Reise nach Skurbuchan, März 07

Unterwegs in den Westen Ladakhs

von Eike Dammann


Am Busbahnhof von Leh treffen Dolker und ich Stanba von der Organisation Health.Inc.. Diese von der Amerikanerin Cynthia Hunt gegruendete Organisation arbeitet in einigen entlegenen Doerfern und kuemmert sich auch um behinderte Kinder dort. Sie haben uns, wie schon im vergangenen Jahr, eingeladen bei einigen Kindern in diesen Doerfern vorbeizuschauen. Jetzt waren wir natuerlich gespannt, ob und was sich veraendert hat fuer die Kinder. Unser erster Besuch gilt Mingeor, einem 8 -jaehrigen Jungen in Skurbuchan. Die Busfahrt dorthin dauerte ueber 6 Stunden. Im Dorf angekommen, gab es gleich Tee bei Mingeor's Familie. Dort uebernachteten wir auch.
Am Abend war noch etwas Zeit fuer einen kurzen Dorfrundgang. Es herrschte noch viel Betrieb: an Haeusern wurde gebaut, einige Leute waren mit ihren Tieren unterwegs

und an der Wasserstelle herrschte reger Betrieb. Alles benoetigte Wasser muss in Kanistern zum Haus geschafft werden. Am naechsten Morgen geht es dann mit der Therapie los. Mingeor ist von seiner Geburt an behindert. Eine genaue Diagnose gibt es nicht. Sein Hauptproblem ist der Einsatz + die Koordination der Haende und die damit verbundenden Probleme beim Essen und Anziehen. Aber auch beim Stehen und Gehen ist er wacklig, seine Fuesse zeigen nach innen. Durch die kalten Winter ist auch die Infektanfaelligkeit von Myngeor recht hoch. So beginnen wir erst mal mit Atemtherapie. Die Mutter ist nicht da, aber die Tante verfolgt interessiert was wir tun.

Auf dem Dach des Hauses haben wir unsen Befund vervollstaendigt

, dann waren wir mit Myngeor draussen. Er wird von den Leuten aus dem Dorf ueberall begruesst. Selbstaendig laeuft er die ebene Strasse vor der Haustuer auf und ab. Er stolpert z.T., da sein Blick in die Luft geht und er die Fuesse nicht richtig hebt. Wir sind mit ihm dann ueber "Stock und Stein", sowie bergauf und bergab gegangen, um an seinem Gang sowie der Balance zu arbeiten. Durch diese Veraenderungen am Gewohnten war er aufmerksamer und die Fuesse schlurften nicht mehr so. An der Gebetsmuehle haben wir gleich noch den Einsatz beider Haende geuebt

Da die Mutter immer noch nicht daheim war und Myngeor eine Therapiepause brauchte, nutzten wir die Zeit zu einem Spaziergang. Dieser Montag war ein religioeser Feiertag, so waren gerade die aelteren Leute mit Gebetsmuehle und Gebetskranz im Dorf unterwegs.

Wir stiegen stetig, an vielen Gebetsmuehlen vorbei, zum Kloster rauf. Dort war alles verschlossen. Wir wurden fuer unsere Muehen aber mit einer schoenen Aussicht auf die Daecher des Dorfes und den Indus belohnt.

Am Abend stand das Esstraining mit Mingeor auf dem Plan. Normalerweise wird er gefuettert, teilweise laeuft die Tante mit dem Loeffel hinter ihm her. Nebenbei laeuft der Fernseher (was ihn sehr ablenkt). Schon beim letzten Besuch hatten Nicole und Nici u.a. mit der Mutter ueber eine guenstige Sitzposition beim Essen gesprochen. Leider ist nicht viel von dem im letzten Jahr erarbeiteten umgesetzt worden. Ob es nun an zu wenig Zeit (was im Winter eher nicht der Fall ist) oder am Desinteresse der Mutter liegt, bleibt die Frage. Wir haben ihr nochmal erklaert warum die Selbstaendigkeit fuer Mingeor wichtig ist und wie sie ihn unterstuetzen kann. Ihre Mitarbeit ist ausschlaggebend, da wir nur 2 - 4 x im Jahr vorbeischauen koennen.
Nun zurueck zum Essen. Ohne Ablenkung vom Fernseher blieb Mingeor deutlich laenger konzentriert bei der Sache. Mit ein wenig Unterstuetzung am Arm und der Hand schaffte er es zu essen. Positiv war, dass seine Tante es dann gleich auch selber mit ihm probierte. Fuer ihn waere es zu wuenschen, wenn es so weitergeht.

