Fieldtripp in die Region Zanskar im Juli 2010

Bericht von Alexandra Niedersteiner

Zanskar Landschaft

Von der entfernt liegenden Region Zanskar malte ich mir vor unserer Abreise ein Bild aus, das mir vertraut war. Niemals hätte ich geglaubt, dass ein benachbartes Tal so andersartig sein kann. Aber Ladakh hat eben alles!!
Bereits die Fahrt in den Westen bis ins muslimisch geprägte Kargil zeigte, dass wir in eine etwas andere Welt eintauchen werden. Die Fahrt durch Zanskar erinnerte mich momentan mehr an die Schweiz als an Ladakh. Ich fühlte mich fast etwas zu Hause, als ich die saftigen Blumenwiesen sah, die vielen Bäume, Gletscher, die bis an die Strasse reichten und die hohen weissen Bergspitzen, die über allem thronten. Momentan wirkte es ungewöhnlich. Aber natürlich ungewöhnlich schön!!!

Zanskar Berge

Bereits an unserem ersten Tag in Zanskar konnten wir in einem Dorf eine Patientin finden, deren Vater wir in Übungen für sie anleiteten. Bereits hier war ich über den hygienischen Zustand des Mädchens entsetzt, obwohl hier mehr Wasser vorhanden ist, als in der Region Leh. Alle Nachbarn versammelten sich um uns und wir versuchten, dem Mädchen mit Ataxie, aber auch geistiger Behinderung, etwas Spass am Turnen zu vermitteln....

Spass am Turnen

In dem gleichen Dorf, nur etwas abschüssiger, fanden wir ebenfalls eine Ataxie-Patientin. Von unseren Kollegen war bereits ein Übungsprogramm vorhanden und die Eltern kümmern sich regelmässig um die Eigentherapie. Ich konnte mich hier nicht mehr zurückhalten und musste die Eltern bitten, dem Kind wenigstens mal die Füsse zu waschen, zumal der Bach direkt vor dem Haus fliesst und sie sonst offene Stellen bekommen würde. Noch nie habe ich so schwarze Füsse gesehen!!!

Alex mit Mädchen mit Ataxie

Leider stand dann die kommende Woche Fieldtripp unter einem nicht so guten Stern. Obwohl wir die zweite Nacht noch unter dem schönsten Sternenhimmel aller Zeiten verbrachten, ging am dritten Tag unser Jeep nicht mehr. Tatsächlich war das Auto ab jetzt nicht mehr fahrbereit und Norbu setzte alle Hebel in Bewegung, um den Fieldtripp fortzusetzen.
Nachdem die Befürchtungen näher rückten, dass das Auto in eine Werkstatt geschleppt werden muss, starteten Chuskit und ich zu Fuss los. Einer musste beim Auto bleiben, Norbu kümmerte sich um alles.

Übernachtung auf dem Dach eines Hauses

Mechaniker "im" Auto

Chuskit und ich trampten bis zur Hauptstadt Padum. Im Schlepptau hatten wir so viel wie möglich an Hilfsmitteln, was wir tragen konnten. In Padum kamen wir bei einem Mönch unter, dessen Adresse wir von Chuskits Mutter bekommen hatten. Er gab uns beiden Quartier. Er war sehr nett und hatte einen nepalesischen Koch, der uns mütterlich umsorgte.

Die Organisation des weiteren Fieldtripps ohne Auto war leider etwas mühseelig. Da Taxis in Zanskars extrem teuer sind, war es schwierig zu entscheiden, welche Hausbesuche gerechtfertigt sind und welche wir eventuell auf den nächsten Fieldtripp verschieben müssen.

Wir erstellten einen Plan, welche Dörfer wir zu Fuss erreichen können, welche wir trampen, da es an der Hauptstrasse liegt und für welche wir ein teures Taxi einsetzen würden, da wir mehrere Patienten verbinden könnten.

Chuskit und Alex auf ihrem beschwerlichen Weg - Chuskit mit Patient

Leider kam uns auf unseren Wegen noch ein Erdrutsch dazwischen und wir blieben mit einem Taxi in einem Wasserfall stecken, der plötzlich für eine Stunde lang, den Weg quer über die Strasse nahm.

So erreichten wir noch wenigstens die Hälfte der Patienten, die ursprünglich vorgesehen waren, konnten Hilfsmittel verteilen und jeder Familie unser neues Hostel vorstellen, das jederzeit für sie offensteht, damit die Kinder eine konsequentere und intensivere Behandlung bekommen können.

Erfreut waren wir über einen siebenjährigen Patienten mit Schiefhals, der fleissig sein Übungsprogramm macht, das es von unseren Kollegen erhalten hat und für ihn auch eine Besserung in Sicht ist. Seine ganzen Freunde halfen ihm beim Vorzeigen der Übungen.

Üben im Haus im Vierfüssler und Anamnese Rücken

 

Als Chuskit die kleine Nonne mit Hemiparese behandelte, kam eine alte Frau auf uns zu, dass sie das gleiche Krankheitsbild hätte und gerne mitturnen möchte. Somit hatten wir gleich 2 Patienten in diesem Dorf.

Gemeinsame Behandlung von Hemiplegie

Wieder etwas Schrecken versetzte uns der hygienische Zustand eines 16jährigen Mädchens mit Tetraspastik. Im letzten Jahr wurde sie so schön von Kollegin im Bach vorm Haus gewaschen, aber dazu konnten wir sie nicht mehr überreden. Das Mädchen ist stark mit Spastik betroffen und wir kaum umsorgt. Die Eltern sind den ganzen Tag am Feld, sagte sie uns.
Wir hofften, sie evtl für den Winter in unser Hostel holen zu können, damit sie besser versorgt und behandelt wird.

Behandlung des Mädchens mit Tetraspastik

Wir versuchten, den Fieldtripp so weit es möglich war, zu verwirklichen und kehrten dann mit einem Taxi ohne Norbu und unserem Jeep nach Leh zurück. Norbu wollte beim Auto bleiben, bis er es repariert wieder mit nach Leh bringen konnte.

Auch wenn der Fieldtripp mit Hürden versehen war, danke ich dem Team von Chuskit und Norbu für die besondere Erfahrung des Zusammenhalts. Ich hoffe, der nächste Fieldtripp ist wieder mit vollem Programm, starkem Team und gutem Auto umzusetzen.


Ich hoffe, die ein oder andere Familie nutzt das Angebot des Rewa Hostels in Leh, das jederzeit beziehbar ist für Familien mit einem behinderten Kind und somit Physiotherpie und Hilfsmittelanpassung und -versorgung besser durchzuführen wären.

Bericht Alexandra Niedersteiner




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