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Nubra
Fieldtrip und Rückfahrt mit Hindernissen
Team: Norbu, Chockla, Bilquees, Jule, Christoph
Kaum
zurück vom Tangtse Fieldtrip machten wir uns bei frühlingshaften
Temperaturen in Leh gleich wieder auf zum nächsten Fieldtrip. Da
die Strassen nach dem Winter nun wieder offen sind konnten wir über
den höchsten befahrbaren Pass der Welt, den Khardung La (5600m)
ins Nubra Tal fahren. Schon unterwegs zogen dicke Wolken auf und in
Nubra, dem Tal der Sanddünen, wurden wir mit einem Sandsturm begrüßt.
Kaum dort ging's auch schon los zur ersten Behandlung. Wir trafen den
12 jährigen Tsering Dorjey mit Hemiparese in der Schule an wo wir
ihn auch behandelten. Tsering ist ein sehr selbständiger Junge,
er kommt gut in Schule und Alltag zurecht, geht, rennt und seine Hemiparese
behindert ihn kaum im alltäglichen Leben. Für die nächsten
Fieldtrips wird für ihn eine Behandlung kaum noch notwendig sein,
wir werden ihn und sein Eigenübungsprogramm jedoch immer wieder
kontrollieren.

Unser
Team
Der nächste Patient, Tundup Gyaltson, erwies sich als nicht ganz
so einfach. Norbu hatte uns schon gewarnt, daß dieses Kind immer
anfängt zu weinen und schreien sobald es nur unser Auto sieht.
Um so erstaunter waren wir, als Tundup uns vom Arm seiner Mutter aus
mit einem Julley begrüßte. Kaum waren wir jedoch im Haus
und wollten mit der Behandlung beginnen, fing er an zu weinen und beteuerte
immer wieder, daß er große Angst hätte. Nachdem Tundup
auch bei der Anpassung seines neuen Stuhles nicht aufhören wollte
zu weinen verließ die Mutter schließlich den Raum mit ihm
und wir blieben etwas verwirrt und enttäuscht zurück. Um so
erfreuter waren wir als wir Chockla scherzend und behandelnd mit dem
Kind auf der Terrasse antrafen! So kam der kleine Tundup doch noch ohne
Angst zu seiner Therapie von unserem Master of Physiotherapie. Für
den nächsten Besuch werden wir Volontäre uns wohl besser etwas
zurück halten und den Locals die Behandlung überlassen.

Motivierter
Tsering Dorjey
Nachdem wir das Kloster in Sumur besichtigt hatten und uns etwas gestärkt
hatten gingen wir zu Tsering Dorjey in Sumur. Tsering ist ein 32 jähriger
Mann, der sich 2007 die Wirbelsäule gebrochen hatte als er vom
Dach fiel. Tsering ist mit Hilfe eines Gehbocks mobil und kann bis ins
Dorf gehen (1,5 km). Er ist sehr motiviert noch weitere Fortschritte
zu machen. Beim Abschied fragte er uns noch ob wir im helfen könnten
wieder eine Arbeit aufzunehmen, er würde gerne 2 Monate nach Leh
kommen um ein Training als Schneider zu bekommen damit er so von zu
Hause aus diese Arbeit ausführen kann. Wir waren sehr erfreut über
diese Idee und wertem ihn dabei unterstützen.
Müde und durchgerüttelt von der langen Fahrt und den vielen
Kurven kamen wir am Abend in Diskit an wo wir uns im Guesthouse einquartierten
und Norbu und Chockla noch ein leckeres Abendessen zubereiteten.
Am
nächsten Tag hatten wir wieder eine lange Autofahrt vor uns, am
Shyok Fluß entlang ging's in Richtung Pakistan. Kurz vor der Grenze
befindet sich das Bokdang Gebiet, eine muslimische Region die früher
einmal zu Pakistan gehörte. Eigentlich wollten wir nur zwei Patienten
hier besuchen, doch daraus wurden plötzlich mehr. Nach einem 20
minütigen Marsch den Berg hinauf, trafen wir den kleinen Shabir
Ali in der Schule an. Als er uns sah zeigte er uns ohne Aufforderung
wie er gehen kann und wollte dann auf und davon. Zur weiteren Befundung
und Behandlung nahmen wir ihn jedoch mit in ein Klassenzimmer wo er
sofort bitterlich anfing zu weinen, da er große Angst vor uns
hatte. Als wir seine Mutter dazu holen ließen ging es etwas besser.
Shabir hat von Geburt an eine starke Klumpfuß Deformität
an beiden Füssen. Er kommt im Alltag recht gut zurecht, hat jedoch
große Schwierigkeiten längere Strecken zu gehen.


