Trip ins Nubra-Valley von Ulli, Helene, Eike, Dolker und Tundup vom 12.-22.04.07

Healthworker-Camp im Nubravalley

vom 13.4. bis 21. 4. 2007

Bericht von Eike Dammann und Helene Fleissner

Healthworker gibt es in allen Doerfern in Ladakh. Sie gehoeren zum staatlichen Gesundheitssystem und sind fuer alle Gesundheitsfragen und -arbeiten zustaendig. Aerzte kommen nur in unregelmaessigen Abstaenden in die laendlichen Regionen.

Fuer die Healthworker finden Fortbildungen statt. Das Thema diesmal lautete "Basistraining im Umgang mit Behinderungen". Organisiert wurde das Camp zum ersten Mal von der staatlichen Gesundheitsbehoerde. Da wir die einzigen Physiotherapeuten in Ladakh sind, die mit Menschen mit Behinderung arbeiten, wurden wir offizell zu diesem Camp eingeladen. Das war unsere erste direkte Zusammenarbeit mit den staatlichen Behoerden und fuer die Akzeptanz von Ladakh-Hilfe wieder ein riesen Schritt nach vorn.

Nubra-Valley

So standen wir beide auf einmal vor dem Problem, dreieinhalb Tage unterrichten zu duerfen und das auf Englisch! Von vorherigen Physiocamps waren zum Glueck Unterlagen da, die wir gut als Grundgeruest nehmen konnten. Aber wer beschaeftigt sich bei uns noch mit Problemen z.B. von Polio und deren Ursachen, Erkennung und Behandlung? So hatten wir uns in einige Bereiche nochmal etwas mehr ein zu arbeiten, das Konzept fuers Camp musste angepasst werden und einige Poster wurden gebraucht. So waren neben unserer normalen Arbeit einige Spaetschichten angesagt. Zur Verstaerkung kam gerade zur richtigen Zeit Ulli aus Oesterreich noch zum Team dazu.

Am 12.4.07 ging es los. Einen Jeep mit Fahrer haben wir fuer die elftaegige Reise auch von den Behoerden zur Verfuegung gestellt bekommen. Der Weg nach Nubra fuehrt ueber den hoechsten befahrenren Pass der Welt (5606m). Gleich hinter Leh beginnt die Strasse sich den Pass hinaufzuwinden. Ueber zweitausend Hoehenmeter muessen erst hinauf und dann wieder hinunter gefahren werden. Das Tal war eine Wohltat fuer unsere Augen. Wir sahen das erste Gruen seit ueber einem Monat. Das Nubravalley liegt etwas tiefer als Leh und die Aprikosenbaeume standen in voller Bluete. Wenn man eine so lange Zeit von Grautoenen umgeben ist, erfreut man sich an solchen Kleinigkeiten.

Am Pass

Bevor es am naechsten Tag ernst wurde, nutzten wir den fruehen Morgen zu einem Spaziergang zum Kloster, das hoch oben am Hang liegt.

Das Camp startete mit den Eroeffnungsreden von Dr. Dolmer, der Vorsitzenden der Gesundheitsbehoerde in Ladakh und einigen anderen Verantwortlichen. Ueber zwanzig Healthworker waren gekommen. Danach uebernahm Norboo, der Hauptorganisator des Camps, die Leitung. Er ist gerade Karola Kostial gut bekannt.
Zu Anfangszeiten von Ladakh-Hilfe war er bei ihren ersten Touren zum Uebersetzen dabei und zeigte viel Interesse an der Arbeit mit Behinderten. Mittlerweile arbeitet er fuers Gouvernment und bringt dort seine Erfahrungen aus dieser Zeit in seine Arbeit mit ein. Waehrend des Camps war er auch uns eine grosse Hilfe.

Unterricht, anfangs sind Männer und Frauen getrennt

Nachdem wir am ersten Tag "nur" allgemein ueber Rehabilitation gesprochen hatten, ging es am zweiten Tag richtig los. Als erstes haben wir die Normale Entwicklung des Saeuglings durchgenommen und zum Teil auch praktisch durchgefuehrt. Da kamen einige ins Schwitzen und haben feststellen muessen, dass ein "Saeugling" schoen kraeftig trainiert.

