Fieldtrip Dha Hanu Januar 2010

Fieldtrip nach Temisgam und Dha Hanu


Mit einem Tag Verspätung, die Herrschaften vom Permitamt pflichteten einem Eishockeyspiel bei, konnten wir (Norbu, Dolkar, Anke und Suse), den Jeep voll gepackt mit Heater, Küchenutensilien, warmen Decken und Hilfsmitteln, Richtung Temisgam aufbrechen.


Das erste Kind, Stanzin Yangdol, welches wir aufgrund der Kälte im Haus draußen auf einer Matte durchrotiert haben, um ihre Strukturen zu lockern, verzauberte uns mit ihrer fröhlichen Art dermaßen, dass wir alles rundherum vergaßen. Jigmet Tsewang, wie Stanzin ein Kind mit CP, trafen wir in einer so verraucht- und verrußten Küche an, dass für uns, die wir durch unsere Schals zu atmen versuchten, schnell klar war, dass ein Aufenthalt länger als 30 Minuten für uns nicht möglich sein wird. Da kommt einem das Wort "Sekundärschäden" in den Sinn. Dolkar konnte beide Familien davon überzeugen in das für Februar geplante Hostel nach Leh für einen längeren Aufenthalt zu kommen, um intensive Therapie zu gewährleisten und die Angehörigen bestmöglich anzuleiten. Da das geplante Kind 3 und 4 sich entweder in Leh befanden, bzw. nicht zu Hause waren, konnten wir in unsere Unterkunft, das Namra-Hotel, einkehren. Das herzlich zubereitete Dinner war schon oberdeluxe, der Chang, am warmen Ofen sitzend, stellte für uns das Sahnehäubchen dar. Da verdrängt man glatt einmal die Minusgrade im Schlafraum.


Am folgenden Morgen konnten wir das nächste Kind nach Leh einladen, da die maßgeorderte Peroneusschiene, die wir aus Deutschland mitgebracht haben, eindeutig immer noch doppelt zu groß war, in Anbetracht eines muskellosen Unterschenkels. Wir werden mit Norbu gemeinsam eine Schiene für den Jungen anfertigen. Danach brachen wir zu einer längeren Reise bis auf 20 Kilometer an die pakistanische Grenze auf. Wir passierten mehrere Checkposten bis wir Hanu Gongma erreichten. Zu Fuß, über Stock und Stein in einer unbeschreiblich schönen Gegend stiegen wir zu Tsewang Namgail auf. Das in den Hang gebaute Dorf und deren Bewohner strahlten ein mittelalterliches Flair aus. Es war uns nicht möglich an Tsewang, der fürchterlich weinte, heranzukommen. Vielleicht lag es an der Anwesenheit des ganzen Dorfes, welches sich um uns versammelt hatte, vielleicht aber auch an der Abwesenheit seiner Mutter, was ihm Angst bereitete. Die einigen Schritte, die er von uns "weggelaufen" ist, ließen auf positive motorische Entwicklung schließen. Nach einem Gespräch Dolkars mit den Verwandten ist jedoch auch eine Muskeldystrophie nicht auszuschließen. Dies bedarf einer genauen Abklärung in Leh. Von den Dorfbewohnern erfuhren wir, dass ein weiteres Kind, welches von uns besucht werden sollte, vor 2 Monaten verstorben ist. Die mitgebrachte warme Kleidung werden nun deren Geschwister tragen. Betreten fuhren wir zu unserer Unterkunft in Hanau Paroli weiter. Dort angekommen, mussten wir erst eine ganze Weile auf den Watchguard warten, der uns Einlass gewährte. Nach einem selbst zubereiteten Abendmahl legten wir uns alle vier im selben Zimmer zur Nachtruhe. Norboo musste mit der Couch vorlieb nehmen, während die Damen zu dritt in einem Doppelbett schliefen.


Am nächsten Morgen, nach einem äußerst füllenden Haferbreifrühstück, machten wir uns zu unserem letzten kleinen Patienten auf. Zakir Hussein lebt im Kargil District, weshalb wir wieder einmal einen Checkposten passieren mussten. Zakir war guter Stimmung und sehr kooperativ. Im Februar wird auch er zur Therapie nach Leh kommen und bis dahin hoffentlich fleißig die ihm aufgetragene Hausaufgaben durchführen.


Nach einer Unterbrechung, die als Mittagspause benutzt wurde, fuhren wir nach Leh zurück. Es war eine tolle Erfahrung für uns beide, an einem Fieldtrip teilnehmen zu können, und wir hoffen, dass es nicht der Letzte gewesen ist.


Bildergalerie

Total verrußte Küche

Besuche bei unseren Kindern

Jigmet

Stanzin

 

Tsewang-N. hat Hunger

 

Urgyen mit seinem verkümmerten Unterschenkel

 

Unsere Wege zu den Kindern führen oft steil bergauf durch malerische Gegenden, unten eines der Gästehäuser, in dem wir übernachtet haben

 

Behandlung von Zakir-Hussein

Bericht von Anke und Susi, Ergotherapeutinnen



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