Chuchot Camp März 2007

Chouchot ist eine Ortschaft, die nur ca. 20 Minuten mit dem Auto von Leh entfernt liegt. Hier befindet sich ein Hostel fuer Kinder, die dort leben und in die Schule gehen. Manche von ihnen haben irgendeine Art von Behinderung bzw. Auffaelligkeit, sei es koeperlicher oder geistiger Natur.

Chuchot Hostel eingebettet in die einsame Bergkulisse

Und da viele von ihnen urspruenglich aus weit entfernten Regionen Ladakhs kommen wird den Kindern (z.Zt. leben hier ca. 20) in Chouchot die Moeglichkeit gegeben einer adaequaten Schulbildung nachzukommen, die sie zu Hause nicht haetten.

Am 17. Maerz war es wieder mal soweit, das Chouchot-Camp stand an. Das bedeutet, das seitens der Regierung bzw. des Educational Departement Einladungen in die ganze Region verschickt werden in der Hoffnung, dass moeglichst viele diesem ‚Ruf' folgen, und sich zu einem festgelgten Datum im Chouchot-Hostel einfinden. Wie viele Eltern mit ihren Sproesslingen dann tatsaechlich dort auftauchen werden bleibt immer bis zum Schluss spannend. Wie so oft in Ladakh heisst es auch hier: Abwarten und mal schauen was so passieren wird.

Geduld ist gefragt und wird geübt

Wir, d.h. die Physiotherapeuten von LADAKH-HILFE, wurden auch dazu eingeladen, ebenso wie zwei Sonderpaedagogen, damit eine professionelle Beurteilung der Kinder vorgenommen werden kann. Denn gerade den Behinderten soll waehrend dieses Camps die Option auf eine zukuenftige Schulbildung gegeben werden, sofern sie ob der Schwere ihrer Behinderung in das Hostelleben integriert werden koennen. Und da das Chouchot-Hostel mit seinen Kindern auch bei uns 'mit im Programm' ist gibt es dadurch die physiotherapeutische Behandlung einmal woechentlich gratis dazu.

Der Morgen dieses Freitags fing schon sehr vielversprechend an, da uns Petrus (bzw. das ladakhische Pedant dazu) einen wolkenlosen blauen Himmel bescherte, was uns natürlich nach mehreren Wochen mit immer mal wieder ‚grauen Phasen' sehr freute.
Da alles seitens der Regierung organisert war, und wir auch offiziell mit Brief eingeladen waren, mussten wir uns um den Transport keine Gedanken machen. Zusammen mit den Sonderpaedagogen wurden wir in einem Taxi zu dem Hostel gebracht. Dort angekommen, erwarteten uns dann mehrere Regierungsbeamte (viele im traditionellen ladakhischen Gewand) und auch ein paar Kinder hatten sich dort eingefunden.

Die Leute kommen aus der ganzen Gegend zum Hostel

 

Im Ganzen waren es dann sechs zu Beurteilende. Manche ware mit den Grosseltern gekommen

Kind mit Opa und das Kind, das alleine da war

manche mit den Eltern, ein Kind hatte dort aber auch schon ein paar Tage alleine verbracht, da die Eltern wieder nach Hause zur Feldarbeit gefahren waren.


Wir suchten uns draussen eine schoene sonnige Ecke, um mit unserer Beurteilung bzw. Befundung zu beginnen.

Zugegebenermassen ging unsere Arbeit sehr schnell voran. Ein Geschwisterpaar war im kognitiven Bereich und in der Balancefaehigkeit aufaellig, FOTO 6a ein Maedchen hatte Probleme rheumatischer Natur in den Haenden. Des weiteren ein Junge mit einer Tetraparese, der trotz seiner Behinderung aber wunderbar aktiv und lebhaft war. Eine reine Freude ihm beim Spielen zuzuschauen.

Der Junge mit der Tetraparese

Fuer ihn waere das Chouchot-Hostel unter Umstaenden zukuenftig etwas gewesen, aber die Mutter fing bitterlich zu weinen an, als man ihr diese Option unterbreitete. Mit der realen Situation, ihren Jungen dort zu lassen, fuehlte sie sich augenscheinlich nicht sehr wohl. Deswegen wurde dann in ihrem Sinne entschieden: wir behandeln das Kind im Zuge unserer woechentlichen Hausbesuchsrunde. Eine Schule, die gut von zu Hause erreicht werden kann, soll die naechsten Wochen auch gefunden werden, so versprach uns die Sonderpaedagogin. Zwei der Kinder besassen gar keine koeperlichen Auffaelligkeiten.

Zum Abschluss des Tages, nachdem uns natuerlich ein leckeres verspaetetes Mittagessen gereicht wurde,

Dolker, Eike und Kerstin beim Futtern

gab es es dann viele Reden seitens der anwesenden Regierungsbeamten. Allerdings wurden diese alle auf Ladakhi gehalten, so dass wir nicht wirklich verstanden worum es eigentlich ging.

Ohne große Reden geht nichts

Aber das tat dem ganzen Tag keinen Abbruch, denn wichtig war und ist, dass LADAKH-HILFE, so wie es scheint, nun hier in der Region als eine wichtige und sinnvolle Organisation angesehen wird, welche von Nöten ist, wenn es um die Belange und Beurteilung von Behinderten geht.

Artikel und Bilder von Kerstin Petkat

Anmerkung der Redaktion:

Erklärung Chuchot Hostel: Ein Hostel funktioniert wie ein Heim, die Kinder kommen im März zum Schulbeginn in das Heim, leben dort und gehen in eine öffentliche oder private Schule bis Anfang Dezember. Dann kommt die Winterpause.. Die Kinder vom Chuchot Hostel gehen in die öffentliche Schule, die ganz in der Nähe ist. In Chuchot gibt es die Möglichkeit für behinderte Kinder unter den "gesunden" integriert zu werden. Der König von Ladakh, Mr. Namgyal, gründete und baute das Hostel mit eigenen Finanzen, ein Pilotprojekt. Seine Ziel war die effektive Integration der "Special Children". Im Jahr 2006 übergab er in langen Diskussionen und Sitzungen dieses Hostel an die Regierung. Er ist der Meinung, dass sich in erster Linie die Regierung um diese Kinder und ihre Versorgung kümmern sollte, womit er sehr recht hat. Dieses Jahr war das erste Jahr, dass der "Hillcouncil", also die Landesverwaltung Ladakhs, die Aufgabe des Camps übernahm. Die Kinder kommen, werden von uns und den Sozialarbeitern der Regierung ob ihrer körperlichen und kognitiven Fähigkeiten eingeschätzt und dann den entsprechenden Klassen zugewiesen. Es heisst deswegen noch lange nicht,dass die behinderten Kinder einen angepassten Unterricht erhalten. Da liegen noch viele Dinge im Argen, die wir Stück für Stück mit anderen Beteiligten angehen. Es fehlt an einheimischen Sonderschullehrern, die die Kinder entsprechend unterrichten. Seit 2006 gibt es in Ladakh das erste Mal eine fähige Sonderschullehrerin, die bei der Regierung für solche Zwecke angestellt wurde. Es tut sich was, aber man braucht Geduld.

Unsere Teams besuchen Chuchot und seine Kinder das ganze Schuljahr mindestens einmal wöchentlich und kümmern sich um die Therapie.

K. Kostial



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