Fieldtrip Dha Hanu 28.06.-30.06.2008

Unser nächster Fieldtrip stand schon auf dem Plan: Dha Hanu, die indo-arischen Ortschaften, die in der Nähe der pakistanische Grenze liegen.

Samstagmittag ging es endlich los. Kunzang und Susi von Ladakh-Hilfe, Yangchen, eine der Nonnen, die das Studium zum Amchi macht und Dorjay, unser Fahrer für diesen Trip, starteten Richtung Dha Hanu. Im Gepäck hatten wir wie immer Anziehsachen oder Schuhe für die Patienten, Fußbälle und diesmal sogar einen Rollstuhl für eine erwachsene Patientin.


Nach einer sechsstündiger Fahrt über eine holprige und kurvenreiche Strasse, mit einem tolle Ausblick auf die wunderschöne Landschaft in diesem Teil von Ladakh, kamen wir endlich in Biama an, wo wir die nächsten zwei Nächte in dem Goverment-Resthouse verbracht haben.

Am Sonntagmorgen begann unser Arbeitstag schon sehr früh. Wir haben uns mit einem kanadischen Team, dass aus den zwei Ergotherapeutinnen, Alexis und Jane, und dem Industriedesigner Aaron besteht, die für die NGO Health Inc. arbeiten, bei einer gemeinsamen Patientin getroffen. Spalzes hat eine Krankheit namens Osteogenesis imperfecta, ein genetischer Defekt, bei dem das Kollagen der Knochen fehlt und sich die Knochen des Körpers dadurch leicht verformen oder sogar brechen. Spalzes ist ein sehr intelligentes und aufgewecktes Mädchen, das durch diese Krankheit aber leider nicht mehr zur Schule gehen kann. Unser gemeinsames Ziel ist es, eine Möglichkeit für sie zu finden, die Schule wieder zu besuchen. Ist ein Tragesystem, das speziell für sie konstruiert wird und mit dem sie jemand für 1-2 Tage die Woche in die Dorfschule von Hanu Thang bringt, besser, oder spricht mehr für einen Umzug in des Chuchot-Hostel in der Nähe von Leh, wo sie täglich die Schule besuchen kann, sozialen Kontakt zu Gleichaltrigen hat und wo sie von den Hausmüttern versorgt wird? Ein Rollstuhl kommt für Spalzes zu Hause leider nicht in Frage, da der Weg zur Schule über keine befestigte Strasse führt. In zwei Wochen fährt das kanadische Team nochmals nach Dha Hanu um mit Spalzes Eltern zu reden und ihnen beide Möglichkeiten vorzustellen. Hoffentlich kommt es dann zu einer Lösung dieses Problems. Spalzes selber möchte nur in die Schule gehen, wo, ist ihr egal.

Unsere Nonne mit einem behinderten Kind


An diesem Tag hatten wir noch 6 weitere Patienten gemeinsam mit den Kanadiern, zu behandeln. Wir haben einer Patientin Unterarmgehstützen gebracht, mit denen sie selbständiger und längere Strecken laufen kann. Anfangs war sie sehr verschreckt, da sie geistig stark betroffen ist, doch Yangchen und der Vater haben sie dazu überreden können, mindest ein paar Runden mit dem Stützen über das Feld zu gehen.

Die Nonne Yangchen mit Sonam Dolma bei den ersten Gehversuchen mit den neuen Stützen

Alle anderen unserer kleinen Patienten entwickeln sich prächtig. Sie fangen zum Beispiel an zu krabbeln oder mit Hilfe an zu laufen und andere können ihren Eltern ein wenig mehr bei der Hausarbeit behilflich sein.
Für einen besonders schwer betroffenen kleinen Jungen mit Cerebralparese haben Aaron und Jane einen tollen Stuhl angefertigt, in dem er entspannt sitzen und den Raum und seine Familie beobachten kann, da er sich selber so gut wie nicht bewegen kann.

Seifenblasen oder Luftballons begeistern jedes Kind

Vor dem Abend haben wir vier von Ladakh-Hilfe noch ein moslemisches Dorf besucht, in dem ein kleiner, aktiver Junge mit Hemiparese wohnt. Zakir ist sehr gut in die Dorfgemeinschaft integriert und so mussten wir warten, bis wir ausfindig machen konnten, wo er steckt. In der Zwischenzeit hat sich wohl rumgesprochen, dass eine Ausländerin und eine buddhistische Nonne im Dorf sind und so kamen alle Kinder zum Haus und wollten uns sehen. Zu Beginn der Therapie war das Zimmer gefüllt mit Kindern, die sehr interessiert zugeguckt haben, was wir wohl alles mit Zakir anstellen.


Zakir, Kunzang und die anderen Kinder des Dorfes

Nach einem 12 Stunden Tag waren wir froh, wieder im Resthouse zu sein. Am nächsten Tag warteten 6 Patienten auf uns, die wir vor unserer vierstündigen Heimreise noch behandeln wollten.
Der 42jährigen Mutter Tsering Zkitzom haben wir den Rollstuhl gebracht. Sie sitzt den ganzen Tag in ihrem typischen Seitsitz auf dem Dach des Hauses und bewegt sich von alleine nicht. Die Muskulatur ihrer Beine ist sehr verkürzt, alle Gelenke haben Kontrakturen. Sie kann ihre Beine nicht mehr strecken oder beim Stehen Gewicht übernehmen. Wir hoffen nun, dass sie sich mit dem Rollstuhl selbständiger bewegt und für die Familie die Pflege der Mutter erleichtert wird.

Tsering Zkitzom in ihrem neuen Rollstuhl

Der Fieldtrip nach Dha Hanu war ein toller Erfolg. Zum einen ist es schön zu sehen, dass es all unseren Patienten gut geht und jeder seine eigenen kleinen Fortschritte macht. Zum anderen war die Zusammenarbeit mit dem kanadischen Team mit Ergo-, Sprachtherapeutin und Industriedesigner eine tolle Ergänzung zu unserer therapeutischen Arbeit mit den Kindern.

Bericht von Susanne Beckmann



designed by aha-graphics