Fieldtrip
zum Pangong Lake: Magischer See,
Bollywoodmusik
und Fotosession mit Murmeltieren
August
2009
Wir
starteten unseren 3 tägigen Fieldtrip zum Pangonglake am 10.08.09
mit einem neuen Team, voller Tatendrang und froher Erwartungen.
Mit an Bord waren Norboo, unser neuer Mitarbeiter, Kunzang, unsere
lokale erfahrene Physiotherapeutin und ich (Anjali, Physio aus deutschem
Lande).

Norboo
ist ein hervorragender Fahrer, er meisterte die nervenaufreibenden
Pässe und uneinsichtigen Kurven mit einer Souveränität
und inneren Gelassenheit, die nur ein ehemaliger Mönch haben
kann.
Mit seinem herzlichen, strahlenden und ruhigen Wesen beeindruckt er
mich mit seinem tollen liebevollen Handling und korrektem Anfassen,
sowohl bei den Kids, als auch bei den Erwachsenen. Er ist eine perfekte
Ergänzung in unserem Team.
Für
uns alle sollte diese Reise die erste zum Pangong Lake sein.
Norboo war schon öfters dort, aber noch nie in der Arbeit mit
behinderten Kindern, Kunzang war bisher nur in der Zanskar Region
aktiv gewesen und auch für mich war es hier der erste Besuch.
Wir fuhren mit so laut aufgedrehten Boxen dröhnender Bollywoodmusik,
das bei einem kurzen Halt an einer Baustelle die indischen Arbeiter
auf der Strasse überschwänglich anfingen zu tanzen und mitzusingen
und mit hochgerissenen Armen und zuckenden Schultern, freudig strahlend
um unser Auto standen.
Der Fahrtwind zerzauste unser Haar, die Musik lies uns mittreissend
mitsingen und unsere Hupe "trötete" in jeder Kurve.
Die Hupe ist noch vor der Bremse das wichtigste Teil am indischen
Auto, denn sie ist bei jedem Überholmanöver, jeder uneinsichtigen
Kurve oder bei entlanglaufenden Fussgängern von unschätzbarem
Wert. Das am Anfang gedachte nervige Hupchaos zeigt sich mit der Zeit
als ein Hupen mit System.
Unsere
Fahrt führte an Schluchten und tiefen Abgründen vorbei,
die einem ein Stoßgebet in den Himmel schicken ließen.
Umso weniger erbaulich und zuversichtlich waren die am Straßenrand
stehenden Fahrhinweise, auf gelben Steinen mit Aufschriften wie:
Speed is a knife that's cut life
.After whisky drive risky
Better late than never
..Speed trills but kills

Besonders
als die Strasse so aussah, als ob sie den Abhang hinunter geht, steht
ein Schild, das sagt: "Drive not fly". Wie vertrauenserregend!
Und das ohne Speedbreaker am Ende des Abgrunds!

Wir
machten uns einen Spaß daraus, die besten Sprüche zu sammeln
und kindlich neugierig auf den Nächsten zu warten. Zu den Besten
gehörten unter anderem:
Darling I like you but not so fast
Love your neighbour but not while driving
Peep Peep don't sleep
If you are married, speed divorce
Life is short don't make it shorter
A split a slip a hospital trip
..All will wait better be late
Sogar
die Strasse schien zu Dir zu sprechen:
Be carefully on my curves
..Don't test my curves
Be soft with my curves
Uns stellte sich die Frage, welchen Job man haben muss, damit man
sich diese tollen, sich reimenden Sprüche ausdenken darf.
Unsere
Strasse schlängelte sich in endlosen Kurven an zerklüfteten
Berghängen entlang, mit immer wieder neu strahlenden Farbnuancen,
an denen ich mich nicht satt sehen konnte.

Ich,
als ein absoluter Flachländer, der eigentlich dachte, keine Berge
zu mögen, hing wie verzaubert, die meiste Zeit aus dem Fenster
unseres Jeeps. Bewaffnet mit meiner Kamera, knipste ich fast jeden
Berg, in der Begeisterung, das hinter der Kurve sich eine noch schönere
Kulisse bot, die natürlich auch fotografiert und festgehalten
werden wollte.
Als wir am Pangong- Lake ankamen, war ich nicht mehr zu bremsen. Dieses
strahlend blaue, glasklare und mystisch schillernde Wasser fesselte
mich sofort.

