Bericht
von Alexandra Niedersteiner

Zanskar
Landschaft
Von
der entfernt liegenden Region Zanskar malte ich mir vor unserer Abreise
ein Bild aus, das mir vertraut war. Niemals hätte ich geglaubt,
dass ein benachbartes Tal so andersartig sein kann. Aber Ladakh hat
eben alles!!
Bereits die Fahrt in den Westen bis ins muslimisch geprägte Kargil
zeigte, dass wir in eine etwas andere Welt eintauchen werden. Die
Fahrt durch Zanskar erinnerte mich momentan mehr an die Schweiz als
an Ladakh. Ich fühlte mich fast etwas zu Hause, als ich die saftigen
Blumenwiesen sah, die vielen Bäume, Gletscher, die bis an die
Strasse reichten und die hohen weissen Bergspitzen, die über
allem thronten. Momentan wirkte es ungewöhnlich. Aber natürlich
ungewöhnlich schön!!!

Zanskar
Berge
Bereits
an unserem ersten Tag in Zanskar konnten wir in einem Dorf eine Patientin
finden, deren Vater wir in Übungen für sie anleiteten. Bereits
hier war ich über den hygienischen Zustand des Mädchens
entsetzt, obwohl hier mehr Wasser vorhanden ist, als in der Region
Leh. Alle Nachbarn versammelten sich um uns und wir versuchten, dem
Mädchen mit Ataxie, aber auch geistiger Behinderung, etwas Spass
am Turnen zu vermitteln....

Spass
am Turnen
In
dem gleichen Dorf, nur etwas abschüssiger, fanden wir ebenfalls
eine Ataxie-Patientin. Von unseren Kollegen war bereits ein Übungsprogramm
vorhanden und die Eltern kümmern sich regelmässig um die
Eigentherapie. Ich konnte mich hier nicht mehr zurückhalten und
musste die Eltern bitten, dem Kind wenigstens mal die Füsse zu
waschen, zumal der Bach direkt vor dem Haus fliesst und sie sonst
offene Stellen bekommen würde. Noch nie habe ich so schwarze
Füsse gesehen!!!

Alex
mit Mädchen mit Ataxie
Leider
stand dann die kommende Woche Fieldtripp unter einem nicht so guten
Stern. Obwohl wir die zweite Nacht noch unter dem schönsten Sternenhimmel
aller Zeiten verbrachten, ging am dritten Tag unser Jeep nicht mehr.
Tatsächlich war das Auto ab jetzt nicht mehr fahrbereit und Norbu
setzte alle Hebel in Bewegung, um den Fieldtripp fortzusetzen.
Nachdem die Befürchtungen näher rückten, dass das Auto
in eine Werkstatt geschleppt werden muss, starteten Chuskit und ich
zu Fuss los. Einer musste beim Auto bleiben, Norbu kümmerte sich
um alles.

Übernachtung
auf dem Dach eines Hauses

Mechaniker
"im" Auto
Chuskit
und ich trampten bis zur Hauptstadt Padum. Im Schlepptau hatten wir
so viel wie möglich an Hilfsmitteln, was wir tragen konnten.
In Padum kamen wir bei einem Mönch unter, dessen Adresse wir
von Chuskits Mutter bekommen hatten. Er gab uns beiden Quartier. Er
war sehr nett und hatte einen nepalesischen Koch, der uns mütterlich
umsorgte.
Die
Organisation des weiteren Fieldtripps ohne Auto war leider etwas mühseelig.
Da Taxis in Zanskars extrem teuer sind, war es schwierig zu entscheiden,
welche Hausbesuche gerechtfertigt sind und welche wir eventuell auf
den nächsten Fieldtripp verschieben müssen.
Wir
erstellten einen Plan, welche Dörfer wir zu Fuss erreichen können,
welche wir trampen, da es an der Hauptstrasse liegt und für welche
wir ein teures Taxi einsetzen würden, da wir mehrere Patienten
verbinden könnten.



Chuskit
und Alex auf ihrem beschwerlichen Weg - Chuskit mit Patient
Leider
kam uns auf unseren Wegen noch ein Erdrutsch dazwischen und wir blieben
mit einem Taxi in einem Wasserfall stecken, der plötzlich für
eine Stunde lang, den Weg quer über die Strasse nahm.
So
erreichten wir noch wenigstens die Hälfte der Patienten, die
ursprünglich vorgesehen waren, konnten Hilfsmittel verteilen
und jeder Familie unser neues Hostel vorstellen, das jederzeit für
sie offensteht, damit die Kinder eine konsequentere und intensivere
Behandlung bekommen können.
Erfreut
waren wir über einen siebenjährigen Patienten mit Schiefhals,
der fleissig sein Übungsprogramm macht, das es von unseren Kollegen
erhalten hat und für ihn auch eine Besserung in Sicht ist. Seine
ganzen Freunde halfen ihm beim Vorzeigen der Übungen.


Üben
im Haus im Vierfüssler und Anamnese Rücken
Als
Chuskit die kleine Nonne mit Hemiparese behandelte, kam eine alte
Frau auf uns zu, dass sie das gleiche Krankheitsbild hätte und
gerne mitturnen möchte. Somit hatten wir gleich 2 Patienten in
diesem Dorf.


Gemeinsame
Behandlung von Hemiplegie
Wieder
etwas Schrecken versetzte uns der hygienische Zustand eines 16jährigen
Mädchens mit Tetraspastik. Im letzten Jahr wurde sie so schön
von Kollegin im Bach vorm Haus gewaschen, aber dazu konnten wir sie
nicht mehr überreden. Das Mädchen ist stark mit Spastik
betroffen und wir kaum umsorgt. Die Eltern sind den ganzen Tag am
Feld, sagte sie uns.
Wir hofften, sie evtl für den Winter in unser Hostel holen zu
können, damit sie besser versorgt und behandelt wird.

Behandlung des Mädchens mit Tetraspastik
Wir
versuchten, den Fieldtripp so weit es möglich war, zu verwirklichen
und kehrten dann mit einem Taxi ohne Norbu und unserem Jeep nach Leh
zurück. Norbu wollte beim Auto bleiben, bis er es repariert wieder
mit nach Leh bringen konnte.
Auch
wenn der Fieldtripp mit Hürden versehen war, danke ich dem Team
von Chuskit und Norbu für die besondere Erfahrung des Zusammenhalts.
Ich hoffe, der nächste Fieldtripp ist wieder mit vollem Programm,
starkem Team und gutem Auto umzusetzen.
Ich hoffe, die ein oder andere Familie nutzt das Angebot des Rewa
Hostels in Leh, das jederzeit beziehbar ist für Familien mit
einem behinderten Kind und somit Physiotherpie und Hilfsmittelanpassung
und -versorgung besser durchzuführen wären.
Bericht
Alexandra Niedersteiner