Das Behindertenheim in Leh

Als  eine der besten und größten Privatschulen in ganz Ladakh ist die Moravian Mission, zugleich auch die einzige christliche Schule. Sie ist ein Projekt der Herrenhuter Mission aus Deutschland. Bei unserem Besuch in der Schule in Leh konnten wir christliche Zeitschriften in Englisch über Deutschland auf den Tischen liegen sehen.  Die Moravian Mission ist als Kooperationspartner für die ganze Organisation und Struktur der Projekte zuständig. Den Kontakt mit Elisha Gergan, dem Leiter der Missionsschule, knüpfte Cynthia Hunt für uns. Sie ist Amerikanerin, die seit 17 Jahren in Ladakh lebt und auch im Winter!! in ihrem Zelt schläft. Sie arbeitet zusammen mit der indischen Regierung und ihrer amerikanischen Wohltätigkeitsorganisation an der Verbesserung der Ausbildung in den öffentlichen Schulen. Dadurch kommt sie in die abgelegensten  Gegenden Ladakhs und kennt viele Dörfer und ihre Bewohner. 


Meeting am 12. Juni 2004

Eine weitere Institution kümmert sich seit Jahren in Ladakh  um die Behinderten: Der „König“ von Ladakh gründete das „Namgyal Institute for the Handicapped, weil seine Schwester auch an einer schweren Behinderung leidet. Wir trafen uns mit den Sozialarbeitern vom "Namgyal Institute“ schon bei unserer ersten Reise zu einem fruchtbaren Gespräch und weiterer Zusammenarbeit. Sie führen im Moment ein kleines „Heim“ für ca. sechs Kinder in einem gemieteten Haus außerhalb von Leh. Als wir im Juni 2004 das Treffen mit Elisha Gergan hatten, waren die Vertreter des "Namgyal Institutes" auch anwesend. Sie werden uns bei der praktischen Arbeit mit den Kindern zur Seite stehen, Elisha’s Heim mit Behinderten füllen und unsere Physiotherapeuten  in die Dörfer begleiten, um die behinderten Kinder zu besuchen. Es findet hier also eine wunderbare Zusammenarbeit von unterschiedlichsten Organisationen und Nationen statt, die beispiellos ist.

Rev. Elisha Gergan führt Moravian-Mission Schule so gut, dass ihm die Regierung vor 3 Jahren ein riesengroßes Gelände am Stadtrand von Leh für seine sozialen Zwecke „geschenkt“ hat. Elisha war mutig und plante großzügig:

  • 1 Hostel (Internat) für 100 Mädchen (Schülerinnen der Moravian Mission School)
  • 1 Hostel für 100 Jungs (Schüler der Moravian Mission School)   
  • 1 dreistöckiges Gästehaus mit 12 kleinen Zimmern und Toilette,
    im Gang jeweils eine Kitchenette
  • 1 Behindertenheim mit ausgebautem Keller, Erdgeschoss und Obergeschoss
  • 1 kleines Therapiebecken zur Behandlung, einzigartig in Ladakh
  • Gemüsegärten
  • Sportplätze (Fußball, Badminton, Tennis)
  • Schattengärten

Zum Bau der Gebäude beschäftigte er keine Bauunternehmer, sondern nur seine eigenen ausgesuchten Leute. Seiner Meinung nach dauert es zwar länger, ist aber viel billiger und besser. Als wir am Samstagnachmittag das Gelände besuchten, waren alle Arbeiter noch da. Auch Frauen arbeiten am Bau mit. Um das ganze Gelände zieht sich eine durchgehende Mauer, die vor Tieren und neugierigen Blicken schützen soll. 


Gelände

Das besondere an der Bauweise aller Gebäude ist die fantastische Isolation: Die Innenwand besteht aus Lehmziegeln, dann kommt eine Wärmedämmung, an die sich die Außenschicht aus Betonziegeln anschmiegt. In Leh gibt es keine Heizungen trotz Temperaturen bis - 40 °. Die Sonne wärmt die Gebäude tagsüber auf. Nachts hält man sich in den relativ kleinen Schlafräumen auf, die dann auch nicht so sehr abkühlen.

Als wir Elisha fragten, warum er ein Behindertenheim gebaut hatte ohne qualifiziertes Betreuungspersonal in Aussicht zu haben, lächelte er nur.