Die Teilnehmer kommen ganz schön ins Schwitzen

Wir beide haben uns beim Unterrichten immer abgewechselt und Dolker hat ins Ladakhische uebersetzt. Bei unseren Versprechern hat man gemerkt, wer Englisch versteht. Ein Teil konnte sich koestlich amuesieren (den Hoehepunkt bildete "Kuh" anstatt "kauen"). Unsere Sprach-ver-kenntnisse haben sehr zur Auflockerung des Camps beigetragen.

Weiterer Unterricht, Dolker übersetzt

Zwischen den Theorieteilen ueber die verschiedenen Arten von Behinderungen, deren Ursache, Vorbeugung und Behandlung haben wir immer wieder praktische physiotherapeutische Uebungselemente eingebaut. Auf dem Programm standen Grundzuege der Kontrakturprophylaxe, Atemtherapie, Sensorischen Integration und Medizinischen Trainingstherapie. Ausserdem haben wir Handling, Lagerung und Transfers, Fuettern und die Anbahnung der normalen Entwicklung durchgenommen.

Theoretischer Unterricht, Norboo übersetzt

Wir waren uns zu Beginn nicht so sicher, ob die Healthworker auch wirklich anpacken, zugreifen würden (Beruehrung ist in dieser Kultur nicht so selbstverstaendlich wie bei uns). Bei den Theorieteilen sassen sie sehr foermlich nebeneinander, die Maenner getrennt von den Frauen. Praktisch zeigten sie anfangs grosse Beruehrungsaengste. Sie griffen nur mit den Fingerspitzen hin und waren von ihrem Partner raeumlich weit entfernt. Mit der Zeit gewoehnten sie sich aber daran und zum Ende hin wagten sie sogar schon Transfers mit uns weissen Frauen. Wir waren richtig stolz, dass wir sie so weit gebracht hatten.

Balancetraining

So vergingen dreieinhalb Tage. Wir fuehlten uns sehr erleichtert, als wir unser Programm innerhalb der geplanten Zeit durchgezogen hatten und sich die Healthworker schon ziemlich gut auskannten.

Transfers werden geübt

Am Abend kam dann Norboo zu uns und bat uns, auch noch die Haelfte des naechsten Tages zu gestalten. Geplant waeren Beitraege der Special Educaterin gewesen, doch sie war nicht angereist. So stieg unsere Anspannung noch einmal, doch gleichzeitig freuten wir uns ueber die Chance, praktische Beispiele durchfuehren zu koennen. An diesem Tag sahen wir, dass die Healthworker mit dem Erlernten arbeiten konnten! Gleichzeitig spielte sich an diesem Tag die lustigste aller Szenen des Camps ab: Wir uebten noch einmal den passiven Transfer vom Sitz in den Stand (wenn der Therapeut vorne steht). Ein maennlicher Ladakhi versuchte sein Glueck mit Ulli, die ihm vorschriftsmaessig ihre Arme ueber seine Schulter legte. Er umarmte sie daraufhin so fest, dass alle Teilnehmer vor lauter Lachen auf den Boden lagen. Ueber diesen zusaetzlichen halben Tag waren wir hinterher sehr froh, weil wir alles Erlernte mit praktischen Beispielen festigen konnten.

Hier gibts was zum Lachen

Waehrend die Healthworker an den naechsten Tagen von anderen Experten (Ärzten, Fachpersonal) unterrichtet wurden, machten wir Patientenbesuchen im Tal. Am letzten Tag des Camps waren wir zur Abschlußfeier eingeladen. Der hoechste medizinisch Beauftragte des Nubravalleys war gekommen, um uns zu danken und die Healthworker zur Anwendung unserer Inhalte zu ermahnen. Auch wir wurden zu einer Abschlussrede gebeten, die wir wieder gemeinsam bestritten. Die Healthworker hatten fuer uns eine Teaparty arrangiert und zum Abschluss erhielten wir Glueckschals und Geschenke.

Abschiedsrede und -Geschenke

Alles in allem war dieses Camp ein unvergessliches Erlebnis fuer uns. Noch zu Hause haben wir gehofft, dass waehrend unserer Zeit in Ladakh keines dieser Camps stattfinden moege, und wir haetten uns nicht gedacht, dass wir das schaffen wuerden. Alles hat aber super geklappt und nun koennen wir nur hoffen, dass unsere Bemuehungen Fruechte tragen werden!

Eike Dammann und Helene Fleissner



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