Fieldtrip
mit "Hindernissen" nach DaHanu/Temisgam im Mai 2010
Fieldtrip
Dha Hanu| Temisgang vom 22.05.2010-24.05.2010
Von Sandra Günnigmann, Fotos: Armin Röthlin
Am
22.05. war es also wieder soweit. Der lang ersehnte Fieldtrip nach
Dha Hanu und Temisgang stand an. Nachdem unser Jeep von Ladakh-Hilfe
noch immer in Reparatur war, machten wir uns schließlich mit
dem Taxi von Othzer in die Restricted Area auf. Wir, dass sind Norbu,
Othzer (der Neue), die Praktikantin der Mara-School, Laura, Armin
aus der Schweiz und Sandra aus Deutschland. Mit einer guten Stunde
Verspätung ging es dann endlich um 7.30 Uhr los, nachdem es mit
den Locals mal wieder Verständigungsschwierigkeiten bezüglich
der ladakhischen Zeit gab:
Im Taxi, das eher einem Hühnerstall glich, gingen wir Volontäre
auf Kuschelkurs, da uns eine komplette Bank durch Kocher, Ruchsäcke,
Lebensmittel, Gasflasche und Schlafsäcke genommen wurde. Als
wir Leh verlassen hatten, ging die Holperfahrt erst richtig los. Über
Sandpisten, unbefestigte Strassen, unglaublich grosse Steine und riesige
Schlaglöcher setzten wir unsere Fahrt Richtung Kahlse fort. Unsere
Gehirne hatten bereits nach 2 Stunden ein Schleudertrauma und der
M. Pectoralis war auf Dauertonisierung, weil wir uns so in die Haltegriffe
über dem Kopf krallten. In Kahltse legten wir denn den ersten
Stopp ein, um uns einen Milchtee und Schokolade zum Frühstück
zu genehmigen. Dann ging es weiter am Indus entlang durch bizarre
Gegenden, die so unwirklich erschienen und uns mit der Nasenspitze
am Fenster kleben ließen. Nach weiteren 2 Stunden machten wir
es uns an einem Wasserfall gemütlich, wo wir unser Lunchbreak
hielten.



Tolles
Mittagessen am Strassenrand
Während
Norbu und Othzer uns auf dem Gasherd ein leckeres Essen zauberten,
erkundeten wir drei Anderen die tolle Lage am Indus, kletterten über
Steinmassive und suchten nach Türkisen. Nach einer ausgiebigen
Pause fuhren wir noch weitere 2 Stunden und erreichten schließlich
endlich den Ort Sunjak (Kargil-District), in dem unser erster kleiner
Patient wohnt. Eine kurze Wanderung durch eine unglaublich grüne
Oase, endlang eines kleinen Baches unter Aprikosenbäume hindurch,
vorbei an Choerten und kleinen Lehmmauern, erreichten wir oberhalb
des Ortes gelegen das Haus von Zakir Hussein.

Grüne
Oase
Unser
kleiner zehnjähriger Patient hat eine Tetraplegie, wobei die
linke Seite mehr betroffen ist. Während unseres Check-ups vermassen
wir seine Gelenke erneut, gaben ihm neue Übungen, begutachteten
seine Schuhe und schauten, wie er sich auf unebenem Gelände verhält.
Das alles wurde begleitet von der kompletten Familie und einer neugierigen
Kinderschar. Zakir ist ein glückliches Kind, er spielt Volleyball
und läuft viel hin und her. Er ist selbständig in allen
Bereichen, wirkt nur etwas jünger, wie er ist. Somit beschlossen
wir, dass ein Check-up nur noch einmal im Jahr nötig sei, da
er schon so tolle Fortschritte gemacht hat. Wir baten die Eltern,
ihm noch neue Schuhe zu kaufen und machten uns wieder an den Abstieg.
Nun
hieß es, eine Unterkunft zu suchen. Das Guesthouse, in welchem
sonst eingecheckt wird, war ausgebucht. Wir bekamen den Hinweis, dass
es noch ein Guesthouse oberhalb des Indus gab, wohin man aber 30 Min.
laufen müsse. Unsere gutgelaunte Truppe machte sich also auf
den Weg, um ein Haus ohne Elektizitäet vorzufinden. Im Kerzenschein
aßen wir unser Selbstgekochtes Mahl, was herrlich schmeckte.



Gewitter
im Anzug - Wieder schönes Wetter - Wanderung zum Homestay
Ein
Gewitter ließ uns erneut die Fotoapparate herausholen und spät
abends fielen wir totmüde auf unsere Matratzen. Die ganze Nacht
regnete es und am nächsten Morgen begrüßte uns ein
strahlend blauer Himmel. Unser Weg führte uns heute nach Dha
Hanu, wo wir zwei weitere Patienten besuchten. Am Checkpoint angelangt,
erfuhren wir, dass über Nacht ein Teil der Strasse verschüttet
wurde und uns der Weg nach Dha Hanu versperrt blieb.


