Changtang- Tangtse Fieldtrip

03.05.-05.05.08


Teillnehmer: Chuskit, Tundup, Jule, Katharina, Dolma (NIRLAC)

Kaum ist es in Leh Frühling geworden, es grünt und wird von Tag zu Tag wärmer, machen wir uns auf den Weg über den Chang La, wo noch immer der Winter herrscht, in die Hochebene von Changtang. Hier ist es doch noch etwas kälter und der Frühling ist noch nicht bis hier herauf gekommen, gut dass wir für alle Patienten hier oben warme Winterjacken im Gepäck haben.

Tundup, Dolma, Chuskit und Kathi am kalten Pangong


Auf dem Weg nach Tangtse besuchen wir den jungen Mönch Konchock Tarchin, der seit einem Scooterunfall an einer Ataxie leidet. Stolz zeigt er uns die Übungen die er täglich macht: Schreiben, Gehen, Vierfüßlerstand. Er ist sehr motiviert und diszipliniert und das Gehen wird immer besser. Man merkt ihm die Freude über unsere Behandlung sichtlich an.

 

Konchuk Tarchin lernt das Gehen mit Jule

Zufrieden fahren wir weiter zum nächsten Patienten. Hier sieht die Situation leider nicht so erfreulich aus und wir müssen einsehen, dass wir für diesen jungen Mann nicht viel machen können, da er vor allem mental schwer behindert ist, außer die Mutter dazu zu ermuntern ihn mehr am alltäglichen Leben teilnehmen zu lassen und ihm kleine sinnvolle Aufgaben im Haushalt zu geben.


Am nächsten Tag brechen wir früh auf, da wir einen weiten Weg vor uns haben. Wir fahren stundenlang am PangongLake entlang, der sich im tiefsten Blau in der strahlenden Sonne bis nach China erstreckt.

Ohne Worte....

Auf dem Dach unseres Jeeps lassen wir diese wunderschöne Landschaft an uns vorbeiziehen auf dem Weg zu zwei Patienten, die in einem Gebiet leben, wo kein Tourist hindarf. Was ein Glück, dass wir therapeutische Touristen sind. Zunächst besuchen wir Stanzin Dolma.

Stanzin Dolma in ihrem Rollstuhl

Sie ist ein aufgewecktes, fröhliches Mädchen, die sich sehr über unseren Besuch freut. Wir zeigen den Eltern einige Übungen und adaptieren den Rollstuhl.
Stanzin Lamo, die nächste Patientin stammt aus einer sehr armen Familie. Wir unterstützen die Familie finanziell etwas, um Medikamente für Stanzin zu kaufen, die an einer Rheumatischen Erkrankung leidet. Wir zeigen Stanzin ein paar Übungen, die sie sehr gewissenhaft und konzentriert durchführt. Dolma (NIRLAC) leitet alles in die Wege, damit Stanzin nach Leh ins Chuchot Hostel aufgenommen werden kann, wo sie sehr gerne hin möchte. Auf dem Rückweg weisen wir die Healthworker in einem Dorf ein, wie sie eine ältere Frau mit starker Skoliose atemtherapeutisch betreuen können. Die alte Frau ist sehr dankbar, dass sich jemand um sie kümmert.

Kathi bei der Therapie


Nach erfolgreichen Therapien machen wir uns bei Sonnenuntergang auf den Rückweg am See entlang......das hat schon fast was von Urlaub! Durchgeschüttelt und hungrig kommen wir spät abends in Tangtse an, wo Chuskit und Dolma noch leckeres Essen für uns zaubern.
Am nächsten Tag kommen wir etwa 50m weit, als wir ein merkwürdiges Geräusch hören.....dass klingt nach Luft, die aus dem Autoreifen kommt......und es ist Luft. Also erstmal Reifen wechseln! Aber wir haben ja zum Glück unseren Tundup, der einfach jede Situation im Griff hat und keine 15 Minuten später geht's mit Ersatzreifen weiter.

 

Ein weiteres CP Kind, Stanzin Shakya, den wir, sehr zur Freude der Therapeuten, in Bauchlage spielend antreffen (das sieht man hier doch zu selten). Die Eltern kümmern sich sehr gut um den Kleinen und wir sind zufrieden. Nächstes Mal werden wir einen Stuhl für Stanzin mitbringen, denn er macht deutlich bemerkbar, dass er nicht mehr nur liegen will, sondern sich in höheren Positionen viel wohler fühlt.


Bei der nächsten Patientin, einer älteren Frau mit Apoplex, müssen wir leider feststellen, dass sich ihre Situation sehr verschlechtert hat. Es haben sich übelste Kontrakturen und Dekubiti gebildet und sie will gar nichts mehr machen. Wir weisen die Healthworkerin ein, täglich die Wunden zu reinigen und die Frau stündlich zu lagern, um eine weitere Verschlechterung zu vermeiden.

Tashi Namgyal vor seinem Haus


Auch dem nächsten Patienten, Tashi Namgyal, geht es nicht sehr gut, seine Medikamente sind ausgegangen und die Familie hat kein Geld für neue. Dadurch ist seine ganze Bewegung beherrscht von seinen ataktisch-athetotischen Bewegungsmustern. Wir verabreden mit der Mutter, uns nächste Woche in Leh zutreffen, um gemeinsam zum Arzt zu gehen und Medikamente zu besorgen. NIRLAC wird sich dann auch darum kümmern, staatliche finanzielle Unterstützung zu bekommen (das sind 50 Euro im Monat von denen dann die ganze Familie leben muss!!!). Die Familie ist uns sehr dankbar.


Zu guter Letzt schauen wir noch nach Rigzin Yandol. Wir treffen sie in der Schule an und stellen erfreut fest, dass sie trotz starker Skoliose ohne große Probleme bei allem Unterricht und am täglichen Leben teilnehmen kann. Wir zeigen ihr noch ein paar Kräftigungs- und Dehnübungen und machen uns wieder auf den weiten Weg zurück nach Leh.


Ein erfolgreicher Trip liegt hinter uns und als wir über den Pass wieder hinunter ins Industal fahren sehen wir mit Freuden, dass es noch grüner geworden ist.

Bericht von Jule Blach



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