Herstellung
eines Softsplints - Norbu macht das sehr gut
Trotz Protesten des kleinen Patienten beschlossen wir Softsplints für
beide Füße anzufertigen um die Fehlstellung passiv etwas
zu korrigieren. Nachdem Shabir noch etwas kritisch beobachtete, das
wirklich nichts Schlimmes mit ihm passierte, beruhigte er sich allmählich.
Am Ende konnten wir sogar noch mit einem lachenden Shabir im Schulhof
Fußball spielen, zur Freude aller anderen Schüler, die nach
und nach neugierig aus ihren Klassenräumen kamen um zuzuschauen.


Oben
Shabir, unten die Schulkinder - es waren noch nicht viele Leute aus
dem Westen in dieser Gegend
Es
war Mittagszeit und die Lehrer waren alle in der Moschee zum Beten,
daß bot den Schülern die Gelegenheit uns auf unserem Rückweg
zum Auto zu verfolgen (natürlich um zu versuchen uns wenigstens
einmal kurz an der Hand zu berühren). Die andere Hälfte unseres
Teams war zur selben Zeit bei unserem Patienten Mohamed Khan in einer
anderen Schule im Dorf. Mohamed hat eine leichte Hemiparese, ist aber
im Alltag völlig selbständig, daher muß nun entschieden
werden ob er weiterhin therapiebedürftig ist oder nicht. Die Lehrer
dieser Schule wiesen uns darauf hin, daß es im Dorf ein Stück
weiter noch eine Familie mit schwerbehinderten Kindern gäbe, außerdem
teilten sie uns 5 Fälle von Menschen mit besonderen geistig mentalen
Bedürfnissen mit.



Eine
neue Familie mit mehreren Patienten, die Dorfbevölkerung ist neugierig
So machten wir uns auf den Weg die Familie mit den zwei handicap Kindern
zu suchen und fanden sie. Es bat sich uns ein etwas erschreckendes Bild,
wir fanden die beiden Kinder alleine in einem Raum am Boden sitzend
und liegend. Kaum waren wir im Haus, waren auch schon mindestens 10
Frauen aus dem Dorf mit drin und wollten diesen auch nicht wieder verlassen.
Alle redeten wild durcheinander auf die Kinder, die Mutter und uns ein.
Die Kinder waren völlig verstört, der größere von
beiden versteckte sich hinter seiner Mutter und wir konnten ihn nur
aus der Ferne betrachten. Seinen 2jährigen Bruder befundeten wir
so weit es unter diesen Umständen ging. Wir erfuhren, daß
die Mutter schon zuvor zwei behinderte Kinder geboren hatte, die jedoch
bereits verstorben seien, zudem hat sie 3 gesunde Kinder und ein neugeborenes
Baby. Nach einiger Zeit gesellten sich zu den neugierigen Frauen noch
mindestens 15 Schulkinder, an Behandlung war nicht mehr zu denken. Wir
ließen unsere Flyer da, baten die Mutter mit den Kindern nach
Leh ins RAC zu kommen und verließen das Dorf, gefolgt von einer
Schar Schulkinder. Noch lange unterhielten wir uns während der
Fahrt über die Situation die wir erlebt hatten und über die
Notwendigkeit diese Kinder richtig zu behandeln und die Familie zu unterstützen.
Für die anderen uns mitgeteilten Fälle an mentalen Einschränkungen
werden wir versuchen beim nächsten Fieldtrip einen Sonderpädagogen
mitzunehmen.
Auf dem Rückweg behandelten wir noch den 8jährigen Stanzin
Chozang in Hundar, ein fröhliches Kind, das sich unglaublich freute
uns zu sehen. Trotz seiner Muskelschwäche und seinem ataktischen
Gangbild ist er sehr quirlig und rennt viel und gerne herum. Nach einigen
Übungen die wir der Mutter zeigten und ihm als Eigenübungsprogramm
aufgaben gingen wir nach draußen wo Stanzin uns alle als Kricketspieler
einteilte.

