vom
22.11. - 24.11.2007
Teilnehmer:
Gabi, Miriam, Judith, Chuskit und Tundup
Am
Morgen des 22.11.2007 startet der letzte große Trip im Jahr
2007.
Es geht ins Tangstetal und zum ca. 40 km entfernten Pangong-See, der
auf einer Höhe von 4080 m liegt. Mit 136 km Länge ist dies
der größte See in Ladakh, direkt an der tibetischen Grenze
gelegen. Vor der entsprechenden Kälte in diesem Gebiet wurden
wir schon im Vorfeld gewarnt und sind deshalb entsprechend gut vorbereitet:
Neben viel Kleidung und Essensvorräten haben wir auch den Gas-Heizofen
dabei
Nach einer mehrstündigen Autofahrt erreichen wir den Chan-La.
Dieser ist mit 5320 m der dritthöchste befahrbare Pass der Welt.

Passstrasse:
Auf dem Weg zum Chan-La, 5320 m
Gegen
Mittag besuchen wir im Dorf Shayok den 31
jährigen Mönch Konchok Tarchin, der hier nach
einem Unfall vor 2 Jahren als Mönch wieder bei seinen Eltern
lebt. .Er verbringt einen großen Teil seiner Zeit mit verschiedenen
Übungen zur Verbesserung der Fein -und Grobmotorik. Weiterhin
können wir deutliche Fortschritte in seinen Bewegungen am Rollator
erkennen. Damit das Ganze noch besser klappt und zur Unterstützung
seiner beeindruckenden Motivation, passen wir ihm ein paar Schuhe
für den Winter an.

Unser
Mönch Tarchin übt sich mit dem Schreiben
In Durbuk
besuchten wir den 27 jährigen, geistig
und körperbehinderten Konchok Dorje. Die Förderfähigkeiten
seitens der Familie scheinen äußerst beschränkt und
die Reporte unserer Vorgänger dokumentieren auch ganz verschiedene,
widersprüchliche Eindrücke.
Konchok hat nie Laufen gelernt, bewegt sich auf den ziemlich mitgenommenen
Knien voran und kommuniziert mit Lauten und Gesten. In allen Alltagsdingen
ist er von seiner Mutter abhängig, die ihn füttert und versorgt.
Uns gegenüber braucht er sehr lange, um überhaupt Kontakt
zu zulassen, er sitzt starr und teilnahmslos da und lässt sich
überhaupt nicht zu einer eigenständigen Aktion locken. Seine
Mutter versucht ihn vorzuführen, indem sie ihn hier- und dorthin
schleift, aber das wollen wir eigentlich nicht sehen.
Erst als wir schon wieder Abschied nehmen wollen, zeigt sich erst,
wie gut er mit seinen Händen agieren kann. Für eine kurze
Runde "den-Ball-weitergeben" ist noch Zeit, dann müssen
wir uns beklommen auf den Weg machen.

Der
behinderte Konchock in seiner desolaten Situation
Mit diesen
Bildern vor Augen und dem Wissen, dass bei frühzeitiger Förderung
(nach westlichen Standard) Konchok die Chance auf eine gewisse Selbstständigkeit,
Kommunikationsfähigkeit und Persönlichkeitsentwicklung gehabt
hätte, kommen wir mit verschiedensten Gedanken zu diesem umfassenden
Thema am Abend in Tangtse an.
Dort ist das Government-resthouse besetzt,
in dem wir eigentlich unterkommen wollen. Aber glücklicherweise
gibt es noch ein Guesthouse, das uns aufnimmt und so kommen wir in
den Genuss von sauberen Zimmern und serviertem Essen. Unsere Vorräte
dürfen wir in der Küche abgeben und werden lecker bekocht.
Nach einem warmen Abendessen, eingenommen 10cm vor dem Gasofen, und
fleißigem Schreiben der Reporte, schlummern wir mit unseren
Wärmeflaschen ein und erwachen dank dieser am nächsten Morgen
ohne Frostbeulen.

Spiele
auf dem gefrorenen See
Zeitig starteten wir unseren mehrstündigen Ritt zum Pangongsee,
der zu ¾ in Tibet-China liegt. Die endlos weiten Ufer sind
für touristische Ausflüge nur beschränkt zugänglich,
wir aber haben das Vergnügen, zwei Stunden zu zwei entlegenen
Dorfern entlang fahren zu können.
Über Stock und Stein, und damit es nicht eintönig wird,
auch über einige Eisfelder, macht sich unser Fahrer Tundup mit
Black Beauty (neuester Taufname des Jeeps) alle Ehre. Wir sind
z.B. gefordert, als auf blanker Eisfläche nichts mehr geht und
müssen Händeweise Sand heranbringen und dem Jeep unter die
durchdrehenden Reifen schmeißen. Mit viel Geduld und Einsatzbereitschaft
der gesamten Crew kommen wir ohne Beschädigungen in der Schule
in Mairak an.

"Black
Beauty" sitzt auf dem Eis fest
Hier
besuchen wir die 10 jährige Stanzin
Lhamo. Sie hat chronische Polyarthritis und ist eine der
wenigen Patienten mit einer ärztlichen Diagnose.
Im März 07 waren unsere Vorgänger erstmals bei ihr und konnten
sie zur Behandlung nach Leh vermitteln. Der nächste Besuch im
Mai 07 zeigte dann, dass sie zwar medikamentös versorgt war,
dass aber die Familie die Kosten nicht tragen konnte (sie haben noch
ein herzkrankes Kind zuhause), und der begleitende österreichisch
Kinderarzt erkannte die Dosierung der Medikamente als bedrohlich zu
hoch. Die Kosten wurden damals von Ladakh-Hilfe übernommen.

