von Karola Kostial
und Kerstin Petkat, Januar 2007
Viele Dinge passieren in Ladakh am Rande unserer Arbeit,
die uns begleiten und beschäftigen. Sie haben nichts direkt mit
der Arbeit zu tun, beeinflussen uns jedoch auf manchmal sehr eindrucksvolle
Weise.
Die Geschichte von Snoopy
Jeder Ladakh-Reisende begegnete den vielen streunenden Hunden. Nachts
schlafen sie in wolligen Knäueln am Straßenrand, tagsüber
durchstöbern sie den Müll nach fressbaren Resten. In Ladakh
gibt es kein Hundefutter zu kaufen, wir haben gefragt. Die Hunde tragen
kein Halsband und laufen nicht an der Leine, sondern laufen frei herum,
übernachten im Freien, vermehren sich ungehemmt und niemand kümmert
sich um sie. Manche Hunde kann man Häusern zuordnen und sie sind
zutraulich und "gezähmt". Das sind die wenigen glücklichen
Hunde. Sie bekommen wenigstens ab und zu Essenreste und ein paar Streicheleinheiten.


Snoopy als kleines Baby - Snoopy lernt laufen
Im Komplex unserer Personalwohnungen wohnt auch eine ältere Lehrerin,
die seit Jahren zwei bis drei Hunde pflegt und sich um sie kümmert.
Im Winter dürfen die Tiere sogar bei ihr in der Wohnung übernachten.
Letztes Jahr starb einer dieser alten Hunde und prompt tauchte eine
junge Hündin auf, die im Garten hinter dem Haus 4 junge gebar.
Drei davon starben nach kurzer Zeit und es blieb ihr ein Wollknäuel
zum Aufziehen. Ich lernte "Petticoat", die Hündin,
bei meinem Besuch im Oktober 2006 kennen. Eine hübsche, zutrauliche
junge Dame, die sich aufopfernd um das grunzende kleine Wollknäuel
kümmerte. Sie erlaubte mir und meinen Kolleginnen, ihr Baby herumzutragen
und zu streicheln und erhielt dafür immer ein paar Leckerbissen.
Argwöhnisch von "Petti" beobachtet, tauften wir die
Kleine "Snoopy", weil sie wirklich wie Snoopy aussah und
liebten das tollpatschige Hundebaby innig. Wir beobachteten ihre ersten
wackligen Schritte und sie knurrte uns mit hellem Babyknurren unsicher
an, wenn wir uns ihr näherten. Mit ihrem piepsigen Gebell forderte
sie Aufmerksamkeit, tapste uns bald überall hin nach und ihre
Mama hatte große Mühe, die Kleine im Zaum zu halten. Ich
flog im November zurück nach Deutschland, erkundigte mich jedoch
regelmäßig nach Snoopy.


Snoopy mit ihrer Mama Petticoat beim Spiel
"Sie wächst," hieß es, "und sie läuft
schon im Rudel mit, wenn es unterwegs ist." Die Freiwilligen
vor Ort hatten schon Sorge um die Kleine, denn durch ihre tollpatschige
Unerfahrenheit war sie den Gefahren geradezu ausgesetzt. Autofahrer
nehmen keine Rücksicht auf kleine Hunde.
Letzte Woche erkundigte ich mich wieder nach Snoopy und erhielt diesen
Bericht:


Snoopy mit ihrer hübschen Mama und als verspieltes
kleines Hundemädchen
Snoopy...Tja, das ist wirklich traurig und komisch, dass du mich
gerade jetzt darauf ansprichst. Leider ist die Kleine seit 2 Tagen
im Hundehimmel oder wo auch immer....Gestern morgen haben wir sie
an der Mauer unter vielen Steinen begraben. Heute bin ich schon nicht
mehr so wirklich traurig (alles ist ja bekanntlich vergänglich...),
aber es war ein Schock. Wie es dazu kam? Vorgestern sind Kerstin,
Armin und ich abends in die Stadt zum Essen und da saß Petticoat
neben ihrer toten Snoopy am Straßenrand. Es war wirklich traurig.
Äußerlich konnte man nichts erkennen, vielleicht von der
Mauer gefallen beim ersten Versuch diese, wie die anderen Hunde, zu
erklimmen. Der Nachbar meinte eventuell Rattengift, das die Leute
auslegen..ist ja auch egal, tot ist tot. Wir sind dann weiter in die
Stadt und auf dem Rückweg saß Petti immer noch neben ihrem
Mädchen. Erst dachten wir, dass sie sie an anknabbern würde,
weil sie an dem toten Baby herumnagte, und sind dann weiter nach Hause.
Später am Abend, ich war schon im Bett, haben Kerstin und Armin
mitbekommen, dass die arme Petti ihr Mädchen den ganzen Weg bis
zu unserem Hof geschleppt hatte. (Das vermeintliche Anknabbern war
der Versuch des Zerrens gewesen). Die Kollegen haben sie Tiere dann
unter die Treppe (wo die Petti und Snoopy immer geschlafen hatten)
gebracht, da Petti ganz unruhig war und ständig jaulte. So hat
sie dann für die Nacht etwas Ruhe gefunden.


Die Freiwilligen verrichten eine traurige Arbeit -
Petticoat trauert alleine neben Snoopys Grab
Gestern Morgen haben wir sie dann, wie gesagt, beerdigt. Der Moment
war günstig, da Petti gerade weg war und nicht mitbekommen hatte,
wo wir sie vergraben haben. Aber als sie wieder da war, hat sie sie
die ganze Zeit gesucht. Sie guckt auch ganz traurig...Naja, wird schon
drüber wegkommen, aber war für uns (gerade Kerstin und mich)
schon ein schock...Hat man sie doch ins Herz geschlossen, die Kleine,
und sich an ihre fipsige Art gewöhnt. Na, und jetzt waren's nur
noch 3: Roksches, Bingo und eben Petti halten uns jetzt die Stange
und freuen sich, wenn man kommt (meistens wenn sie Hunger haben.)

Snoopy - eine zutrauliche junge Dame
So, jetzt habe ich Snoopys Tod auch schriftlich verarbeitet. Hach,
aber man hatte sich wirklich schon so an sie gewöhnt. Sollte
man nie machen - egal mit was. Alles geht vorbei und ist vergänglich...
Also, jetzt ist aber auch mal gut - hatte ich Dir nur geschrieben,
da Du mich direkt nach Snoopy gefragt hattest.