Fieldtrip
nach Temisgam und Dha Hanu
Mit einem Tag Verspätung, die Herrschaften vom Permitamt pflichteten
einem Eishockeyspiel bei, konnten wir (Norbu, Dolkar, Anke und Suse),
den Jeep voll gepackt mit Heater, Küchenutensilien, warmen
Decken und Hilfsmitteln, Richtung Temisgam aufbrechen.
Das erste Kind, Stanzin Yangdol, welches wir aufgrund der Kälte
im Haus draußen auf einer Matte durchrotiert haben, um ihre
Strukturen zu lockern, verzauberte uns mit ihrer fröhlichen
Art dermaßen, dass wir alles rundherum vergaßen. Jigmet
Tsewang, wie Stanzin ein Kind mit CP, trafen wir in einer so verraucht-
und verrußten Küche an, dass für uns, die wir durch
unsere Schals zu atmen versuchten, schnell klar war, dass ein Aufenthalt
länger als 30 Minuten für uns nicht möglich sein
wird. Da kommt einem das Wort "Sekundärschäden"
in den Sinn. Dolkar konnte beide Familien davon überzeugen
in das für Februar geplante Hostel nach Leh für einen
längeren Aufenthalt zu kommen, um intensive Therapie zu gewährleisten
und die Angehörigen bestmöglich anzuleiten. Da das geplante
Kind 3 und 4 sich entweder in Leh befanden, bzw. nicht zu Hause
waren, konnten wir in unsere Unterkunft, das Namra-Hotel, einkehren.
Das herzlich zubereitete Dinner war schon oberdeluxe, der Chang,
am warmen Ofen sitzend, stellte für uns das Sahnehäubchen
dar. Da verdrängt man glatt einmal die Minusgrade im Schlafraum.
Am folgenden Morgen konnten wir das nächste Kind nach Leh einladen,
da die maßgeorderte Peroneusschiene, die wir aus Deutschland
mitgebracht haben, eindeutig immer noch doppelt zu groß war,
in Anbetracht eines muskellosen Unterschenkels. Wir werden mit Norbu
gemeinsam eine Schiene für den Jungen anfertigen. Danach brachen
wir zu einer längeren Reise bis auf 20 Kilometer an die pakistanische
Grenze auf. Wir passierten mehrere Checkposten bis wir Hanu Gongma
erreichten. Zu Fuß, über Stock und Stein in einer unbeschreiblich
schönen Gegend stiegen wir zu Tsewang Namgail auf. Das in den
Hang gebaute Dorf und deren Bewohner strahlten ein mittelalterliches
Flair aus. Es war uns nicht möglich an Tsewang, der fürchterlich
weinte, heranzukommen. Vielleicht lag es an der Anwesenheit des
ganzen Dorfes, welches sich um uns versammelt hatte, vielleicht
aber auch an der Abwesenheit seiner Mutter, was ihm Angst bereitete.
Die einigen Schritte, die er von uns "weggelaufen" ist,
ließen auf positive motorische Entwicklung schließen.
Nach einem Gespräch Dolkars mit den Verwandten ist jedoch auch
eine Muskeldystrophie nicht auszuschließen. Dies bedarf einer
genauen Abklärung in Leh. Von den Dorfbewohnern erfuhren wir,
dass ein weiteres Kind, welches von uns besucht werden sollte, vor
2 Monaten verstorben ist. Die mitgebrachte warme Kleidung werden
nun deren Geschwister tragen. Betreten fuhren wir zu unserer Unterkunft
in Hanau Paroli weiter. Dort angekommen, mussten wir erst eine ganze
Weile auf den Watchguard warten, der uns Einlass gewährte.
Nach einem selbst zubereiteten Abendmahl legten wir uns alle vier
im selben Zimmer zur Nachtruhe. Norboo musste mit der Couch vorlieb
nehmen, während die Damen zu dritt in einem Doppelbett schliefen.
Am nächsten Morgen, nach einem äußerst füllenden
Haferbreifrühstück, machten wir uns zu unserem letzten
kleinen Patienten auf. Zakir Hussein lebt im Kargil District, weshalb
wir wieder einmal einen Checkposten passieren mussten. Zakir war
guter Stimmung und sehr kooperativ. Im Februar wird auch er zur
Therapie nach Leh kommen und bis dahin hoffentlich fleißig
die ihm aufgetragene Hausaufgaben durchführen.
Nach einer Unterbrechung, die als Mittagspause benutzt wurde, fuhren
wir nach Leh zurück. Es war eine tolle Erfahrung für uns
beide, an einem Fieldtrip teilnehmen zu können, und wir hoffen,
dass es nicht der Letzte gewesen ist.
Bildergalerie
Total
verrußte Küche

Besuche
bei unseren Kindern


Jigmet
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Stanzin
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Tsewang-N.
hat Hunger

Urgyen
mit seinem verkümmerten Unterschenkel
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Unsere
Wege zu den Kindern führen oft steil bergauf durch malerische
Gegenden, unten eines der Gästehäuser, in dem wir übernachtet
haben




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Behandlung
von Zakir-Hussein
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Bericht
von Anke und Susi, Ergotherapeutinnen