Eine
Healthworkerin wird eingewiesen
Heute zeigt sich, dass die Familie seit dem Sommer aber auf die traditionelle
Amchimedizin umgestiegen ist. Stanzin geht's es offensichtlich sehr
gut.
Sie übt fleißig die ihr aufgetragenen Übungen und
wir können heute sogar der Healthworkerin, die uns begleitet,
sanfte Traktionen zeigen
für alle Fälle.
Nach
einem Mittagessen, dass Tundup in der mittlerweile etablierten Autoküche
vor den Toren des Schulhofes bereitet hat und das wir auf der Dorfstrasse
einnehmen, brechen wir frisch gestärkt zu der 13
jährigen Stanzin Dolma auf.

Stanzin
Dolma im Rollstuhl
Stanzin
sitzt in ihrem Rollstuhl in der Sonne und strahlt.
Wir positionieren sie besser, konstruieren einen Tisch aus einem unserer
Rucksäcke und spielen mit verschiedenen Mitbringseln. Sie kann
zwar auch nicht sprechen, aber die Kommunikation ist hier gar kein
Problem, so sehr begeistert sie sich für unseren Besuch. Nach
einer Stunde Programm drinnen und draußen, hantierend und in
verschiedenen Ausgangsstellungen verlassen wir sie ausgerüstet
mit einigen Abschiedsgeschenken zum Weitertrainieren (z.B. Löffel)
und finden unsere Arbeit mal wieder richtig gut.
Die
Heimreise ist weit, wieder abenteuerlich und schön.
Als es dunkel wird, erreichen wir unser Guesthouse in Tangtse und
freuen uns aufs das warme, für uns zubereitete Essen und den
Gasofen.
Am nächsten Morgen geht's wieder in ein anderes Nachbartal von
Tangtse, wo weitere drei Patienten wohnen und eine neue vierte Patientin
im Hostel besucht werden soll.
Wir können uns aufteilen, um Zeit zu sparen.
Gabi,
Chuskit und Susann besuchen die 60 jährige
Kesang Dolma, die nach einem Schlaganfall vor 6 Jahren
nicht mehr aufgestanden ist. Ihre Tochter kümmert sich voller
Hingabe, aber es ist schade, dass wir hier erst so spät kommen.
Ziemlich wahrscheinlich hätte die alte Dame wieder laufen lernen
können, jetzt ist sie dazu aber nicht zu motivieren. Immerhin
klappt es, sie nach der Therapie in einen Stuhl draußen in die
Sonne zu setzten. Und auch der mitgebrachte Toilettenstuhl wird hier
gerne angenommen.
Miriam,
Tundup und Judith besuchen den 11 jährigen
Stanzin Shakya. Er verbringt seine Zeit im Rollstuhl auf
der Glasveranda und unsre Vorgänger waren über die Fürsorge
und die hygienischen Verhältnisse nicht so begeistert, wie wir
lesen. Das scheint sich gebessert zu heben, denn wir erleben eine
interessierte Mutter und ein aufgeschlossenes Kind im "ortsüblichen
Schmutzpegel". Nur leider ist Stanzin so unterfordert, dass er
seine bessere Hand bisher nur zum daran Lutschen benutzt. Wir gehen
mit ihm gehalten durch die Küche spazieren (das macht er offensichtlich
sehr gerne und auch regelmäßig) und bauen ihm dann einen
an seine Größe angepassten Sitz im Rolli mit drüber
hängendem Mobile in der Hoffnung, dass er bis zum nächsten
Besuch lernen kann, das rasselnde Spielzeug zu greifen
und später
noch mehr.

Stanzin
Shakya mit dem angepassten Rollstuhl und dem Mobile
Wir treffen
uns wieder und fahren zu Tashi Namgyal, der
30 Jahre alt ist und in der 5. Klasse plötzlich und
über Nacht von einer schweren ataktisch und athetotischen Bewegungsstörung
heimgesucht wurde. So berichtet die Familie und vermutet ein religiöses
Problem als Ursache. Wir lassen das auf sich beruhen und sind sehr
begeistert von Tashis sicherer Art und Weise, sich fortzubewegen.
Er benutzt einen langen Stock und sieht erheblich sturzgefährdet
aus, wie er da über den Acker saust. Aber alle berichten übereinstimmend,
dass er nie hinfällt. Schön wäre eine Tätigkeit
für ihn, die er sitzend ausführen kann. Allerdings ist sein
Tremor erheblich, auch angelehnt und stabilisiert. Wir hinterlassen
Stift, Papier und Griffverdickung, damit er sein Schreiben trainieren
kann und ein paar sportlicher Turnschuhe zum Laufen mit mehr Bodenständigkeit.

Tashi
Namgyal "rennt" mit seinem Stock
Als allerletzte Station vor der Rückreise machen wir noch Halt
beim Taruk-Hostel, dem Internat, wo die älteren Kinder aus den
entlegenen Dorfern im Tantse-Block zur Schule gehen. Wir treffen,
sonntäglich herausgeputzt, die 14 jährige
Rigzin Yandol an, die an einer angeborenen Wirbelsäulendeformität
mit Rippenbuckel und Thoraxverformung leidet. Glücklicherweise
hat sie überhaupt gar keine Beschwerden, macht Sport und bewegt
sich gerne. Wir turnen mit ihr und geben ihr Übungen und Hinweise,
damit das auch so bleibt.

Schulkinder
Pünktlich
zur Mittagszeit sind wir wieder in unserem Guesthouse in Tangtse,
wo wir nach einem Lunch in Richtung Leh aufbrechen. Noch vier Stunden
bis Sonnenuntergang sind wir unterwegs und freuen uns dann sehr über
eigene Betten, eine Dusche und den Abschluss unsrer gemeinsamen Dienstreisen