Die Planung des Heims zeigt Weitsicht und Sachkenntnis: 4 große, helle Behandlungsräume scharen sich im Erdgeschoss und ersten Stock um einen großen, offenen „Begegnungsraum“. Zwei Toiletten und ein Sekretariat befinden sich in jedem Stockwerk. Das Erdgeschoss und der erste Stock sind beide mit Rampe begehbar. Nirgendwo findet man hinderliche Schwellen. Im Untergeschoss befinden sich riesige Räume, die als Lager und Maschinen-, bzw. Handwerkerraum fungieren sollen. Dort sollen die jungen Menschen, die eine Lehre absolvieren werden, praktisch arbeiten und auch die benötigten Hilfsmittel und Möbel für das Behindertenheim herstellen


Behandlungsraum

Im Erdgeschoss werden sich hauptsächlich die behinderten Kinder und ihre Eltern aufhalten. Die Familien werden morgens mit einem speziellen Bus von ihren Häusern abgeholt und abends wieder nach Hause gebracht. Die Kinder werden von ihren Familien mit Essen versorgt, im Heim wird nicht gekocht. Die Hauptaktivitäten werden sich auf den Winter konzentrieren, da die Bevölkerung zum größten Teil im Sommer in der Landwirtschaft beschäftigt ist. Zwischen Behindertenheim und Hostel für die Mädchen plant Elisha Gergan ein überdachtes Therapiebecken, einzigartig in Ladakh. Wir helfen ihm bei der Planung des Pools.

Elisha betont immer wieder, dass der Campus nicht ein ständiger Wohnort für Behinderte sein wird, sondern ein Ort der besonderen Zuwendung. Er sagt: „We are caring, not curing“. Den Familien soll geholfen werden, indem sie aufgeklärt und ermutigt, in die Therapie eingewiesen und mit adaptierten Hilfsmitteln versorgt werden. Sie dürfen von Jahr zu Jahr zurückkommen und sich helfen lassen. 

Im Obergeschoss ist die Ausbildungsstätte: Die Räume werden für die Physiotherapieschule und die Ausbildung der Absolventen der Moravian Mission Schule in verschiedenen Berufen genützt. Dabei soll immer im Auge behalten werden, dass alle zusammen arbeiten.

Das Gelände

In der Planung wurde auch bei der Anordnung der verschiedenen Gebäude sehr viel Voraussicht eingesetzt: Das Internat für die Mädchen liegt ganz nahe am Behindertenheim. Elisha meint, dass die Mädchen eine gute Hand für die kranken Kinder haben und sich da gerne mit involvieren lassen. Das Internat für die Jungs liegt weiter weg in der Nähe des Gästehauses und der Gärten. Sie könnten dabei helfen, die Gärten zu bewässern und zu pflegen. Beide Internate sind mit Solarduschen ausgestattet.

Auf dem Gelände hat man ein Reservoir mit 330.000 Liter für das Wasser der Schneeschmelze gebaut. Mit diesem Wasser können die Gärten und Grünanlagen 3 Monate lang bewässert werden. Bei Bohrungen stieß man in einer Tiefe von 100 Fuß auf eine natürliche Quelle mit außerordentlich gutem Trinkwasser.

Auf den flachen Dächern der einzelnen Gebäude befinden sich riesige Wassertanks, die mit passiver Solarwärme wunderbar warmes Brauchwasser produzieren.

Die Fenster in den Gebäuden sind strategisch so geplant, dass im Winter die größte Sonneneinstrahlung  in die Räume möglich ist und sie aufwärmt.

Die Versorgungsstraße für die verschiedenen Gebäude führt um das ganze Gelände herum und nicht hindurch. Die Kinder sollen nicht beim Spielen auf den Wiesen und Fußballplätzen gestört werden.

Eine aufregende und wunderschöne Planung ist die Pflanzung von 5000-6000 Schatten spendenden Bäumen auf dem Gelände im nächsten Jahr.


Bäume im Gelände
 

Die vielen Steine, die auf dem ganzen Gelände herum liegen, werden nicht weggekarrt, sondern wieder verwendet als Einsäumung für die Straße, um den Garten zu befestigen und um kleine „Kunstwerke“ aufzutürmen.

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