Fieldtrip nach Tangtse

vom 12.-15.03.2009

Teilnehmer: Tundup, Chuskit, Simone

Nun war es soweit, das Wetter war stabil > ein wolkenfreier, sonnenklarer Tag< und ich konnte mich mit zwei von unseren einheimischen Angestellten auf zu unserem Fieldtrip nach Tangtse machen.
Die Dörfer werden 2x im Jahr oder öfters von den Locals und Freiwilligen von Ladakh-Hilfe besucht.
Der Weg führte uns über den 2. höchsten Pass in Ladakh. Über endlose Serpentinstrassen fuhren wir immer höher in den Schnee. Hier werden die Straßen noch in mühseliger Handarbeit vom Schnee befreit!
Oben angekommen war es eine wunderbare Aussicht und nun konnte ich die Bergketten fast in Augenhöhe betrachten, die wir sonst immer nur von Leh aus sehen können….Weiter ging es dann über Stein- und kleine Sandwüsten nach Tangtse. Da wir gut durchgekommen sind, ca. 4-5h haben wir unser Quartier in einem Hostel bezogen. Nach einem Milchtee zur Stärkung sind wir dann weiter in die nahe liegenden Dörfer gefahren, um dort die ersten 4 Patienten zu behandeln. Das ländliche Bild unterscheidet sich deutlich von dem städtischen, die Armut scheint hier deutlich größer, so sind auch die hygienischen Verhältnisse dementsprechend niedriger.
Voller Neugierde sind wir beobachtet worden, denn zu dieser Jahreszeit scheinen nicht so viele hier durchzukommen. Einige Einheimische haben auch gleich eine Mitfahrgelegenheit genutzt, da hier nicht so häufig öffentliche Busse verkehren.

Wunderschöner, kalter See


Überall wurden wir offen, herzlich und dankbar empfangen.
Zunächst haben wir uns bei den Patienten über den aktuellen Stand informiert, dann die mitgebrachten Hilfsmittel ausprobiert und gegebenenfalls neue Übungen den Patienten oder den Angehörigen gezeigt. In den meisten Fällen wurde alles sehr positiv aufgenommen, leider fehlt einigen Eltern die Zeit und/oder das Verständnis, die Übungen mit ihrem betroffenen Kind regelmäßig durchzuführen (in dem Fall können wir immer nur wiederholen, wie wichtig tägliche Übungen sind), so dass sich bei einigen der Zustand, damit meine ich speziell Kontrakturen, leider verschlechtern. Aber es gab auch sehr positive Veränderungen, so dass bei einem jungen Mann-Konchok Tarchin-, nach einem Motorradunfall mit Gehirnblutung (Beeinträchtigungen im gesamten Bewegungsapparat) sich zunehmend Verbesserungen zeigen. Er lebte als Mönch im Kloster, und ist nun wegen seines Unfalles wieder bei seiner Familie, aber auch dort praktiziert er weiter die buddhistischen Lehren und dies kann man gut an seiner Ausstrahlung und Haltung sehen. Er und die ganze Familie waren sehr herzlich und hatten bei allen Übungen unglaublich viel Spaß.

Konchuck beginnt selbständig zu laufen


Auf Grund von Ataxien fallen ihm Bewegungen schwer, aber er übt täglich die ihm gezeigten Übungen und man kann deutliche Fortschritte erkennen, was für alle ein tolles Erfolgserlebnis ist. Sein Ziel ist wieder sicher laufen zu können, und um dies zu erleichtern haben wir ihm Krücken mitgebracht und diese gleich ausprobiert. Da er besonders Probleme mit dem Gleichgewicht hat, war es nicht immer ganz leicht, aber es gab viel zu lachen. Denn die ganze Familie begleitete aufmerksam und voller Anteilnahme das Geschehen und machte so ihre Scherze, denen ich nicht immer folgen konnte, aber es war in jedem Fall immer liebevoll.

