Abschlussbericht
von Alexandra Niedersteiner
Oktober
2009 - Januar 2010
Man weiss zu Beginn der Reise nach Leh eigentlich gar nicht, wo man
landet. Man stellt sich etwas vor, bestimmte Bilder und Menschen und
auch die Organisation denkt man aus vielen gelesenen Berichten schon
ein wenig zu kennen:
Dann
sitzt man auf einmal im Büro der Ladakh Hilfe in Leh, müde
von den Vorbereitungen zu Hause, erschlagen von der langen Reise,
überwältigt von diesem atemberaubenden Flug über diese
Berge und glücklich mit den neuen deutschsprachigen Kollegen,
die zum Willkommensgruss ein super Frühstück bereitet haben:
Und
doch war ich erstmal total durcheinander: Der Abschied von zu Hause
steckte mir in den Gliedern und das Neue, Langersehnte und Spannende
ist eben gerade losgegangen:
Und
ich finde, es blieb neu und spannend. Bis zum Schluss. Jetzt, kurz
vor meiner Abreise, habe ich immer noch das Gefühl, dass das
Land und die Menschen und die Arbeit jeden Tag das Herz neu erfüllt,
die Gedanken beruhigt und erstaunlich ist.
Es
verging kein Tag, an dem ich nicht beeindruckt vor Irgendetwas stehen
bleiben musste, mich die Kulisse um Leh aufs Neue zum Staunen brachte
oder die kleinen Patienten einen einfach fröhlich machten. Sehr
viele Begegnungen erfüllten mich extrem, aber die Kinder fordern
einen auch heraus und bringen einen nicht selten an eine unbekannte
Grenze.

Es hat mich von Anfang an bewegt, wie viel bei Ladakh-Hilfe die letzten
wenigen Jahre passiert ist. Dass die eigentlich deutsche Organisation
so gewachsen ist, dass vor Ort der Name Rewa Society gross ist, was
die Arbeit mit behinderten Kindern angeht. Dass es eine Anlaufstelle
für betroffene Eltern ist und auch der Kontakt zu anderen gleichgesinnten
Familien hergestellt wird. Und natürlich, dass ein Team von Einheimischen
als Angestellte von Ladakh Hilfe die Organisation organisiert, vertritt
und leitet.
Das
anfangs kleine überschaubare Projekt hat noch viel Möglichkeit
zu wachsen. Die Arbeit als Physiotherapeutin ist sehr schön und
so anders als Daheim. Es macht Spass, seinen Beruf einmal auf anderem
Weg einzusetzen, gemeinsam mit dem Kennenlernen einer anderen Kultur
und auch anderen Schweregraden von Erkrankungen. Der Winter war dabei
eine gute Erfahrung. Dass Kälte nicht immer mit "Heizung
aufdrehen" beseitigt werden kann und dass die Rauhigkeit und
die Härte der Natur der Fröhlichkeit und Gelassenheit der
Menschen nie einen Abbruch tut. Man lernt in der Einfachheit des Lebens
zufrieden zu sein. Streben nach Grösserem existiert nicht und
die Abwesenheit solcher Gedanken während eines Einsatzes ist
wie Erholung für unseren Geist.
Hoffentlich
kann man die Ruhe, Ausgeglichenheit und Heiterkeit der Bevölkerung
lange in sich halten. Auch die Freundschaften, die unter uns Freiwilligen
fernab von unserer Heimat hier geschlossen werden, wirken tief und
von Dauer.

Ich bin froh, auf dieses sympathische Projekt gestossen zu sein, den
Schritt zur Verwirklichung des Einsatzes getan zu haben und danke
allen, die mir zur Seite stehen und mich in der Ferne gedanklich begleiten.
Danke auch meinem Bruder, der zu Weihnachten und Silvester einen weiten
Weg zu mir auf sich genommen hat.
Die Zeit in Ladakh, die Arbeit mit den Kindern und ein interkulturelles
Team ist eine Besonderheit!

Alexandra
Niedersteiner, Physiotherapeutin