Unser
nächster Fieldtrip stand schon auf dem Plan: Dha Hanu, die
indo-arischen Ortschaften, die in der Nähe der pakistanische
Grenze liegen.
Samstagmittag
ging es endlich los. Kunzang und Susi von Ladakh-Hilfe, Yangchen,
eine der Nonnen, die das Studium zum Amchi macht und Dorjay, unser
Fahrer für diesen Trip, starteten Richtung Dha Hanu. Im Gepäck
hatten wir wie immer Anziehsachen oder Schuhe für die Patienten,
Fußbälle und diesmal sogar einen Rollstuhl für eine
erwachsene Patientin.
Nach einer sechsstündiger Fahrt über eine holprige und
kurvenreiche Strasse, mit einem tolle Ausblick auf die wunderschöne
Landschaft in diesem Teil von Ladakh, kamen wir endlich in Biama
an, wo wir die nächsten zwei Nächte in dem Goverment-Resthouse
verbracht haben.
Am
Sonntagmorgen begann unser Arbeitstag schon sehr früh. Wir
haben uns mit einem kanadischen Team, dass aus den zwei Ergotherapeutinnen,
Alexis und Jane, und dem Industriedesigner Aaron besteht, die für
die NGO Health Inc. arbeiten, bei einer gemeinsamen Patientin getroffen.
Spalzes hat eine Krankheit namens Osteogenesis imperfecta, ein genetischer
Defekt, bei dem das Kollagen der Knochen fehlt und sich die Knochen
des Körpers dadurch leicht verformen oder sogar brechen. Spalzes
ist ein sehr intelligentes und aufgewecktes Mädchen, das durch
diese Krankheit aber leider nicht mehr zur Schule gehen kann. Unser
gemeinsames Ziel ist es, eine Möglichkeit für sie zu finden,
die Schule wieder zu besuchen. Ist ein Tragesystem, das speziell
für sie konstruiert wird und mit dem sie jemand für 1-2
Tage die Woche in die Dorfschule von Hanu Thang bringt, besser,
oder spricht mehr für einen Umzug in des Chuchot-Hostel in
der Nähe von Leh, wo sie täglich die Schule besuchen kann,
sozialen Kontakt zu Gleichaltrigen hat und wo sie von den Hausmüttern
versorgt wird? Ein Rollstuhl kommt für Spalzes zu Hause leider
nicht in Frage, da der Weg zur Schule über keine befestigte
Strasse führt. In zwei Wochen fährt das kanadische Team
nochmals nach Dha Hanu um mit Spalzes Eltern zu reden und ihnen
beide Möglichkeiten vorzustellen. Hoffentlich kommt es dann
zu einer Lösung dieses Problems. Spalzes selber möchte
nur in die Schule gehen, wo, ist ihr egal.

Unsere
Nonne mit einem behinderten Kind
An diesem Tag hatten wir noch 6 weitere Patienten gemeinsam mit
den Kanadiern, zu behandeln. Wir haben einer Patientin Unterarmgehstützen
gebracht, mit denen sie selbständiger und längere Strecken
laufen kann. Anfangs war sie sehr verschreckt, da sie geistig stark
betroffen ist, doch Yangchen und der Vater haben sie dazu überreden
können, mindest ein paar Runden mit dem Stützen über
das Feld zu gehen.

Die
Nonne Yangchen mit Sonam Dolma bei den ersten Gehversuchen mit den
neuen Stützen
Alle
anderen unserer kleinen Patienten entwickeln sich prächtig.
Sie fangen zum Beispiel an zu krabbeln oder mit Hilfe an zu laufen
und andere können ihren Eltern ein wenig mehr bei der Hausarbeit
behilflich sein.
Für einen besonders schwer betroffenen kleinen Jungen mit Cerebralparese
haben Aaron und Jane einen tollen Stuhl angefertigt, in dem er entspannt
sitzen und den Raum und seine Familie beobachten kann, da er sich
selber so gut wie nicht bewegen kann.
Seifenblasen
oder Luftballons begeistern jedes Kind
Vor
dem Abend haben wir vier von Ladakh-Hilfe noch ein moslemisches
Dorf besucht, in dem ein kleiner, aktiver Junge mit Hemiparese wohnt.
Zakir ist sehr gut in die Dorfgemeinschaft integriert und so mussten
wir warten, bis wir ausfindig machen konnten, wo er steckt. In der
Zwischenzeit hat sich wohl rumgesprochen, dass eine Ausländerin
und eine buddhistische Nonne im Dorf sind und so kamen alle Kinder
zum Haus und wollten uns sehen. Zu Beginn der Therapie war das Zimmer
gefüllt mit Kindern, die sehr interessiert zugeguckt haben,
was wir wohl alles mit Zakir anstellen.

Zakir, Kunzang und die anderen Kinder des
Dorfes
Nach
einem 12 Stunden Tag waren wir froh, wieder im Resthouse zu sein.
Am nächsten Tag warteten 6 Patienten auf uns, die wir vor unserer
vierstündigen Heimreise noch behandeln wollten.
Der 42jährigen Mutter Tsering Zkitzom haben wir den Rollstuhl
gebracht. Sie sitzt den ganzen Tag in ihrem typischen Seitsitz auf
dem Dach des Hauses und bewegt sich von alleine nicht. Die Muskulatur
ihrer Beine ist sehr verkürzt, alle Gelenke haben Kontrakturen.
Sie kann ihre Beine nicht mehr strecken oder beim Stehen Gewicht
übernehmen. Wir hoffen nun, dass sie sich mit dem Rollstuhl
selbständiger bewegt und für die Familie die Pflege der
Mutter erleichtert wird.

Tsering
Zkitzom in ihrem neuen Rollstuhl
Der
Fieldtrip nach Dha Hanu war ein toller Erfolg. Zum einen ist es
schön zu sehen, dass es all unseren Patienten gut geht und
jeder seine eigenen kleinen Fortschritte macht. Zum anderen war
die Zusammenarbeit mit dem kanadischen Team mit Ergo-, Sprachtherapeutin
und Industriedesigner eine tolle Ergänzung zu unserer therapeutischen
Arbeit mit den Kindern.
Bericht
von Susanne Beckmann