Abschlussbericht von Alexandra Niedersteiner


Juni bis September 2010



In der Region Ladakh fand ich den ersten Fleck der Erde, der es neben meiner Heimat geschafft hat, mich mitzureißen. Die Liebe des Landes, das Selbstlose der Menschen, der Glaube, der immer über den Dächern in Gebetsfahnen weht und die weiten Berge dringen vor bis in dein Herz und zeigen Dir eine sympathische und wohltuende Welt auf.
Jedenfalls empfinde ich es als nicht leicht, von diesem Land Abstand gewinnen zu müssen, um zu Hause wieder richtig anzukommen. Auch wenn Deutschland alles gibt, was man kennt und mag, scheint es in unserer so perfekt erscheinenden Welt einige Lücken zu geben, die durch eine Zeit in Ladakh wie aufgefüllt wirken.

Die Monate bei Rewa Society, der Ladakh Hilfe und die vielen Tage in den hohen Bergen haben meinen eigenen Glauben gestärkt, meine Sinne zum Wesentlichen gebracht und meine Seele beruhigt. Jeder Tag dort war intensiv, besonders und ereignisreich und ich habe viel gelernt und mitgenommen!

Es war mein zweiter Einsatz in Leh und das Gefühl, dorthin zurückzukommen, hatte etwas von Heimkommen für mich. Einige Patienten von uns machten solch immense Fortschritte, dass ich nur staunen konnte. Es war unglaublich zu sehen und zu erfahren, wie Kinder in nur 6 Monaten aufbauen und in all ihren Fähigkeiten so wachsen können. In den Sommermonaten hatte ich außerdem das Gefühl, dass Rewa Society immer bekannter wird und das ganze Therapiezentrum an Perfektion gewinnt. Es kam von einigen Freiwilligen auch eine besonders starke Energie, die das Projekt weiter entwickelte. Der Armin Röthlin faszinierte mich in seinem selbstlosen Wirken im Bau eines Behindertenspielplatzes. Es kostete sehr viel Zeit und Engagement, um diese große tolle Sache zu organisieren und dann letztendlich fertig zu bringen. Er steckte viel Kraft und Herz in dieses Projekt.


Dann die jetzige Gruppe, die zudem einen Erlebnispfad baute und der Spielplatz nun eine richtige Therapiestation ist und die Kinder immer mit Begeisterung draußen sein können!

Leider hat die Flutkatastrophe am 6. August die ganze Bevölkerung in einen Schockzustand versetzt und unser Projekt musste eine Pause einlegen. Gott sei Dank hatte Karola in all diesen schmerzenden Seelen der Ladakhis die Not erkannt und uns ein Traumacenter eröffnen lassen, das sich für einige Leute als große Erholung und Entspannung zeigte. Wir Freiwilligen sahen in all den Schlammlawinen momentan nur eine Möglichkeit des Schaufelns und des Buddelns.....

Trotz der Naturkatastrophe hat Ladakh die gewohnte Ruhe bewahrt und immer noch sein eigenes Glück im Unglück gesehen. Auch wenn Hilfsorganisationen auf sich warten ließen und die betroffenen Menschen viel Geduld beweisen mussten, fand letztendlich eine gute Grundversorgung statt und jeder konnte nach einigen Wochen des Regens wieder etwas durchatmen und auch wieder ruhige Nächte mit Schlaf verbringen.
Bereits nach 2 Wochen konnten wir wieder mit unseren Behandlungen anfangen und Rewa Society war wieder in vollem Gange!!

Ich wünsche mir für die Ladakh Hilfe vor Ort, dass die Erweiterung in den Distrikt Kargil genauso klappt, wie der Standort in Leh und dass weiterhin die Organisationen in Ladakh untereinander ihren Draht halten können.
Der Jeep, der uns auf dem Zanskar Fieldtripp kaputt ging, kann hoffentlich ganz bald mit Spendengeldern ersetzt werden. Das Projekt braucht dringend ein zuverlässiges und gutes Auto, um alle Kinder zu holen und zu bringen, um die Fieldtripps in entlegene Regionen zu gewährleisten und auch, um alle logistischen Aufgaben mit einer Sicherheit auf der Strasse erledigen zu können. Vielleicht finden sich auch noch öfter im Jahr Orthopädietechniker, die so sehr von Vorteil wären für die Optimierung von Schuhen oder Schienen. Wachsen wird das Projekt auf jeden Fall, denn mit all den vielen Ideen der Freiwilligen und Einheimischen und einer guten Zusammenarbeit ist noch so viel möglich!!!

Ich bedanke mich bei allen, die mich bestärkt haben in der Zeit in Ladakh, meiner Familie, meinen Freunden und den Kollegen vor Ort, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Man fühlt sich gestützt von dieser Einheit, die Rewa bietet, angefangen von dem Haus Palu, in dem wir bei Chondol wohnen, bis zu Mr. David, der immer da ist, wenn man ihn braucht über all die einheimischen Kollegen, die uns immer zur Seite stehen. Und die kleine Wohngemeinschaft unter den Freiwilligen macht Dir für diese Zeit in Ladakh eine kleine sorgende und treue Familie. Ich danke euch allen!!

Alexandra Niedersteiner




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