Sunnyboy

Ein Bericht von Christiane Willeit über eines unserer Kinder

8. April 2009

Ein weiteres Wochenende ist wieder vorbei und die Zeit vergeht. Mittlerweile ist es schon meine 6. Woche und ich fühle mich hier in Leh sehr geborgen.
Das Arbeiten mit den Kindern bereitet mir große Freude und es wird nie langweilig, weil es jeden Tag irgendeine Überraschung gibt:)
Unsere Wochenplanung besteht darin, dass wir montags und donnerstags mit einer Gruppe die Therapie im RAC durchführen und am Dienstag mit einer anderen. Die restliche Zeit besuchen wir die Patienten zuhause (Homevisit) und therapieren in ihrer gewohnten Umgebung.

Norboo wird jeden Dienstag von seinem Großvater zur Therapie begleitet, Tundup holt die beiden zu Hause ab und fährt sie auch wieder zurück.
Norboo müsste 7-8 Jahre alt sein, das Geburtsdatum weiß man oft nicht so genau.
Norboo ist seit Geburt an cerebralparetisch und kommt seit 2005 zur Therapie.
Ich war von Anfang an sehr angetan von den beiden und ihrer gegenseitigen Zuneigung. Der Großvater bemüht sich sehr um das Wohlbefinden seines Enkels und er hat auch für jeden neuen Vorschlag ein offenes Ohr.

Norboo ist ein intelligenter, schlauer Junge und er kann manchmal auch sehr sturköpfig sein:) Er versteht die Dinge, die man ihm sagt und antwortet auch auf die Fragen, die man ihm stellt. Zur Übersetzung benötige ich einen unserer Locals, mit dem ich auch gemeinsam die Therapie durchführe.
Die Therapie besteht darin, dass wir Übungen auswählen, welche einerseits die Hand- Handkoordination verbessern und dabei auch die schwächere Seite zum Einsatz kommt.
Andererseits sollen Rumpfkontrolle und Beckenstabilität mehr gefördert werden, damit seine Bewegungen kontrollierter und genauer durchgeführt werden können.
Ein Beispiel wäre, dass ein Gegenstand mit der rechten Hand aufgehoben wird, dann weiter in die linke Hand gereicht wird und mit dieser Hand abgestellt wird. Damit es nicht langweilig wird, kann man die Richtung wechseln.

In der letzten Therapieeinheit hat Norboo das Kippbrett für sich entdeckt und die größte Freude damit gehabt. Um die Autos zu ihm rollen zu lassen, musste er mit beiden Händen das Kippbrett nach unten drücken. Wenn er die Autos auf die andere Seite rollen wollte, musste er wiederum mit beiden Händen das Kippbrett von unten angreifen und hochheben. Spaß und Therapie auf einen Schlag!
Bei diesem Wechselspiel wurde Norboo sogar von dem Kameramann gefilmt, der letzte Woche einen Film über die Ladakh-Hilfe, REWA drehte.

Da Norboo nur mit Hilfe Stehen und Gehen kann, entschieden wir uns auch, den Stehtisch in die Therapie einzubauen. Dadurch wird ein starker und ungewohnter Reiz gesetzt, der für die Körperwahrnehmung, Aufrichtung des Rumpfes und Durchblutung im Allgemeinen notwendig ist.
Gleichzeitig können Übungen mit den Armen und Händen durchgeführt werden. Norboo fühlte sich recht wohl in dieser neuen Position, aber schon nach kurzer Zeit musste er auf die Toilette.


Um Norboos Greifen sowohl mit der rechten als auch mit der linken Hand zu "trainieren", gingen wir an die neu montierte Sprossenwand. Nach einigen Versuchen und Aufforderungen, auch die linke Hand zu verwenden, gelang es Norboo schließlich, mit Hilfe rauf und runterzuklettern. Aber danach brauchte er eine Pause!

Vor und nach jeder Therapie setzen wir uns alle in einem Kreis zusammen und singen
gemeinsam die Lieder. Norboo ist dabei sehr selbstständig und klatscht und "singt" mit. Und er genießt es, fotografiert zu werden!
Ich beschäftige mich sehr gerne mit dem Jungen, da er mich so oft zum Lachen bringt und durch sein Wesen meinen Tag mit viel Freude bereichert.

Ich freue mich auf die restliche Zeit hier Ladakh, mit ihm und den anderen.

Christiane Willeit, Physiotherapeutin



designed by aha-graphics