Neue Reise nach Chang Tang

Chan Tang, 17. - 19. Juni, Nicole van Gansewinkel, Isabelle Cormier, kanadische Ergotherapeutin, Tundup, Yountan (unser Taxifahrer)

Für mich ist dieser Fieldtrip in den Durbuck Block (Chan Tang) von Ladakh etwas sehr besonderes, denn vor 3 Jahren als ich zum ersten Mal für Ladakh-Hilfe gearbeitet habe, war dies mein erster Trip. Damals fuhr ich zusammen mit 3 Angestellten von NIRLAC für eine Woche in diesen Block. Die besuchten diese Gegend damals auch zum ersten Mal. Jetzt konnte ich zum vierten Mal zu den von damals bekannten Familien reisen, diesmal mit Isabelle Cormier (Ergotherapeutin aus Kanada), Tundup und Yountan. Es ist sehr schön zu sehen was sich aus den Anfängen in der Zwischenzeit durch die regelmäßigen Besuche und durch die verschiedenen Ideen unserer Therapeuten entwickeln konnte.

Zeitraubender Kampf um die Bewilligung zur Einreise

Diesmal wollten wir noch ein weiteres Dorf "Merak" besuchen, da wir 2 Kinder von dort vorher in einem Camp für behinderte Kinder in Leh schon kennen gelernt hatten. Um dieses Dorf "Merak" besuchen zu dürfen brauchen wir, Isabelle und Ich, eine ganz spezielle Bewilligung. Es befindet sich sehr nahe an der Grenze zu China (Tibet) und ist für Ausländer noch nicht geöffnet. Diese Bewilligung hat mich bei den Vorbereitungen zum Trip ganz schön auf Trab gehalten!
Zuerst muss ich einen schriftlichen Antrag mit Visa und Ausweis an den DC (district comissioner) stellen..., dies allein braucht schon mehrere Anlaufe, denn es ist nicht so einfach diesen "wichtigen Mann" zu treffen. Als ich ihm unser Anliegen unterbreiten konnte, war er jedoch sehr freundlich und kooperativ, gab auch sein O.K. für die Bewilligung. Dann wurde ich an verschiedene Angestellte weitergeleitet, musste mich in einer langen Reihe anstellen und als ich es endlich geschafft hatte, meint dieser "andere wichtige Mann" dann: "Nein, diese Erlaubnis können wir wirklich nicht ausstellen...". Aber so schnell lasse ich mich nicht unterkriegen, denn ich hatte ja die Erlaubnis vom obersten Chef. Am nächsten Tag stand ich dann mit Tundup wieder dort im Büro auf der Matte. An diesem Tag war ich 5 Stunden damit beschäftigt, die Erlaubnis zu organisieren...um 19.00 kam dann der DC in einer Kolonne angefahren. Er wurde vom Militär begleitet, seine Scheiben waren verdunkelt. Kaum hielten die Autos an, wurde ihm auch schon die Tür aufgehalten... Na und dann innerhalb von 5 Minuten konnte ich das Büro mit der ersehnten Erlaubnis verlassen. Da war ich dann schon stolz und froh und natürlich ganz besonders gespannt auf die 2 Familien mit behinderten Kindern in Merak!

Yountains "Headbanger-Mobile"!!!

Am nächsten Tag ging es früh los, aber da mein Magen verstimmt war, konnte ich die schöne Fahrt nach Shayok gar nicht genießen. Es freute mich aber, dass es Isabelle, der Kanadierin gut ging und sie fleißig Photos machte, denn auf der Fahrt kann man sich ja wie ein Tourist benehmen. Angekommen in Shayok wurde ich dann wieder munter, denn ich hatte mich sehr gefreut Tarchin den Mönch (34 Jahre) wieder zu sehen. Diejenigen die ihn kennen lernen durften, können mich da sicher verstehen und wissen, wie besonders er und seine Situation sind. Vor einigen Jahren hatte er ein Schädelhirntrauma durch einen Scooterunfall. Tarchin erkannte t mich sofort wieder und wusste sogar meinen Namen. Er sprach viel deutlicher und wirkt kräftiger. Nach Tee und Gespräch waren Isabelle und ich sehr neugierig auf seine Fortschritte. Ich wusste, dass die Physiotherapie sehr wichtig für ihn ist, dass er sehr diszipliniert übt, motiviert ist und unsere Vorschläge gut in die Praxis umsetzten kann. Im Mai hatte er nun endlich einen Rollator aus Deutschland bekommen. Ja, und das ist wirklich super, denn er kann jetzt völlig selbständig damit in der Küche und auf dem Vorplatz laufen! Super für ihn!

