Eine außergewöhnliche Anreise nach Ladakh

oder: wenn einer einer Reise tut, dann kann er was erzählen


Von Christine Kolbinger, Ergotherapeutin und Freiwillige für Ladakh-Hilfe

In Delhi kaum vom Flugzeug ausgestiegen, machte ich bereits Bekanntschaft mit zwei Kaschmiris, die mit dem gleichen Flugzeug reisten wie ich.
Ich erzählte ihnen dass ich über Manali nach Ladakh fahren wolle.Ganz entsetzt über mein Vorhaben berichteten sie mir, wie riskant und gefährlich diese Strasse sei, und das ich am besten meine Pläne ändern sollte.
Naja, diese "netten" Leute haben mich erst mal mit ihrem Taxi mitgenommen. Selbstverständlich umsonst! Anschließendes Frühstuck, Vorstellung in ihrer Familie, wo ich umsonst Übernachten kann, bis ich eine Lösung gefunden habe.
Dann der Vorschlag, er habe einen Freund im Reisebüro der mir mit Sicherheit helfen kann. Es ging dann erst mal weiter ins Reisebüro.Hier ebenfalls die Aussage: Strasse über Manali ist gesperrt (es war die Zeit des großen Regens), die andere Möglichkeit wäre, über die Srinagar-Strasse, wobei die Strasse nach Srinagar ebenfalls gesperrt sei und dass die einzige Möglichkeit wäre,nach Srinagar zu fliegen und dann mit dem Bus weiter nach Leh zu fahren.


So buchte ich einfach mal ins Blaue meinen Flug nach Srinagar, zwei Nächte, Hausboot und die Weiterfahrt mit dem Bus nach Leh.
Der Preis war natürlich total überteuert, was ich im Nachhinein feststellte.Wie viel der Betrug war, weis ich bis heute noch nicht.
Ebenfalls fraglich ist, ob die Strassen wirklich gesperrt waren!


Anschließend wurde ich wieder in die Familie gebracht, war ja auch supernett, konnte mich ausruhen, bekam essen, hatte Begleitung beim Einkaufen usw. Jedoch nach der Frage, ob den der Preis o.K sei, den ich im Reisebüro gezahlt hatte, tat jeder hier sehr überrascht, wie billig ich gebucht hatte.
Kaschmiris - eine Wissenschaft für sich!
Nach einer schlaflosen Nacht mit 8 Kaschmiris im Zimmer, wurde ich mit dem Taxi zum Flughafen gebracht. Erst mal orientieren, drei mal durch den Check-Point, beim vierten Mal Rucksack ausräumen, bis mein Wecker
gefunden war (doch keine Bombe).
Endlich saß ich im Flieger, ein Genuss nach den Strapazen in Dehli. Ca. 2 Stunden Flug. Dann Ankunft in Srinagar, war sehr gespannt was mich erwarten würde, weil die politische Lage dort doch etwas angespannt ist. Gleich am Flughafen wurde ich zweimal vom Militär registriert.
Wie gebucht, wurde ich von einem Taxi abgeholt und zum Hausboot gebracht. Ich wurde dort sehr nett empfangen und bekam Mittagessen.
Anschließend ging man zum Geschäft über! Welche Trecks, Ausflüge ich machen möchte usw. Bei der der Frage nach dem Preis schlackerte ich mit dem Ohren und entschloss mich, erst mal auf meinem Hausboot zu bleiben.
Außer einer Stadtrundfahrt und einem kleinen Ausflug nach Phalgram unternahm ich des Weiteren nichts Besonderes.


Nach zwei Tagen sollte es dann mit dem Bus weiter Richtung Leh gehen, alles schien zu klappen, ich fuhr am Morgen zum Busbahnhof, Gepäck wurde aufgeladen, ich hatte sogar einen Sitzplatz neben einer anderen Deutschen.
Dies war wirklich eine Wohltat, nachdem ich 3 Tage nur Kaschmiris um mich hatte.Der Bus fuhr los, eine wunderschöne Fahrt durch Kaschmir.
Nach ca. 2 Stunden Fahrt stoppt der Bus. Der Busfahrer unterhält sich mit einem Militärposten, es scheint irgendetwas mit der Strasse nicht OK zu sein. Aber wir fahren weiter, wird wohl nicht so schlimm sein! Wieder eine
Stunde Fahrt. Dann Straßensperre, wir dürfen nicht mehr weiterfahren!
So, nun mal abwarten was passiert, 1 Stunde warten, 2 Stunden warten, dann die Nachricht,die Strasse sei nun für drei Tage gesperrt.
Die Stimmung im Bus war nun so ziemlich am Boden, vor allem weil in Srinagar der indische Unabhängigkeitstag bevorstand, und wir ausdrücklich gewarnt wurden, uns an diesem Tag in Srinagar aufzuhalten.
Es hilft alles nichts, erst mal wieder zurück nach Srinagar.
Wahrend der Fahrt entschlossen wir "Westler" uns, zur Sicherheit vor den Unruhen des Feiertages, in einen kleinen Ort Namens Gulmarg zu fahren. Nachdem wir wieder in Srinagar waren, teilten wir uns zu siebt ein Taxi und brachen sofort dorthin auf.
Nach 3 schönen Tagen in Gulmag, ging's denn weiter Richtung Leh.
Der Rest der Reise verlief dann -Gott sei Dank- reibungslos.

Und die Moral von der Geschicht, trau keinem ………nicht.



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