen mit Förderbedarf ein gleichberechtigtes und lebenswertes Leben inmitten der Gesellschaft zu ermöglichen.

 

Für die Umsetzung und des Erklimmens der vielen Stufen auf diesem Weg brauchen wir unbedingt Ihre Unterstützung!

 

Mit herzlichen Grüßen

 

Johanna Klein

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