Teilnehmer:
Tundup, Chuskit, Simone
Nun
war es soweit, das Wetter war stabil > ein wolkenfreier, sonnenklarer
Tag< und ich konnte mich mit zwei von unseren einheimischen Angestellten
auf zu unserem Fieldtrip nach Tangtse machen.
Die Dörfer werden 2x im Jahr oder öfters von den Locals
und Freiwilligen von Ladakh-Hilfe besucht.
Der Weg führte uns über den 2. höchsten Pass in Ladakh.
Über endlose Serpentinstrassen fuhren wir immer höher
in den Schnee. Hier werden die Straßen noch in mühseliger
Handarbeit vom Schnee befreit!
Oben angekommen war es eine wunderbare Aussicht und nun konnte ich
die Bergketten fast in Augenhöhe betrachten, die wir sonst
immer nur von Leh aus sehen können
.Weiter ging es dann
über Stein- und kleine Sandwüsten nach Tangtse. Da wir
gut durchgekommen sind, ca. 4-5h haben wir unser Quartier in einem
Hostel bezogen. Nach einem Milchtee zur Stärkung sind wir dann
weiter in die nahe liegenden Dörfer gefahren, um dort die ersten
4 Patienten zu behandeln. Das ländliche Bild unterscheidet
sich deutlich von dem städtischen, die Armut scheint hier deutlich
größer, so sind auch die hygienischen Verhältnisse
dementsprechend niedriger.
Voller Neugierde sind wir beobachtet worden, denn zu dieser Jahreszeit
scheinen nicht so viele hier durchzukommen. Einige Einheimische
haben auch gleich eine Mitfahrgelegenheit genutzt, da hier nicht
so häufig öffentliche Busse verkehren.


Wunderschöner,
kalter See
Überall wurden wir offen, herzlich und dankbar empfangen.
Zunächst haben wir uns bei den Patienten über den aktuellen
Stand informiert, dann die mitgebrachten Hilfsmittel ausprobiert
und gegebenenfalls neue Übungen den Patienten oder den Angehörigen
gezeigt. In den meisten Fällen wurde alles sehr positiv aufgenommen,
leider fehlt einigen Eltern die Zeit und/oder das Verständnis,
die Übungen mit ihrem betroffenen Kind regelmäßig
durchzuführen (in dem Fall können wir immer nur wiederholen,
wie wichtig tägliche Übungen sind), so dass sich bei einigen
der Zustand, damit meine ich speziell Kontrakturen, leider verschlechtern.
Aber es gab auch sehr positive Veränderungen, so dass bei einem
jungen Mann-Konchok Tarchin-, nach einem Motorradunfall mit Gehirnblutung
(Beeinträchtigungen im gesamten Bewegungsapparat) sich zunehmend
Verbesserungen zeigen. Er lebte als Mönch im Kloster, und ist
nun wegen seines Unfalles wieder bei seiner Familie, aber auch dort
praktiziert er weiter die buddhistischen Lehren und dies kann man
gut an seiner Ausstrahlung und Haltung sehen. Er und die ganze Familie
waren sehr herzlich und hatten bei allen Übungen unglaublich
viel Spaß.

Konchuck
beginnt selbständig zu laufen
Auf Grund von Ataxien fallen ihm Bewegungen schwer, aber er übt
täglich die ihm gezeigten Übungen und man kann deutliche
Fortschritte erkennen, was für alle ein tolles Erfolgserlebnis
ist. Sein Ziel ist wieder sicher laufen zu können, und um dies
zu erleichtern haben wir ihm Krücken mitgebracht und diese
gleich ausprobiert. Da er besonders Probleme mit dem Gleichgewicht
hat, war es nicht immer ganz leicht, aber es gab viel zu lachen.
Denn die ganze Familie begleitete aufmerksam und voller Anteilnahme
das Geschehen und machte so ihre Scherze, denen ich nicht immer
folgen konnte, aber es war in jedem Fall immer liebevoll.

