Nubra Valley Einsatz vom 17.-20.11.2007


Teilnehmer:
Gabi, Miriam, Judith, Susann, Dolker, Tundup und Chuskit


Diesmal geht es für das gesamte Team - Miriam, Gabi, Judith, Chuskit, Dolker, Tundup und Susann - in das schöne Nurba Tal. Bevor der Winter den 5606m hohen Pass mit Schnee und Eis bedeckt und den Zugang zum Tal unmöglich macht, beschließen wir einen letzten Besuch. Auf nicht endenden Kurven, die eine Qual für unsere Mägen sind, werden wir, wie so oft, begleitet vom strahlend blauen Himmel, endloser Berglandschaft und einer wärmenden Sonne und erreichen am Abend das Dorf Diskit.

Am nächsten Morgen teilen wir uns für die Hausbesuche in Diskit auf. Miriam, Dolker, Judith und Tundup fahren nach Hunder, wo sie zuerst die 24jaehrige Jigmet Lhamo besuchen. Sie hat eine Spina bifida und bewegt sich in Haus und Hof auf ihren Fäusten und den untergeschlagenen Beinen fort. Wir kommen gerade dazu, als sie von einer Frau die ersten Unterweisungen bekommt, wie eine Strickmaschine zu benutzen ist, die sie bald von NIRLAC zur Verfügung gestellt bekommt.

Jigmet Lhamo mit der Strickmaschine


Der nächste Patient ist der 5jährige Stanzin, der sich auf der sonnigen Terrasse mit seiner Großmutter über uns freut. Unsere Ratschläge und Bitten, einmal mit ihm zu einem Arzt zu gehen, prallen leider an der Familie ab. Er hat erst in diesem Sommer laufen gelernt, spricht wenig und sehr undeutlich und geht mit extrem durchgedrückten Beinen. Seine Feinmotorik ist ebenso auffällig. Wir spielen mit dem mitgebrachten kleinen Farbfiguren, er legt Reihen und Gruppen. Wir würden uns sehr freuen, wenn es für ihn in Zukunft eine Form der Sonderbeschulung geben könnte. Der Höhepunkt zum Abschluss ist wieder ein feuriges Luftballonduell.

In der Zwischenzeit besuchen Gabi, Chuskit und Susann den 19jährigen Stanzin. Wir haben ihn bei der Arbeit auf dem Hof überrascht - er freut sich sehr uns zu sehen. Stanzin hat rechtsseitige Hemiplegie.

19 jährige Stanzin bei den Übungen

Wir sind beeindruckt von den zahlreichen Übungen, die er uns zeigt und, wie es scheint, auch regelmäßig zu Hause macht. Weiter geht es zur 22järhigen Stanzin. Sie hat ebenfalls eine rechtsseitige Hemiplegie und ist geistig behindert. Die rechte Hand ist bei ihr so spastisch, dass sie diese nicht im Alltag einsetzen kann. Das Laufen gelingt ihr immer besser. So kann sie bereits ohne Hilfe kurze Strecken zurücklegen.

22jährige Stanzin mit Hemiplegie

Am Nachmittag schließen wir uns wieder zusammen und fahren weiter nach Panamik. Auf dem Weg, in Tirith, machen wir kurze Station bei der 40jährigen Rigzin Angmo, der wir beim letzten Besuch Stützen gaben. Sie hatte Polio und läuft seither mit einer Hand am Knie aufgestützt. Ein Bein ist schwach und so verkürzt, dass sie sich gar nicht anders halten kann. Mit den Stützen kann sie sich zwar aufrichten, aber sie stehen unbenutzt in der Ecke. Auch eine angebotene Behandlung lehnt sie ab. Sie fühlt sich schmerzfrei und es schein ihr gut zu gehen.


Im Dorf Sumur besuchen wir den 29jährigen Familienvater Tsering Dorje. Aufgrund eines Unfalls im April ist Tsering querschnittsgelähmt und liegt seither meist. Einmal am Tag sitzt er im Rollstuhl. Als wir ihm vor einem Monat zuletzt besuchten, war sein Zustand sehr schlecht: er hatte schreckliche Schmerzen und seine Blasenkontrolle verloren. Wir nahmen mit einigen Ärzten Kontakt auf, da wir eine medizinische Behandlung für dringend erforderlich hielten. Leider konnte sich niemand zu einem Eingreifen entschließen: es hieß immer, man könnte einfach nichts machen. Für uns, die wir im Hinterkopf doch einen mitteleuropäischen Standard haben, schwer zu akzeptieren. Doch zum Glück sind Tserings Schmerzen seither zurückgegangen - er ist auf dem Weg der Besserung. Wir sind unglaublich erleichtert! Er meint selbst, dass die Hinweise und Übungen, die wir ihm zeigten und die er täglich ausführte, wesentlich zu seiner Besserung beigetragen haben. Außerdem lässt er sich vom Amchi behandeln.

Tsering Dorjey mit Unterarmgehstützen


Zur Krönung wagt er mit uns schon einen kleinen Spaziergang von wenigen Schritten an den neu mitgebrachten Stützen. Das größte Hindernis ist jetzt die sich entwickelnde Spastik der Beine. Wir ermutigen ihn, so engagiert weiterzutrainieren und lassen die Anregung zurück, einen Gehbarren im Gang des Hofes zu bauen. Aus Deutschland versuchen wir, geeignete Schuhe zu besorgen, die ihm das Laufen lernen erleichtern werden.

