Fieldtrip nach Zanskar vom

3.6. 08 - 10.6.08

Teilnehmer: Jule, Kathi, Nonne Palmo, Tundup, Kunzang, Dolma (Nirlac)

Es war wieder einmal soweit! Lange ersehnt stand endlich der Trip nach Zanskar vor der Türe. Nirlac, die NGO der Königin von Ladakh, die das Chuchot Hostel gegründet haben und vor allem bei der Beantragung von Beihilfen zur Seite stehen, sich um Schulversorgung von Kindern, vor allem auch von Kindern mit Gehör- und Sprachproblemen kümmern, haben sich uns angeschlossen, da auch Nirlac anfangen will, in Zanskar zu arbeiten. Diese Kooperation ist für die Familien sehr hilfreich, da auch finanziell geholfen werden kann und sich hier generell niemand außer Nirlac um die Einschulung beeinträchtigter Kinder kümmert. Für uns bietet diese Zusammenarbeit einen zusätzlichen Vorteil: Wir teilen uns die anfallenden Kosten deseines Fieldtrips. Dolma, die Nirlac Mitarbeiterin, ist mit ihrem guten Humor und ihren Gesangseinlagen bei langen Autofahrten (wir haben leider keinen Radio im Auto), die von Kunzang und uns begleitet wurden :-) ein echter Gewinn für alle! Ein weiteres Mitglied der Expedition war Jomole (=Nonne) Palmo, eine 22 jährige Nonne aus Zanskar die seit 15 Jahren in Leh in einem Nonnenkloster wohnt. Auch sie war ein echter Gewinn für uns, da Nonnen hier sehr geachtet werden, sie viele unserer Patienten kennt und uns ein guter Guide war. Auch sie hat so ein herzliches, gutmütiges Wesen, das wir nicht vermissen wollten. Des Weiteren waren Kunzang und natürlich Tundup, Jule und Kathi dabei. Ein gutes Team!

Unser Team im Einsatz in Zanskar, Juni 2008

Zeitig in der Früh ging's los, das Auto zum Bersten gefüllt mit Hilfsmitteln, Gewand für Kinder, Essen und zwei Benzinkanistern, da es in ganz Zanskar (ca. 300 km von Kargil entfernt, nur durch eine SCHLECHTE Schotterstrasse verbunden) keine Tankstelle gibt. Aber was im Auto keinen Platz gefunden hatte, konnte ja zum Glück noch auf dem Dach befestigt werden. Und Tundup ist ein wahrer Packmeister!


Der erste Tag bringt uns nach 10 Stunden Fahrt nach Kargil, wo wir den Direktor einer Schule treffen. Mr. David hat den Kontakt hergestellt. Wir wurden sehr herzlich empfangen und berieten unsere Pläne, Ladakh- Hilfe nach Kargil auszuweiten. Der Direktor ist sehr interessiert und verspricht uns bestmögliche Hilfe.


Nach diesem Meeting wollten wir noch etwas Fahrtstrecke hinter uns bringen und bis zum Einbruch der Dunkelheit weiterfahren. Wir erlebten einen drastischen Wechsel von Landschaft und Kultur, der uns sehr beeindruckte. So nahe an der pakistanischen Grenze hatten wir das Gefühl, von Indien weit entfernt zu sein. Alles war grün, die Häuser ganz anders und die Menschen streng moslemisch. Unser Jeep wurde von skeptischen Blicken begleitet, die Mädchen und Frauen sind ganz verschleiert, die allgemeine Zurückhaltung ist deutlich spürbar.


Leider bekamen wir große Probleme mit der Kargil Taxi Union, die uns etwa eine Stunde an einer Polizeistation festhielt und uns nicht glauben wollte, dass wir nicht mit einem illegalen Taxi unterwegs sind, sondern Mitarbeiter im eigenen Auto. Nach einer Stunde heftigster Diskussion befürchteten wir, noch einmal nach Kargil zurückfahren zu müssen.

Abendessen unterwegs

Aber schließlich wurden wir doch durchgelassen und konnten endlich ins wohlverdiente Guesthouse weiterfahren, wo Kunzang, Dolma und Jomole unter viel Gekicher noch ein wunderbares Abendessen zauberten. Dieser lange Tag endete spät.

