Teilnehmer:
Gabi, Miriam, Judith, Susann, Dolker, Tundup und Chuskit
Diesmal geht es für das gesamte Team - Miriam, Gabi, Judith,
Chuskit, Dolker, Tundup und Susann - in das schöne Nurba Tal.
Bevor der Winter den 5606m hohen Pass mit Schnee und Eis bedeckt und
den Zugang zum Tal unmöglich macht, beschließen
wir einen letzten Besuch. Auf nicht endenden Kurven, die
eine Qual für unsere Mägen sind, werden wir, wie so oft,
begleitet vom strahlend blauen Himmel, endloser Berglandschaft und
einer wärmenden Sonne und erreichen am Abend das Dorf Diskit.
Am nächsten
Morgen teilen wir uns für die Hausbesuche in Diskit auf. Miriam,
Dolker, Judith und Tundup fahren nach Hunder, wo sie zuerst die 24jaehrige
Jigmet Lhamo besuchen. Sie hat eine Spina bifida und bewegt sich in
Haus und Hof auf ihren Fäusten und den untergeschlagenen Beinen
fort. Wir kommen gerade dazu, als sie von einer Frau die ersten Unterweisungen
bekommt, wie eine Strickmaschine zu benutzen ist, die sie bald von
NIRLAC zur Verfügung gestellt bekommt.

Jigmet
Lhamo mit der Strickmaschine
Der nächste Patient ist der 5jährige Stanzin, der sich auf
der sonnigen Terrasse mit seiner Großmutter über uns freut.
Unsere Ratschläge und Bitten, einmal mit ihm zu einem Arzt zu
gehen, prallen leider an der Familie ab. Er hat erst in diesem Sommer
laufen gelernt, spricht wenig und sehr undeutlich und geht mit extrem
durchgedrückten Beinen. Seine Feinmotorik ist ebenso auffällig.
Wir spielen mit dem mitgebrachten kleinen Farbfiguren, er legt Reihen
und Gruppen. Wir würden uns sehr freuen, wenn es für ihn
in Zukunft eine Form der Sonderbeschulung geben könnte. Der Höhepunkt
zum Abschluss ist wieder ein feuriges Luftballonduell.
In der
Zwischenzeit besuchen Gabi, Chuskit und Susann den 19jährigen
Stanzin. Wir haben ihn bei der Arbeit auf dem Hof überrascht
- er freut sich sehr uns zu sehen. Stanzin hat rechtsseitige Hemiplegie.

19
jährige Stanzin bei den Übungen
Wir
sind beeindruckt von den zahlreichen Übungen, die er uns zeigt
und, wie es scheint, auch regelmäßig zu Hause macht. Weiter
geht es zur 22järhigen Stanzin. Sie hat ebenfalls eine rechtsseitige
Hemiplegie und ist geistig behindert. Die rechte Hand ist bei ihr
so spastisch, dass sie diese nicht im Alltag einsetzen kann. Das Laufen
gelingt ihr immer besser. So kann sie bereits ohne Hilfe kurze Strecken
zurücklegen.

22jährige
Stanzin mit Hemiplegie
Am Nachmittag
schließen wir uns wieder zusammen und fahren weiter nach Panamik.
Auf dem Weg, in Tirith, machen wir kurze Station bei der 40jährigen
Rigzin Angmo, der wir beim letzten Besuch Stützen gaben. Sie
hatte Polio und läuft seither mit einer Hand am Knie aufgestützt.
Ein Bein ist schwach und so verkürzt, dass sie sich gar nicht
anders halten kann. Mit den Stützen kann sie sich zwar aufrichten,
aber sie stehen unbenutzt in der Ecke. Auch eine angebotene Behandlung
lehnt sie ab. Sie fühlt sich schmerzfrei und es schein ihr gut
zu gehen.
Im Dorf Sumur besuchen wir den 29jährigen Familienvater Tsering
Dorje. Aufgrund eines Unfalls im April ist Tsering querschnittsgelähmt
und liegt seither meist. Einmal am Tag sitzt er im Rollstuhl. Als
wir ihm vor einem Monat zuletzt besuchten, war sein Zustand sehr schlecht:
er hatte schreckliche Schmerzen und seine Blasenkontrolle verloren.
Wir nahmen mit einigen Ärzten Kontakt auf, da wir eine medizinische
Behandlung für dringend erforderlich hielten. Leider konnte sich
niemand zu einem Eingreifen entschließen: es hieß immer,
man könnte einfach nichts machen. Für uns, die wir im Hinterkopf
doch einen mitteleuropäischen Standard haben, schwer zu akzeptieren.
Doch zum Glück sind Tserings Schmerzen seither zurückgegangen
- er ist auf dem Weg der Besserung. Wir sind unglaublich erleichtert!
Er meint selbst, dass die Hinweise und Übungen, die wir ihm zeigten
und die er täglich ausführte, wesentlich zu seiner Besserung
beigetragen haben. Außerdem lässt er sich vom Amchi behandeln.

