Teilnehmer:
Susan Hofmann, Nicole van Gansewinkel, Matthias Ziegler, Tundup, Chuskit
und unsere amerikanischen Gäste Mark Campell, Physiotherapeut und
seine Frau, Fachkraft für Frauenheilkunde/Geburtshilfe. Norboo
von Government Hospital in Leh organisierte das Camp und war wie immer
mit dabei und half, wo er nur konnte.
Unser
neues Auto bis unters Dach voll geladen, eingedeckt mit warmen Sachen
und dicken Decken ging die Reise nach Tangste am Dienstagmorgen los.
Unser vorerst letztes Physio Camp, in dem wir den lokalen Health Workern
in einem sechstägigen Workshop Krankheitsbilder und Therapiemöglichkeiten
für körperbehinderte Menschen vorstellen wollen. Nachdem es
am frühen Morgen in Leh geregnet hatte, lag Schnee auf dem 5600m
hohen Pass, den wir überqueren mussten - ein guter Test für
unseren neuen Jeep. Für mich war es die erste Reise außerhalb
von Leh und meine Blicke konnten sich kaum abwenden von den schneebedeckten
Gipfeln, den herbstlich goldenen Tälern, die sich verträumt
zwischen den Bergen dahin zogen. Am Abend erreichten wir Tangtse - die
Temperaturen lagen doch weit unter denen in Leh.

Begrüßung
am ersten Tag durch dem C.M.O.
Am nächsten Morgen wurden wir von dem Block Medical Officer im
Krankenhaus begrüßt. Dort wurde uns ein Raum für den
Workshop zur Verfügung gestellt. Am ersten Tag wurde uns nur eine
Einheit zum Thema "Philosophie der Rehabilitation" zugeteilt.
Viele von den "Medical oder Health Workern" kannten in ihren
Dörfern behinderte Menschen, wussten jedoch nicht damit umzugehen
- geschweige denn zu behandeln. Die Situation ist dort oft sehr schwierig,
da die Behinderten teilweise aus Scham versteckt werden und diese Isolation
von der Außenwelt für diese Kinder oft sehr schlimme Folgen
hat. Die Health Worker sollen in Zukunft nicht nur behandeln, sondern
auch Aufklärung leisten und versuchen die schlechte Situation im
Elternhaus soweit möglich zu verbessern. Der Unterricht wurde zu
einer offenen Diskussion, die mit zahlreichen Fragen von uns gewürzt
wurde:
Was bedeutet es behindert zu sein? Was ist anders, was unterscheidet
einen behinderten Menschen von einem nicht behinderten Menschen? Wie
wird Behinderung in der Religion dargestellt? Welche Rechte haben sie?
Was ist Helfen?

Eine
unserer Schülerinnen: Angestellte der Regierung
Am
Nachmittag hatten wir frei und nutzten die Zeit, um mit den zuständigen
Health Workern Patienten in deren Umgebung zu besuchen. Somit konnten
wir Ihnen bereits Behandlungsmethoden bei den jeweiligen Patienten zeigen
und mit den Familien den Einsatz der Health Worker besprechen. Wir behandelten
ein Kind, welches uns bereits wegen der schlechten Lebensumstände
aufgefallen ist. Gerade hier ist die regelmäßige Behandlung
und Unterstützung durch den Health Worker unverzichtbar. Weiter
finden wir durch die Hilfe der Health Worker eine alte Frau, die durch
einen Schlaganfall linkseitig gelähmt ist. Wahnsinnig beeindruckt
von Ihrer Tochter, die sich rührend um Ihre Mutter kümmert
und alles mitschreibt, was wir ihr an Übungen aufgeben. Durch eine
enge Zusammenarbeit mit jedem Health Worker können neue hilfsbedürftige
Patienten gefunden und behandelt werden.
Am
Donnerstag übernahm der Block Medical Officer den Unterricht, sodass
wir die Zeit hatten um nach Merak zu fahren. Dort besuchten wir zusammen
mit dem zuständigen Health Worker einen Jungen, der zusammen mit
seinen Eltern am Pangong-See lebt, eines der schönsten Plätze
in Ladakh - strahlend blaues Wasser in mitten der Berglandschaft. Die
Eltern kümmern sich liebevoll um das Kind, nichts lassen sie unversucht
um ihm zu helfen. In Zukunft wird auch hier ein Health Worker die Familie
unterstützen können.
Weiter besuchten wir eine Krankenstation, in dem wir zwei Patienten
mit Hüftatrose und Skoliose behandeln konnten.
Von Freitag bis Sonntag wurden wir für den Unterricht eingeteilt.
Am Freitag stellten wir die Entwicklungsstufen eines Kindes von Geburt
bis zum "ausgewachsenen" Alter dar. In jeder Entwicklungsstufe
wurden parallel auffällige Verhaltensmuster genannt. Die Health
Worker sollen somit in der Lage sein, so zeitig wie möglich eine
Behinderung bei einem Kind festzustellen, um eine Behandlung frühstmöglich
gewährleisten zu können. Die Kenntnisse der einzelnen Entwicklungsstufen
ist weiterhin notwenig, um zu erkennen, in welcher ein behindertes Kind
stehen geblieben ist - welche Entwicklung das Kind von Natur aus als
nächstes erlernen muss.

Der
Amerikaner Mark und seine Frau trugen mit ihren qualifizierten Beiträgen
zum Erfolg des Camps bei.
Am nächsten Tag bekamen die Health Worker einen Überblick
über die häufigsten Krankheitsbilder einer Behinderung (Spina-Bifida,
Cerebrale Parese, Spastik, Lähmung usw.). Wir zeigten Ihnen Bilder,
schilderten zahlreiche Fallbeispiele unserer Patienten und ließen
sie in den einzelnen Krankheiten hineinfühlen. Jeder von Ihnen
sollte sich in die Lage eines Behinderten begeben. An diesem Tag wurden
wir von Mark und McClaren im Namen der Dzi Foundation unterstützt
- einer amerikanischen Organisation, die sich bereits in Ladakh auf
dem Gebiet der Zahn- und Augenmedizin engagiert. Mark ist Physiotherapeut
und im orthopädischen Bereich spezialisiert. Er konnte seine Kenntnisse
im Bereich Arthrose (Hüfte, Knie und Sprunggelenk) unglaublich
anschaulich im Unterricht darstellen. Seine Frau McClaren arbeitet im
Bereich Frauenheilkunde/Geburtshilfe. Mit ihrer Erfahrung konnte sie
zusätzlich Vorsorge in der Schwangerschaft erklären und die
Maßnahmen bei möglichen Komplikationen während der Geburt
darstellen, die eine Behinderung zur Folge haben könnte. Durch
das engagierte Mitwirken von Mark und McClaren konnte der Workshop um
ein Vielfaches bereichert werden.

Praktische
Übungen, jeder macht mit
Am letzten Tag gingen wir in den praktischen Teil über. Zahlreiche
Therapiemaßnahmen wurden vorgestellt und jeder Health Worker bekam
die Gelegenheit, diese auch praktisch an seinem Nachbarn auszuprobieren.
Kichernd fütterten wir uns mit überstrecktem Hals die Kekse,
bewegten einzelne Körperteile durch oder fühlten die Atmung
der Anderen.
Mit der Schulung können die Health Worker
in ihrer Umgebung künftig den körperlich behinderten Menschen
Hilfe leisten. Natürlich wurde damit erst ein Grundstein gelegt
- sie werden von uns in regelmäßigen Abständen besucht,
so dass wir die Umsetzung der Therapie bis zur selbständigen Arbeit
vorantreiben können.