Landschaft in Zanskar

Am nächsten Morgen begann die Weiterreise zum Glück ohne weitere Probleme. Wir passierten unglaubliche Landschaften, darunter zwei zum Greifen nahe Gletscher und endlos menschenleere Weiten. Nach vielen Stunden Fahrtzeit kündigten Chörten und Gebetsfahnen unseren Wiedereintritt in buddhistisches Gebiet an. Wir waren in Zanskar!! Doch bis wir auf die ersten Menschen trafen, benötigten wir noch einige Stunden Fahrzeit. Lange bleiben unzählige Murmeltiere und umherziehende Pferde die einzig lebenden Wesen, die wir zu sehen bekamen. Dolma war begeistert von der Idee, ein zweites Chuchot Hostel für behinderte Murmeltiere einzurichten.... ja die lange Autofahrt auf nichts mehr als einer Schotterpiste setzt eben zu.... :-)

Gletscher


Und plötzlich kamen wir mitten im Nirgendwo an eine heruntergekommene Barackenraststätte, wo wir Mittagessen konnten und wo auch der erste Patient wohnt. Er ist ein kleiner Mönch mit einer Hemiplegie auf der rechten Seite und einer Skoliose. Außerdem leidet er unter Epilepsie, nimmt dagegen aber Medikamente und hat seitdem keine Anfälle mehr. In Ermangelung eines Hauses, in dem wir behandeln könnten, verwendeten wir eine unserer Isomatten als "Behandlungsliege". Und unter den prüfenden Blicken von Polizei und Militär begannen wir mit der Behandlung. Zum Glück hat Stanzin Tundup bis jetzt keine Kontrakturen, verwendet seine rechte Seite aber viel zu wenig und hat eine sehr schlechte Haltung. Wir zeigten ihm einige Übungen zur Kontrakturprophylaxe und Haltungsverbesserung und gaben ihm schließlich einen mitgebrachten Ball (von Jule extra aus Nepal importiert!), über den er sich sehr freut. Und während der Fußball- und Wurfübungen wuchs unsere Zuversicht, dass er sie oft und alleine machen wird!

Stanzin Tundup beim Ballspiel mit den Therapeutinnen


Unser Weg führte uns dann wieder durch verlassenes, lebensfeindliches Gebiet, über einen Pass und amen erst abends in unserem Tagesziel Hemiling an. Da Jomole, unsere Nonne, aus diesem Dorf kommt, bestand sie darauf, dass wir alle bei ihr übernachten. Wir bekamen gute, frische Milch, Yoghurt und Tsampa (geröstetes Gerstenmehl) und schliefen dann, Familie die wir sind, alle in einem Raum auf unseren Matten.

In Zanskar schläft die ganze "Familie" in Wohnzimmer


Der nächste Tag war endlich nicht mehr nur vom Autofahren beherrscht und begann überhaupt sehr herrlich mit einer halbstündigen Wanderung in ein nahe gelegenes Dorf, in das keine Strasse führte. Hier gab es gleich drei Kinder für uns. Dechen Chuskit ist fünf Jahre alt, winzig klein und hat eine ganz deformierte Wirbelsäule, Tsewang Yangdols Diagnose ist CP und Stanzin Sonam hat zum Glück "nur" ein geringeres Problem. Seine rechte Seite ist sehr ungeschickt, die Beweglichkeit ist etwas eingeschränkt, aber im täglichen Leben kommt er ganz normal zurecht. Im ganzen Dorf wurden wir unglaublich nett empfangen und bei unzähligen Verwandten von Jomole mußten wir kurz auf einen Tee, heiße Milch, getrockneten Käse, Chapatis und einiges mehr Einkehr halten. So konnten wir uns gestärkt nach Padum, der "Hauptstadt" Zanskars aufmachen. Obwohl selbst der Name "Hauptdorf" noch übertrieben wäre!

Junge Mutter mit ihrem Kind


Die nächsten Tage behandeln wir Kinder aus Padum und den umliegenden Dörfern. Auffällig in Zanskar ist, dass es nicht, wie in vielen anderen Teilen Ladakh's ganz schwer betroffene CP Kinder gibt, sondern sehr viele Patienten mit entweder orthopaedischen Problemen (vor allem Skoliosen und Schiefhälse) oder nur leicht in ihrem Leben behindert sind und wir bei vielen das Gefühl haben, dass ein wenig Therapie, gezielten Spielen und Heimübungen, die wir ihnen mitgeben, schon einiges bewirkt werden kann.

Das Krankenhaus in Padum


In Padum stoßen wir dann noch auf einen Jungen namens Lobzang, der stark hinkt und große Schmerzen hat, aber das ist ein eigenes Kapitel über das wir in Kürze ausführlich berichten werden.
Insgesamt konnten wir neben unseren sechzehn bestehenden Patienten noch acht neue Kinder behandeln, was die stolze Anzahl von vierundzwanzig Patienten ergibt!


Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis dieses Fieldtrips und beneiden jetzt schon die Nächsten, die auf diese wunderbare Expedition fahren können!

Bericht von Katharina Gutmensch



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