Mingeor und sein kleiner, gesunder Bruder

Am naechsten Morgen heisst es wieder Sachen packen und auf den Bus warten der uns nach Domkar-Dho bringt. Dort wollen wir bei Jigmet, einem 9-jaehrigen Jungen, vorbeischauen. Bei ihm gab es im letzten Jahr Probleme mit der Intergration in die Schule. Er nahm nicht leicht Kontakt zu anderen auf, war schnell frustriert und wurde auch aggressiv.


Auch hier gab es erst mal Tee in der Kueche.

Bis 16.00 Uhr war fuer Jigmet Schule. Wir beschlossen dort vorbeizuschauen und nachzufragen, ob es Probleme gibt. Der Direktor hatte gleich Zeit fuer uns und Positives zu berichten. Jigment kommt jetzt regelmaessig zur Schule, er ist nicht mehr so haeufig agressiv und auch sein Sprachschatz ist umfangreicher und deutlicher geworden. Sehr engagiert scheint seine Lehrerin zu sein, aber auch zu Hause sind die Empfehlungen vom letzten Jahr aufgegriffen worden. Jigmet wird mehr ins Familienleben miteinbezogen. Es ist schoen die daraus resultierenden Veraenderungen zu sehen. An den Besuch von Stanba im letzten Jahr erinnert sich Jigmet auch noch.
Wenn es auch Positives zu berichten gibt, steht noch einiges an Arbeit an. Die Schule zeigte sich aufgeschlossen fuer den Vorschlag mit einer Sonderschulpaedagogin zusammenzuarbeiten, um Jigmet beim Lernen weiter voran zu bringen. Diesen Kontakt werden wir herstellen.

Fuer uns gab es dann nach dem Lunch erst mal nichts zu tun. So machten wir uns auf den Weg ins naechste Dorf. Dies ist die waermste Gegend in Ladakh. Die ersten Bauern begannen schon ihr Felder zu bewaessern und zu pfluegen. Der Flug wird von Dzoh's gezogen, einer Kreuzung aus indischer Hauskuh und Yak. Mann merkt immer mehr dass der Fruehling anbricht.

Kurz nach 16.00 Uhr wurden wir von Jigmet mit der Frage empfangen wo wir waren.
Er hatte schon auf uns gewartet. In der Therapie war mir als erstes wichtig, dass er im Spiel Kontakt mit anderen aufbaut. So begannen wir zu viert mit Ballspielen. Jigmet konzentrierte sich zuerst nur auf eine Person, passte den Ball spaeter aber im Wechsel zu uns.

Das Fangen ist noch recht schwierig


Auch beim Zielwerfen klappte es nach ersten Fehlversuchen immer besser.

Getroffen: Der Ball ist im Korb!


Da es auch in Jigmets Lunge gebrodelt hat, machten wir mit ihm einige Atemuebungen.

Sein groesserer Bruder und die Mutter schauten immer wieder zu und waren offen fuer unsere Anregungen.
Um weiter an seiner Sprache zu arbeiten, haben Dolker, Jigmet und Standa gemeinsam gesungen. Ich habe einfach nur fasziniert zugehoert. Jigmet machte immer neue Vorschlaege fuer Lieder. Danach ging es noch ans Lernen von Farben und Zahlen. Ein Uebungsbuch haben wir ihm dagelassen. Das war ein intensiver aber schoener Abend.


Jigmet ist spaeter in den Armen von Dolker eingeschlafen.
Am Mittwoch gings wieder zurueck nach Leh.



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