Pionierarbeit in DaHanu, Mai 07

Patientenbesuche bei den Indoariern

von Helene Fleißner

Drei Tage lang war ich mit meinem persoenlichen Dreamteam, unserer einheimischen Mitarbeiterin Dolker und dem Taxifahrer Yountain in Dha Hanu. Von Ladakh-Hilfe war zuvor noch niemand dort, und unser Ziel war es vor allem, herauszufinden, wo in diesem Gebiet behinderte Kinder sind, ob wir therapeutisch etwas machen koennen und was fuer die naechsten Trips zu beachten ist.

Dha Hanu liegt mehr als hundertfuenfzig Kilometer von Leh entfernt. Die Strasse ist zum Teil schlecht, und so brauchten wir mit dem Jeep rund sieben Stunden, um dort hin zu kommen. Schon bei unserer Anreise zeigte sich die Landschaft von Ladakh von ihrer bunten Seite. Neben den sonst ueblichen Braun- und Grautoenen gab es diesmal auch sehr viel Gruen, Gelb und Pink zu sehen! Heckenrosen, Potentilla und Prachtspiere bluehten neben der Strasse und auf den Haengen rund herum.

Dha Hanu selbst liegt tiefer als Leh und es gehoert zu den fruchtbarsten Regionen von Ladakh. Die Leute haben zwei Ernten im Jahr und gelegentlich schlingen sich sogar Weinpflanzen an anderen Baeumen hoch. Walnuss- und Aprikosenbaeume, Getreidefelder und Gaerten voller Rosen dominieren das Landschaftsbild. Die Leute, die hier leben, stammen aus dem Westen. Sie sind Indoarier und gehoeren zu den ersten Einwanderern Ladakhs. Die Frauen haben ihr langes Haar kunstvoll zu Zoepfen geflochten (jeweils vier rechts und links und sechs hinten), und ausserdem tragen sie spezielle Muetzen, die ueppig mit frischen Blumen, Muenzen, Nadeln, Baendern und gefaerbter Wolle geschmueckt sind. Die Maenner tragen ebenfalls Blumen auf ihren Kappen.

Geschmückte Einwohner - Indoarier

Dolker und ich mit den Rosen und beim Ausruhen

Gleich am ersten Tag reisten wir in die "Restricted Area Kargil" ein. Für Touristen ist es schwierig, dort hinein zu kommen.

In der "Restrictet Area" selbst kamen wir zu drei Patienten. Ob wir fuer sie therapeutisch etwas tun koennen, ist fraglich. Eher wird es darum gehen, mit materiellen Mitteln zu helfen. Die ganze Dorfgemeinschaft machte sich fuer unsere Befundaufnahme auf die Beine. Kein Wunder, schliesslich gab es ja Fremde zu begutachten. Das besondere fuer mich war, dass dieses Mal nicht ich (als einzige Weisse) die Aussergewoehnliche war. Wir alle drei wurden als die Touristen aus Leh angestarrt. Deshalb haben uns die Leute auch so gegruesst, wie wir es aus Leh gewoehnt sind (mit einer Handbewegung in Richtung Stirn). Sie selbst ballen eigentlich die Hand zu einer Faust und beugen den Ellbogen ein wenig an. Oder sie nehmen ihre Huete ab und schwenken sie in Richtung ihres Gegenuebers. Dolker und Youtain waren ueber diese Gesten ebenso erstaunt wie ich.

Das ganze Dorf ist auf den Beinen - unser Taxifahrer Yountain beim Kochen unserer Mahlzeiten

Am naechsten Tag ging es hoch hinaus. Wieder in der "Restricted Area Kargil" besuchten wir drei weitere Patienten. Die vierzehnjaehrige Stanzin hat schon seit Geburt eine Behinderung, doch sie konnte krabbeln und stehen. Seit einer Operation in Dehli vor einem Jahr ist ihr Unterschenkel deformiert und am Oberschenkel ist eine Wunde noch immer nicht geschlossen. Krabbeln und Stehen ist jetzt nicht mehr moeglich. Das erste Ziel ist bei ihr, sie zu einem Doktor zu bringen, der die Wunde behandeln kann und der ausserdem entscheidet, ob sie mit diesen Beinen stehen und gehen darf. Erst wenn wir darueber Bescheid wissen, ist unser weiters therapeutisches Vorgehen moeglich.

Stanzin

Am letzten Tag waren wir bei Tarchin. Er ist vier Jahre alt, hat wahrscheinlich CP und kann sich noch nicht drehen. Zudem sitzt, krabbelt und steht er nicht. Doch er lacht uns an und er scheint uns zu verstehen. Er muss den ganzen Tag ueber so liegen, wie ihn die Mutter positioniert, und die Zeit der Mutter ist knapp. Schliesslich hat sie noch zwei weitere Kinder zu versorgen und ist am Feld sehr beschaeftigt. Der Vater der Familie ist auswaerts. Wir zeigten der Mutter, wie sie die Beine und Haende von Tarchin in die richtige Position bringen kann. Zudem fuehlt sich Tarchin in der Bauchlage wohl, und die waere auch therapeutisch gesehen gut fuer ihn. Da die drei Dinge, die wir der Mutter bei zu bringen versuchten, keine fuenf Minuten am Tag in Anspruch nehmen, koennen wir hoffen, dass sie sie praktiziert. Tarchin koennte daraus nur profitieren.

Tarchin

Insgesamt habe ich mit Dolker und Yountain drei wunderschoene Tage verbracht. Erwaehnenswert ist noch, wie wir die alltaeglichen Dinge in diesem entlegenen Gebiet gemeistert haben. Das Essen haben wir immer im Freien zubereitet. Youtain hatte einen Kocher mit, und so war Fruehstueck, Mittag- und Abendessen jeweils ein Picknick. Dank den zwei Einheimischen war das nicht wirklich ein Problem, ich selbst bin in diesen Dingen ein bisschen zu wenig routiniert. Da es keine Guesthaeuser gibt, haben wir geschlafen, wo wir aufgenommen wurden. Im Nubravalley war es ganz aehnlich, und die Fotos der Unterkuenfte in Dha Hanu sollen verstaendlich machen, warum wir seit Nubra mit den Bettlaeusen zu kaempfen haben. Ein Lausmittel gibt es normalerweise sogar, aber anscheinend haben die Ladakhis im Winter dieses Problem nicht. So muessen wir noch warten, bis die Lausmittel den Weg ueber die hohen Paesse nach Leh finden.

Eine supergemütliche Unterkunft......

Am Ende dieses Berichtes gilt es Danke zu sagen:
Ein herzliches Danke an Gustav, den Arzt aus Wien. Dass ich ihn fragen konnte und er sich um mich kuemmerte, hat ganz wesentlich zu meiner Genesung beigetragen und dadurch diesen Trip erst moeglich gemacht.
Danke an meine Mutter, die diesen Bericht mit den Pflanzennamen per Email vervollstaendigt hat und Danke auch sonst fuer alles.
Vielen Dank fuer die Geldspenden von daheim. Wir Physios haben schon vor unserer Abreise einiges an Geld in dieses Projekt investiert und hier sollte eigentlich unsere therapeutische Hilfe ausreichen. Oft sind aber vor der Therapie noch andere Dinge wichtig, und die werden durch eure Spenden ermoeglicht.
Special Thanks to Dolker and Yountain. I enjoyed your food, your picnics, your driving, the nice conversations we had and the time, we shared together. I will not forget our days in Dha Hanu und these days are really days for my memories!

Helene Fleissner



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