Fieldtrip Nubra Juni 2010

Fieldtrip Nubra-Tal vom 23.-25.Juni 2010
Von: Sandra Guennigmann Fotos: Armin Roethlin

Am 23. Juni stand der verschobene Fieldtrip ins Nubratal an. Nach langem Warten haben wir die Schlecht-Wetter-Zeiten hinter uns gelassen und konnten nun endlich pünktlich um 7 Uhr morgens mit dem Jeep aufbrechen. Mit von der Partie waren Rinchen (aktuelle Physio-Auszubildende), Norbu, unser (Rallye)-Fahrer, Armin aus der Schweiz (Physio) und Sandra aus Deutschland (Ergo). Bei blauem Himmel ging es hoch hinaus auf den Khardung-La. Gut gelaunt am Checkpoint in South Pullu angekommen, 18 km unter dem Pass, erhielten wir die Hiobsbotschaft, dass der Pass für die nächsten 6 Stunden geschlossen sei, da eine Lawine geräumt und die Strasse gerichtet werden müsse. So vertrieben wir uns die Zeit mit einer leckeren Maggiesuppe, netten Gesprächen mit Leidensgenossen, Wanderungen, einem Interview mit Rinchen (siehe Berichte), Kaugummikauen, schlafen und fotografieren. Ganz untypisch für ladakhische Verhältnisse bekamen wir bereits nach 3 Stunden grünes Licht, den Pass passieren zu können. Wir schraubten uns in Schwindelerregende Höhe und fuhren über den verschneiten, höchsten motorisierten Pass der Welt (5366m). Nach dem Pass eröffnete sich uns das breite, weite Nubratal. Der Blick auf den Shyok-Fluss war gigantisch. Wie ein Geflecht aus Adern fließt er seelenruhig durch das Tal.

Unser erster Stopp war in Hundar. Dort behandelten wir den kleinen quirligen Stanzin. Mit seinem mitreißenden Temperament beeindruckte er alle Anwesenden im Raum.

Stanzin bei Sensorikübungen und Laufen auf einer Linie


Anschließend verbrachten wir einige Zeit mit Sightseeing und besuchten die berühmten Dünen von Diskit. Während Rinchen sich vor den grunzenden Kamelen in Sicherheit brachte, machten Norbu, Armin und Sandra einen Ausritt auf den zotteligen Kamelen. Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir dann unsere Unterkunft in Diskit. Nach einem deftigen Mahl, warfen wir uns, beeindruckt von diesem schönen Tag, in die Betten. Die einen mehr und die anderen weniger erfolgreich :) Während DIE eine mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen hatte, kam DER andere fast um vor Rückenschmerzen aufgrund der harten Matratzen. Am nächsten Morgen ging es dann in die andere Richtung des Nubratales. In Sumur suchten wir vergeblich nach unserem erwachsenen Patienten Tsering Dorjey. Nachbarn erzählten uns, dass er an das andere Ende des Dorfes gezogen sei. Ein hilfsbereiter Ladakhi stieg zu uns ins Auto und wies uns den Weg. Nach 500 m über fast fussballgrosse Steine erreichten wir das Haus. Tsering kam uns schon mit dem Walker entgegen, eine Treppe vom Dach hinunter. Er macht wirklich Fortschritte nach seiner Blasen-OP, obwohl er noch über Schmerzen klagt, die ihn manchmal belasten. Zur Abklärung hat er im August einen weiteren Arzttermin.

Tsering bei seinen Übungen

Nach seiner Blasen-Op geht es ihm besser

Weiter führte uns der Trip zum kleinen Tsering Dorjey, den wir in seiner Schule besuchten. Ausgerechnet platzten wir gerade mitten in eine Klassenarbeit herein. Der Lehrer gab uns jedoch 20 min. Zeit zum behandeln und wir machten feinmotorische Übungen und Übungen für das schwächere rechte Bein. Tsering hat eine Rechtsseitig ausgeprägte Hemiparese, er ist soweit in den ADL-s selbständig und läuft ohne Unterstützung.


Der kleine Tsering in der Schule

Jetzt waren wir schon so nah bei den heißen Quellen von Panamik, dass wir dorthin noch schnell einen Abstecher machten. Ausgerüstet mit Schwimmbekleidung mussten wir erfahren, dass die beiden Badekabinen vom Amchi (einheimischer Arzt, der auf homeopathischer Basis behandelt) ausgebucht waren. Das heiße Quellwasser ist bekannt für seine angeblich heilende Wirkung und regelmassig machen die Amchis Behandlungen mit ihren Patienten. Nach einer kurzen Mittagspause in der beeindruckenden Nubra-"Steppe" fuhren wir weiter zu Tundup Gyaltson in Yulkam. Der kleine Patient fing gleich an zu weinen. Nachdem wir ihm aber eine Kindersonnenbrille und Socken geschenkt hatten, konnte er sich sehr schnell wieder beruhigen.

Weinender Tundup Gyaltson

Am Abend besuchten wir dann noch die süsse Diskit Angmo, welche wir am Tag zuvor nicht angetroffen hatten. Diskit hat ein verkürztes rechtes Bein und eine nicht manifestierte Skoliose. Wir gaben ihr neue Streckübungen und wiederholten die alten Übungen.

Diskit Angmo bei ihren Übungen

Nach einem langen Tag kamen wir wieder in unseren Unterkunft an. Da wir alle Patienten angetroffen haben, könnten wir uns am nächsten Tag noch genügend Zeit für die Besichtigung der Diskit-Monastry und der Maitreya-Buddha-Statue nehmen. Dann ging es über den verschneiten Pass zurück nach Leh.

Sandra mit Kindern

Wir möchten noch dem deutschen Pärchen danken, welches so eifrig Sonnenbrillen für unsere kleinen und großen Patienten gesammelt und von Deutschland nach Ladakh hatte. Die Kinder und Erwachsenen haben sich wahrsinnig über die Sonnenbrillen gefreut und das Strahlen in deren Augen war unbeschreiblich. Vielen Dank für diese wirklich gute Tat. Hier oben im Himalaya ist das Sonnenlicht sehr aggressiv und die wenigsten Menschen können sich hier eine Sonnenbrille leisten.


Sandra Guennigmann




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