Teilnehmer:
Jule, Kathi, Nonne Palmo, Tundup, Kunzang, Dolma (Nirlac)
Es
war wieder einmal soweit! Lange ersehnt stand endlich der Trip nach
Zanskar vor der Türe. Nirlac, die NGO der Königin von
Ladakh, die das Chuchot Hostel gegründet haben und vor allem
bei der Beantragung von Beihilfen zur Seite stehen, sich um Schulversorgung
von Kindern, vor allem auch von Kindern mit Gehör- und Sprachproblemen
kümmern, haben sich uns angeschlossen, da auch Nirlac anfangen
will, in Zanskar zu arbeiten. Diese Kooperation ist für die
Familien sehr hilfreich, da auch finanziell geholfen werden kann
und sich hier generell niemand außer Nirlac um die Einschulung
beeinträchtigter Kinder kümmert. Für uns bietet diese
Zusammenarbeit einen zusätzlichen Vorteil: Wir teilen uns die
anfallenden Kosten deseines Fieldtrips. Dolma, die Nirlac Mitarbeiterin,
ist mit ihrem guten Humor und ihren Gesangseinlagen bei langen Autofahrten
(wir haben leider keinen Radio im Auto), die von Kunzang und uns
begleitet wurden :-) ein echter Gewinn für alle! Ein weiteres
Mitglied der Expedition war Jomole (=Nonne) Palmo, eine 22 jährige
Nonne aus Zanskar die seit 15 Jahren in Leh in einem Nonnenkloster
wohnt. Auch sie war ein echter Gewinn für uns, da Nonnen hier
sehr geachtet werden, sie viele unserer Patienten kennt und uns
ein guter Guide war. Auch sie hat so ein herzliches, gutmütiges
Wesen, das wir nicht vermissen wollten. Des Weiteren waren Kunzang
und natürlich Tundup, Jule und Kathi dabei. Ein gutes Team!

Unser
Team im Einsatz in Zanskar, Juni 2008
Zeitig
in der Früh ging's los, das Auto zum Bersten gefüllt mit
Hilfsmitteln, Gewand für Kinder, Essen und zwei Benzinkanistern,
da es in ganz Zanskar (ca. 300 km von Kargil entfernt, nur durch
eine SCHLECHTE Schotterstrasse verbunden) keine Tankstelle gibt.
Aber was im Auto keinen Platz gefunden hatte, konnte ja zum Glück
noch auf dem Dach befestigt werden. Und Tundup ist ein wahrer Packmeister!
Der erste Tag bringt uns nach 10 Stunden Fahrt nach Kargil, wo wir
den Direktor einer Schule treffen. Mr. David hat den Kontakt hergestellt.
Wir wurden sehr herzlich empfangen und berieten unsere Pläne,
Ladakh- Hilfe nach Kargil auszuweiten. Der Direktor ist sehr interessiert
und verspricht uns bestmögliche Hilfe.
Nach diesem Meeting wollten wir noch etwas Fahrtstrecke hinter uns
bringen und bis zum Einbruch der Dunkelheit weiterfahren. Wir erlebten
einen drastischen Wechsel von Landschaft und Kultur, der uns sehr
beeindruckte. So nahe an der pakistanischen Grenze hatten wir das
Gefühl, von Indien weit entfernt zu sein. Alles war grün,
die Häuser ganz anders und die Menschen streng moslemisch.
Unser Jeep wurde von skeptischen Blicken begleitet, die Mädchen
und Frauen sind ganz verschleiert, die allgemeine Zurückhaltung
ist deutlich spürbar.
Leider bekamen wir große Probleme mit der Kargil Taxi Union,
die uns etwa eine Stunde an einer Polizeistation festhielt und uns
nicht glauben wollte, dass wir nicht mit einem illegalen Taxi unterwegs
sind, sondern Mitarbeiter im eigenen Auto. Nach einer Stunde heftigster
Diskussion befürchteten wir, noch einmal nach Kargil zurückfahren
zu müssen.

Abendessen
unterwegs
Aber
schließlich wurden wir doch durchgelassen und konnten endlich
ins wohlverdiente Guesthouse weiterfahren, wo Kunzang, Dolma und
Jomole unter viel Gekicher noch ein wunderbares Abendessen zauberten.
Dieser
lange Tag endete spät.

