Healthworker-Camp
im Nubravalley
vom 13.4. bis 21. 4. 2007
Bericht
von Eike Dammann und Helene Fleissner
Healthworker
gibt es in allen Doerfern in Ladakh. Sie gehoeren zum staatlichen
Gesundheitssystem und sind fuer alle Gesundheitsfragen und -arbeiten
zustaendig. Aerzte kommen nur in unregelmaessigen Abstaenden in die
laendlichen Regionen.
Fuer
die Healthworker finden Fortbildungen statt. Das Thema diesmal lautete
"Basistraining im Umgang mit Behinderungen". Organisiert
wurde das Camp zum ersten Mal von der staatlichen Gesundheitsbehoerde.
Da wir die einzigen Physiotherapeuten in Ladakh sind, die mit Menschen
mit Behinderung arbeiten, wurden wir offizell zu diesem Camp eingeladen.
Das war unsere erste direkte Zusammenarbeit mit den staatlichen Behoerden
und fuer die Akzeptanz von Ladakh-Hilfe wieder ein riesen Schritt
nach vorn.

Nubra-Valley
So standen
wir beide auf einmal vor dem Problem, dreieinhalb Tage unterrichten
zu duerfen und das auf Englisch! Von vorherigen Physiocamps waren
zum Glueck Unterlagen da, die wir gut als Grundgeruest nehmen konnten.
Aber wer beschaeftigt sich bei uns noch mit Problemen z.B. von Polio
und deren Ursachen, Erkennung und Behandlung? So hatten wir uns in
einige Bereiche nochmal etwas mehr ein zu arbeiten, das Konzept fuers
Camp musste angepasst werden und einige Poster wurden gebraucht. So
waren neben unserer normalen Arbeit einige Spaetschichten angesagt.
Zur Verstaerkung kam gerade zur richtigen Zeit Ulli aus Oesterreich
noch zum Team dazu.
Am 12.4.07
ging es los. Einen Jeep mit Fahrer haben wir fuer die elftaegige Reise
auch von den Behoerden zur Verfuegung gestellt bekommen. Der Weg nach
Nubra fuehrt ueber den hoechsten befahrenren Pass der Welt (5606m).
Gleich hinter Leh beginnt die Strasse sich den Pass hinaufzuwinden.
Ueber zweitausend Hoehenmeter muessen erst hinauf und dann wieder
hinunter gefahren werden. Das Tal war eine Wohltat fuer unsere Augen.
Wir sahen das erste Gruen seit ueber einem Monat. Das Nubravalley
liegt etwas tiefer als Leh und die Aprikosenbaeume standen in voller
Bluete. Wenn man eine so lange Zeit von Grautoenen umgeben ist, erfreut
man sich an solchen Kleinigkeiten.


Am
Pass
Bevor
es am naechsten Tag ernst wurde, nutzten wir den fruehen Morgen zu
einem Spaziergang zum Kloster, das hoch oben am Hang liegt.
Das Camp
startete mit den Eroeffnungsreden von Dr. Dolmer, der Vorsitzenden
der Gesundheitsbehoerde in Ladakh und einigen anderen Verantwortlichen.
Ueber zwanzig Healthworker waren gekommen. Danach uebernahm Norboo,
der Hauptorganisator des Camps, die Leitung. Er ist gerade Karola
Kostial gut bekannt.
Zu Anfangszeiten von Ladakh-Hilfe war er bei ihren ersten Touren zum
Uebersetzen dabei und zeigte viel Interesse an der Arbeit mit Behinderten.
Mittlerweile arbeitet er fuers Gouvernment und bringt dort seine Erfahrungen
aus dieser Zeit in seine Arbeit mit ein. Waehrend des Camps war er
auch uns eine grosse Hilfe.

Unterricht,
anfangs sind Männer und Frauen getrennt
Nachdem
wir am ersten Tag "nur" allgemein ueber Rehabilitation gesprochen
hatten, ging es am zweiten Tag richtig los. Als erstes haben wir die
Normale Entwicklung des Saeuglings durchgenommen und zum Teil auch
praktisch durchgefuehrt. Da kamen einige ins Schwitzen und haben feststellen
muessen, dass ein "Saeugling" schoen kraeftig trainiert.