Strasse
nach Da Hanu ist verschüttet, wir müssen laufen
Alles
Betteln und jegliche Überredungskünste wurden vehement abgeschlagen
und uns blieb nichts anderes übrig, als vom nächst gelegenen
Dort aus zu Fuß in das indo-arische Dorf zu gehen, wo die Menschen
teils blaue Augen und braune Haare haben und die Tradition noch vorgibt,
einen Ehepartner aus den gleichen Dorf zu suchen, was nicht selten
zu Inzuchtfällen geführt hat. Wir machten uns auf eine zweistündige
Wanderung hinauf in das Dorf Hanu Gongma und wir genossen diese wunderbare
Landschaft durch schroffe Berge und grüne Wiesen, entlang eines
Gletscherbaches in absoluter Abgeschiedenheit. Nachdem wir einem weiteren
Checkpoint passiert hatten und wir das erste Dorf Hanu Yogma erreichten,
wurden wir mit einem Taxi in das noch 3 km weiter entfernte Hanu Gongma
gebracht und auch hier war die Strasse mit riesigen Steinen verschüttet,
um die wir uns mit dem Taxi herumschlängelten.



Steine
im Weg - Das ganze Dorf läuft zusammen - ausgiebiges Frühstück

Tsewang
mit Mutter
Unseren
Patienten Tsewang fanden wir mit seiner Mutter am Straßenrand,
wo mehrere Einheimische an einem Haus bauten. Auch hier ergab der
Check-up, dass Tsewang in den letzten Monaten sehr große Fortschritte
beim Laufen gemacht hat und auch bei ihm die Besuche in Zukunft reduziert
werden konnten. Unser zweiter Patient in diesem Dorf war neu. Tashi,
ein Kind mit starker geistiger Behinderung aus armen und unhygienischen
Verhältnissen. Wir untersuchten ihn genau und schauten nach seinen
Defiziten, die im Stand, der Balance, im Sprechen und einer Augenproblematik
lagen. Hohe Schuhe für mehr Stabilität werden zum nächsten
Mal besorgt und die Eltern versprachen, in den nächsten Wochen
für längere Zeit nach Leh zu kommen. Unser Taxi wartete
vor den Haus auf uns, und die Einheimischen nahmen die Chance wahr
die drei hinteren freien Plätze mit drei Erwachsenen und vier
Kindern zu belegen, um kostenfrei in das untere Hanu Yogma zu kommen.
Von dort aus machten wir uns wieder an den Abstieg zu unserem kleinen
Auto. Als wir dort völlig ermüdet ankamen, hatten wir noch
eine dreistündige Fahrt bis nach Temisgang vor uns. Kurz vor
Dunkelheit kamen wir an und bezogen unser Guesthouse, indem wir noch
mit einem leckeren Abendessen von unseren "Herbergseltern"
versorgt wurden. Am nächsten Morgen erwartete uns ein saftig
grünes Tal, was man aufgrund der Abenddämmerung zuvor gar
nicht wahrgenommen hatte. Frisch gestärkt nahmen wir einen neuen
Tag in Angriff, auf uns warteten noch fünf kleine Patienten.
Aber auch hier legte man uns im wahrsten Sinne wieder Steine in den
Weg, die wir gemeinschaftlich von der Strasse hievten.


Räumtruppe
- Temisgam
Da
wir noch den Heimweg vor uns hatten, teilten wir uns in Zweier-Teams
auf und besuchten zunächst die schwer betroffene Jigmet, welche
seit der Geburt eine CP hat. Wir teilten den Eltern die Notwendigkeit
der Therapie mit und dass sie nach Leh kommen sollten, zeigten ihnen
Übungen und bauten ihr eine Rassel. Da die Eltern jedoch sehr
mit der Feldarbeit beschäftigt und die Grosseltern zu alt sind,
werden wir wahrscheinlich vergebens auf einen Besuch der Familie in
Leh warten. Armin und Norbu besuchten währenddessen Sangay und
begutachteten seine angepassten Schuhe, welche wir zur Nachbesserung
wieder mit nach Leh nahmen. Danach sind wir alle Mann zu Stanzin,
welche ebenfalls an CP leidet und vermassen ihre Gelenke und zeigten
auch hier neue Übungen. Als letzter Patientin besuchten wir Urgyan
in seiner Schule, vermassen seine Beine für neue "Rising-Shoes"
und der Schulleiter nahm mit großem Interesse an dieser Untersuchung
teil, machte alle Übungen mit und zeigte sich sehr kooperativ.
Behandlung
der Kinder





Nach drei erfolgreichen, schönen, spannenden, langen, emotionalen
und freudigen Tagen ging es dann wieder zurück in unsere so lieb
gewonnene Heimat Leh. Wir denken noch oft zurück an diese Zeit,
wie wir trotz aller Hindernisse uns als Superteam diesen Hürden
gestellt haben und werden die frohen Gesichter dieser betroffenen
Kinder nie vergessen.
Sandra
Guennigmann