Fieldtrip Nubra - The long and bumpy road

Februar 2010

07:00h. Pünktlich holte uns Norbu in Begleitung seiner Ehefrau vor dem Office ab. Los geht's über den welthöchsten befahrbaren Pass nach Nubra. Die Strasse wurde nach heftigen Schneefällen erst wenige Tage zuvor wieder eröffnet, so erwartete uns schon nach wenigen Kilometern der erste Auto-Stau. Zeit die fantastische Bergwelt zu bestaunen und ausgiebig zu fotografieren.

Erster Tag. 12 Stunden Holper-Fahrt, 10 KitKats, 56 mit geträllerten Hindi-Liedern, 2 Militärposten, 8 Staus, 0 Tempel und 1 Therapie später kamen wir im Nubra Valley an. Ein völlig anderes Ladakh: wärmer (ooh...endlich raus aus den Daunenjacken), die Berge farbiger, unsere Nasen röter, die Strassen (noch) holpriger (wie krieg ich nur meine Hand je wieder vom Haltegriff los?) kamen wir in Tigers, dem Heimatdorf von Norbus Ehefrau an, wo wir übernachteten. Tigers: kleines Dorf am scheinbaren Ende der Welt (bei Strassen in knapper Jeepbreite und der Besiedlungsdichte der Tundra scheint jedes Haus nach Stunden des propriozeptiven Inputs der Superlative der hoffnungsvolle Zielort zu sein, auch wenn Norbu sogar Locals 30 Minuten lang 50kg schwere Gries-Säcke reicht, damit wir am LKW vorbei weiter ins vermeintliche Nichts hoppeln konnten).

Resümee des ersten Fieldtrip Tages: lange Reise, eine Therapie mit Stanzin Chozang, welcher uns mit seinem mitreißenden Lachen begeisterte, als wir ihn (jaja, heute soll keiner davon kommen) einmal kräftig propriozeptiv stimulierten. Viva Nudelholz unter Norbus therapeutischen Händen. Eindrücklich präsentierte uns Stanzin sein dadurch verbessertes Gangbild.

Stanzin


Nächster Tag. 11 Stunden Holper-Fahrt, 8 KitKats, gute alte deutsche Schlagermusik (nur Suse trällert mit), 0 Militärposten, 0 Staus dafür 6 Straßenblockaden
1) Foto Bus
2) Felsblöcke werden in Indien mitten auf der Strasse zerkleinert. Weiterer Gebrauch der handlichen Kleinteile ungewiss.
1 Tempel, 1 Hot-Spring und 2 Therapien später wieder zurück in Tigers, Ende der Welt.

Resümee des zweiten Fieldtrip Tages: lange Reise (außer Frage), erfolgreiche Therapieeinsätze. Tundup Gyaltson (Diagnose CP) und seine Mutter haben wir nach Leh eingeladen. Leider gelang es uns, wie auch den Therapeuten der letzten drei Jahre, nicht, ihn therapeutisch zu erreichen (er schrie bis zum Erbrechen). Unsere Hoffnung ist, dass er durch tägliche Therapie im Zentrum unter Einbeziehung der Mutter für ihn eine adäquate Hilfsmittelversorgung, sowie alltagsrelevante Fortschritte erreicht werden können.
Aufgrund der Winterferien sind in Ladakh die Schulen geschlossen. Tsering Dohej, welcher üblicherweise in der Schule behandelt wird, erreichten wir deshalb nicht.
Grosse Augen machten wir, als uns der nächste Patient, Tsering Dorjay, seine sorgfältig in der Hosentasche gehüteten, kürzlich herausoperierten Nierensteine in Grosse von PingPong- Bällen hervorzauberte. Nachdem wir sein Heimprogramm überprüft und erweitert haben, ging's weiter zu Diskit Angmo, welche leider nicht zuhause war.

Bei Tundup Gyaltson

Tsering Dorjey


Nächster Tag. 1 Stunde Holper-Fahrt, 1 KitKat, Ladakhi-Musik, 0 Militärposten, 0 Staus, 4 Tempel, Sightseeing in und um Tigers, 1 Therapie.

Resümee des dritten Fieldtrip Tages: Never-Ending-Holperstrecke nach Tigers wurde schon langsam heimisch. Das Ende der Welt ist wunderschön.
In einem kleinen Dorf unterhalb Tigers besuchten wir Stanzin Kunchok, er wurde das erste Mal von Ladakh-Hilfe Therapeuten betreut. Auch ihn luden wir nach Leh ein, um sein Sprach- und Augenproblem genauer und umfassender ärztlich abklären lassen zu können.

Stanzin Kunchok


Nächster Tag. Heimfahrt nach Leh. 6 Stunden Holper-Fahrt, 0 KitKats, 2 Militärposten, 4 Staus, 0 Tempel. Zurück.
Erinnerungen an fantastische Bergwelten, dankbare Patienten mit Familien und die riesige Gastfreundschaft von Norbus Familie bleiben.

Susann Penk, Ergotherapeutin
Sarah Hoerler, Physiotherapeutin




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