Zanskar wird das erste Mal besucht
und für Ladakh-Hilfe erschlossen
Um fuenf Uhr morgens gehts los. Yountain, unser Fahrer,
Dolker, unsere Ladakhi Mitarbeiterin, Nicole und ich packen letzte Dinge
ins Auto; Kochutensilien, Schlaf- und Rucksaecke, Arbeitsmaterial.

Unser
Team
Von Leh nach Kargil wird die Landschaft gruener. Kargil und das anschliessende
Surutal sind muslimische Gegenden, anstelle der buddhistischen Kloester
sehen wir viele Moscheen; die Maenner tragen gestrickte muslimische
Muetzen auf dem Kopf, die Frauen Kopftuecher. Die Stimmung ist anders,
Kargil ungemuetlich, auf dem Land aber freundlicher.
Trotzdem fuehlen sich unsere buddhistischen Mitarbeiter nicht wohl in
der muslimischen Gegend. Sie sind froh, als wir den Pensi La Pass und
somit Zanskar erreichen, wo das Gebiet wieder buddhistisch ist. Es kommt
immer wieder zu Spannungen in dieser Gegend. Das buddhistische Zanskar
gehoert politisch zum muslimisch regierten Distrikt Kargil, kulturell
aber zu Ladakh. Kargil hat dementsprechend ein geringes Interesse an
der abgelegenen und buddhistischen Zanskargegend und bevorzugt die anderen
Gebiete deutlich. Es ist ein Strassenprojekt im Gange, welches Zanskar
per Tunnel mit Ladakh verbinden soll, ein Riesending in Indien! Es waere
nicht ueberraschend, wenn die Zanskaris danach Anschluss an den Distrikt
Leh suchten, was die sensible Situation dieser Gegend ziemlich verschaerfen
koennte. Vor drei Jahren wurden im Kloster von Rangdum, welches im Surutal
liegt, drei Moenche von Islamisten entfuehrt und hingerichtet.
Nun aber weg von der Politik zurueck zu unserer Reise nach Zanskar.
Die Strasse wird schlechter, wir werden in unserem ungefederten Auto
tuechtig herumgeschuettelt. Headbangers' mobile nennen wir es. Das Surutal
ist
wunderschoen, gruene Wiesen, richtige Baeume! Manchmal fuehle ich mich
ins Wallis in der Schweiz zurueckversetzt. Riesige Berge mit noch riesigeren
Gletschern ragen in den Horizont.

Gletscher
im Zanskar
Uebernachtet wird in Haeusern der Regierung, manchmal komplett unmoebliert,
was aber tiptop ist. Abends kochen wir auf dem Benzinkocher Curries,
meistens ist es schon spaet, bis wir jeweils muede in unsere Schlafsaecke
fallen.Nach zwei Tagen Fahrt erreichen wir Zanskar!




Landschaftsbilder
aus Zanskar
Schon im ersten Dorf, welches aus sechs Haeusern besteht, treffen wir
auf drei behinderte Kinder! Unglaubliche Haeufung! Wir behandeln die
Kinder draussen, fragen, befunden, zeigen Uebungen, machen eine Handschiene
fuer
einen Jungen mit Spastischer Parese. Neben uns beginnen ein paar der
Einheimischen mit buddhistischen Gebeten.

Freundliche
und interessierte Menschen begegnen uns
Die Menschen sind sehr freundlich, sehr interessiert. Wie auch spaeter
bei anderen Familien sind wir beeindruckt, wie sorgfaeltig und liebevoll
sie mit ihren behinderten Kindern umgehen und sie in die Gemeinschaft
integrieren! Wir hatten in dieser abgelegenen Gegend vielmehr Ablehnung
und Unverstaendis fuer Behinderte erwartet.
Trotzdem treffen wir auch auf Aufruettelndes. Ein geistig behinderter
Junge wird so an den Haenden gefesselt und festgebunden, dass seine
Handgelenke arge Wunden aufweisen.Wir erklaeren eine andere Moeglichkeit,
den Jungen zu fixieren, planen fuers naechste Mal einen Bauchgurt mitzunehmen
und stellen Kontakt zum lokalen Healthworker her, der die Wunde weiter
behandeln soll.
Ein Maedchen hat ein total verbranntes Gesicht. Woher?! Die Geschichten
der Familie machen uns stutzig... Wir besprechen die Alltagsaktivitaeten
und Plaene fuer die Zukunft. Das Maedchen ist nicht so schwer behindert
und
koennte gut einmal im ansaessigen Frauenprojekt Handarbeiten verrichten.

Einheimische
Frau
Neben diesen gibt es noch viele andere behinderte Kinder und deren Familien,
die wir besuchen. Wir erleben viele herzliche Begegnungen. Von einem
Grossvater bekommen wir das ausgefallendste Geschenk unseres Lebens:
einen Yakschwanz! Der wird in buddhistischen Haeusern, welche einen
eigenen Tempel besitzen, aufs Dach gesteckt. Eine grosse Ehre also fuer
uns!
Auf dem Rueckweg besuchen wir einige Kloester. Der lebendige Glaube
beeindruckt uns tief. Nach zwei Tagen Durchschuetteln erreichen wir
mit steifen Ruecken Leh, geniessen eine ausgiebige Dusche und die grosse
Auswahl
an Gemuesen und Fruechten. Aber wir freuen uns schon auf Ende August,
wenn wir zum zweiten Mal nach Zanskar fahren werden! Da wir jetzt genau
wissen, wo welche Kinder sind, koennen wir dann mehr Zeit in den Familien
verbringen und mit ihnen konkret das Handling einueben.