Fieldtrip nach Chumatang/Nyoma-Block im Juli 2008

Wir treffen alte und neue Patienten

Die Sonne scheint, das Thermometer steigt schon morgens ab 10 Uhr auf hohe Temperaturen, dass wir schon beim Frühstücken auf der Terrasse ins Schwitzen kommen, alle Geschäfte haben geöffnet, die Changspa Road und der Main Bazar sind voll von Touristen, es haben jede Menge Gartencafes geöffnet und wir können jeden Tag frisches Obst kaufen, alles was das Herz begehrt.
Der Sommer ist in Ladakh angekommen. Für unsere Arbeit heißt das, dass wir nun ungefähr alle 2 Wochen auf einen Fieldtrip fahren.
Dieses Mal ging es für uns, Tundup, Chuskit, Tsering (eine der Nonnen, die uns nun immer begleiten) Kathi und ich, nach Chumathang - Nyoma.
Die Strecke führte uns entlang des Indus in die schöne Region Changtang, wo zehn uns bekannte Patienten auf uns warteten.
Am ersten Tag haben wir alle zusammen die Patienten besucht und viel Positives erlebt.
Alle Kinder sind wohl auf, die Familien kümmern sich sehr gut um sie und haben unsere Hilfe der letzten Besuche gut umgesetzt.
Rinchen Dolma, ein taubstummes zwanzigjähriges Mädchen mit starker Skoliose, wohnt eigentlich schon in dem Gebiet, in das Touristen nicht fahren dürfen. Der Grenzposten hat nach unserer höflichen Anfrage (wieder einmal) die Erlaubnis gegeben und so haben wir die fröhliche und gut gelaunte Patientin alle zusammen besuchen können. Sie hat mittlerweile eine Festanstellung in einer Kantine der Armee in ihrem Dorf bekommen und geht jeden Morgen und Abend zur Arbeit. Es war bislang allen Freiwilligen ein großes Anliegen, dass Rinchen eine Arbeitstelle findet und in das Dorfleben integriert wird. Es ist schön, dieses Ziel erreicht zu wissen. Rinchen scheint sehr glücklich und zufrieden zu sein.


Rinchen Dolma

Da die anderen Patienten in der Nyoma-Region wohnen, wo wir als Ausländer definitiv nicht hin dürfen, haben wir uns am zweiten Tag von unseren einheimischen Angestellten getrennt und sie sind diesem Tag alleine zu den Patienten gefahren. Sie haben alle Patienten angetroffen und ihr Können nun einmal alleine auf die Probe gestellt. Wir haben zuvor alle Patienten besprochen, Hilfsmittel besorgt und so konnte sich z.B. Tsering Dolker über eine neue Sonnenbrille freuen.

Hilfsmittel: Sonnenbrille

Kathi und ich hatten den Auftrag bekommen, einen neuen Patienten zu besuchen. Er ist Mönch und wohnt in dem Kloster in der Nähe Chumatangs, dem Ort, wo wir in dem Guesthouse geschlafen haben. Die Frau im Restaurant ist die Mutter des Mönchs und hat uns gebeten, ihren Sohn zu besuchen, da er seit ca. 5 Jahren humpelt und Schmerzen hat. Nach einem kurzen Spaziergang hatten wir das Kloster erreicht und uns zu Tsering Dorgay durchgefragt. Sein Lehrer half uns mit dem Übersetzen und so haben wir die Geschichte des jungen Mannes erfahren:
Tsering wachte vor ungefähr 5 Jahren eines Morgens auf und hatte starke Schmerzen in seinen Beinen. Sein Zustand verschlechterte sich so sehr, dass er eine Zeit lang nicht laufen konnte. Er ging einmal ins Krankenhaus, doch der Arzt konnte ihm keine Ursache der Schmerzen nennen. Seitdem war Tsering nie wieder im Krankenhaus oder bei einem Arzt gewesen. Mittlerweile hat er starke Kontrakturen in den Hüftgelenken in alle Bewegungsrichtungen. Er humpelt mehr, als wir uns durch die Beschreibungen vorstellen konnten. Er kann seine Füße nur gering heben, seine Beine fast gar nicht spreizen oder strecken. Liegt er auf seinem Rücken, hat er Schmerzen in seinem untern Rücken, da er durch die Hüftgelenkskontrakturen stark im Hohlkreuz liegt. Ein Bein ist kürzer als das andere, was seine Schmerzen noch verstärkt und sein Gangbild verschlechtert.


Da wir im Hinterkopf unseren anderen Patienten, Lobsang aus Zanskar mit der Diagnose Knochentuberkulose hatten, wollten wir Tsering gerne einem Arzt in Leh vorstellen. Vielleicht gibt es medizinisch eine Möglichkeit für ihn, um eine Verschlechterung zu verhindern. Tsering Dorgay war einverstanden nach Leh zu kommen.
So befindet er sich gerade ambulant in "medizinische Behandlung", was hier heißt, dass ein Röntgenbild gemacht worden ist und der Arzt keine Diagnose mehr stellen kann, da die Hüftgelenke schon so sehr verwachsen sind. Es wurden aber Schmerzmittel verschrieben... Erst auf unser Drängen hin wurde ein CT gemacht, auf dessen Ergebnis wir nun seit einer Woche warten. Doch der Arzt hat schon gesagt, dass er nicht viel ändern kann an der Situation des Mönchs. Wir haben Tsering eine Unterarmstütze gegeben, mit der er etwas besser Laufen kann mit weniger Schmerzen. Außerdem werden wir ihm noch eine Schuherhöhung anfertigen lassen, um so die Beinlängendifferenz auszugleichen.

Bericht von Susanne Beckmann



designed by aha-graphics