Nubrafieldtrip
vom 18.8. bis zum 2o.8.09
von
Christine Hille-Becker und Anja Treff
Teilnehmer:
Dolkar, Norbu, Christine und Anja
Nachdem wir fruehmorgens unsere Vorraete auf dem Obst- und Gemuesemarkt
von Leh aufgefuellt hatten, kletterte unser Jeep schon bald ueber
die steilen Haarnadelkurven hinauf zum 56oo m hohen Khardong-Pass.
Auf der Passhoehe ein atemberaubender Ausblick auf die gigantische
Bergwelt des Himalayas, endlose, schneebedeckte Gipfelketten, reizvolle
Licht- und Wolkenspiele.


Nach einer kurzen Pause hinab ins Nubravalley: starke Kontraste zwischen
Wueste, Schneegipfeln und dem weiten breiten Flusstal des wilden,
zerstoererischen Sheyokflusses, dazwischen kleine Doerfer mit bewaesserten
Feldern und Pappelwaeldern. Am Zusammenfluss von Sheyok und Nubra
bedeckt ein Meer von weissen Sandduenen das 10 km breite Tal.

Unsere Stuetzpunkt lag in Diskit, dem Verwaltungszentrum des Tales.
Dort behandelten wir die schwerstbehinderte Tochter des Hausmeisters
unseres Guesthouses. Ich war sehr beeindruckt, mit welcher warmen,
liebevollen und sicheren Art der Vater mit seinem Kind umgeht - therapeutische
Intervention hat er sofort und sehr natuerlich uebernommen.

Unser naechster geplanter Hausbesuch bei einem halbseitengelahmten
Schulkind in der nahen Umgebung fiel buchstaeblich ins Wasser: die
Bruecke ueber den Fluss war noch "under construction" und
das Wasser war viel zu tief. Selbst unsere beiden tatkraeftigen Maenner
waren irgendwann mit ihrem Latein am Ende.
So standen wir denn am reissenden Wasser und konnten hinueber nicht
kommen. Nachmittags fuehrte unser Weg durch die endlose Sandwueste
ueber die Koyakbruecke entlang dem Nubrafluss an die heissen Quellen
nach Panamik. Dort leben als "Ueberbleibsel" laengst vergangener
Handels- und Karawanenzeiten noch die zweihoeckrigen Himalayakamele
- heute eine Touristenattraktion.


In einem kleinen Bauerndorf betreute unsere einheimische Physio Dolker
ein sehr sehr scheues, weinendes und aengstliches Kind - Dolker gelang
ein gutes Arbeiten, Vertrauen zueinander ist entstanden, erste Funktionen
konnten angebahnt warden.

Abends wurden wir vom Guesthouse zu einem leckeren Abendessen eingeladen,
schliefen in "richtigen" Betten im Zweibettzimmer, hatten
sogar eine [kalte] Dusche - Luxus pur! und ich fuehlte mich so richtig
pudelwohl . Frisch gestaerkt und als kleines Dankeschoen behandelten
wir nocheinmal sehr lange die Tochter des Hauswirts.
Unser Jeep schlaengelte sich schon bald wieder durch die Sandwueste
des Flussdeltas [so stelle ich mir die Wuestenralley Paris - Dakar
vor. ]
Lange Zeit verbrachten wir bei einem Schulmaedchen mit Halbseitenlaehmung
- die Eltern wurden eingehend beraten, mit dem Kind uebten wir Gehen,
Aufrichtung und motorische Koordination beider Haende. Immer wieder
bin ich von der hohen Qualitaet der therapeutischen Arbeit ueberrascht
.


[Anschliessend besuchten wir ein junges Paar, der Ehemann kaempft
mit den Folgen eines inkompletten Querschnitts. Der Unfall des Mannes
hat das Paar zusammenwachsen lassen. Beide wirken zuversichtlich,
lebensbejahend , ausgesprochen zielstrebig und motiviert. Sie versuchen
unter diesen schwierigen Bedingungen ihr Leben selbstaendig zu meistern.
Tief beeindruckt verlassen wir das junge Paar mit einem vollen Hausaufgabenplan.

Unterwegs ein kurzer Spaziergang zu einem versteckten Kratersee -
einem heiligen Ort: still, mysthisch, Gebetsfahnen flattern im Wind,
om mani pate hum Tafeln saeumen den Aufstieg. Als wir um den See gehen
und die Stille spueren, an der Gebetsstelle ein Licht entzuenden -
dann haelt es mich wieder fest gefangen, dieses wunderbare, einmalig
schoene Land.

Nachmittags Besuch in einer oertlichen Grundschule: Behandlung eines
halbseitig gelaehmten kleinen Jungen. Gemeinsame Bewegungs-und Ballspiele,
Pantomime und auch feinmotorische Uebungen - so arbeiten wir gemeinsam
ohne Sprache und verstehen uns doch blendend .


Die
anderen Kinder druecken sich am Fenster die Nasen platt.
Abends dann der Besuch des Klosters Diskit. Einmalig gelegen: Die
Moenche oeffnen uns bereitwllig ihre Tueren, das Kloster liegt hoch
an der Spitze einer schwindelerregenden Steilwand. In der tiefen Schlucht
unterhalb donnert das Wasser und unser Echo schallte in den Bergen
wider.

Leider bleibt uns nur noch eine Nacht im Nubratal. Am naechste Morgen
Rueckfahrt nach Leh. Rast an unserem kleinen Restaurant: Wir alle
schluerfen eine unvergessliche leckere "indische" Maggisuppe.

Versteckt hinter einer schwarzen Sonnenbrille beaeugt uns interessiert
ein ladakhischer "Memele"(Grossvater).

Zum
Schluss noch eimal ein kleines Erfolgserlebnis: Wir behandeln einen
Jungen mit einer Hueftgelenksproblematik. Sein Zustand hat sich soweit
gebessert, dass er im Alltag nur noch geringfuegige Einschraenkungen
erleben wird. Und so rennt er in ein freies selbst bestimmtes Leben

und wir haben wieder Platz fuer neue Kinder.
Bericht
von Anja Treff und Christine Hille-Becker