Landschaft
in Zanskar
Am
nächsten Morgen begann die Weiterreise zum Glück ohne
weitere Probleme. Wir passierten unglaubliche Landschaften, darunter
zwei zum Greifen nahe Gletscher und endlos menschenleere Weiten.
Nach vielen Stunden Fahrtzeit kündigten Chörten und Gebetsfahnen
unseren Wiedereintritt in buddhistisches Gebiet an. Wir waren in
Zanskar!! Doch bis wir auf die ersten Menschen trafen, benötigten
wir noch einige Stunden Fahrzeit. Lange bleiben unzählige Murmeltiere
und umherziehende Pferde die einzig lebenden Wesen, die wir zu sehen
bekamen. Dolma war begeistert von der Idee, ein zweites Chuchot
Hostel für behinderte Murmeltiere einzurichten.... ja die lange
Autofahrt auf nichts mehr als einer Schotterpiste setzt eben zu....
:-)

Gletscher
Und
plötzlich kamen wir mitten im Nirgendwo an eine heruntergekommene
Barackenraststätte, wo wir Mittagessen konnten und wo auch
der erste Patient wohnt. Er ist ein kleiner Mönch mit einer
Hemiplegie auf der rechten Seite und einer Skoliose. Außerdem
leidet er unter Epilepsie, nimmt dagegen aber Medikamente und hat
seitdem keine Anfälle mehr. In Ermangelung eines Hauses, in
dem wir behandeln könnten, verwendeten wir eine unserer Isomatten
als "Behandlungsliege". Und unter den prüfenden Blicken
von Polizei und Militär begannen wir mit der Behandlung. Zum
Glück hat Stanzin Tundup bis jetzt keine Kontrakturen, verwendet
seine rechte Seite aber viel zu wenig und hat eine sehr schlechte
Haltung. Wir zeigten ihm einige Übungen zur Kontrakturprophylaxe
und Haltungsverbesserung und gaben ihm schließlich einen mitgebrachten
Ball (von Jule extra aus Nepal importiert!), über den er sich
sehr freut. Und während der Fußball- und Wurfübungen
wuchs unsere Zuversicht, dass er sie oft und alleine machen wird!

Stanzin
Tundup beim Ballspiel mit den Therapeutinnen
Unser
Weg führte uns dann wieder durch verlassenes, lebensfeindliches
Gebiet, über einen Pass und amen erst abends in unserem Tagesziel
Hemiling an. Da Jomole, unsere Nonne, aus diesem Dorf kommt, bestand
sie darauf, dass wir alle bei ihr übernachten. Wir bekamen
gute, frische Milch, Yoghurt und Tsampa (geröstetes Gerstenmehl)
und schliefen dann, Familie die wir sind, alle in einem Raum auf
unseren Matten.

In
Zanskar schläft die ganze "Familie" in Wohnzimmer
Der
nächste Tag war endlich nicht mehr nur vom Autofahren beherrscht
und begann überhaupt sehr herrlich mit einer halbstündigen
Wanderung in ein nahe gelegenes Dorf, in das keine Strasse führte.
Hier gab es gleich drei Kinder für uns. Dechen Chuskit ist
fünf Jahre alt, winzig klein und hat eine ganz deformierte
Wirbelsäule, Tsewang Yangdols Diagnose ist CP und Stanzin Sonam
hat zum Glück "nur" ein geringeres Problem. Seine
rechte Seite ist sehr ungeschickt, die Beweglichkeit ist etwas eingeschränkt,
aber im täglichen Leben kommt er ganz normal zurecht. Im ganzen
Dorf wurden wir unglaublich nett empfangen und bei unzähligen
Verwandten von Jomole mußten wir kurz auf einen Tee, heiße
Milch, getrockneten Käse, Chapatis und einiges mehr Einkehr
halten. So konnten wir uns gestärkt nach Padum, der "Hauptstadt"
Zanskars aufmachen. Obwohl selbst der Name "Hauptdorf"
noch übertrieben wäre!

Junge
Mutter mit ihrem Kind
Die
nächsten Tage behandeln wir Kinder aus Padum und den umliegenden
Dörfern. Auffällig in Zanskar ist, dass es nicht, wie
in vielen anderen Teilen Ladakh's ganz schwer betroffene CP Kinder
gibt, sondern sehr viele Patienten mit entweder orthopaedischen
Problemen (vor allem Skoliosen und Schiefhälse) oder nur leicht
in ihrem Leben behindert sind und wir bei vielen das Gefühl
haben, dass ein wenig Therapie, gezielten Spielen und Heimübungen,
die wir ihnen mitgeben, schon einiges bewirkt werden kann.

Das
Krankenhaus in Padum
In Padum stoßen wir dann noch auf einen Jungen namens Lobzang,
der stark hinkt und große Schmerzen hat, aber das ist ein
eigenes Kapitel über das wir in Kürze ausführlich
berichten werden.
Insgesamt konnten wir neben unseren sechzehn bestehenden Patienten
noch acht neue Kinder behandeln, was die stolze Anzahl von vierundzwanzig
Patienten ergibt!
Wir sind sehr zufrieden mit dem
Ergebnis dieses Fieldtrips und beneiden jetzt schon die Nächsten,
die auf diese wunderbare Expedition fahren können!
Bericht
von Katharina Gutmensch