Bericht
von Jule Blach und Paula Mueller
"Ganz
gleich, was du als dein eigenes Glück entdeckst, früher
oder später wirst du herausfinden, dass das vollkommenste Glück
darin liegt anderen zu helfen"
Warum
gerade im Winter nach Ladakh?
- weil man an Lhosar bei vielen Freunden und Ladakhi Familien zu
bestem Ladakhi Essen eingeladen wird
- weil man auch noch an Weihnachten bei -5 ° auf der Terrasse
in der Sonne Frühstücken kann

Frühstück
in der Sonne
- weil man auf Grund der schlechten Schokolade an Weihnachten nicht
so viel zunimmt
- weil es da am meisten zu feiern gibt
- weil Holzhacken mit kaputten Äxten und einem Schweizer Taschenmesser
einen starken Bizeps macht und man die Wärme eines Holzfeuers
noch mehr zu schätzen lernt
- weil einmal wöchentlich" baden" völlig genügt
- weil man einer der wenigen Touristen ist und mehr wie eine Einheimische
behandelt wird
- weil Frostbeulen am Hintern besser sind wie auf der Nase
- weil man von einer warmen Badewanne träumen kann und nicht
warten muss bis das warme Wasser endlich eingelaufen ist
- weil es ein unglaubliches Gefühl von Freiheit und Lebenslust
ist, jeden morgen auf der Shanti Stupa zu stehen und über die
schneebedeckten und sonnenbe-schienenen Himalayagipfel zu schauen
- weil die Herzenswärme der Ladakhis wesentlich mehr wert ist
als jede deutsche Zentralheizung

Leh
im Winter
Der
Winter ist lang, der Winter ist hart, aber der Winter ist auch etwas
ganz besonderes in Ladakh. Vor allem in diesem Jahr, da wir doch
sehr multi-kulti zusammen leben und arbeiten.

Auf
dem Weg zur Arbeit
Fast gleichzeitig mit uns kamen auch drei Mädels aus Kargil
nach Leh, um den Winter über bei REWA mitzuwirken und vor allem
um viel zu lernen. Außerdem stieß Chokla, ein Master
of Physiotherapie aus Zanskar zu uns, um REWA mit seinem Wissen
zu unterstützen und die Locals mit viel Theorie zu unterrichten.
Mit 6 Locals, 3 Kargilgirls und 2 Deutschen sind wir somit ein recht
großes Team. Da es im Winter oftmals nicht so viele Patienten
gibt, kommt es nicht selten vor, dass wir plötzlich mit 6 Therapeuten
an 2 Patienten behandeln.


Gemeinsam
wird gelernt und geübt
Dies
bietet für uns jedoch die Möglichkeit, viel praktischen
Unterricht und Anleitungen für die Locals zu geben und alle
Kinder neu zu befunden, neue Berichte zu schreiben und Testverfahren
zur Evaluation der Behandlungen einzuführen. Alles in allem
können wir von einer sehr guten Zusammenarbeit berichten, wobei
es bei so vielen Sprachen (Ladakhi, Kargil, Englisch, Schwäbisch
und Pfälzisch} doch auch ab und zu lustigen Missverständnissen
kommt.

Unser
gesamtes "Winterteam"
In unserem Zuhause in der Changspa road ist das multi-kulti Zusammenleben
nicht immer ganz einfach. Nachdem die muslimischen Kargil Mädels
uns offenbarten, dass sie nicht das Wasser aus dem selben Eimer
wie wir benutzen würden, kamen wir uns ziemlich dreckig vor,
mussten dann aber einsehen, das es wohl eher am Glauben und der
Kultur lag als an unserer Reinlichkeit (wohlgemerkt, das Wasser
an sich kommt aus dem selben Tank}. Durch die getrennten Wassereimer
ist jedoch auch der enorme Unterschied am Wasserverbrauch zu erkennen:
während wir fast schon jeden Tropfen Wasser sparen, die Wärmflaschen
beinhalten seit 2 Monaten das selbe Wasser, zum Duschen und Haare
waschen benötigen wir jeder ca. 3 Liter Wasser
.., wird
bei den Muslims vor jedem Beten Hände und Gesicht gewaschen
und das 3x täglich. Genauso mit dem Holzverbrauch, von uns
gehackt, von den Mädels verfeuert.

Jule
und Paula beim Holzmachen

Die
Gemeinschaft um den warmen Holzofen herum
Um
Holz zu sparen(denn davon gibt es in Ladakh einfach wirklich wenig}
ziehen wir uns lieber noch eine Schicht mehr an und heizen in Maßen,
während die Kargil bis nachts um 23 Uhr, wenn wir schon längst
im Land der Träume sind, kräftig einheizen (liegt das
an unserem Bewusstsein für die Umwelt oder an der deutschen
Sparermentalität?}. All diese kulturellen Unterscheide lehrt
uns doch nur die hohe Kunst der Toleranz und im Großen und
Ganzen ist es ein spannendes und harmonisches Zusammenleben. Abends,
wenn wir alle im Wohnzimmer (dem einzig warmen Raum} sind, kommt
es nicht selten vor, das im Fernsehen indische Soaps laufen, nebenan
der Koran angebetet wird und wir entweder essen oder uns durch sämtliche
Romane hindurch lesen. Das Zusammenleben hat durchaus auch seine
sehr guten Seiten, da wir doch in einer großen kulinarischen
Vielfalt leben und eigentlich jegliches Essen das zubereitet wird,
oder Leckereien, die von zuhause eintreffen, von beiden Seiten großzügig
geteilt werden.
Für uns ist dieser Winter nicht nur ein Winter voller Herzenswärme,
einer wundervollen Arbeit in REWA den Locals und den Kindern sondern
auch ein Winter mit vielen neuen Erkenntnissen in Bezug auf das
Zusammenleben von Buddhisten, Muslims und Christen.


Da
möchte man doch gleich hin, huh???