Patient erhält Hilfsmittel

Bei einem weiteren Patienten, einem stark Entwicklungsverzögertem jungen Mann war ich selbst ganz überrascht, nachdem ich die Akte gelesen hatte, wusste ich dass er in seinen 20 Jahren nie gefördert wurde und somit auf fremde Hilfe bei allen alltäglichen Verrichtungen angewiesen ist. So fanden wir in draußen vor dem Haus sitzend vor.
Er war recht verschüchtert uns zu sehen, und der anfängliche nonverbale Kontakt, da er nicht sprechen kann, war recht langsam. Etwa die ersten 15 Min. schien er nicht wirklich Reize aufzunehmen. Im Gespräch mit dem Vater stellte sich heraus, dass die alltäglichen Übungen, die nach dem letzten Besuch besprochen wurden (wie Fenster öffnen und den Boden kehren) schwierig zu sein scheinen (weniger von der eigentlichen Umsetzung als mehr von der Motivation und Begleitung).
Zur Stimulierung hatten wir gefüllte Säckchen mitgebracht, an denen er erst wenig Interesse zeigte, auch blieb seine Mimik relativ unverändert. Ganz ehrlich dachte ich schon, na, was sollen wir denn hier nun machen...aber dann kam mir der Impuls, ihm ein Säckchen auf den Kopf zu legen, was ihn in der Tat sehr verwunderte, aber es war immerhin schon mal eine Reaktion. Dann habe ich mir ebenfalls eins auf den Kopf gelegt und es dann mit einer schnellen Kopfbewegung herunter geworfen und plötzlich hat er so fröhlich gelacht, dass ich wirklich überrascht war. Ab diesem Moment schien er aufnahmefähiger und es zeigte sich immer wieder ein Lachen in seinem Gesicht. Durch langes wiederholen hat er sich dann an ein Spiel gewöhnt, dass die Eltern mit ihm weiter machen können. Zum Schluss habe ich ihm dann noch einen mit Reis gefüllten Luftballon gegeben, auf dem ein Gesicht gemalt war. Mit dem hatte er richtig Spaß und konnte sich auch gut damit beschäftigen. Alles in allem war es entgegen meiner Erwartungen ein wirklich guter erfolgreicher Besuch.

Simone und Chuskit mit kleiner Patientin

An unserem 2. Tag fuhren wir dann entlang an dem noch zugefrorenen Pangong Tso See, es war eine atemberaubende Aussicht (¾ des Sees liegt auf chinesischer Seite).
Dort haben wir dann auch unsere Mittagspause verbracht, Kocher raus und erstmal einen guten Reistopf gekocht, in der Natur schmeckt es einfach immer super. Dies dachte sich auch eine Kuh mit Kalb, die der Nase folgten und zunehmend aufdringlicher wurden.

Kühe wollen auch einen Teller voller Reis


Danach waren wir bei S.D. zu Besuch, einem Mädchen mit Cerebral Parese.
Wir brachten ihr ein paar warme Schuhe und einen gelben Softball mit Gesicht. Den Ball kann sie für ein paar Spiele nutzen, in dem sie versucht, ihn in ein Gefäß zu werfen und gleichzeitig für die Hand/Handkoordination und die Feinmotorik. Man konnte an ihrem Lächeln erkennen, dass sie sich sehr über unseren Besuch und die Mitbringsel gefreut hat.

Schwer behinderter T.N. aus dem Nomadengebiet mit seinen Eltern letzten Oktober in Leh


Wir besuchten auch T.N., der zusammen mit seinen Eltern im letzten Herbst von uns in Leh betreut wurde, weil er eine Medikamenteneinstellung benötigte. Wir haben ihm neue Übungen zum Muskelaufbau der Hüfte und des unteren Rückens gezeigt, um seinem dürftigen Gangbild entgegen zu wirken.
Als er versucht hat mir Gehstützen zu laufen, verschlimmerten sich sein Gangbild und die unkontrollierten Bewegungen. Deswegen instruierten wir ihn, dass er jetzt entlang der Wand laufen soll mit dem Versuch, sich dabei aufzurichten. Dadurch gewann er mehr Stabilität.
Zum Schluss hat die Mutter dann erzählt, dass er die neuen Medikamente anstatt 3x täglich nur 2x täglich eingenommen hatte, weil die Familie die Medis einfach rationieren wollte, da sie über den Winter keine Möglichkeit hatten, nach Leh zu kommen, um neue zu besorgen. Unsere Angestellte Chuskit wird sich mit dem Arzt in Leh in Verbindung setzen und eine Lösung für das Problem suchen.

Alles in allem war der Fieldtrip für mich eine ganz besonders Erlebnis mit besonderen Erfahrungen!

Bericht von Simone Simons, Ergotherapeutin



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