Nubra Fieldtrip vom 28.-30.06.2011

Die Akteure dieses Mal: Othzer, Rinchen, Katharina und Tine

Los gings! Mit viel Gemuese, noch mehr Keksen, guter Musik und vor allem gute Laune im Gepaeck hiess es am Dienstagmorgen: Auf nach Nubra!

Das Nubra Team im Juni 2011

Nach sechs Stunden Fahrt waren leider die ersten Patienten nicht aufzufinden. Erst beim Dritten hatten wir Glueck. Allerdings wurden wir dort mit lautem Geschrei empfangen, so dass wir nach mehreren Versuchen, den Kleinen zu behandeln, kurz davor waren aufzugeben. Doch Rinchen ueberzeugte letztlich durch ihr therapeutisches Feingefuehl und fand doch noch einen Zugang zu dem Kleinen. Zu beobachten, wie er sich immer besser behandeln liess, brachte uns Freude, staerkte Rinchen und bildete einen guten Auftakt fuer die kommenden Tage.

Rinchen beruhigt den Kleinen und ist schliesslich in der Lage, mit ihm zu arbeiten

Ein zufriedenes Kind dank Rinchen

Nach dem Mittagessen ging es schon weiter zu unserem naechsten Patienten. Wir freuten uns, als wir sahen, dass er die Uebungen, die ihm die vorherigen Freiwilligen gezeigt hatten, taeglich macht und sich bereits sehr grosse Fortschritte zeigen. Einst voellig gehunfaehig, laeuft er heute schon wieder "flotten" Schrittes am Gehbock oder Vierpunktstuetzen. Wir versuchten zunaechst seine Unterschenkelschmerzen zu lindern, zeigten ihm dann weitere Uebungen zur Kraeftigung und machten darauf noch eine kleine Gangschule durch den Garten. Dementsprechend zufrieden konnten wir unseren ersten Tag mit einem leckeren ladakhischen Essen in netter Runde beschliessen.

Eine unglaubliche Geschichte: Zwei behinderte Buben im Huehnerstall ausgesetzt

Bereits zu frueher Stunde machten wir uns am naechsten Tag auf in Richtung pakistanische Grenze. Das Ziel war das muslimische Dorf Bogdan, ein ehemaliges Sperrgebiet, das erst im letzten Jahr geoeffnet wurde. Wir tauchten in eine ganz andere Welt ein. Bereits nach dem Passieren des Ortseingangs liefen uns zahlreiche Kinder hinterher, die uns die kommenden Stunden begleiten sollten. Hinauf ging es ueber zahlreiche Stufen, durch enge Gassen zu den naechsten kleinen Patienten. Was wir hier vorfanden waren fuer uns bisher unbekannte Zustaende. Die beiden kleinen Brueder hockten ohne Kleidung inmitten von Huehnern im Dreck. Ihr Brustkorb ist deformiert, der Kopf im Vergleich zum Koerper viel zu gross, die Extremitaeten zum Teil schon kontrakt und sie konnten sich nur sitzend fortbewegen. Um eine gute therapeutische Umgebung zu schaffen, brachten wir sie zunaechst an einen sauberen Platz. Die Behandlung war fuer uns unheimlich ergreifend: Hier lagen zwei kleine Buben mit einem voellig apathischen, traurigen und voller Angst gepraegtem Blick und einer Mutter, die keine Liebe und Fuersorge fuer die beiden hat, sondern nur fuer ihre restlichen gesunden Kinder sorgt. Zwei weitere behinderte Kinder waren bereits gestorben. Die neugierigen Dorfbewohner beobachteten uns, wir versuchten sie vor der Tuere zurueck zu lassen.

Vor allen Dingen der wehrlose Kleine ist von den Angriffen der Huehner gezeichnet

Voellig deformierter Ruecken und Brustkorb

Waehrend sich die Behandlung des aelteren Jungen zufgrund seiner grossen Angst zunaechst als unmoeglich heaus stellte, machten wir mit dem kleinen atemtherapeutischen Techniken und zeigten einer halbwegs interessierten Tante danach Uebungen, die sie mit den Jungen durchfuehren konnte. Der Kleine war mit mit Narben und kleinen Wunden uebersaet: Die Huehner picken auf ihm herum. Neben der therapeutischen Arbeit sollten frische Kleidung, Spielzeug und etwas zum Trinken die Beiden aufmuntern. Gegen Ende war es uns sogar moeglich mit dem Grossen ein Lied zu singen in ihn zu therapeutischen Eigenuebungen anzuleiten. Es fiel uns schwer, die Beiden zu verlassen, aber wir hoffen, dass in Zukunft etwas fuer die Kinder getan werden kann.

Bekleidet und therapiert, ein wenig Licht in ihrem Leben

Grosse Freude ueber bunte Softplints

Erfreulicher hingegen war unser Besuch bei dem naechsten kleinen Patienten, der sich so sehr ueber seine kunterbunten Softsplints freute, dass uns einmal mehr bewusst wurde, wie schon es ist ein einen Fieldtrips zu sein.

Grosse Freude ueber bunte Softsplints

Am letzten Tag hatten wir sehr viel Freude bei der Arbeit. Othzer kuemmerte sich zunaechst um die Schuherhoehung, wahrend wir Maedels im Anschluss spontan eine Gymnastikgruppe inmitten der schoenen Bergwelt abhielten. Am Schluss war der Beckenschiefstand ausgeglichen, der Schulbus verpasst und die Begeisterung fuer die Uebungen auf Mutter und Schwester uebergesprungen.

Sportstunde

Fazit nach drei Tagen Nubra:

- Einheimische werden zu Freunden

- Auch von Maggisuppe wird man satt

- Von Sprungbildern in den Sandduenen kriegt man nie genug

- Drei Tage koennenzu einem unvergesslichen Trip werden... ein einmaliges Erlebnis!!

Bericht von Tina Gugel, Physiotherapeutin



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