Zwei buddhistische Mönche aus Ladakh
machen
in Günzburg ganz neue Erfahrungen
(unter anderem
auf dem Ergometer)
Günzburg:
Zum ersten Mal in
ihrem Leben außerhalb Indiens, besuchten die zwei buddhistischen Möcneh
Lama Sonam und Lama Padma aus Lingshed, Ladakh, Günzburg. Karola und
Jürgen Kostial aus Günzburg hatten die beiden Mönche bei ihren Arbeitseinsätzen
mit behinderten Kindern in Ladakh im Jahr 2003 und 2004 kennen gelernt.
Die Lamas, ausgesprochen
talentierte Malkünstler, halfen den Deutschen spontan bei ihrer Arbeit,
indem sie für sie kochten und den Transport des Gepäcks über das Gebirge
organisierten. In Ladakh wurde gemeinsam darüber gelacht, was wohl
passieren würde, wenn die Mönche einmal Deutschland besuchen würden.
Deswegen war das Günzburger Ehepaar völlig überrascht, als sie im
November 2004 einen Anruf von den beiden erhielten: Sie waren in München,
ein Sponsor hatte den Flug bezahlt. Dort sollten sie erst einmal eines
ihrer einzigartigen Sandmandalas anfertigen, um dann hinterher ein paar Tage die
Kostials in Günzburg zu besuchen.
Kostials
holten die Mönche ab und starten
ein intensives Programm. Erst verbrachten die Lamas mit Fam. Kostial
in der Knabenrealschule in Günzburg. Die jungen Menschen hatten im
Sommer einen erfolgreichen Sponsorenlauf für die armen und behinderten
Kinder Ladakhs durchgeführt. Die Mönche bedankten sich für
die Hilfe und erzählten über ihre Heimat und das harte Leben in den
Bergen. Die Kostials zeigten im Rahmen einer
PowerPointPräsentation Bilder über ihre
Einsätze. Die Schüler waren mit ihren Fragen nicht zu bremsen: Was
die Mönche wohl jeden Tag essen, ob sie denn eigene Familien hätten,
ob sie eine Schule besucht hatten (wurde verneint),
was ihre Hobbies
sind (stieß auf Unverständlichkeit, denn das Wort Hobbies
war den Mönchen unbekannt) und wie sie ihren Tag gestalten. Eine immer
wiederkehrende Frage war, ob sie denn in ihrem Kloster Kampfsport
betreiben, was sie verneinten. Als ein Junge darauf drängte zu hören,
wie die Mönche denn beten, überraschten die Lamas mit der Bereitschaft,
ein Gebet des langen Lebens in einheimischem Singsang
zu sprechen. Das einfache und ernste Gebet hinterließ ein tiefen Eindruck
auf alle Anwesenden. Zum Abschied überreichten die Mönche in feierlicher
Manier dem Schuldirektor Herrn Satzinger
und der Religionslehrerin Fr. Warnecke einen tibetischen Begrüßungsschal,
den Kathak.
Nachmittags
wurden die Lamas im Bezirkskrankenhaus bei Herrn Prof. Dr. Dr. Widder
in der Klinik für Neurologie vorstellig. Sie besichtigten beeindruckt
die Räumlichkeiten und fanden großen Gefallen an den Ergometern in
der Krankengymnastik, die sie ausgiebig testen konnten. Nach einer
weiteren Kathak-Zeremonie mit Herrn Prof.
Widder und dem Ltd. Oberarzt Dr. Aurnhammer
nahmen sie an einer Patientenweihnachtsfeier teil und versuchten,
die deutschen Weihnachtslieder mitzusingen.
Am
Mittwoch Morgen besuchten die Mönche die vierte Klasse der Leipheimer
Volksschule, die Brieffreundschaften
mit den Kindern von Lingshed, Ladakh, pflegt.
Briefe wurden überreicht, Geschichten erzählt, Autogramme gegeben
und Adressen ausgetauscht.
Ein
weiterer Höhepunkt war für die Lamas der Besuch der neurochirurgischen
Klinik im Bezirkskrankenhaus, wo sie von Prof. Dr. Richter begrüßt
wurden, der selbst schon mehrere Male im Himalaya war. Mit großem Interesse folgten sie der Führung
von Prof. Dr. Hans-Peter Richter durch seine Klinik und bestaunten
seine beeindruckenden Himalaya-Bilder in
den Gängen. Der Nachmittag fand die Mönche im Schuhhaus Frick, wo
sie mit Winterschuhen ausgerüstet wurden. Hr. Frick nahm sich die
Zeit, ihnen die Hofkirche zu zeigen, die ungefähr genauso alt ist
wie ihr berühmtes Kloster in Lingshed.
Viele interessierte
Menschen
An
den Abenden empfingen Lama Padma und Lama
Sonam im Haus von Fam. Kostial
Besuch von vielen interessierten Menschen aus dem Günzburger Landkreis bei gemütlichem Tee und Weihnachtsgebäck. Beide Männer verließen Günzburg
mit dem Versprechen, auf jeden Fall wieder zurück zu kommen. Sie hatten
Günzburg lieb gewonnen und sich wohl gefühlt. Eine für sie völlig
fremde und neue Welt hatte die Arme und geöffnet und sie ins Herz
geschlossen. Eine Kultur aus dem fernen Osten war dem Westen begegnet
und durch Offenheit beiderseits es gelang eine Verschmelzung für eine
kurze Zeit.
(Hier
abgedruckt Originaltext von Karola Kostial,
wurde von der GZ leicht verändert)