Teillnehmer: Chuskit, Tundup, Jule, Katharina, Dolma (NIRLAC)
Kaum
ist es in Leh Frühling geworden, es grünt und wird von
Tag zu Tag wärmer, machen wir uns auf den Weg über den
Chang La, wo noch immer der Winter herrscht, in die Hochebene von
Changtang. Hier ist es doch noch etwas kälter und der Frühling
ist noch nicht bis hier herauf gekommen, gut dass wir für alle
Patienten hier oben warme Winterjacken im Gepäck haben.

Tundup,
Dolma, Chuskit und Kathi am kalten Pangong
Auf dem Weg nach Tangtse besuchen wir den jungen Mönch Konchock
Tarchin, der seit einem Scooterunfall an einer Ataxie leidet. Stolz
zeigt er uns die Übungen die er täglich macht: Schreiben,
Gehen, Vierfüßlerstand. Er ist sehr motiviert und diszipliniert
und das Gehen wird immer besser. Man merkt ihm die Freude über
unsere Behandlung sichtlich an.

Konchuk
Tarchin lernt das Gehen mit Jule
Zufrieden
fahren wir weiter zum nächsten Patienten. Hier sieht die Situation
leider nicht so erfreulich aus und wir müssen einsehen, dass
wir für diesen jungen Mann nicht viel machen können, da
er vor allem mental schwer behindert ist, außer die Mutter
dazu zu ermuntern ihn mehr am alltäglichen Leben teilnehmen
zu lassen und ihm kleine sinnvolle Aufgaben im Haushalt zu geben.
Am nächsten Tag brechen wir früh auf, da wir einen weiten
Weg vor uns haben. Wir fahren stundenlang am PangongLake entlang,
der sich im tiefsten Blau in der strahlenden Sonne bis nach China
erstreckt.

Ohne
Worte....
Auf
dem Dach unseres Jeeps lassen wir diese wunderschöne Landschaft
an uns vorbeiziehen auf dem Weg zu zwei Patienten, die in einem
Gebiet leben, wo kein Tourist hindarf. Was ein Glück, dass
wir therapeutische Touristen sind. Zunächst besuchen wir Stanzin
Dolma.

Stanzin
Dolma in ihrem Rollstuhl
Sie
ist ein aufgewecktes, fröhliches Mädchen, die sich sehr
über unseren Besuch freut. Wir zeigen den Eltern einige Übungen
und adaptieren den Rollstuhl.
Stanzin Lamo, die nächste Patientin stammt aus einer sehr armen
Familie. Wir unterstützen die Familie finanziell etwas, um
Medikamente für Stanzin zu kaufen, die an einer Rheumatischen
Erkrankung leidet. Wir zeigen Stanzin ein paar Übungen, die
sie sehr gewissenhaft und konzentriert durchführt. Dolma (NIRLAC)
leitet alles in die Wege, damit Stanzin nach Leh ins Chuchot Hostel
aufgenommen werden kann, wo sie sehr gerne hin möchte. Auf
dem Rückweg weisen wir die Healthworker in einem Dorf ein,
wie sie eine ältere Frau mit starker Skoliose atemtherapeutisch
betreuen können. Die alte Frau ist sehr dankbar, dass sich
jemand um sie kümmert.

Kathi
bei der Therapie
Nach erfolgreichen Therapien machen wir uns bei Sonnenuntergang
auf den Rückweg am See entlang......das hat schon fast was
von Urlaub! Durchgeschüttelt und hungrig kommen wir spät
abends in Tangtse an, wo Chuskit und Dolma noch leckeres Essen für
uns zaubern.
Am nächsten Tag kommen wir etwa 50m weit, als wir ein merkwürdiges
Geräusch hören.....dass klingt nach Luft, die aus dem
Autoreifen kommt......und es ist Luft. Also erstmal Reifen wechseln!
Aber wir haben ja zum Glück unseren Tundup, der einfach jede
Situation im Griff hat und keine 15 Minuten später geht's mit
Ersatzreifen weiter.

Ein weiteres CP Kind, Stanzin Shakya, den wir, sehr zur Freude der
Therapeuten, in Bauchlage spielend antreffen (das sieht man hier
doch zu selten). Die Eltern kümmern sich sehr gut um den Kleinen
und wir sind zufrieden. Nächstes Mal werden wir einen Stuhl
für Stanzin mitbringen, denn er macht deutlich bemerkbar, dass
er nicht mehr nur liegen will, sondern sich in höheren Positionen
viel wohler fühlt.
Bei der nächsten Patientin, einer älteren Frau mit Apoplex,
müssen wir leider feststellen, dass sich ihre Situation sehr
verschlechtert hat. Es haben sich übelste Kontrakturen und
Dekubiti gebildet und sie will gar nichts mehr machen. Wir weisen
die Healthworkerin ein, täglich die Wunden zu reinigen und
die Frau stündlich zu lagern, um eine weitere Verschlechterung
zu vermeiden.

Tashi
Namgyal vor seinem Haus
Auch dem nächsten Patienten, Tashi Namgyal, geht es nicht sehr
gut, seine Medikamente sind ausgegangen und die Familie hat kein
Geld für neue. Dadurch ist seine ganze Bewegung beherrscht
von seinen ataktisch-athetotischen Bewegungsmustern. Wir verabreden
mit der Mutter, uns nächste Woche in Leh zutreffen, um gemeinsam
zum Arzt zu gehen und Medikamente zu besorgen. NIRLAC wird sich
dann auch darum kümmern, staatliche finanzielle Unterstützung
zu bekommen (das sind 50 Euro im Monat von denen dann die ganze
Familie leben muss!!!). Die Familie ist uns sehr dankbar.
Zu guter Letzt schauen wir noch nach Rigzin Yandol. Wir treffen
sie in der Schule an und stellen erfreut fest, dass sie trotz starker
Skoliose ohne große Probleme bei allem Unterricht und am täglichen
Leben teilnehmen kann. Wir zeigen ihr noch ein paar Kräftigungs-
und Dehnübungen und machen uns wieder auf den weiten Weg zurück
nach Leh.
Ein erfolgreicher Trip liegt hinter uns
und als wir über den Pass wieder hinunter ins Industal fahren
sehen wir mit Freuden, dass es noch grüner
geworden ist.
Bericht
von Jule Blach