Meine Zeit in Ladakh…


Abschlußbericht von Paula Müller, Ergotherapeutin

Als ich am 22. November 2010 endlich zu meiner Reise nach Ladakh aufbrach, konnte ich kaum noch meine Augen offen halten. Von den vielen Verzögerungen und dem langen Flug war ich erschöpft und genervt. Doch als der Flieger die ersten Bergketten passierte, zog mich diese faszinierende Landschaft direkt in ihren Bann und als er inmitten dieser Weite zur Landung ansetze, waren alle negativen Gedanken wie weggeblasen.

Pure Lebenslust inmitten von Bergen


Durch den herzlichen Empfang am Flughafen und im Gästehaus fühlte man sich gleich wie zu Hause angekommen. Ich wurde direkt mit einem leckeren Frühstück empfangen und umsorgt. Doch leider lies mein Magen in den ersten 2 Tagen ein fröhliches Schlemmen nicht zu, da die Auswirkungen der Höhe mir Schwierigkeiten bereitete.
Nach 2 Tagen strenger Bettruhe hielt ich es vor Neugier nicht mehr länger aus, ich wollte endlich das REWA Therapiezentrum kennenlernen. Und so begann mein erster Arbeitstag mit voller Euphorie und Tatendrang. Ich war äußerst erstaunt welch komplett eingerichteten Therapieräume ich vorfand, und das in jeder Ecke viel Liebe und Engagement von Lokals und Freiwilligen steckte.
Nicht jeder Tag im ersten Monat verlief so harmonisch und positiv. Ich hatte anfangs schwer mit mir zu kämpfen. Mir fielen die Höhenanpassung, die Lebensumstellung und die weite Distanz von zu Hause schwer. Doch ich hatte immer jemanden an meiner Seite, der mir über diese Momente hinweghalf. Vielen Dank an meine "Ache" Jule (Ache = Schwester).

Paula und die Kinder


In den letzten Jahren stand ich durch meine Ausbildung unter enormem Druck und kam immer noch aufgeladen nach Ladakh. Jetzt mußte ich erst mal auf die ladakhischen Arbeitsweise umstellen. So zog ich meine Armbanduhr aus und schaltete 3 Gänge zurück. Ich nahm diesen neuen Arbeitsrhythmus gerne an und gewöhnte mich daran, mit aller Ruhe an gewisse Dinge ranzugehen und mich in Geduld und Gelassenheit zu üben. Einen Gang zurückschalten mußte man auch mit der ungewohnten Arbeitszeit, denn ein Arbeitstag bestand höchstens aus 5 Stunden, da aufgrund der kalten Monate viele Familien in wärmeren Regionen überwintern. So war es nicht selten, daß aufgrund nächtlichen Schneefalls Therapien ausfielen oder nur wenige Kinder den Weg ins RAC fanden. Jedoch ließen wir uns immer wieder neue Dinge einfallen, um diese Zeit zu nutzen: es wurden neue Patientenakten angelegt und gefüllt, praktischer Unterricht abgehalten oder Einzeltherapien mit bis zu 5 Therapeuten sehr intensiv durchgeführt. Doch trotz der kargen Therapiezeiten habe ich unheimlich viel Neues dazugelernt, was mir auf meinem weiteren Berufsweg noch von großem Nutzen sein wird. Es war eine wunderbare Bereicherung mit solch fröhlichen und aufgeweckten Kindern zusammenzuarbeiten. Die lachenden Gesichter, die sich von kleinsten Dingen erfreuen ließen und die so viel Vertrauen in doch so schnell wechselnde Therapeuten legen, werde mir unvergeßlich bleiben. Ich danke von ganzem Herzen für dieses wunderbare Vertrauen und die Möglichkeit mit solchen Kindern zu arbeiten.

Multi-Kuli WG


Auch der Pegel der Toleranz stieß ab und zu an seine Grenzen. In unserer Multi-Kulti WG trafen zwei völlig unterschiedliche Kulturen aufeinander und es war manchmal schwierig, religiöse und kulturelle Unterschiede im alltäglichen Leben zu vereinen. Doch ich denke daß beide Seiten, seien es die streng muslimischen Kargil Mädels oder wir Deutsche, viel Neues dazu lernten. Schon jetzt sehne ich mich in unserem voll organisierten Deutschland nach dem einfachen Leben in Ladakh. Das Holzhacken, Wasserholen, draußen zu duschen und zu frühstücken und das gute Essen von Jule werden mir fehlen.
Es war wohl die beste Entscheidung meine Reise im Winter anzutreten, denn ich durfte alle besonderen Festtage mit ladakhischen Freunden verbringen. Wir hatten eine schöne Lhosar Zeit in Alchi, die wir im engsten Kreise der Familie zweier Lokals verbringen durften. Im Palu Haus feierten wir Weihnachten und Silvester. Aber vor allem die Mädels (Dolker, Chuskit, Bilquees und Jule) machten meinen Geburtstag zu einem unvergeßlichen Fest, an das ich wohl jedes Jahr denken werde.


Vielen Dank an Ladakh-Hilfe und das komplette REWA Team, das mir diese wertvollen Erfahrungen ermöglicht hat und mir eine unvergeßliche Zeit bereitete. Ich konnte in dieser kurzen Zeit viele Eindrücke sammeln, viel Neues lernen, in eine andere Kultur eintauchen und tolle neue Leute kennen lernen. Das war definitiv nicht die letzte Reise nach Ladakh.


Träume es,
tue es
und du schaffst es!
Julley Paula



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