Artikel in der Günzburger Zeitung am 20.12.2004 von Karola Kostial

Eintauchen in eine neue und fremde Welt

Zwei buddhistische Mönche aus Ladakh machen
in Günzburg ganz neue Erfahrungen

(unter anderem auf dem Ergometer)

Günzburg:

Zum ersten Mal in ihrem Leben außerhalb Indiens, besuchten die zwei buddhistischen Möcneh Lama Sonam und Lama Padma aus Lingshed, Ladakh, Günzburg. Karola und Jürgen Kostial aus Günzburg hatten die beiden Mönche bei ihren Arbeitseinsätzen mit behinderten Kindern in Ladakh im Jahr 2003 und 2004 kennen gelernt. 

Die Lamas, ausgesprochen talentierte Malkünstler, halfen den Deutschen spontan bei ihrer Arbeit, indem sie für sie kochten und den Transport des Gepäcks über das Gebirge organisierten. In Ladakh wurde gemeinsam darüber gelacht, was wohl passieren würde, wenn die Mönche einmal Deutschland besuchen würden. Deswegen war das Günzburger Ehepaar völlig überrascht, als sie im November 2004 einen Anruf von den beiden erhielten: Sie waren in München, ein Sponsor hatte den Flug bezahlt. Dort sollten sie erst einmal eines ihrer einzigartigen Sandmandalas anfertigen, um dann hinterher ein paar Tage die Kostials in Günzburg zu besuchen.

Kostials holten die Mönche  ab und starten ein intensives Programm. Erst verbrachten die Lamas mit Fam. Kostial in der Knabenrealschule in Günzburg. Die jungen Menschen hatten im Sommer einen erfolgreichen Sponsorenlauf für die armen und behinderten Kinder Ladakhs  durchgeführt. Die Mönche bedankten sich für die Hilfe und erzählten über ihre Heimat und das harte Leben in den Bergen. Die Kostials zeigten im Rahmen einer PowerPointPräsentation Bilder über ihre Einsätze. Die Schüler waren mit ihren Fragen nicht zu bremsen: Was die Mönche wohl jeden Tag essen, ob sie denn eigene Familien hätten, ob sie eine Schule besucht hatten (wurde verneint),  was ihre  Hobbies sind (stieß auf Unverständlichkeit, denn das Wort Hobbies war den Mönchen unbekannt) und wie sie ihren Tag gestalten. Eine immer wiederkehrende Frage war, ob sie denn in ihrem Kloster Kampfsport betreiben, was sie verneinten. Als ein Junge darauf drängte zu hören, wie die Mönche denn beten, überraschten die Lamas mit der Bereitschaft, ein „Gebet des langen Lebens“ in einheimischem Singsang zu sprechen. Das einfache und ernste Gebet hinterließ ein tiefen Eindruck auf alle Anwesenden. Zum Abschied überreichten die Mönche in feierlicher Manier dem Schuldirektor Herrn Satzinger und der Religionslehrerin Fr. Warnecke einen tibetischen Begrüßungsschal, den Kathak.

 Nachmittags wurden die Lamas im Bezirkskrankenhaus bei Herrn Prof. Dr. Dr. Widder in der Klinik für Neurologie vorstellig. Sie besichtigten beeindruckt die Räumlichkeiten und fanden großen Gefallen an den Ergometern in der Krankengymnastik, die sie ausgiebig testen konnten. Nach einer weiteren Kathak-Zeremonie mit Herrn Prof. Widder und dem Ltd. Oberarzt Dr. Aurnhammer nahmen sie an einer Patientenweihnachtsfeier teil und versuchten, die deutschen Weihnachtslieder mitzusingen.

Am Mittwoch Morgen besuchten die Mönche die vierte Klasse der Leipheimer Volksschule,  die Brieffreundschaften mit den Kindern von Lingshed, Ladakh, pflegt. Briefe wurden überreicht, Geschichten erzählt, Autogramme gegeben und Adressen ausgetauscht.

Ein weiterer Höhepunkt war für die Lamas der Besuch der neurochirurgischen Klinik im Bezirkskrankenhaus, wo sie von Prof. Dr. Richter begrüßt wurden, der selbst schon mehrere Male im Himalaya war. Mit großem Interesse folgten sie der Führung von Prof. Dr. Hans-Peter Richter durch seine Klinik und bestaunten seine beeindruckenden Himalaya-Bilder in den Gängen. Der Nachmittag fand die Mönche im Schuhhaus Frick, wo sie mit Winterschuhen ausgerüstet wurden. Hr. Frick nahm sich die Zeit, ihnen die Hofkirche zu zeigen, die ungefähr genauso alt ist wie ihr berühmtes Kloster in Lingshed.

Viele interessierte Menschen

An den Abenden empfingen Lama Padma und Lama Sonam im Haus von Fam. Kostial Besuch von vielen interessierten Menschen aus dem Günzburger Landkreis  bei gemütlichem Tee und  Weihnachtsgebäck. Beide Männer verließen Günzburg mit dem Versprechen, auf jeden Fall wieder zurück zu kommen. Sie hatten Günzburg lieb gewonnen und sich wohl gefühlt. Eine für sie völlig fremde und neue Welt hatte die Arme und geöffnet und sie ins Herz geschlossen. Eine Kultur aus dem fernen Osten war dem Westen begegnet und durch Offenheit beiderseits es gelang eine Verschmelzung für eine kurze Zeit.

(Hier abgedruckt Originaltext von Karola Kostial, wurde von der GZ leicht verändert)



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