Bericht über Rigzin aus Phyang, 8.5.09

von Anja Raab

Dolkar und Christiane haben mich im April 2009 das erste mal mit zu Rigzin zum Home-Visist mitgenommen, da ich in der Schweiz als Physiotherapeutin in einem Querschnittszentrum arbeite und sie wollten, dass ich mal ein Auge auf ihn werfe.

Rigzin sitzt auf der Terrasse in der Sonne und erwartet uns schon freudestrahlend. Er wohnt hier mit seinem Vater und seiner Schwester zusammen, seine Mutter ist bereist verstorben.

Nach kurzer Befundaufnahme war die Diagnose klar, senso-motorisch inkomplette Tetraplegie sub C5.

Schutzschritte

Der letzte noch vollständig innervierte Muskel der oberen Extremität ist beidseits der M. biceps brachii mit einem Muskelwert von 5.
Der. M. extentsor carpi radialis longus, sprich die Handheber, sind nur noch bei einem Muskelwert 3 und somit hat sich bereits nach seinem Autounfall im Oktober selbstständig eine Funktionshand ausgebildet. Das ist sehr gut, da diese ihm das Greifen von Gegenständen erleichtert, da sich die Finger passiv beugen, wenn er das Handgelenk hebt und auch wieder passiv strecken, wenn er das Handgelenk hängen lässt.
Insgesamt sind alle Muskeln des Körpers unterhalb seiner Läsionshöhe sehr schwach.
Um die Muskeln der unteren Extremität genauer beurteilen zu können, habe ich bei unserem 2. Besuch einen ausführlichen Muskelstatus der Beine und des Rumpfes gemacht.
Um einen guten Verlauf der Kraftverbesserung zu sehen, sollte dieser Test ca. alle 2 Monate wiederholt werden.

Gehtraining

Bezüglich der Sensibilität spürt Rigzin seinen ganzen Körper, nicht mehr so stark wie vor dem Unfall, aber er spürt ihn und somit ist die Gefahr eines Dekubitus, sprich von offenen Hautstellen, nur noch sehr gering.
Seine Blase und seinen Darm spürt Rigzin auch. Er muss einfach sehr schnell zur Toilette und kann es nicht lange zurückhalten.

Kniestand

Die Therapie findet sowohl im Freien auf der Terrasse statt, als auch im Wohnzimmer auf einer Matratze. Er spricht wenig Englisch und falls wir uns nicht mehr verständigen koennen, hilft uns Dolkar mit Ladakhi weiter.
Im Freien können wir gut Gangübungen machen.
Nach dem Unfall hatte Rigzin einen Rollstuhl und für kurze Strecken eine Gehhilfe zum Gehen, aber er ist nur im Haus kurze Strecken damit gegangen, da er Angst hatte, nach draußen zu gehen.
Mittlerweile, sprich fast 4 Jahre nach dem Unfall, ist er sowohl im Haus, als auch außerhalb selbstständig mit 2 Krücken unterwegs. Manchmal stürzt er, da er nur sehr verlangsamte und stark reduzierte Schutzreaktionen hat.
Den Rollstuhl benutzt er nicht mehr.

Schräge Bauchmuskulatur

Bezüglich der Funktion der Hände hat er die letzten Jahre auch sehr gute Fortschritte gemacht. Er ist mittlerweile selbstständig und kann sich zwar langsam, aber alleine anziehen, sich waschen, essen und schreiben. Um das Besteck und den Stift besser halten zu können, werden wir ihm bei unserem nächsten Hausbesuch eine Griffverdickung mitbringen.


Im Oktober 2005 ging Rigzin zur Schule und war in der 9.Klasse. Seit dem Unfall ist er nur noch zu Hause. Das größte Ziel unserer Therapie ist auf Partizipationsebene und wir möchten gerne erreichen, dass er eine gute Schulausbildung beenden kann, so dass er später berufstätig und somit finanziell unabhängig sein kann.
Auch für seine soziale Integration ist es ganz wichtig.

Serratustraining-Unterarmstütz

Die Therapie mit Rigzin macht sehr viel Spaß und die Ideen gehen uns nicht aus.
Er bekommt auch Heimübungen, die er alleine während der Woche machen soll, hier ist er aber nicht besonders ehrgeizig. Um die Motivation etwas zu steigern, habe ich die Übungen photographiert und werde ihm ein Heimübungsheft machen.
Ich freue mich schon auf den nächsten Freitag, wenn wir um die Hausecke biegen und Rigzin uns entgegenstrahlt.

Bericht von Anja Raab, Phyisotherapeutin




designed by aha-graphics