Temisgameinsatz Ende Feb. 2007

Temisgang-Bericht von Claudia Mueller,

22.02. bis 24.02.2007


Die monatliche grosse Hausbesuchstour nach Temosgang und Umgebung steht an.
Mit unseren Rucksaecken zuckeln wir am Morgen durch die Stadt Richtung Busbahnhof und machen uns auf die Suche nach unserem Bus - angeschrieben steht nirgends etwas und wir fragen uns durch.
Unser Gepaeck ist auf dem Dach verstaut, ein Fensterplaetzchen reserviert, Dolker ist eingetroffen...eigentlich koennte es losgehen. Tut es aber nicht und der Bus ist doch auch ungewoehnlich leer. Man ahnt es schon, wir haben uns in den Falschen gesetzt! Aber gut, die Richtung stimmt und mangels Alternativen warten wir ab und versuessen uns die Zeit mit Keksen vom Baecker gegenueber.

Eine Stunde spaeter, der Bus ist inzwischen brechend voll und bepackt wie ein Moebeltransporter, machen wir uns auf den Weg.
Mit vielen Ein- und Aussteigestops, mal ueber Piste, mal ueber asphaltierte Strasse durch diese wunderschoene Landschaft. Tief unten treiben die Schollen vom vereisten Ufer des gruenen Indus. In allen Braun-, Gelb- und Rotschattierungen ragen die Spitzen in den stahlblauen Himmel und ueber allem thronen die wirklich hohen Berge am Horizont in gleissendem Weiss.
Man wird nie muede einfach nur zu schauen und zu staunen!

Nur dass die Landschaft ploetzlich doch merklich langsamer vorbei zieht. Und dieses mal liegt es weder an einem steilen Anstieg, noch muss eine Kuh ueberholt werden, Gegenverkehr ist auch keiner auszuspaehen.
Wir haben eine Panne! Waehrend einige Maenner unterm Motor werkeln, schmieden wir schon Alternativplaene.

Busreparatur

Aber zum Glueck geht es weiter und der Bus haelt tadellos durch bis Temosgang. Die trutzigen Bauernhaeuser inmitten der knorrigen Aprikosenhaine liegen schon im Schatten, hoch oben leuchtet das beruehmte Kloster noch im letzten Licht.

Nach herrlichem Fruehstueck im Wohnzimer der Guesthouse-Familie ziehen wir zu den Hausbesuchen das Tal hinauf.

Unsere Bedenken wie der erste kleine Patient mit der Fussheberlaehmung auf die orthopaedischen Schuhe reagieren wuerde - wir hatten nur welche aus schwarzem Lack, stellten sich auch als unbegruendet heraus!

Zwar war ihm die Kamera etwas suspekt und Urgyan sieht nicht so ueberzeugt aus auf dem Photo...aber er war stolz wie Oskar auf seine neuen Schuhe.

Der etwas kritisch schauende Urgyan mit den neuen Schuhen

Zusammen mit dem oertlichen health worker behandeln wir noch drei weitere Patienten. Sein Interesse freut uns ehrlich. Da wir nur einmal im Monat kommen koennen ist es um so wichtiger, dass vor Ort jemand mit den Kindern arbeitet.

Schoen zu sehen ist es, was sich in vier Wochen veraendern kann! Ein Maedchen mit Muskeldystrophie hat deutlich an Kraft zugelegt. Kleine Anforderungen wie auf einer Linie gehen brachten sie das letzte mal schon an ihre Grenzen, aber sie legt sich mit Begeisterung ins Zeug!

Im Abendlicht machen wir uns die zwei Stunden auf den Heimweg zurueck nach Temosgang.

Tal im Abendlicht mit Nonne

Auch am naechsten Tag in Basgo laeuft alles wie am Schnuerchen. Dank diverser Mitfahrgelegenheiten kommen wir schnell voran. Am Nachmittag haben wir sogar noch die Gelegenheit den Rinpoche zu treffen, der gerade zu Besuch hier ist. Schwer zu beschreiben ist ein solches Treffen, es hinterlaesst uns alle drei wirklich bewegt.

Zwei Tage frueher als geplant kommen wir am Nachmittag in Leh an und schaffen es am Sonntag sogar zum Klosterfest in Stok hier ganz in der Naehe.

Das Festival in Stok

Nach den Maskentaenzen erwartet uns ein Spektakel ohne Gleichen! Mit Saebeln und Speeren bewehrt jagen die Orakel wie besessen ueber den Hof und die Klosterdaecher, wohl im Zorn ueber die Ignoranz der Welt schneiden sie sich in die Zungen. Gespannt wartet die Menge, was es ueber das kommende Jahr mitzuteilen gibt. Den tiefen Respekt oder sogar die Angst der Ladakhis vor den Faehigkeiten der Orakel koennen wir nicht ganz nachvollziehen. Trotzdem sind wir doch froh als der Spuk nach einer halben Stunde vorbei ist und sich die Gaensehaut wieder legt.

Zum guten Schluss noch die Prognose der Zwei: alles wird besser als im letzten Jahr!!!



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