Heathworker Camp in Tangtse, Bericht von Susann Hofmann, 08.10.2007

Teilnehmer: Susan Hofmann, Nicole van Gansewinkel, Matthias Ziegler, Tundup, Chuskit und unsere amerikanischen Gäste Mark Campell, Physiotherapeut und seine Frau, Fachkraft für Frauenheilkunde/Geburtshilfe. Norboo von Government Hospital in Leh organisierte das Camp und war wie immer mit dabei und half, wo er nur konnte.

Unser neues Auto bis unters Dach voll geladen, eingedeckt mit warmen Sachen und dicken Decken ging die Reise nach Tangste am Dienstagmorgen los. Unser vorerst letztes Physio Camp, in dem wir den lokalen Health Workern in einem sechstägigen Workshop Krankheitsbilder und Therapiemöglichkeiten für körperbehinderte Menschen vorstellen wollen. Nachdem es am frühen Morgen in Leh geregnet hatte, lag Schnee auf dem 5600m hohen Pass, den wir überqueren mussten - ein guter Test für unseren neuen Jeep. Für mich war es die erste Reise außerhalb von Leh und meine Blicke konnten sich kaum abwenden von den schneebedeckten Gipfeln, den herbstlich goldenen Tälern, die sich verträumt zwischen den Bergen dahin zogen. Am Abend erreichten wir Tangtse - die Temperaturen lagen doch weit unter denen in Leh.

Begrüßung am ersten Tag durch dem C.M.O.


Am nächsten Morgen wurden wir von dem Block Medical Officer im Krankenhaus begrüßt. Dort wurde uns ein Raum für den Workshop zur Verfügung gestellt. Am ersten Tag wurde uns nur eine Einheit zum Thema "Philosophie der Rehabilitation" zugeteilt. Viele von den "Medical oder Health Workern" kannten in ihren Dörfern behinderte Menschen, wussten jedoch nicht damit umzugehen - geschweige denn zu behandeln. Die Situation ist dort oft sehr schwierig, da die Behinderten teilweise aus Scham versteckt werden und diese Isolation von der Außenwelt für diese Kinder oft sehr schlimme Folgen hat. Die Health Worker sollen in Zukunft nicht nur behandeln, sondern auch Aufklärung leisten und versuchen die schlechte Situation im Elternhaus soweit möglich zu verbessern. Der Unterricht wurde zu einer offenen Diskussion, die mit zahlreichen Fragen von uns gewürzt wurde:
Was bedeutet es behindert zu sein? Was ist anders, was unterscheidet einen behinderten Menschen von einem nicht behinderten Menschen? Wie wird Behinderung in der Religion dargestellt? Welche Rechte haben sie? Was ist Helfen?

Eine unserer Schülerinnen: Angestellte der Regierung

Am Nachmittag hatten wir frei und nutzten die Zeit, um mit den zuständigen Health Workern Patienten in deren Umgebung zu besuchen. Somit konnten wir Ihnen bereits Behandlungsmethoden bei den jeweiligen Patienten zeigen und mit den Familien den Einsatz der Health Worker besprechen. Wir behandelten ein Kind, welches uns bereits wegen der schlechten Lebensumstände aufgefallen ist. Gerade hier ist die regelmäßige Behandlung und Unterstützung durch den Health Worker unverzichtbar. Weiter finden wir durch die Hilfe der Health Worker eine alte Frau, die durch einen Schlaganfall linkseitig gelähmt ist. Wahnsinnig beeindruckt von Ihrer Tochter, die sich rührend um Ihre Mutter kümmert und alles mitschreibt, was wir ihr an Übungen aufgeben. Durch eine enge Zusammenarbeit mit jedem Health Worker können neue hilfsbedürftige Patienten gefunden und behandelt werden.

Am Donnerstag übernahm der Block Medical Officer den Unterricht, sodass wir die Zeit hatten um nach Merak zu fahren. Dort besuchten wir zusammen mit dem zuständigen Health Worker einen Jungen, der zusammen mit seinen Eltern am Pangong-See lebt, eines der schönsten Plätze in Ladakh - strahlend blaues Wasser in mitten der Berglandschaft. Die Eltern kümmern sich liebevoll um das Kind, nichts lassen sie unversucht um ihm zu helfen. In Zukunft wird auch hier ein Health Worker die Familie unterstützen können.
Weiter besuchten wir eine Krankenstation, in dem wir zwei Patienten mit Hüftatrose und Skoliose behandeln konnten.


Von Freitag bis Sonntag wurden wir für den Unterricht eingeteilt. Am Freitag stellten wir die Entwicklungsstufen eines Kindes von Geburt bis zum "ausgewachsenen" Alter dar. In jeder Entwicklungsstufe wurden parallel auffällige Verhaltensmuster genannt. Die Health Worker sollen somit in der Lage sein, so zeitig wie möglich eine Behinderung bei einem Kind festzustellen, um eine Behandlung frühstmöglich gewährleisten zu können. Die Kenntnisse der einzelnen Entwicklungsstufen ist weiterhin notwenig, um zu erkennen, in welcher ein behindertes Kind stehen geblieben ist - welche Entwicklung das Kind von Natur aus als nächstes erlernen muss.

Der Amerikaner Mark und seine Frau trugen mit ihren qualifizierten Beiträgen zum Erfolg des Camps bei.


Am nächsten Tag bekamen die Health Worker einen Überblick über die häufigsten Krankheitsbilder einer Behinderung (Spina-Bifida, Cerebrale Parese, Spastik, Lähmung usw.). Wir zeigten Ihnen Bilder, schilderten zahlreiche Fallbeispiele unserer Patienten und ließen sie in den einzelnen Krankheiten hineinfühlen. Jeder von Ihnen sollte sich in die Lage eines Behinderten begeben. An diesem Tag wurden wir von Mark und McClaren im Namen der Dzi Foundation unterstützt - einer amerikanischen Organisation, die sich bereits in Ladakh auf dem Gebiet der Zahn- und Augenmedizin engagiert. Mark ist Physiotherapeut und im orthopädischen Bereich spezialisiert. Er konnte seine Kenntnisse im Bereich Arthrose (Hüfte, Knie und Sprunggelenk) unglaublich anschaulich im Unterricht darstellen. Seine Frau McClaren arbeitet im Bereich Frauenheilkunde/Geburtshilfe. Mit ihrer Erfahrung konnte sie zusätzlich Vorsorge in der Schwangerschaft erklären und die Maßnahmen bei möglichen Komplikationen während der Geburt darstellen, die eine Behinderung zur Folge haben könnte. Durch das engagierte Mitwirken von Mark und McClaren konnte der Workshop um ein Vielfaches bereichert werden.

Praktische Übungen, jeder macht mit


Am letzten Tag gingen wir in den praktischen Teil über. Zahlreiche Therapiemaßnahmen wurden vorgestellt und jeder Health Worker bekam die Gelegenheit, diese auch praktisch an seinem Nachbarn auszuprobieren. Kichernd fütterten wir uns mit überstrecktem Hals die Kekse, bewegten einzelne Körperteile durch oder fühlten die Atmung der Anderen.


Mit der Schulung können die Health Worker in ihrer Umgebung künftig den körperlich behinderten Menschen Hilfe leisten. Natürlich wurde damit erst ein Grundstein gelegt - sie werden von uns in regelmäßigen Abständen besucht, so dass wir die Umsetzung der Therapie bis zur selbständigen Arbeit vorantreiben können.




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