Chouchot ist eine
Ortschaft, die nur ca. 20 Minuten mit dem Auto von Leh entfernt liegt.
Hier befindet sich ein Hostel fuer Kinder, die dort leben und in die
Schule gehen. Manche von ihnen haben irgendeine Art von Behinderung
bzw. Auffaelligkeit, sei es koeperlicher oder geistiger Natur.

Chuchot
Hostel eingebettet in die einsame Bergkulisse
Und da viele
von ihnen urspruenglich aus weit entfernten Regionen Ladakhs kommen
wird den Kindern (z.Zt. leben hier ca. 20) in Chouchot die Moeglichkeit
gegeben einer adaequaten Schulbildung nachzukommen, die sie zu Hause
nicht haetten.
Am 17. Maerz war
es wieder mal soweit, das Chouchot-Camp stand an. Das bedeutet, das
seitens der Regierung bzw. des Educational Departement Einladungen
in die ganze Region verschickt werden in der Hoffnung, dass moeglichst
viele diesem Ruf' folgen, und sich zu einem festgelgten Datum
im Chouchot-Hostel einfinden. Wie viele Eltern mit ihren Sproesslingen
dann tatsaechlich dort auftauchen werden bleibt immer bis zum Schluss
spannend. Wie so oft in Ladakh heisst es auch hier: Abwarten und mal
schauen was so passieren wird.

Geduld
ist gefragt und wird geübt
Wir, d.h. die
Physiotherapeuten von LADAKH-HILFE, wurden auch dazu eingeladen, ebenso
wie zwei Sonderpaedagogen, damit eine professionelle Beurteilung der
Kinder vorgenommen werden kann. Denn gerade den Behinderten soll waehrend
dieses Camps die Option auf eine zukuenftige Schulbildung gegeben
werden, sofern sie ob der Schwere ihrer Behinderung in das Hostelleben
integriert werden koennen. Und da das Chouchot-Hostel mit seinen Kindern
auch bei uns 'mit im Programm' ist gibt es dadurch die physiotherapeutische
Behandlung einmal woechentlich gratis dazu.
Der Morgen dieses
Freitags fing schon sehr vielversprechend an, da uns Petrus (bzw.
das ladakhische Pedant dazu) einen wolkenlosen blauen Himmel bescherte,
was uns natürlich nach mehreren Wochen mit immer mal wieder grauen
Phasen' sehr freute.
Da alles seitens der Regierung organisert war, und wir auch offiziell
mit Brief eingeladen waren, mussten wir uns um den Transport keine
Gedanken machen. Zusammen mit den Sonderpaedagogen wurden wir in einem
Taxi zu dem Hostel gebracht. Dort angekommen, erwarteten uns dann
mehrere Regierungsbeamte (viele im traditionellen ladakhischen Gewand)
und auch ein paar Kinder hatten sich dort eingefunden.

Die
Leute kommen aus der ganzen Gegend zum Hostel
Im Ganzen waren
es dann sechs zu Beurteilende. Manche ware mit den Grosseltern gekommen


Kind
mit Opa und das Kind, das alleine da war
manche mit den
Eltern, ein Kind hatte dort aber auch schon ein paar Tage alleine
verbracht, da die Eltern wieder nach Hause zur Feldarbeit gefahren
waren.
Wir suchten uns draussen eine schoene sonnige Ecke, um mit unserer
Beurteilung bzw. Befundung zu beginnen.


Zugegebenermassen
ging unsere Arbeit sehr schnell voran. Ein Geschwisterpaar war im
kognitiven Bereich und in der Balancefaehigkeit aufaellig, FOTO 6a
ein Maedchen hatte Probleme rheumatischer Natur in den Haenden. Des
weiteren ein Junge mit einer Tetraparese, der trotz seiner Behinderung
aber wunderbar aktiv und lebhaft war. Eine reine Freude ihm beim Spielen
zuzuschauen.

Der
Junge mit der Tetraparese
Fuer ihn waere
das Chouchot-Hostel unter Umstaenden zukuenftig etwas gewesen, aber
die Mutter fing bitterlich zu weinen an, als man ihr diese Option
unterbreitete. Mit der realen Situation, ihren Jungen dort zu lassen,
fuehlte sie sich augenscheinlich nicht sehr wohl. Deswegen wurde dann
in ihrem Sinne entschieden: wir behandeln das Kind im Zuge unserer
woechentlichen Hausbesuchsrunde. Eine Schule, die gut von zu Hause
erreicht werden kann, soll die naechsten Wochen auch gefunden werden,
so versprach uns die Sonderpaedagogin. Zwei der Kinder besassen gar
keine koeperlichen Auffaelligkeiten.
Zum Abschluss
des Tages, nachdem uns natuerlich ein leckeres verspaetetes Mittagessen
gereicht wurde,


Dolker,
Eike und Kerstin beim Futtern
gab es es dann
viele Reden seitens der anwesenden Regierungsbeamten. Allerdings wurden
diese alle auf Ladakhi gehalten, so dass wir nicht wirklich verstanden
worum es eigentlich ging.

Ohne
große Reden geht nichts
Aber das tat
dem ganzen Tag keinen Abbruch, denn wichtig war und ist, dass LADAKH-HILFE,
so wie es scheint, nun hier in der Region als eine wichtige und sinnvolle
Organisation angesehen wird, welche von Nöten ist, wenn es um
die Belange und Beurteilung von Behinderten geht.
Artikel und
Bilder von Kerstin Petkat
Anmerkung
der Redaktion:
Erklärung
Chuchot Hostel: Ein Hostel funktioniert wie ein Heim, die Kinder kommen
im März zum Schulbeginn in das Heim, leben dort und gehen in
eine öffentliche oder private Schule bis Anfang Dezember. Dann
kommt die Winterpause.. Die Kinder vom Chuchot Hostel gehen in die
öffentliche Schule, die ganz in der Nähe ist. In Chuchot
gibt es die Möglichkeit für behinderte Kinder unter den
"gesunden" integriert zu werden. Der König von Ladakh,
Mr. Namgyal, gründete und baute das Hostel mit eigenen Finanzen,
ein Pilotprojekt. Seine Ziel war die effektive Integration der "Special
Children". Im Jahr 2006 übergab er in langen Diskussionen
und Sitzungen dieses Hostel an die Regierung. Er ist der Meinung,
dass sich in erster Linie die Regierung um diese Kinder und ihre Versorgung
kümmern sollte, womit er sehr recht hat. Dieses Jahr war das
erste Jahr, dass der "Hillcouncil", also die Landesverwaltung
Ladakhs, die Aufgabe des Camps übernahm. Die Kinder kommen, werden
von uns und den Sozialarbeitern der Regierung ob ihrer körperlichen
und kognitiven Fähigkeiten eingeschätzt und dann den entsprechenden
Klassen zugewiesen. Es heisst deswegen noch lange nicht,dass die behinderten
Kinder einen angepassten Unterricht erhalten. Da liegen noch viele
Dinge im Argen, die wir Stück für Stück mit anderen
Beteiligten angehen. Es fehlt an einheimischen Sonderschullehrern,
die die Kinder entsprechend unterrichten. Seit 2006 gibt es in Ladakh
das erste Mal eine fähige Sonderschullehrerin, die bei der Regierung
für solche Zwecke angestellt wurde. Es tut sich was, aber man
braucht Geduld.
Unsere
Teams besuchen Chuchot und seine Kinder das ganze Schuljahr mindestens
einmal wöchentlich und kümmern sich um die Therapie.
K.
Kostial