Mit Tundup in Temisgam

Bericht von Eike Dammann, April 2007

Veraenderungen im Team und der monatliche Trip nach Temisgang

Wir haben Verstaerkung bekommen. Am 25.3.07 kam Helene (aus Oesterreich) an. In der Frueh haben wir sie vom Flughafen abgeholt. Mit demselben Flieger sind auch 2 wichtige Rinpoches (hohe Geistliche) angekommen. Diese wurden von den Einheimischen in ihrer Festtagstracht empfangen.



So ergab sich auch fuer mich die Gelegenheit, die Ladakhis richtig "rausgeputzt" mal life zu sehen. Der Empfang war dann schnell vorbei.

Am Donnerstag ging es gleich los zur monatlichen Tour nach Temisgang. Diesmal brauchten wir nicht mal den Bus nehmen. Die ladakhische Koenigsfamilie (sie sind momentan noch in Delhi) hat uns ein Privatauto zur Verfuegung gestellt. So konnten wir diesmal Zeit und Kosten sparen. Ausserdem haben wir einen neuen ladakhischen Angestellten. Thugjey Tundup ist 36 Jahre alt und wird uns ab jetzt neben Dolker unterstuetzen.



Die Arbeit mit den Kindern gefaellt ihm gut und anfaengliche Beruehrungsaengste sind laengst ueberwunden. Ausserdem hat er einen Fuehrerschein und Fahrpraxis. Davon konnten wir uns auf der Tour nach Temisgang gleich ueberzeugen.

Gegen 10.00 Uhr starteten wir in Leh. Unterwegs wurden wir immer wieder durch Strassenbauarbeiten aufgehalten.



Da hieß es abwarten bis die LKWs beladen sind und die Strasse wieder frei ist. Einen weiteren unfreiwilligen Stopp hatten wir noch wegen einem Platten.

Aber das Rad war schnell gewechselt. So waren wir schon gegen 14.00 Uhr im Guesthouse. Nach einer Pause und dem ueblichen Willkommenstee ging es gleich los zu zwei Patienten.
Als erstes schauten wir bei Jigmet, einem froehlichem 10-jaehrigen Maedchen, vorbei. Sie hat uns schon erwartet. Ihr grosser Wunsch ist es auf den eigenen Beinen zu stehen. Meist sitzt sie im Rollstuhl oder wird von der Mutter auf dem Ruecken getragen.



Das Stehen ist ein Problem, da ihr rechter Fuss nach aussen wegknickt, und sie dadurch nur auf der aeussersten Fusskante steht. Da der Fuss durch regelmaessiges Bewegen nicht steif ist, koennen wir ihn gut korrigieren und Orthesen aus Softcast (eine Sachspende vom Orthozentrum Muenchen - vielen Dank!!!!) anfertigen.



Die gesamte Familie schaute dabei interessiert zu. Dann ist der Softcast fest und wir versuchen das Aufstehen. Mit etwas Hilfe gelingt es Jigmet zu stehen, ein ganz neues Gefuehl.



Der örtliche Healthworker ist auch da. Er wird in der Zwischenzeit, bis zu unserem naechsten Besuch, regelmaessig bei der Familie vorbeischauen und weiter mit Jigmet ueben.
Danach schauten wir noch bei Stanzin vorbei. Sie macht ihre Uebungen regelmaessig und wird so immer etwas sicherer vom Gleichgewicht. Mit ihr ueben wir draussen, dort haben wir jede Menge Zuschauer.



Die Leute sind neugierig - interessiert, besonders wenn Fremde auftauchen, eine Abwechslung im Alltag fuer sie.
Gegen 19.30 Uhr sind wir recht k.o. aber zufrieden wieder im Guesthouse zurueck.

Da wir diesmal alle Strecken per Auto zuruecklegen schauten Helene und ich, dass wir am naechsten Morgen vor dem Fruehstueck etwas Bewegung bekamen. So kraxelten wir auf den Bergen rund um das Kloster von Temisgang herum.



Danach ging es zu 2 weiteren Patienten in der Naehe von Temisgang. Unser 2. Stopp gilt Stanzin (ein haeufiger Name in Ladakh - die Kinder erhalten ihren Namen von einem Lama - Geistlichen - es wird kein Unterschied zwischen Jungen- und Maedchennamen gemacht, so stossen wir immer wieder auf gleiche Namen, die Auswahl ist nicht sehr gross). Ihr geht es nicht gut. So bleiben wir nur kurz.



Der Vater will mit ihr zum Arzt, dass bedeutet eigentlich 2 Stunden Fussmarsch bzw. Rollischieben. Da wir diesmal per Auto unterwegs sind, nehmen wir sie bis zum Arzt mit.
Danach gehts weiter nach Basgo. Dort haben wir noch 2 weitere Patienten. Bei der einen Familie uebernachten wir auch.
Bevor wir am Morgen mit der letzten Behandlung beginnen, machen wir uns zu viert auf zum Spaziergang zum Indus. Das Wasser ist eiskalt aber im warmen Sand kann man wunderbar barfuss laufen.



Zur Behandlung kommt die verantwortliche Healthworkerin dazu. Sie ist sehr interessiert und dem kleinen Tsewang wird es gut tun, wenn auch sie nach ihm schaut. Tsewang konnte mit einem Jahr sitzen, fuers Stehen und Gehen benoetigte er Hilfe, gekrabbelt ist er nicht. Dadurch wurden die Eltern hellhoerig und waren mit ihm beim Arzt. Aber nach der Behandlung beim Arzt ist eigentlich alles schlechter geworden. Wir haben Tsewang im November 2006 kennengelernt. Da konnte er nichts mehr selbstaendig machen, selbst seinen Kopf kann er nicht allein halten. Als Diagnose wurde eine degenerative Hirnathrophie festgestellt. Seit wir ihn kennen, hat sich sein Zustand etwas verbessert. Sein Kopf haengt nicht mehr staendig in Ueberstreckung und auch die Augen schauen nicht nur nach oben ins Nichts. Auf Berührungsreize über die Haut reagiert Tsewang mit mehr Aufmerksamkeit, was man auch an seinen Augen sehen kann. Sein Blick ist nicht mehr so haeufig ins Leere gerichtet. Wir zeigen der Mutter noch einige Lagerungs-moeglichkeiten fuer ihren Sohn. Er scheint sich dabei sehr wohl zu fuehlen. Auch hat die Mutter die Uebungen vom letzten Mal regelmaessig mit ihm gemacht. So viel Interesse an einem behinderten Kind von Seiten der Eltern ist oft aus Zeitgruenden nicht selbstverstaendlich.

Eike Dammann, April 2007




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