Stellungswechsel in Kargil, Juli 2011

Bericht von Annette Blum

Salam Aleikum aus Kargil von den neuen Voluntären!

Die REWA- Kargil- Family hat in den letzten Wochen einige Wechsel miterlebt. Seit zwei Wochen sind wir (Jenny und Annette) dazugestossen, um als zweiter Einsatztrupp die Behandlungen und die Surveys für zwei Monate fortzuführen. Letzte Woche ist Bilquees Jr. nach Leh gereist, um demnächst ihre zweijährige diplomierte Physiotherapieausbildung in Delhi zu beginnen. Für sie war es ein schwerer Abschied von ihrer Heimat und dem REWA-Kargil-Team, aber wir sind uns sicher, dass sie in Delhi eine lehrreiche, tolle und erfahrungsreiche Zeit haben wird ;)

Zusätzlich wurde das Team mit Zahera erweitert, die 2007 ihr Diploma in Physiotherapie absolviert hat und Erfarhung im Wundmanagement mitbringt.

Kargil Team: Bilquees, Hamida und Zahera

Letzte Woche haben wir von Kathi Abschied genommen und diese Woche wird uns auch Anna verlassen. Wir danken beiden für ihre tolle Arbeit, die sie geleistet haben und werden voller Motivation daran anknüpfen und das Projekt weiter vorantreiben.

Danke Mädels für all Eure Informationen, die Einführung in Kargil und die Mithilfe beim Einleben in die muslimische Welt hier. Wir werden noch viel an Euch denken.

Annette, Jenny und Anna

Die Arbeit läuft und jede Woche ist anders als die vorherige und wenn ein Plan gemacht wird, so wird er noch mindestens 3x geändert wegen spontanen Feiertagen oder anderen Gründen wie Einladungen zu Picknicks oder sonstigen Veranstaltungen… Ausserdem stehen neben den "normalen" Behandlungen im Stadtkern Kargils und der engeren Umgebung noch mehrere Surveys an, um weitere bedürftige Kinder ausfindig zu machen. In nächster Zeit steht der Survey des Suru- Valleys an, wo uns laut Listen, die 2008 von einem Lehrer erstellt wurden, weitere 50 Kinder und behinderte ältere Menschen erwarten. Die meisten Diagnosen sind Zerebralparesen, Polio, Halbseitenlähmungen, vereinzelte Querschnitte, Patienten mit Amputationen, viele Syndrome, die wir leider oft nicht genau zuordnen können und viele, viele, viele Kinder mit Sprach- ,Hör-, Sehproblemen oder geistigen Behinderungen….

Bei diesen Patienten sind wir oft nicht die richtig spezialisierten Fachpersonen und müssen sie auf später vertrösten, wenn Sonderschullehrer oder Sprachtherapeuten zum Team dazu stossen werden.

Little Boy

Das Kargil-Projekt steckt noch in den Kinderschuhen und wir müssen Schritt für Schritt vorgehen und die aktuellen Kapazitäten beachten, um nicht Dinge zu versprechen, die wir nachher nicht einhalten können. Zuerst muss das Vertrauen der lokalen Bevölkerung gewonnen werden und dazu gehört es, zuverlässig zu sein und auch regelmässig zu den Behandlungen zu kommen. We do our best!!

In den letzten Wochen hat sich viel bewegt und Karola konnte einige wichtige Kontakte knüpfen wie zum Beispiel mit Handicap International, die Projekte in Krisengebieten unterstützen. Kargil gilt im Gegensatz zu Leh nach wie vor als Krisengebiet und wir hoffen alle sehr auf die Unterstützung von HI… Wir müssen sagen, dass in den knapp 3 Monaten seit Beginn des Projektes schon sehr viel auf die Beine gestellt wurde und wir auf einem guten Weg sind. Die Pionierarbeit macht wahnsinnig Spass und ist wohl eine einmalige Chance… Einfach ist es bestimmt nicht immer und am schlimmsten sind die Anblicke von Kindern, denen man soooo viel hätte helfen können, wenn sie früher entdeckt worden wären.

Maedchen Paschkum

Aber da wir erst jetzt hier vor Ort sind und den Tatsachen in die Augen schauen müssen, bleibt uns nur der positive Blick nach vorne. In vielen Fällen ist es noch nicht zu spät und wir sehen wöchentlich Fortschritte. Viele Kinder sind auf materielle und finanzielle Hilfe angewiesen und wir benötigen weiterhin grosszügige Sponsoren, um diesen kleinen Menschlein zu helfen und ihnen eine Zukunft zu ermöglichen. Die lachenden und dankbaren Gesichter werden auch Euch noch lange in Erinnerung bleiben!!!

Munawar Hussein und Jenny

Das Leben in Kargil und der muslimischen Welt ist so spannend und total unproblematisch. Wir werden überall freundlich empfangen und neugierig beäugt. In Kargil hat jeder Stadtteil seinen Reiz und viele Stunden laufen wir quer durch die Natur, die liebevoll angelegten Gemüsegärten, die Gerstenfelder, Aprikosenhaine und vorbei an all den Kühen, die bei vielen Häusern im Garten oder Vorhof stehen. Unsere frische Milch bekommen wir jeden Tag von der Kuh der Familie einer unserer Mitarbeiterinnen. Ansonsten ernähren wir uns viel von frischem Gemüse und Obst (es ist gerade noch Mangosaison und bald sind die Aprikosen reif), das teilweise hier angebaut wird und sonst von Srinagar (Kaschmir) über den Pass gebracht wird. Das Essen ist soooooo fein und wir bekommen immer wieder mal einen Kochkurs von unserem ladakhischen Mitarbeiter Chokla.

"Dr." Chokla

Momentan ist Erntezeit und es wird auch das Heu für das Vieh getrocknet, da der lange und kalte Winter schon bald wieder vor der Tür steht und Kargil für einige Monate von der Aussenwelt abschneiden wird. Doch vorerst heisst es, der Sonne und Hitze zu trotzen und die Hausbesuche voran zu treiben bevor hoffentlich bald das Schulzentrum fertig gestellt sein wird und wir darin "unsere" REWA-Kargil-Räume beziehen und die Behandlungen dorthin verlagern können. Die Arbeit bleibt spannend und abwechslungsreich.

Wir grüssen aus Kargil, Jenny und Annette




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