Die
Teilnehmer kommen ganz schön ins Schwitzen
Wir beide
haben uns beim Unterrichten immer abgewechselt und Dolker hat ins
Ladakhische uebersetzt. Bei unseren Versprechern hat man gemerkt,
wer Englisch versteht. Ein Teil konnte sich koestlich amuesieren (den
Hoehepunkt bildete "Kuh" anstatt "kauen"). Unsere
Sprach-ver-kenntnisse haben sehr zur Auflockerung des Camps beigetragen.

Weiterer
Unterricht, Dolker übersetzt
Zwischen
den Theorieteilen ueber die verschiedenen Arten von Behinderungen,
deren Ursache, Vorbeugung und Behandlung haben wir immer wieder praktische
physiotherapeutische Uebungselemente eingebaut. Auf dem Programm standen
Grundzuege der Kontrakturprophylaxe, Atemtherapie, Sensorischen Integration
und Medizinischen Trainingstherapie. Ausserdem haben wir Handling,
Lagerung und Transfers, Fuettern und die Anbahnung der normalen Entwicklung
durchgenommen.

Theoretischer
Unterricht, Norboo übersetzt
Wir waren
uns zu Beginn nicht so sicher, ob die Healthworker auch wirklich anpacken,
zugreifen würden (Beruehrung ist in dieser Kultur nicht so selbstverstaendlich
wie bei uns). Bei den Theorieteilen sassen sie sehr foermlich nebeneinander,
die Maenner getrennt von den Frauen. Praktisch zeigten sie anfangs
grosse Beruehrungsaengste. Sie griffen nur mit den Fingerspitzen hin
und waren von ihrem Partner raeumlich weit entfernt. Mit der Zeit
gewoehnten sie sich aber daran und zum Ende hin wagten sie sogar schon
Transfers mit uns weissen Frauen. Wir waren richtig stolz, dass wir
sie so weit gebracht hatten.

Balancetraining
So vergingen
dreieinhalb Tage. Wir fuehlten uns sehr erleichtert, als wir unser
Programm innerhalb der geplanten Zeit durchgezogen hatten und sich
die Healthworker schon ziemlich gut auskannten.

Transfers
werden geübt
Am Abend
kam dann Norboo zu uns und bat uns, auch noch die Haelfte des naechsten
Tages zu gestalten. Geplant waeren Beitraege der Special Educaterin
gewesen, doch sie war nicht angereist. So stieg unsere Anspannung
noch einmal, doch gleichzeitig freuten wir uns ueber die Chance, praktische
Beispiele durchfuehren zu koennen. An diesem Tag sahen wir, dass die
Healthworker mit dem Erlernten arbeiten konnten! Gleichzeitig spielte
sich an diesem Tag die lustigste aller Szenen des Camps ab: Wir uebten
noch einmal den passiven Transfer vom Sitz in den Stand (wenn der
Therapeut vorne steht). Ein maennlicher Ladakhi versuchte sein Glueck
mit Ulli, die ihm vorschriftsmaessig ihre Arme ueber seine Schulter
legte. Er umarmte sie daraufhin so fest, dass alle Teilnehmer vor
lauter Lachen auf den Boden lagen. Ueber diesen zusaetzlichen halben
Tag waren wir hinterher sehr froh, weil wir alles Erlernte mit praktischen
Beispielen festigen konnten.

Hier
gibts was zum Lachen
Waehrend
die Healthworker an den naechsten Tagen von anderen Experten (Ärzten,
Fachpersonal) unterrichtet wurden, machten wir Patientenbesuchen im
Tal. Am letzten Tag des Camps waren wir zur Abschlußfeier eingeladen.
Der hoechste medizinisch Beauftragte des Nubravalleys war gekommen,
um uns zu danken und die Healthworker zur Anwendung unserer Inhalte
zu ermahnen. Auch wir wurden zu einer Abschlussrede gebeten, die wir
wieder gemeinsam bestritten. Die Healthworker hatten fuer uns eine
Teaparty arrangiert und zum Abschluss erhielten wir Glueckschals und
Geschenke.


Abschiedsrede
und -Geschenke
Alles
in allem war dieses Camp ein unvergessliches Erlebnis fuer uns. Noch
zu Hause haben wir gehofft, dass waehrend unserer Zeit in Ladakh keines
dieser Camps stattfinden moege, und wir haetten uns nicht gedacht,
dass wir das schaffen wuerden. Alles hat aber super geklappt und nun
koennen wir nur hoffen, dass unsere Bemuehungen Fruechte tragen werden!
Eike
Dammann und Helene Fleissner