Kricketspiel
Wir nutzten das Kricketspiel und die verschiedenen Positionen als Therapie
und hatten alle riesigen Spaß. Stanzin ist sehr glücklich
ab April ins Chuchothostel in der Nähe von Leh zu kommen.
Wieder ging ein langer Tag zu ende. Früh am nächsten Morgen
wollten wir noch unsere letzte Patientin Diskit Angmo in Diskit behandeln
und uns danach auf den Heimweg nach Leh zu machen.

Nubra
im Schnee - Traumhaft schön, schrecklich kalt
Als
wir jedoch am morgen aus dem Fenster schauten blicken wir in ein großes
Schneegestöber, die Berge Drumherum waren nicht mehr zu sehen und
an Heimfahrt war nicht mehr zu denken. So ließen wir uns Zeit
bei Diskit, zeigten ihr neue Übungen und machten einen Softsplint
für ihren Hemispitzfuss. Diskit ist ein aufgewecktes Mädchen,
das sich sehr dankbar für die Therapie zeigte.
Zurück im Guesthouse gab's erstmal Frühstück. Und was
macht man dann an einem Schneeregengrauen Tag im Nubratal? Eine Sauna
wäre genau das richtige gewesen, doch die gibt es hier leider nicht.
Da wir uns noch immer im heiligen Monat befinden und zudem noch Vollmond
war, beschlossen wir alle zusammen einen Gebetsrundgang zum Kloster
von Diskit zu machen. Gute drei Stunden waren wir unterwegs, bei der
großen Buddhastatue und im Kloster. Auch am Nachmittag war keine
Wetteränderung in Sicht, trotzdem machten wir uns auf den Weg zu
den Sanddünen und Kamelen. Schneegestöber in der Wüste
hat man ja auch nicht alle Tage. Am nächsten Morgen ließen
wir den Tag gemütlich beginnen und fragten dann mal am Taxistand
nach wie die Strassen aussehen. Das Wetter war besser geworden und die
Sonne kam zumindest hin und wieder hervor! Doch die Strassenverhältnisse
waren kaum besser!
Zur Mittagszeit hieß es dann, der Pass ist dicht! So what to do
Kathmandu? Sonntagnachmittag und wir warten.........montags ist die
Strasse immer gesperrt, dienstags dürfen nur Fahrzeuge von Leh
nach Nubra fahren, also warten bis Mittwoche??? Nein. Eine Möglichkeit
gibt es am Shyok River entlang ins Tangtse gebiet zu fahren und dann
über den Changla Pass, doch diese Strasse ist komplett gesperrt
für Touristen. Norbu lies jedoch seine guten Beziehungen zur Grenzpolizei
spielen und so bekamen wir eine spezielle Genehmigung. Dennoch beschlossen
wir nach langem hin und her erst am Montag morgen zu starten. So verging
der Tag mit Kartenspielen und langem Spaziergang durch die Dünen.
Am nächsten Morgen war der Himmel strahlend blau und die Sonne
wärmte mit kräftigen Strahlen, los ging's! Eine traumhafte
Strecke lag vor uns, entlang dem türkisblauen Shyok Fluß,
zu unsere rechten Seite das Himalaya massiv zur linken das Karakorumgebirge
und wir mitten drin, auf einsamer Strecke, mit wenig Diesel im Tank
und immer der Hoffnung es möge bis zur nächsten Ortschaft
reichen. Zwischendrin bestand die Strasse nur noch aus Steinen und Sand
und nicht nur einmal gab es keine Brücke und wir mußten einfach
mitten durch den Fluß fahren.

Schneeketten
werden aufgezogen
Im Shyok Dorf gab's Diesel fürs Auto und Tee und frischen Joghurt
für uns und dann ging's gestärkt über den Changla Pass.
Es hatte noch einmal ca. 1 m Schnee hier oben gegeben und wir kamen
nur langsam mit Schneeketten voran. Aber wir haben es geschafft. Nach
10 Stunden Autofahrt und 2 Tagen später als geplant kamen wir müde
aber zufrieden nach einem erfolgreichen Fieldtrip wieder in Leh an.
Bericht
von Jule Blach
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