Winter in Ladakh, 5. Februar 2011

Bericht von Jule Blach und Paula Mueller

"Ganz gleich, was du als dein eigenes Glück entdeckst, früher oder später wirst du herausfinden, dass das vollkommenste Glück darin liegt anderen zu helfen"

Warum gerade im Winter nach Ladakh?
- weil man an Lhosar bei vielen Freunden und Ladakhi Familien zu bestem Ladakhi Essen eingeladen wird
- weil man auch noch an Weihnachten bei -5 ° auf der Terrasse in der Sonne Frühstücken kann

Frühstück in der Sonne


- weil man auf Grund der schlechten Schokolade an Weihnachten nicht so viel zunimmt
- weil es da am meisten zu feiern gibt
- weil Holzhacken mit kaputten Äxten und einem Schweizer Taschenmesser einen starken Bizeps macht und man die Wärme eines Holzfeuers noch mehr zu schätzen lernt
- weil einmal wöchentlich" baden" völlig genügt
- weil man einer der wenigen Touristen ist und mehr wie eine Einheimische behandelt wird
- weil Frostbeulen am Hintern besser sind wie auf der Nase
- weil man von einer warmen Badewanne träumen kann und nicht warten muss bis das warme Wasser endlich eingelaufen ist
- weil es ein unglaubliches Gefühl von Freiheit und Lebenslust ist, jeden morgen auf der Shanti Stupa zu stehen und über die schneebedeckten und sonnenbe-schienenen Himalayagipfel zu schauen
- weil die Herzenswärme der Ladakhis wesentlich mehr wert ist als jede deutsche Zentralheizung

Leh im Winter

Der Winter ist lang, der Winter ist hart, aber der Winter ist auch etwas ganz besonderes in Ladakh. Vor allem in diesem Jahr, da wir doch sehr multi-kulti zusammen leben und arbeiten.

Auf dem Weg zur Arbeit


Fast gleichzeitig mit uns kamen auch drei Mädels aus Kargil nach Leh, um den Winter über bei REWA mitzuwirken und vor allem um viel zu lernen. Außerdem stieß Chokla, ein Master of Physiotherapie aus Zanskar zu uns, um REWA mit seinem Wissen zu unterstützen und die Locals mit viel Theorie zu unterrichten. Mit 6 Locals, 3 Kargilgirls und 2 Deutschen sind wir somit ein recht großes Team. Da es im Winter oftmals nicht so viele Patienten gibt, kommt es nicht selten vor, dass wir plötzlich mit 6 Therapeuten an 2 Patienten behandeln.

Gemeinsam wird gelernt und geübt

Dies bietet für uns jedoch die Möglichkeit, viel praktischen Unterricht und Anleitungen für die Locals zu geben und alle Kinder neu zu befunden, neue Berichte zu schreiben und Testverfahren zur Evaluation der Behandlungen einzuführen. Alles in allem können wir von einer sehr guten Zusammenarbeit berichten, wobei es bei so vielen Sprachen (Ladakhi, Kargil, Englisch, Schwäbisch und Pfälzisch} doch auch ab und zu lustigen Missverständnissen kommt.

Unser gesamtes "Winterteam"


In unserem Zuhause in der Changspa road ist das multi-kulti Zusammenleben nicht immer ganz einfach. Nachdem die muslimischen Kargil Mädels uns offenbarten, dass sie nicht das Wasser aus dem selben Eimer wie wir benutzen würden, kamen wir uns ziemlich dreckig vor, mussten dann aber einsehen, das es wohl eher am Glauben und der Kultur lag als an unserer Reinlichkeit (wohlgemerkt, das Wasser an sich kommt aus dem selben Tank}. Durch die getrennten Wassereimer ist jedoch auch der enorme Unterschied am Wasserverbrauch zu erkennen: während wir fast schon jeden Tropfen Wasser sparen, die Wärmflaschen beinhalten seit 2 Monaten das selbe Wasser, zum Duschen und Haare waschen benötigen wir jeder ca. 3 Liter Wasser….., wird bei den Muslims vor jedem Beten Hände und Gesicht gewaschen und das 3x täglich. Genauso mit dem Holzverbrauch, von uns gehackt, von den Mädels verfeuert.

 

Jule und Paula beim Holzmachen

Die Gemeinschaft um den warmen Holzofen herum

Um Holz zu sparen(denn davon gibt es in Ladakh einfach wirklich wenig} ziehen wir uns lieber noch eine Schicht mehr an und heizen in Maßen, während die Kargil bis nachts um 23 Uhr, wenn wir schon längst im Land der Träume sind, kräftig einheizen (liegt das an unserem Bewusstsein für die Umwelt oder an der deutschen Sparermentalität?}. All diese kulturellen Unterscheide lehrt uns doch nur die hohe Kunst der Toleranz und im Großen und Ganzen ist es ein spannendes und harmonisches Zusammenleben. Abends, wenn wir alle im Wohnzimmer (dem einzig warmen Raum} sind, kommt es nicht selten vor, das im Fernsehen indische Soaps laufen, nebenan der Koran angebetet wird und wir entweder essen oder uns durch sämtliche Romane hindurch lesen. Das Zusammenleben hat durchaus auch seine sehr guten Seiten, da wir doch in einer großen kulinarischen Vielfalt leben und eigentlich jegliches Essen das zubereitet wird, oder Leckereien, die von zuhause eintreffen, von beiden Seiten großzügig geteilt werden.
Für uns ist dieser Winter nicht nur ein Winter voller Herzenswärme, einer wundervollen Arbeit in REWA den Locals und den Kindern sondern auch ein Winter mit vielen neuen Erkenntnissen in Bezug auf das Zusammenleben von Buddhisten, Muslims und Christen.

Da möchte man doch gleich hin, huh???




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