Tarchin mit seinem Rollator im Juni 07


Sein größtes Anliegen und das der Mutter ist jedoch immer noch der Toilettengang. Dies ist ein schwieriges Thema. Tundup fühlte sich bei dieser Diskussion gar nicht wohl, es war für ihn noch neu. Aber Yountan nahm kein Blatt vor den Mund und konnte ganz offen unsere Anregungen an die Familie weitergeben. Isabelle und ich mussten dabei immer wieder ein bisschen schmunzeln. Die Situation war interessant, denn Tarchin selbst hatte bei dem Thema gar keine Mühe. Für ihn ist dies so wichtig, denn er wird von seiner Mutter immer noch heraus getragen auf die Toilette und will sehr gerne selbständig werden. Am Ende fanden wir Lösungen die er auch in die Tat umsetzen kann und Tarchin war zufrieden und stolz auf sich. Es ist sehr schön zu sehen, was alles machbar wird durch Motivation und Willen. Und natürlich durch den Rollator wodurch er wieder selbständig laufen kann.

Tarchins Mutter in ihrer Küche

Die Fahrt in das weiter entfernte Merak widmen wir wieder dem "headbangers-mobile", das Taxi von Yountan. Wir werden durchgeschüttelt wie Milkshakes, aber landschaftlich ist es umwerfend! 30 km fahren wir entlang dem Pangong tso, die Gegend ist sehr verlassen und trocken. Das starke Blau des Sees gibt einen unglaublichen Kontrast zum fast weißen Wüstensand. Dann sind wir endlich da. In der Schule treffen wir auf das erste Kind und gleich kommen noch 2 andere Mütter mit ihren Kindern und bitten uns um Rat. Die Familien sind hier so auf fremde Hilfe angewiesen. Es ist nur schwer sich das vorzustellen. Ein Bus kommt einmal in der Woche aus Leh und dieser braucht im Normalfall 12 Stunden. Den ganzen Tag sind wir sehr beschäftigt mit den Kindern und deren Eltern. Das lange Warten auf das spezielle Permit hat sich sehr gelohnt! Isabelle und ich ergänzen uns prima. Hier macht es vor allem Sinn die Eltern aufzuklären und ihnen Tipps zu geben. Sehr gut war auch dass wir Rollstühle anpassen konnten. Mit Hüftgurten ist den Kindern auf sehr lange Sicht viel geholfen weil sie einfach eine optimalere Position erreichen können. Es werden hier Rollstuhle vom Staat an Familien abgegeben, aber diese passen eigentlich nie richtig und sind auch so gut wie nie vollständig. Auch an diesem Abend sind wir mit unserer Arbeit sehr zufrieden, gehen spät schlafen und stehen wieder früh auf... den der Weg ist wieder weit...bis zum nächsten Dorf.

Isabelle und Nicole bei den Familien der Kinder


Am Nachmittag erreichen wir Satoo. Die dort lebende Familie ist auch vielen Freiwilligen schon lange ein Begriff. Für mich persönlich ist diese Familie sehr schwierig. Diesmal trafen wir Stanzin, den an CP erkranktem Kind, in einer grotesken Situation an. Er saß in seinem Rollstuhl in einer Art Wintergarten, mit ihm im Zimmer war ein Huhn. Dieses Huhn gackerte laut vor sich hin und hinterließ seine Spuren auf dem Boden. Es war sehr heiß und stank penetrant nach Hühnerkot und Urin. Sonst war erst mal weit und breit niemand anzutreffen. Dann kam ein Familienmitglied bietet und dot uns Tee an. Wir lehnten dankend ab, denn unter diesen Umständen hatten wir alle wirklich keinen Appetit. Hier gäbe es eine Menge an Arbeit, doch unter den gegebenen Umständen ließen wir nur Hilfsmittel da, um den Jungen besser zu positionieren. Betroffen fahren wir hier wieder ab und überlegen nach anderen Möglichkeiten.

Nicole, Isabell, Yuntain und Tundup vor dem Pangong See

Insgesamt sind wir mit dem Trip zufrieden. Die Zusammenarbeit mit Isabelle, der Ergotherapeutin, war sehr wertvoll. Vor allem die Hilfsmittel können auf Dauer das Leben der Familien erleichtern. Allgemein haben wir das Eindruck, dass die Familien sich sehr verstanden fühlen und zu Vertrauen fassen.

 



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