Abschlussbericht von René Niclas und Dorina Dietel ihren Arbeitseinsatz in Leh, Ladakh im Frühjahr 2006

Am 16. Februar 2006 startete unser Freiwilligeneinsatz im indischen Himalaja. Zwei Monate später, am 13. April 2006 flogen wir zurück mit bewegenden Eindrücken, spannenden Erlebnissen und vielen Erfahrungen. Im Folgenden wollen wir kurz zusammenfassen, was wir erlebten und fühlten.

Mit einem mulmigen Gefühl ging es auf in die auf 3500 Höhenmetern gelegene Stadt Leh, wo
gerade Ausgangssperre herrschte. Doch alles schien gesegnet zu sein. Unsere Maschine von Delhi nach Leh war die erste nachdem fünf Tage kein Flugzeug gestartet war. Bei unserer Ankunft war die Ausgangssperre zumindest tagsüber aufgehoben und unsere Höhenanpassung vollzog sich ohne große Komplikationen.

In unserer neuen Behausung wurden wir mit backfrischen Chapatis, einen liebevoll hergerichteten Zimmer und viel abgekochten Wasser empfangen. Endlich lernten wir unsere neuen WG-ler Catherin, Marilu und Ulrike kennen. Nach den ersten Tagen der Ruhe und Anpassung stiefelten wir mit den drei Physiotherapeutinnen - zu den behinderten Kindern - los. Catherin zeigte besonders Rene´ die Kinder, welche eventuell mit Hilfsmitteln versorgt werden könnten. Durch handwerkliches Interesse war Catherin zu einer kleinen Orthopädietechnikerin geworden, denn sie fertigte bereits Einlagen und Splints aus Castbinden für die Kinder an. Außerdem waren Ideen für eine kleine Lauflokomotive und einen Stehtisch vorhanden, die dann gemeinsam weiterentwickelt und umgesetzt wurden. Dorina freute sich, dass sie sich gut in die Arbeit mit den behinderten Kindern einbringen konnte, nachdem sie das Freiwilligentreffen in Würzburg etwas geknickt verließ.

Für uns war jeder Tag ein Erlebnis, fast stündlich brachte uns die fremde Kultur zum staunen. Man teilte mit den Kühen, Eseln und Dzos die Straße, versuchte sich mit dem geringeren Luxus zu arrangieren (kein fließend Wasser, unregelmäßigen Strom). Man kam viel näher mit der Kultur in Kontakt als die üblichen Trekkingtouristen. Bei den Hausbesuchen tauchten wir ein in die Lebensweisen und Religionen der Ladakhis. Zum Beispiel war es spannend die Unterschiede bei buddhistischen und moslemischen Familien zu beobachten und zu erleben.

Wie fast jeder hatten wir auch gehofft, mehr bewirken zu können. Doch man merkt schnell, dass in zwei Monaten keine Wunder zu vollbringen sind. Die indische Lebensart, die organisatorischen Schwierigkeiten, aufwendige alltägliche Hausarbeiten (Essen kochen, Wasser holen, Wäsche waschen,...) und die geschwächte Fitness durch die extreme Höhe zwingen einen schnell alles mit Ruhe anzugehen. Auch sollte man sich immer ins Bewusstsein rufen, dass man nur ein Glied in einer langen Kette ist. Denn was bringen große Projekte, wenn sie nach zwei Monaten keiner weiterführt. Wir sind uns sicher, dass längere Einsätze wie von Catherin und Nicole äußerst wichtig sind um eine effektive Arbeit in den Bergen des Himalajas umzusetzen und letztendlich Spendengelder optimal einzusetzen.

Wir sind der Meinung, dass man bei einem zweimonatigen Einsatz nur unterstützend kann, denn selbst am Ende unseres zweimonatigen Einsatzes waren viele Sachen und Zusammenhänge undurchschaubar.

Wir haben uns in Ladakh sehr wohl gefühlt, trotzdem verdient Catherin mit ihrem langen Einsatz unseren Respekt, denn die Bedingungen sind nicht immer einfach. Teilweise lebt man mit bisher Fremden auf engsten Raum zusammen, eine Trennung zwischen Privat- und Berufsleben ist kaum möglich und die geringe Anerkennung der freiwilligen Arbeit, die sicherlich kulturell und sprachlich bedingt sind, machen einem das Leben nicht unbedingt einfacher. Ein Vorteil der kurzen Einsätze von Freiwilligen ist vielleicht, dass sie möglicherweise etwas verloren gegangene Euphorie wieder beleben können.

Im letzten Abschnitt unseres Abschlussberichtes wollen wir kurz unsere Gedanken bezüglich der Orthopädietechnik und dem zukünftigen Einsatz von Orthopädietechnikern äußern.

Prinzipiell finden wir einen Einsatz von Orthopädietechnikern sehr sinnvoll, vor allem wenn keine Physiotherapeuten vor Ort sind, die sich mit der Herstellung von Hilfsmitteln auskennen. Catherin stellte mit ihren Erfahrungen und Wissen sicherlich eine Ausnahme dar. Es ist fraglich, inwieweit teure, komplizierte Maschinen in Leh vorhanden sein müssen, solange keine regelmäßigen Einsätze von Orthopädiemechanikern vorliegen. Außerdem sollte man sich bewusst sein, dass man am besten mit vorhanden (heimischen) Mitteln hilft. Moderne Maschinen können beispielsweise aufgrund des Stromproblems (tagsüber kaum Strom, extreme Stromschwankungen) kaum genutzt werden. Außerdem stellt sich die Frage, ob kaputte Maschinen repariert, Ersatzteile und Material besorgt werden können.

Der Einsatz von Orthopädiemechanikern sollte zusätzlich zum Einsatzplan der Physiotherapeuten erfolgen. Vor allem am Ende unsere Zeit in Ladakh war René unabkömmlich bei der Betreuung der Kinder im Mac, so dass er weniger Zeit hatte, Hilfsmittel anzufertigen. Falls sich etwas auf dem Gebiet der Orthopädietechnik entwickelt, sollte eher punktuell vorgegangen werden. So dass auch Kinder aus der Schule in Karu und Chuchot mit Hilfsmitteln versorgt werden können. Zum Beispiel könnte Nicole spezielle Kinder aussuchen und den Orthopädiemechaniker vor seinem Einsatz näher
vorstellen. In Absprache mit Nicole und René wäre dann eine gezielte Versorgung (vorhandene Maschinen, benötigtes Material und Erklärung des Krankheitsbildes) möglich.

Unser Einsatz konzentrierte sich auf Leh und Umgebung. Durch Ausflüge in entlegene Gebiete wurde uns deutlich, dass in diesen Gegenden eine deutlichere medizinische Unterversorgung vorherrscht. Deshalb sollte nach unserer Meinung die zukünftige Arbeit in den entlegenen Gebieten nicht abgebrochen werden, auch wenn derzeit keine Unterstützung seitens des Nirlac erfolgt.

Obwohl nur einige Punkte angesprochen wurden, soll hier unser Bericht enden. Die zwei Monate in Ladakh haben unser Leben geprägt. Wir freuen uns über die wertvollen Erfahrungen.

Vielen Dank.

Dorina Dietel und Rene Niclas



designed by aha-graphics