Abschlussbericht
von Yvonne Weinmann nach ihrem Arbeitseinsatz in Leh, Ladakh,
November 2004
Im Herbst 2004 habe ich einen Monat in
Indien verbracht, davon drei Wochen in Leh, um als Physiotherapeutin
zu arbeiten.
Über einen Artikel in der Zeitschrift für
Physiotherapeuten von Karola Kostial wurde ich aufmerksam und dann
sozusagen Feuer und Flamme, in dieser Art und Weise als Physiotherapeutin
zu arbeiten.
Glücklicherweise war es mir möglich, vier Wochen Urlaub zu bekommen
und so ging es am 15.09.04 los.
Von Frankfurt am Main flog ich nach Delhi und von dort direkt weiter
nach Leh. In Leh angekommen, wurde ich vom Flughafen abgeholt und
zu meiner neuen Unterkunft gebracht - eine kleine Wohnung bestehend
aus zwei Schlafzim-mern, Küche und Bad. Sehr freundlich wurde ich
dort von meinen Nachbarn, bestehend aus Lehrkräften der Morarvian
Mission School empfangen und sollte mich erst mal zwei Tage ausruhen,
um mich an die Höhe zu gewöhnen. Mittags bekam ich ein Essen gebracht,
so dass ich mich erst mal um nichts kümmern brauchte. Ansonsten
hatte ich selbst für meine Verpflegung zu sorgen: Entweder war ich
in Leh essen oder habe mir auf dem Gasherd selbst gekocht. Manchmal
gab es auch mittags im Namgyal Institut etwas Leckeres zu essen oder
auch mal unterwegs im Kinderhostel in Chushot. Die Kosten für Verpflegung
brachte ich selbst auf.
Am dritten Tag suchte ich Herrn Gergan
auf, um mit meiner Arbeit loszulegen. Von ihm erhielt ich die Telefonnummer
von Tundup vom Namgyal Institut, mit der ich mich dann gleich am nächsten
Tag getroffen habe. Dann ging es auch schon los: Zusammen mit Tundup
hab ich mir an diesem Tag eine integrative Schule(!) in Choklomsar
angesehen und einen Schüler in der Pause behandelt. Padma hat eine
Zerebralparese, und es war für mich schockierend zu sehen, wie stark
sich bei ihm Kontrakturen in der Hüfte und in den Fußgelenken ausgebildet
hatten, ganz zu schweigen von seiner skoliotisch veränderten Wirbelsäule.
Wirklich rührend war der Umgang seiner Mitschüler mit ihm: Es gab
fast schon Rangeleien darüber, wer als nächster Padmas Rolltsuhl schieben
durfte. Danach haben wir noch das der Schule angegliederte Hostel,
sozusagen ein Internat für Kinder, die in ihren Heimatdörfern keine
Möglichkeit gehabt hätten, eine Schule zu besuchen, besichtigt.
Dies sollte dann auch mein persönliches
Therapiezentrum werden, da alle Sozialarbeiter vom Namgyal
Institut sozusagen ausgeflogen waren und mich so keiner auf einen
Treck in weiter entfernte Dörfer mitnehmen konnte.
So habe ich in der Umgebung von Leh gearbeitet, unter anderem auch
im Mahabodhi-Zentrum in Choklomsar, welches Schule, Krankenhaus, Kinder-und
Altenheim vereint.
Außerdem kann man dort auch Meditationskurse belegen, was sich echt
ganz spannend angehört hat.
Für alle, die ein wenig mehr Zeit in Ladakh verbringen und sich dafür
interessieren, sicher eine tolle Möglichkeit.
Behandelt habe ich dort zwei junge Frauen mit Hemiparese (Halbseitenlähmung),
die zuerst sehr ängstlich waren, dann aber zunehmend Vertrauen bekamen.
Ich habe mich selbst gewundert, wie unwichtig die sprachliche Verständigung
wurde, wenn man so viel wie möglich Blickkontakt hielt. So konnte
man direkt am Gesicht ablesen, was Sache ist.
Vor allem entwickelt sich eine Achtsamkeit,
der man sich nicht mehr entledigen sollte. Manchmal schwierig, bei
16 Patienten am Tag. Ansonsten habe ich zusammen mit Tundup
oder später auch teilweise alleine Kinder zu Hause bei ihrer Familie
aufgesucht und behandelt, wo man mir und meiner Arbeit sehr offen
begegnete.
Ein bisschen habe ich die Arbeit auch genutzt, um mich und meine Arbeit
zu durchleuchten. Wie verändert sich meine Behandlung, wenn ich mir
für jeden Patienten die Zeit nehmen kann, die er braucht und die ich
brauche? Vielmehr ist einem da möglich, in die Behandlung
einzutauchen und das ist dann auch, was wirklich Spaß macht. Dabei
ist es natürlich auch nicht unerheblich, dass man nur wenige Patienten
am Tag behandelt und ansonsten auch viel Zeit für sich hat und ein
unglaublich tolle Landschaft um einen herum.
Da meine Arbeit vor allem in Leh und in
unmittelbarer Umgebung stattfand, habe ich am Ende meiner Zeit noch
in Eigenregie einen Treck unternommen, der mich wirklich nachhaltig
für Ladakh und Ladakhis begeistert hat. Da muss ich noch mal hin! Alles
in allem war es eine sehr schöne und auch lehrreiche Zeit, die ich
auf keinen Fall missen will. Ich bin auch wirklich sehr glücklich
darüber, dass es mir für so kurze Zeit vergönnt war, diese Erfahrung
zu machen.
Jetzt, nach vier Wochen - wieder zu Hause,
kann ich mich nur wundern, wie schnell man doch wieder ganz im Alltag
steht und die Erinnerung verblasst -und so auch die guten Vorsätze