Patient
erhält Hilfsmittel
Bei
einem weiteren Patienten, einem stark Entwicklungsverzögertem
jungen Mann war ich selbst ganz überrascht, nachdem ich die
Akte gelesen hatte, wusste ich dass er in seinen 20 Jahren nie gefördert
wurde und somit auf fremde Hilfe bei allen alltäglichen Verrichtungen
angewiesen ist. So fanden wir in draußen vor dem Haus sitzend
vor.
Er war recht verschüchtert uns zu sehen, und der anfängliche
nonverbale Kontakt, da er nicht sprechen kann, war recht langsam.
Etwa die ersten 15 Min. schien er nicht wirklich Reize aufzunehmen.
Im Gespräch mit dem Vater stellte sich heraus, dass die alltäglichen
Übungen, die nach dem letzten Besuch besprochen wurden (wie
Fenster öffnen und den Boden kehren) schwierig zu sein scheinen
(weniger von der eigentlichen Umsetzung als mehr von der Motivation
und Begleitung).
Zur Stimulierung hatten wir gefüllte Säckchen mitgebracht,
an denen er erst wenig Interesse zeigte, auch blieb seine Mimik
relativ unverändert. Ganz ehrlich dachte ich schon, na, was
sollen wir denn hier nun machen...aber dann kam mir der Impuls,
ihm ein Säckchen auf den Kopf zu legen, was ihn in der Tat
sehr verwunderte, aber es war immerhin schon mal eine Reaktion.
Dann habe ich mir ebenfalls eins auf den Kopf gelegt und es dann
mit einer schnellen Kopfbewegung herunter geworfen und plötzlich
hat er so fröhlich gelacht, dass ich wirklich überrascht
war. Ab diesem Moment schien er aufnahmefähiger und es zeigte
sich immer wieder ein Lachen in seinem Gesicht. Durch langes wiederholen
hat er sich dann an ein Spiel gewöhnt, dass die Eltern mit
ihm weiter machen können. Zum Schluss habe ich ihm dann noch
einen mit Reis gefüllten Luftballon gegeben, auf dem ein Gesicht
gemalt war. Mit dem hatte er richtig Spaß und konnte sich
auch gut damit beschäftigen. Alles in allem war es entgegen
meiner Erwartungen ein wirklich guter erfolgreicher Besuch.

Simone
und Chuskit mit kleiner Patientin
An
unserem 2. Tag fuhren wir dann entlang an dem noch zugefrorenen
Pangong Tso See, es war eine atemberaubende Aussicht (¾ des
Sees liegt auf chinesischer Seite).
Dort haben wir dann auch unsere Mittagspause verbracht, Kocher raus
und erstmal einen guten Reistopf gekocht, in der Natur schmeckt
es einfach immer super. Dies dachte sich auch eine Kuh mit Kalb,
die der Nase folgten und zunehmend aufdringlicher wurden.

Kühe
wollen auch einen Teller voller Reis
Danach waren wir bei S.D. zu Besuch, einem Mädchen mit Cerebral
Parese.
Wir brachten ihr ein paar warme Schuhe und einen gelben Softball
mit Gesicht. Den Ball kann sie für ein paar Spiele nutzen,
in dem sie versucht, ihn in ein Gefäß zu werfen und gleichzeitig
für die Hand/Handkoordination und die Feinmotorik. Man konnte
an ihrem Lächeln erkennen, dass sie sich sehr über unseren
Besuch und die Mitbringsel gefreut hat.

Schwer
behinderter T.N. aus dem Nomadengebiet mit seinen Eltern letzten
Oktober in Leh
Wir besuchten auch T.N., der zusammen mit seinen Eltern im letzten
Herbst von uns in Leh betreut wurde, weil er eine Medikamenteneinstellung
benötigte. Wir haben ihm neue Übungen zum Muskelaufbau
der Hüfte und des unteren Rückens gezeigt, um seinem dürftigen
Gangbild entgegen zu wirken.
Als er versucht hat mir Gehstützen zu laufen, verschlimmerten
sich sein Gangbild und die unkontrollierten Bewegungen. Deswegen
instruierten wir ihn, dass er jetzt entlang der Wand laufen soll
mit dem Versuch, sich dabei aufzurichten. Dadurch gewann er mehr
Stabilität.
Zum Schluss hat die Mutter dann erzählt, dass er die neuen
Medikamente anstatt 3x täglich nur 2x täglich eingenommen
hatte, weil die Familie die Medis einfach rationieren wollte, da
sie über den Winter keine Möglichkeit hatten, nach Leh
zu kommen, um neue zu besorgen. Unsere Angestellte Chuskit wird
sich mit dem Arzt in Leh in Verbindung setzen und eine Lösung
für das Problem suchen.
Alles
in allem war der Fieldtrip für mich eine ganz besonders Erlebnis
mit besonderen Erfahrungen!
Bericht
von Simone
Simons, Ergotherapeutin