Bericht über Patientin Small Pami, 8.5.09

von Alexandra Ungar


Der Weg zu ihrem Haus gleicht, je nach Tagesverfassung, eher einer kleinen Bergtour. Und trotz peinlicher Schnappatmung gehe ich diesem Weg so gerne zweimal die Woche. Denn ganz oben, steht das Haus in dem Small Pami mit ihren drei Geschwistern und ihren Eltern lebt.

Wie so viele Kinder in Ladakh, wurde auch bei Small Pami nie eine konkrete Diagnose gestellt. Es deutet aber sehr viel auf eine Infantile Cerepral- Parese hin, wie zum Beispiel ihre stark tonischen Beine und die Überstreckung ihres kleinen Rückens.

Pami und Alex


Small Pami ist vier Jahre alt, aber wenn man sie so im Arm hält, konnte man meinen sie wäre erst 1 ½.
Wenn es ihre gesundheitliche Situation zulässt, dann begrüßt sie einem mit leuchteten Augen und genießt es von oben bis unten durch bewegt zu werden. Dann bekommt sie noch größere Augen und hat auf einmal jede Menge zu erzählen, was sie dann in lauten "Prabbeln" äußert.
Wenn man ihr Hände und Arme führt, macht ihr das Spielen mit einem Ballon großen Spaß und auch die Seifenblasen entlocken ihr meist ein lautes Lachen.

Fröhliche Pami


Die Kontrolle über ihren eigen Kopf zu halten, kostet sie sehr, sehr viel Mühe, geht aber mit der Unterstützung eines Pezzi-Balls viel besser. Wie auch die anderen Kinder mit ähnlichen Startschwierigkeiten, wird auch sie im Erlernen sehr vieler Dinge besonders viel Zeit, Geduld und Förderung brauchen.
Zusätzlich hat sie regelmäßig mit heftigen Fieberschüben zu kämpfen, für die keine der bisher besuchten Ärzte eine Erklärung hatte. An manchen Tagen sind ihre Augen ganz gelb, da sie seit ihrer Geburt an Gelbsucht erkrankt ist.
Um ihre Leber ein wenig zu entlasten, hatte mir meine ehemalige Arbeitsstelle, eine Packung Hepatodoron und Schaafgarbentee für Leberwickel zugeschickt.
Daraufhin wurden ihre Augen zusehends weißer, aber dennoch war sie häufig so krank, dass keinerlei Hausbesuche möglich waren.
Uns kam die Idee, dass es ihr vielleicht aufgrund einer Leukopenie - Mangel an weißen Blutkörperchen- vielleicht gar nicht möglich ist, eine spezifische Immunabwehr aufzubauen.
Um dies überprüfen zu lassen, besuchten wir mit ihr das Krankenhaus in Leh und ließen Einen "basis bloodtest" machen. Unser Verdacht wurde dabei nicht bestätigt, allerdings stellte sich heraus, dass sie an einer Anaemie leidet.
Um diesen Mangel auszugleichen, bekam ich aus Deutschland bald darauf ein Paket mit Ferrum Schüsslersalzen. Und außerdem genießt sie seitdem jeden morgen Porridge mit frischen Orangen, um Eisen auch natürlich über die Nahrung aufzunehmen.
Um auch andere Ernaehrungsdefizite auszugleichen, wurde sie für sechs Tage auf der Kinderstation behalten, wo sie Infusionen erhielt und mit frischen Fruchtsäften aufgepäppelt wurde.

Pami in ihrem Stuhl


Nach langem Warten, nämlich seit Februar, ist auch nun endlich Small Pamis "Spezialstuhl" fertig.
Gemeinsam mit Anne, die ich im Februar noch kennen lernen durfte, haben wir die Idee entwickelt, dass Pami eine Art Liegestuhl benötigt, um ihrer Überstreckung entgegenzuwirken.
Nach all den Monaten ist er nun fertig und Pami thront darin wie eine kleine Königin.
Die Familie ist sehr dankbar für diese Anschaffung, da Pami nun nicht mehr auf einer Matratze auf dem Boden gelagert werden muss und durch die höhere Sitzposition vom Geschehen im Haus mitbekommt.
Die Mutter hat auch berichtet, dass Pami nun auch aus eigener Initiative heraus ihre Hände bewegt um an das Spielzeug zu gelangen, dass man ihr in den Schoss legt. Und auch das Essen anreichen, gestaltet sich nun um einiges leichter.

Nun sind meine letzten Hausbesuche bei ihr leider gezählt, aber diese werden wir beide in vollen Zügen genießen, bevor es dann "Auf Wiedersehen" sagen heißt.

Bericht von Alexandra Ungar, Heilerziehungspflegerin




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