Der See wechselte wie von Geisterhand seine Farbe, von hellblau, über
türkis bis zu tiefem blau. Im Hintergrund die hochragende Bergkette.
Unser
Weg führte immer direkt( nur 3m entfernt) am Ufer entlang. Auf
holprigen Geröllpfaden hüpften unsere Töpfe und Tassen
lustig im Heck und ich jauchzte freudig bei jedem Schlagloch "Hoppa!"
So
wunderschön und idyllisch uns die Gegend unserer 2 Hausbesuche
auch vorkam, so kalt, hart, entbehrungsreich und abgeschnitten von
der Umwelt, muss diese Region wohl im Winter sein. Sie haben weder
gute noch frische Lebensmittel, eine eintönige Küche ohne
viel Abwechslung.
Der
für mich beeindruckendste und therapeutisch fesselndste Patient
war in meinem Alter und hatte nach einem Scooter Unfall eine Gehirnblutung.
Dadurch hat er eine Ataxie und Schwäche in allen Körperbereichen,
aber mehr in der rechten als in der linken Seite. Seine Bewegungen
sind sehr langsam, schwerfällig, unkoordiniert.
Als Norboo zu ihm kam, begrüssten sich die beiden Freunde herzlich,
denn auch er war früher ein Mönch gewesen. Wir übten
fast 1 ½ Stunden an seiner Rumpfkontrolle, seiner Aufrichtung
und Haltungshintergrund mit vielen repetitiven, dynamischen Bewegungsübergängen,
die er im normalen Alltag braucht.

(Vom
4 Füsslerstand in den Bärenstand hochgrücken und mit
den Händen vor und zurück laufen)
Norboo
schrieb die Übungen in Ladakhi mit und ich malte dazu lustige
Strich-Männchen zur Erinnerung. Außerdem machten wir viele
Bilder für ein Hausaufgabenprogramm, welches wir dem nächsten
Team für ihn mitgeben.
Er ist der Traum für jeden Physiotherapeuten: er übt unermüdlich,
versucht sich alles zu merken und kämpft sich durch.

(vom Fersensitz in den Kniestand, Seitschritte auf den Knien)

(Rumpfrotation im Wechsel, für die Ballance, Koordination und
neurale Mobilisation)
Die
Schweißperlen standen ihm schon auf der Stirn, aber sein Lachen
während der Übungen verriet, wie viel Freude ihm es macht
zu spüren, das er sich selber fortbewegen kann und deutlich besser
wird. Wir fanden eine Möglichkeit, wie er alleine im Haus ohne
Hilfe seiner übervorsichtigen Verwandten gehen konnte. Er hielt
sich an den tief hängenden Holzdeckenbalken fest oder stützte
sich mit den Händen an den Wänden ab. So war es ihm möglich,
alleine selbständig das Haus zu verlassen oder Richtung Toilette
zu gehen. Den Rollator für draußen, sah ich wegen dem unebenen
Boden mehr als Sturzrisiko und weniger als Hilfe.

Norboo
überraschte uns noch mit einem weiteren Talent und zwar als ein
sehr guter Koch! So wurde an idyllischen Plätzen, am Wegesrand
der Gaskocher ausgepackt, um eine Teepause einzugelegen oder ein hervorragendes
Lunch zukochen.


Es
war erstaunlich, wie schnell und lecker die beiden das auf nur einer
Flamme zaubern konnten.
Zu meinem absoluten Lieblingsplatz zählte unser Lunch mit direktem
Blick auf den unglaublich blauen Pangong - Lake mit seiner selten
erlebten tiefen Stille.

Ein
weiteres unerwartetes Highlight war die Möglichkeit umsonst in
einer Luxus Zeltanlage direkt am See zu nächtigen.
Sonnenaufgang am See)

Ein
langjähriger Freund von Norboo betrieb diese Anlage und ließ
es nicht zu, das wir uns woanders ein Zimmer suchten oder uns selber
unser Essen kochten. So wurden wir sogar zum abendlichen Buffet- Dinner
eingeladen. Die beiden Männer sprachen bis tief in die Nacht
und wir beiden Frauen genossen das luxuriöse Zelt, welches sogar
ein Bad enthielt.

Der
krönende Abschluss war die sensationelle Fotosession mit den
Murmeltieren.

Auf unserer Rückfahrt hielten wir an einem Zelt, wo nebenan die
Murmeltiere mit Keksen dick und rund gefüttert wurden.

( links: Norboos Freund aus Moenchstagen, welcher uns die kostenfreie
Uebernachtung in der Zeltanlage ermoeglichte)
Die
Murmeltiere sind so zutraulich und zahm, dass sie sich sogar streicheln
ließen. (ohne zu beißen!)


Unserer
Fieldtrip war eine gelungene Mischung zwischen herausfordernder Arbeit,
Adventure Tour, Jeepsafari mit dem durchqueren eiskalter Gletscherflüsse
und einem Hauch von Luxus.

Bericht
von Anja Treff
Mehr
Bilder über die Behandlungen könnte Ihr in Kunzangs Bericht
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