In Panamik haben wir das große Glück, bei der Schwester von Tundup übernachten zu können. So freuen wir uns auf eine warme Stube, bequeme Betten und die heißen Quellen.

Am Tag darauf teilen wir uns erneut für die Hausbesuche in Panamiks Umgebung auf. Dolker und Miriam laufen am Morgen auf die andere Flusseite des Nubras. Im Dorf Chareasa ist der 20jaehrige Jigmet Dorjay zu besuchen, der mit einer ataktischen Bewegungsstörung eigentlich ganz gut in seinem Leben zurechtkommt. Mit ihm gibt es einige Übungen zur Balance im Gehen und Stehen und ein kleines Tänzchen in Ehren.


Einige Häuser weiter ist der 2 ½ jährige Tundup Gyaltson mit seiner Familie bei der Großmutter zu Besuch. Schon beim letzten Mal, war er überhaupt nicht zu einem Kontakt mit uns zu bewegen und schrie ununterbrochen. Diesmal sind wir auf alles gefasst und haben alle Tricks und Kniffe aufgelegt, die wir kennen. Aber wieder ist es hoffnungslos. Wir können die Passform der Schienen nur aus der Ferne beurteilen und müssen uns mit dem Gespräch mit der Mutter zufrieden geben, die sehr aufgeschlossen ist. Was den kleinen Kerl wohl so nachhaltig traumatisiert hat?

Alle anderen fahren weiter in eine Schule, in der wir den 8jährigen Tsering antreffen. Tsering ist ein sehr aufgeweckter Junge, der sich von seiner linkseitigen Hemiplegie wenig einschränken lassen möchte. Beim letzten Besuch zu Hause war der Zugang zu ihm nicht leicht: Er war verärgert über die offensichtliche Behandlung seiner Behinderung. So gehen wir dieses mal in die Schule und schließen die gesamte Klasse in die Therapie mit ein. Spielend mit Luftballons, tanzend und singend haben alle wahnsinnig viel Spaß und Tsering können wir versteckt behandeln.

Tsering wird durch Besuch in der Schule ausgetrickst und spielt problemlos mit


Unser nächster Patient - der 7jährige Stanzin - wohnt ebenfalls auf der anderen Flussseite des Nubras. Über weißen Sand und wackelige Brücken erreichen wir das Dorf Chareasa. Stanzin hat nach einer Operation am linken Ellbogen eine Kontraktur. Die Eltern teilen uns mit, dass sich das Streckdefizit seit unserem letzten Besuch verbessert hat. Wir zeigen Stanzin und seinen Eltern weitere Übungen, die - wenn für Sie möglich - täglich ausgeführt werden sollen. Wir spielen mit Stanzin "Schubkarre" - therapeutisch wertvoll zum Muskelaufbau und für Stanzin ein lustiger Spaß.

Jigmet beim Spiel



Zeitig geht es für uns am nächsten Morgen zurück nach Leh. Auf dem Heimweg warten doch noch einige Patienten auf uns. Die 36jaehrige Punchok besuchen wir zuerst. Sie ist schwerst mehrfach behindert und kann auch nicht sprechen. Sie liegt tagein tagaus auf einem Bett draußen in der Sonne. Punchok freut sich sehr, uns zu sehen. Leider erlaubt ihre Mutter uns nicht, sie zu berühren noch zu behandeln. Punchok wurde im vergangenen Jahr vom Dalai Lama in ein Hostel in Deradun eingeladen. Da Punchok bei diesem Thema immer wieder in völliger Freude aufgeht, versuchen wir ihre Mutter mehr und mehr zu motivieren, ihre Tochter nächsten Sommer nach Deradun zu schicken.

In Khardung treffen wir unsere lezten Patienten an. Im Medical Office wartet schon der 8jährige Tsewang und der 5jährige Lobsang.
Tsewangs rechtes Bein ist beim Laufen leicht nach innen gedreht. Er hat jedoch keine wesentlichen Einschränkungen dadurch. Wir zeigen ihm verschiedene Übungen und am Ende rennen wir noch um die Wette.


Lobsang hat eine rechtsseitige Hemiplegie. Anfangs ist er noch sehr schüchtern, verschwiegen - zurückhaltend. Die Feinmotorik üben wir mit ihm durch Malen, Spielen mit kleinen bunten Bausteinen. Aber Lobsang taut erst richtig auf, als er mit Tundup Ball spielt. Auftauen ist wohl noch untertrieben: lachend, springend jagt er dem Ball hinterher. Ein wahrer Genuss ist es, sie zu sehen. Seine Behinderung scheint ihn nicht einzuschränken - nicht bei der Freude am Spiel. Da Lobsang Probleme beim Sprechen und Schlucken hat, schneiden wir mit ihm Grimassen - diese fördern den Tonus in der Muskulatur des Mundbereiches. Die Mutter soll ihn mehr und mehr zum Sprechen motivieren. Wir geben Lobsang Seifenblasen, die für ihn ein beliebtes Spielzeug und für uns sinnvolles Therapiemittel sind.

Dechen tanzt mit neuen Schuhen

Als allerletzte in Khardung erwartet uns noch freudestrahlend die 22jährige Dechen, die geistig behindert und bewegungseingeschränkt ist. Aber die neuen Schuhe, die wir ihr letztes mal mitgebracht hatten, wollen wir doch dringend noch einmal feierlich gemeinsam einweihen. Zu dem beliebten Gesang "Brüderchen, komm tanz mit mir" schwingen wir in luftiger Höhe von nur 5300 Metern noch mal kräftig das Tanzbein.

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