von
Sarah Denlöffel, Ergotherapeutin
Mit
einem Tag Verspätung, weil das Permit-Amt Holiday hatte, ging
es pünktlich morgens um 8.30 Uhr los. Norbu lud mich in Changspa
ein und wir machten uns auf den Weg, um Mr. David und Chuskit abzuholen.
Es folgte eine Autofahrt mit viel ladakhischer Unterhaltung und Musik.
Wir fuhren über den dritthöchsten befahrbaren Pass der Welt,
den Chang La (5360m) und die Aussicht auf die schneebedeckten Berge
war atemberaubend schön.



Nach
ca. 4,5 Stunden Fahrt trafen wir in Shyok auf unseren ersten Patienten.
Konchok Thirchen ist ein Mönch, der 2001 einen Skooter-Unfall
hatte und sowohl in der Grob- als auch in der Feinmotorik starke Einschränkungen
hat. Wir kontrollierten seine Heimübungen, erweiterten diese
und verordneten ihm zusätzlich zu seinem Rollator einen Gehbock.
Der Boden vor seinem Haus ist sehr uneben, weshalb es ihm kaum möglich
ist, sich mit seinem Rollator dort fortzubewegen. Wir sind der Meinung,
dass ihm dies mit dem Gehbock besser gelingen wird. Er ist ein sehr
pflichtbewusster, motivierter junger Mann und mich erstaunte es sehr,
welche Fortschritte er bereits gemacht hatte.
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-Drehung-mit-Chuskit-im-H.jpg)
-Kontrolle-und-Erweiterun.jpg)
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Im
gleichen Dorf lernten wir einen neuen Patienten namens Nurbo Thinley
kennen. Auch er ist Mönch und ging mir persönlich sehr nahe.
Er ist unterdessen 20 Jahre alt und erhielt vor zwei Jahren aufgrund
eines Tuberkuloseverdachts eine 3 monatige Injektionsbehandlung. Seither
haben seine Beine immer mehr an Funktion und Sensibilität verloren,
mittlerweile sind sie nahezu vollständig paretisch. Wir machten
einiges Tests und Befundungen und luden ihn in der folgenden Woche
ins RAC ein, um weitere Abklärungen machen zu können. Leider
mussten wir seine Familie, die uns für eine Art Wunderheiler
hielt, enttäuschen. Auf der weiteren Fahrt in Richtung Tangtse,
unserem Übernachtungsort, ging er mir nicht mehr aus dem Kopf.
-Nurbo-Thinley.jpg)
-Befunderhebung-seiner-Be.jpg)
Wir
fuhren noch ein Dorf weiter, nach Taruk, wo wir im Wohnheim der Schule
Rigzin Yandol besuchten. Sie hat eine extreme Skoliose, es geht ihr
jedoch sehr gut. Rigzin Yandol hat keine Beschwerden und macht zuverlässig
ihre Übungen. Wir kontrollierten diese und waren, da sie ansonsten
im Schulalltag keine Einschränkungen hat, relativ zügig
fertig.
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Abends
ging es dann nach Tangtse ins Guest House, wo wir einen gemütlichen
Abend mit leckerem selbstgekochtem Essen verbrachten.
Am
nächsten Morgen hieß es früh aufstehen, da wir viel
vorhatten (gesamthaft ca. 8 Std. Autofahrt, drei geplante Patienten).
Um ca. 8 Uhr verließen wir Tangtse in Richtung Pangong Lake,
der, zugefroren bei stahlblauem Himmel und im Kontrast zu den rotbraunen
bzw. schneebedeckten Bergen, einen wahnsinnigen Eindruck auf mich
machte. Ich war ganz aus dem Häuschen und Norbu hielt zigmal
an, damit ich Fotos machen konnte.

Wir
fuhren am Ufer entlang ins Dorf Merak, wo wir zunächst in der
Schule auf Stanzin Lamo trafen. Sie hat, ungewöhnlich für
ein 14-jähriges Mädchen, rheumathoide Arthritis. Gerade
jetzt in der kalten Jahreszeit hat sie vermehrt Schmerzen in den Hand-
und Fingergelenken, ansonsten kommt sie mit Medikamenten im Alltag
relativ gut klar. Ich mobilisierte sowohl die Handgelenke als auch
vor allem die MCP-Gelenke, was ihr sehr gut tat. Ebenso erweiterten
wir ihre Heimübungen und gaben ihr Tipps, wie sie versuchen kann,
die vor allem am Morgen vorhandene Steifigkeit aus ihren Fingern zu
bekommen.
-Handmobilisation-bei-St.jpg)
-Neue-Uebungen.jpg)
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Ebenso
in Merak behandelten wir Stanzin Dolma, die wir allerdings zuerst
suchen mussten. Nachdem wir bei ihr zuhause und in der Gompa erfolglos
blieben, trafen wir sie schließlich mit ihrer Familie bei Freunden
im Dorf an. Stanzin Dolma ist mit ihrer Zerebralparese im Alltag komplett
auf die Hilfe anderer angewiesen, sie liegt viel, wird aber von ihrer
Familie gut umsorgt und von der Mutter täglich zwei Stunden mobilisiert
(!!). Zur Entlastung der Mutter am heutigen Tag bewegten wir Stanzin
Dolma komplett therapeutisch durch. Ebenso übten wir mit ihr
bimanuelles Greifen. Sie bekam außerdem einen vom Schreiner
angefertigten Spezialsitz, über den sie sich sehr freute und
der es ihr ermöglicht, mehr am Geschehen in ihrem Umfeld teilzunehmen.
-Sie-freut-sich-ueber-ih.jpg)
-Mobilisation-und-Lagewe.jpg)
Auf
der Fahrt zurück am Ufer des Sees genoss ich noch einmal die
gewaltige Umgebung. Weiter ging's ins Dorf Satho, wo unser letzter
Patient am heutigen Tag auf uns wartete.
Stanzin
Shakya hat ebenso eine infantile Zerebralparese, ist komplett auf
Hilfe anderer angewiesen und auch ihm brachten wir einen angefertigten
Spezialstuhl mit Gurt. Wir mobilisierten ihn und arbeiteten an seiner
Rumpfstabilität. Ziel für die Familie ist es, mit ihm das
Essen mit dem Löffel zu üben. Er kann den Löffel selbstständig
halten, ihn zum Mund bringen, nur (noch) nicht selbstständig
essen. Auch diese Familie ist bemüht und nahm unsere Tipps und
Vorschläge dankbar an.
-Chuskit-behandelt-Stanz.jpg)
Schlussendlich
erwartete uns in Satho noch ein weiterer neuer Patient, welcher zwar
schon mal in Leh von uns befundet wurde, aber noch keine Therapie
erhalten hatte. Sein Name ist Londup Namgyal und er hat aufgrund eines
Sturzes eine Fehlstellung in der Hüfte. Unter anderem machten
wir mit ihm Übungen zur Stabilisierung des Rumpfes wie auch der
Balance und gaben ihm einige Heimübungen.
-Londup-Namgyal.jpg)
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-Uebungen....jpg)
Nach
einem langen Tag ging's zurück nach Tangtse ins Guest House,
wo wir ein weiteres Mal übernachteten, bevor am nächsten
Tag zurück nach Leh ging.
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Alles
in allem waren es wahnsinnige Eindrücke und einmalige Erfahrungen
mit meist unglaublich netten, motivierten Menschen für mich,
an die ich gerne zurück denke.
Sarah
Denloeffel, Ergotherapeutin