Bericht Reise nach Zanskar Juni/Juli 07

von Stefanie Widmer

Zanskar wird das erste Mal besucht und für Ladakh-Hilfe erschlossen

Um fuenf Uhr morgens gehts los. Yountain, unser Fahrer, Dolker, unsere Ladakhi Mitarbeiterin, Nicole und ich packen letzte Dinge ins Auto; Kochutensilien, Schlaf- und Rucksaecke, Arbeitsmaterial.

Unser Team



Von Leh nach Kargil wird die Landschaft gruener. Kargil und das anschliessende Surutal sind muslimische Gegenden, anstelle der buddhistischen Kloester sehen wir viele Moscheen; die Maenner tragen gestrickte muslimische Muetzen auf dem Kopf, die Frauen Kopftuecher. Die Stimmung ist anders, Kargil ungemuetlich, auf dem Land aber freundlicher.
Trotzdem fuehlen sich unsere buddhistischen Mitarbeiter nicht wohl in der muslimischen Gegend. Sie sind froh, als wir den Pensi La Pass und somit Zanskar erreichen, wo das Gebiet wieder buddhistisch ist. Es kommt immer wieder zu Spannungen in dieser Gegend. Das buddhistische Zanskar gehoert politisch zum muslimisch regierten Distrikt Kargil, kulturell aber zu Ladakh. Kargil hat dementsprechend ein geringes Interesse an der abgelegenen und buddhistischen Zanskargegend und bevorzugt die anderen Gebiete deutlich. Es ist ein Strassenprojekt im Gange, welches Zanskar per Tunnel mit Ladakh verbinden soll, ein Riesending in Indien! Es waere nicht ueberraschend, wenn die Zanskaris danach Anschluss an den Distrikt Leh suchten, was die sensible Situation dieser Gegend ziemlich verschaerfen koennte. Vor drei Jahren wurden im Kloster von Rangdum, welches im Surutal liegt, drei Moenche von Islamisten entfuehrt und hingerichtet.
Nun aber weg von der Politik zurueck zu unserer Reise nach Zanskar. Die Strasse wird schlechter, wir werden in unserem ungefederten Auto tuechtig herumgeschuettelt. Headbangers' mobile nennen wir es. Das Surutal ist
wunderschoen, gruene Wiesen, richtige Baeume! Manchmal fuehle ich mich ins Wallis in der Schweiz zurueckversetzt. Riesige Berge mit noch riesigeren Gletschern ragen in den Horizont.

Gletscher im Zanskar



Uebernachtet wird in Haeusern der Regierung, manchmal komplett unmoebliert, was aber tiptop ist. Abends kochen wir auf dem Benzinkocher Curries, meistens ist es schon spaet, bis wir jeweils muede in unsere Schlafsaecke
fallen.Nach zwei Tagen Fahrt erreichen wir Zanskar!

Landschaftsbilder aus Zanskar


Schon im ersten Dorf, welches aus sechs Haeusern besteht, treffen wir auf drei behinderte Kinder! Unglaubliche Haeufung! Wir behandeln die Kinder draussen, fragen, befunden, zeigen Uebungen, machen eine Handschiene fuer
einen Jungen mit Spastischer Parese. Neben uns beginnen ein paar der Einheimischen mit buddhistischen Gebeten.

Freundliche und interessierte Menschen begegnen uns


Die Menschen sind sehr freundlich, sehr interessiert. Wie auch spaeter bei anderen Familien sind wir beeindruckt, wie sorgfaeltig und liebevoll sie mit ihren behinderten Kindern umgehen und sie in die Gemeinschaft integrieren! Wir hatten in dieser abgelegenen Gegend vielmehr Ablehnung und Unverstaendis fuer Behinderte erwartet.
Trotzdem treffen wir auch auf Aufruettelndes. Ein geistig behinderter Junge wird so an den Haenden gefesselt und festgebunden, dass seine Handgelenke arge Wunden aufweisen.Wir erklaeren eine andere Moeglichkeit, den Jungen zu fixieren, planen fuers naechste Mal einen Bauchgurt mitzunehmen und stellen Kontakt zum lokalen Healthworker her, der die Wunde weiter behandeln soll.
Ein Maedchen hat ein total verbranntes Gesicht. Woher?! Die Geschichten der Familie machen uns stutzig... Wir besprechen die Alltagsaktivitaeten und Plaene fuer die Zukunft. Das Maedchen ist nicht so schwer behindert und
koennte gut einmal im ansaessigen Frauenprojekt Handarbeiten verrichten.

Einheimische Frau


Neben diesen gibt es noch viele andere behinderte Kinder und deren Familien, die wir besuchen. Wir erleben viele herzliche Begegnungen. Von einem Grossvater bekommen wir das ausgefallendste Geschenk unseres Lebens: einen Yakschwanz! Der wird in buddhistischen Haeusern, welche einen eigenen Tempel besitzen, aufs Dach gesteckt. Eine grosse Ehre also fuer uns!
Auf dem Rueckweg besuchen wir einige Kloester. Der lebendige Glaube beeindruckt uns tief. Nach zwei Tagen Durchschuetteln erreichen wir mit steifen Ruecken Leh, geniessen eine ausgiebige Dusche und die grosse Auswahl
an Gemuesen und Fruechten. Aber wir freuen uns schon auf Ende August, wenn wir zum zweiten Mal nach Zanskar fahren werden! Da wir jetzt genau wissen, wo welche Kinder sind, koennen wir dann mehr Zeit in den Familien verbringen und mit ihnen konkret das Handling einueben.




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