Fieldtrip ins Nubra-Tal

vom 24.-26. Juli 2008

 

Teilnehmer: Susanne, Chuskit und Tundup


Vom 24. - 26.07.2008 stand schon der nächste Fieldtrip auf unserem Plan. Dieses Mal führte er uns in das schöne Nubratal über den höchsten befahrbaren Pass der Welt, den Khardong La und seinen 5602m Höhe. In einem Konvoi aus Taxen, die voll mit Touristen waren, und Armeeautos, hat sich auch unser Jeep die Serpentinen des Passes hoch gequält. Wir haben jede Menge Fahrradfahrer überholt, die den sportlichen Ehrgeiz hatten, diesen Pass mit eigener Muskelkraft zu bezwingen. Und natürlich, der Ausblick von so weit oben über die Berge und Ortschaften ist gigantisch. Zu meiner Überraschung gibt es dort oben sogar einen Souvenirshop, der Tassen und T-Shirts mit einem Aufdruck vom Khardong La verkauft. Wir haben auf dem Pass nur die Chance genutzt, vor allen anderen Autos den Pass auf der anderen Seite wieder herunter zu fahren. Zum Glück musste ich mich nicht auf die Strasse konzentrieren und konnte, während Tundup gefahren ist, die Landschaft genießen, die an meinem Fenster vorbeigerauscht ist. Ich habe mich schon beim ersten Anblick von dieser Seite der Berge und von dem weiten Nubratal auf mein freies Wochenende gefreut. Es sollte in Diskit bei den berühmten Sanddünen enden, die umringt sind von den hohen Bergen des Himalayas und so einen besonders schönen Platz zum Entspannen bieten.


Doch bevor ich mich in den Sanddünen sonnen und diesen Ort genießen konnte, habe ich mit Tundup und Chuskit unsere Patienten in den einzelnen Dörfern besucht. Da die Orte in Nubra ziemlich weit auseinander liegen, war es eine große Fahrerei, bis wir all unsere 15 Patienten gesehen hatten. Aber da ich dabei wieder die ganze Zeit aus dem Fenster schauen konnte, machte es mir nichts aus.
Da Tundup aus dem Ort Panamik in Nubra kommt, haben wir auf unserem Weg durch die Dörfer seine Familie besucht. Bei ihnen haben wir ein sehr leckeres und typisches Ladakhi-Fruhstück bekommen. Es besteht aus selbst gemachten und über Kuhdung gebackenem Brot, selbst gemachtem Joghurt, einem Spiegelei und natürlich Buttertee oder Milchtee. So gestärkt konnten wir mit den Behandlungen beginnen.

Wir trafen unter anderem Dechen Youndan, eine 22 jährige junge Frau, die mit ihrer Familie in einem sehr kleinen Dörfchen hoch über der Strasse wohnt, zu dem wir über einen kleinen Pfad gelangt sind. Dechen hat eine Bein betonte Cerebralparese und eine geistige Retardierung. Sie konnte nie die Schule besuchen und auch jetzt keine richtige Arbeit ausüben. Aber wir haben sie und die Familie dazu angeregt, dass Dechen ihrer Mutter bei der Hausarbeit hilft, soweit es ihr möglich ist. Um ihre "Fingerfertigkeit" zu testen, haben wir Koordinationsübungen für ihre Hände mit ihr gemacht, wo die ganze Familie aufmerksam zugeschaut hat und Dechen war bei den Übungen sehr konzentriert.

Dechen bei den Koordinationsübungen


Auch mit unserer kleinen Patientin Diskit Angmo haben wir einen "Handfunktionstest" gemacht, bei dem die ganze Familie ihren Spaß hatte. Sie sollte das Papierfalten wie ich es ihr vorgemacht hat. Dann haben wir ein Fernrohr gebaut und durchgeschaut, wir haben das Papier zerrissen, kleine Kügelchen geformt und diese durch das Zimmer geworfen. Es war sehr lustig. Und Diskit Angmo hat trotz ihrer hemiparetischen Hand alle Übungen gemeistert. Tundup hat mir bei dem Test geholfen und Diskit mit seinen Spässen zum Lachen gebracht. Seine besondere Stärke liegt in dem lockeren Umgang mit den Kindern, womit er jedes Kind animieren kann. Es macht immer Spaß mit Tundup zusammenzuarbeiten, wenn er mir so mit den Verständigungsproblemen bei den Behandlungen hilft.

Handfunkitonstest 1 und 2

Jigmet Dorjay ist ein weiterer Patient von uns. Er ist ein über zwanzigjähriger Mann, der eine starke athetotische Bewegungsstörung hat. Dadurch ist er früher sehr oft gefallen und konnte die Treppe von seinem Haus nur mit Hilfe herauf- und herunter gehen. Seit er von unseren Therapeuten Übungen gezeigt bekommen hat, die er jeden Tag mit sehr viel Fleiß durchführt, hat er sich um so viel verbessert. Es hat uns so gefreut zu sehen, wie stolz Jigmet uns zeigte, was er alles gelernt hat und wie gerne er neue Übungen von uns lernt. Mittlerweile geht er die Treppe ohne Geländer hoch- und herunter, geht über die Steine, die vor dem Haus liegen, sicher und fällt fast nicht mehr hin.

Gangschule mit Jigmet


Es war ein sehr schöner Fieldtrip mit Chuskit, Tundup und all den kleinen und großen Patienten, die ich in Nubra kennen gelernt habe. Und mein persönlicher Abschluss in den Sanddünen, wo ich den ganzen Samstag Nachmittag nur gefaulenzt und mein Buch gelesen habe, war wunderschön.

Bericht von Susanne Beckmann



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