Tsering
Dorjey mit Unterarmgehstützen
Zur Krönung wagt er mit uns schon einen kleinen Spaziergang von
wenigen Schritten an den neu mitgebrachten Stützen. Das größte
Hindernis ist jetzt die sich entwickelnde Spastik der Beine. Wir ermutigen
ihn, so engagiert weiterzutrainieren und lassen die Anregung zurück,
einen Gehbarren im Gang des Hofes zu bauen. Aus Deutschland versuchen
wir, geeignete Schuhe zu besorgen, die ihm das Laufen lernen erleichtern
werden.
In
Panamik haben wir das große Glück, bei der Schwester von
Tundup übernachten zu können. So freuen wir uns auf eine
warme Stube, bequeme Betten und die heißen Quellen.
Am Tag
darauf teilen wir uns erneut für die Hausbesuche in Panamiks
Umgebung auf. Dolker und Miriam laufen am Morgen auf die andere Flusseite
des Nubras. Im Dorf Chareasa ist der 20jaehrige Jigmet Dorjay zu besuchen,
der mit einer ataktischen Bewegungsstörung eigentlich ganz gut
in seinem Leben zurechtkommt. Mit ihm gibt es einige Übungen
zur Balance im Gehen und Stehen und ein kleines Tänzchen in Ehren.
Einige Häuser weiter ist der 2 ½ jährige Tundup Gyaltson
mit seiner Familie bei der Großmutter zu Besuch. Schon beim
letzten Mal, war er überhaupt nicht zu einem Kontakt mit uns
zu bewegen und schrie ununterbrochen. Diesmal sind wir auf alles gefasst
und haben alle Tricks und Kniffe aufgelegt, die wir kennen. Aber wieder
ist es hoffnungslos. Wir können die Passform der Schienen nur
aus der Ferne beurteilen und müssen uns mit dem Gespräch
mit der Mutter zufrieden geben, die sehr aufgeschlossen ist. Was den
kleinen Kerl wohl so nachhaltig traumatisiert hat?
Alle
anderen fahren weiter in eine Schule, in der wir den 8jährigen
Tsering antreffen. Tsering ist ein sehr aufgeweckter Junge, der sich
von seiner linkseitigen Hemiplegie wenig einschränken lassen
möchte. Beim letzten Besuch zu Hause war der Zugang zu ihm nicht
leicht: Er war verärgert über die offensichtliche Behandlung
seiner Behinderung. So gehen wir dieses mal in die Schule und schließen
die gesamte Klasse in die Therapie mit ein. Spielend mit Luftballons,
tanzend und singend haben alle wahnsinnig viel Spaß und Tsering
können wir versteckt behandeln.

Tsering
wird durch Besuch in der Schule ausgetrickst und spielt problemlos
mit
Unser nächster Patient - der 7jährige Stanzin - wohnt ebenfalls
auf der anderen Flussseite des Nubras. Über weißen Sand
und wackelige Brücken erreichen wir das Dorf Chareasa. Stanzin
hat nach einer Operation am linken Ellbogen eine Kontraktur. Die Eltern
teilen uns mit, dass sich das Streckdefizit seit unserem letzten Besuch
verbessert hat. Wir zeigen Stanzin und seinen Eltern weitere Übungen,
die - wenn für Sie möglich - täglich ausgeführt
werden sollen. Wir spielen mit Stanzin "Schubkarre" - therapeutisch
wertvoll zum Muskelaufbau und für Stanzin ein lustiger Spaß.

Jigmet
beim Spiel
Zeitig geht es für uns am nächsten Morgen zurück nach
Leh. Auf dem Heimweg warten doch noch einige Patienten auf uns. Die
36jaehrige Punchok besuchen wir zuerst. Sie ist schwerst mehrfach
behindert und kann auch nicht sprechen. Sie liegt tagein tagaus auf
einem Bett draußen in der Sonne. Punchok freut sich sehr, uns
zu sehen. Leider erlaubt ihre Mutter uns nicht, sie zu berühren
noch zu behandeln. Punchok wurde im vergangenen Jahr vom Dalai Lama
in ein Hostel in Deradun eingeladen. Da Punchok bei diesem Thema immer
wieder in völliger Freude aufgeht, versuchen wir ihre Mutter
mehr und mehr zu motivieren, ihre Tochter nächsten Sommer nach
Deradun zu schicken.
In Khardung
treffen wir unsere lezten Patienten an. Im Medical Office wartet schon
der 8jährige Tsewang und der 5jährige Lobsang.
Tsewangs rechtes Bein ist beim Laufen leicht nach innen gedreht. Er
hat jedoch keine wesentlichen Einschränkungen dadurch. Wir zeigen
ihm verschiedene Übungen und am Ende rennen wir noch um die Wette.
Lobsang hat eine rechtsseitige Hemiplegie. Anfangs ist er noch sehr
schüchtern, verschwiegen - zurückhaltend. Die Feinmotorik
üben wir mit ihm durch Malen, Spielen mit kleinen bunten Bausteinen.
Aber Lobsang taut erst richtig auf, als er mit Tundup Ball spielt.
Auftauen ist wohl noch untertrieben: lachend, springend jagt er dem
Ball hinterher. Ein wahrer Genuss ist es, sie zu sehen. Seine Behinderung
scheint ihn nicht einzuschränken - nicht bei der Freude am Spiel.
Da Lobsang Probleme beim Sprechen und Schlucken hat, schneiden wir
mit ihm Grimassen - diese fördern den Tonus in der Muskulatur
des Mundbereiches. Die Mutter soll ihn mehr und mehr zum Sprechen
motivieren. Wir geben Lobsang Seifenblasen, die für ihn ein beliebtes
Spielzeug und für uns sinnvolles Therapiemittel sind.

Dechen
tanzt mit neuen Schuhen
Als allerletzte
in Khardung erwartet uns noch freudestrahlend die 22jährige Dechen,
die geistig behindert und bewegungseingeschränkt ist. Aber die
neuen Schuhe, die wir ihr letztes mal mitgebracht hatten, wollen wir
doch dringend noch einmal feierlich gemeinsam einweihen. Zu dem beliebten
Gesang "Brüderchen, komm tanz mit mir" schwingen wir
in luftiger Höhe von nur 5300 Metern noch mal kräftig das
Tanzbein.
BACK
IN LEH