Bericht aus Chumatang, November 2007


Report Homevisits Chumatang 02.-03. Nov. 2007
Tundup, Dolker, Chuskit, Judith, Miriam, Gabi

Da Chumatang sehr weit von Leh entfernt ist und ueber eine enge Strasse entlang des schmalen Industals erreichbar ist, muessen wir die Patienten dort noch vor dem Winter besuchen. Im Winter kann die Strasse unpassierbar werden. Dieser Teil von Ladakh wurde von uns im September dieses Jahres zum ersten Mal "erforscht". Dieses Mal kommen noch drei neue Patienten dazu. Der erste Patient lebt in einem kleinen Dorf am Weg nach Chumatang. Leider haben wir hier kein Glueck, der Grossvater sagt uns, dass die Familie nach Leh gefahren ist. Er faehrt in den naechsten Tagen nach und wird den Eltern ausrichten, dass sie uns in Leh aufsuchen sollen. Also weiter zum naechsten neuen Patienten. Doch auch hier das gleiche Pech: die Familie ist seit gestern in Leh. Vor dem Winter fahren viele Leute vom Land in die Stadt, um noch Einkaeufe zu machen.

Miriam arbeitet mit Dolma

Den ersten Patienten treffen wir in einem abgelegenen Tal an. Der zehnjaehrige Tundup hat seit Geburt an stark deformierte Haende und Fuesse und ist seh- und hoerbehindert. Er hat ausserhalb der Familie keine sozialen Kontakte und reagiert sehr verschreckt auf uns. Tundup ist stark auf seine Mutter fixiert, die sehr liebevoll mit ihm umgeht. Er zeigt allerdings autistische Zuege. Das auessert sich in stereotypen Bewegungen und staendigem Reiben der Augen. Aus diesem Grund sind seine Augen chronisch entzuendet. Das Schaukeln in einer Decke, gefaellt ihm. Wir regen an, eine Haengematte zu befestigen, die er selbststaendig in Bewegung setzen kann. Der Wunsch der Mutter ist ein Rollstuhl.

Die naechste Patientin, die 21jaehrige Dolma, treffen wir nicht zuhause an sondern in der Schule, wo sie ihre Schwester bei deren Arbeit in der Schulküche unterstuetzt. Sie hat eine rechtsseitige Hemiplegie. Es freut uns zu sehen, dass Dolma jetzt eine Beschaeftigung hat. Dadurch scheint sich auch die Funktion ihres rechten Arms und der Hand verbessert zu haben. Und ausserdem hat das ihr Selbstwertgefuehl gesteigert und foerdert ihre sozialen Kontakte. Die Fehlstellung des rechten Fusses kann sie gut korrigieren und mit den neuen stabilen Schuhen, die wir ihr geben, ist ihr Gangbild deutlich besser.

Dolma tanzt

Auf dem Rueckweg sehen wir eine Gruppe Frauen und Kinder bei der Arbeit. Chuskit wird von einer der Frauen angesprochen. Nach einigem hin und her stellt sich heraus, dass ihr Sohn, Jigmet, deformierte Finger und Fuesse hat. Der elfjaehrige Junge hat grosse Probleme beim Gehen und ermuedet rasch. Nach der Befundaufnahme wird klar, dass er orthopaedische Schuhe braucht. Das werden wir versuchen in die Wege zu leiten. Da es in Leh keine orthopaedische Hilfmittelversorgung gibt, koennen wir ihn nur auf die Warteliste von einer amerikanischen Gesellschaft setzen. Diese leistet zweimal jaehrlich in Ladakh medizinische Hilfe und plant im naechsten Jahr auch den Einsatz von Orthopaediemechanikern.

Befund am Weg, Jigmet braucht Hilfe

Dolker bereitet ein tolles Lunch, alle geniessen


Nach einem verspaeteten, aber von Dolker koestlich zubereiteten Lunch im Freien, kommen wir in unserem Quartier in Chumatang an. Dort werden nach einem Bad in den heissen Quellen noch fleissig die Befunde geschrieben und der naechste Tag geplant.

Spätschicht: abends werden die Befunde geschrieben

Am Samstag geht es weiter in das 30 km entfernte Mahe. Rinchen, 19 Jahre, ist taubstumm und hat eine erhebliche Beinlaengendifferenz. Daraus resultieren Schmerzen im Ruecken. Wir geben ihr voerst neue Schuhe fuer den Winter und werden einen Schuhausgleich veranlassen. Ihre soziale Situation ist schwierig, da ihre Eltern verstorben sind und sie keinerlei Schul- oder Ausbildung hat. Rinchen lebt bei ihrer Tante, einer Nonne, die uns berichtet, dass Rinchen voruebergehend Arbeit im nahen Army Camp bekommen hat. Dort wird zum Glueck auch auf ihre Behinderung Ruecksicht genommen.

Eine weitere Autostunde und einen hohen Pass entfernt, kommen wir in einer kleinen Siedlung von Huetten und Stallungen an. Dort lebt die 16jaehrige Youdol. Sie hat einen stark deformierten Brustkorb und dadurch schwerwiegende Atemprobleme. Zurzeit ist sie so schwach, dass sie nicht gehen kann und nur auf den Knien aufgestuetzt sitzen oder stehen kann. Youdol hat starke Schmerzen in der gesamten Wirbelsaule und atmet unter Anstrengung sehr schnell und flach. Die extreme Hoehenlage kommt erschwerend hinzu. Nach einigen Versuchen finden wir doch noch entlastende Positionen fuer sie. Das Angenehmste fuer sie ist, unter den Achseln hochgezogen zu werden. Mit dieser Hilfe ist sogar das Gehen ohne Schmerzen moeglich. Da kein Holz fuer Achselstuetzen verfuegbar ist, konstruieren wir eine Haengevorrichtung unter dem Deckenbalken. Wir werden Achselstuetzen organisieren, mit denen sie hoffentlich bald wieder selbststaendig gehen kann.

Man sieht der armen Youdul ihre Probleme und Schmerzen an

Nach diesen zwei ausgefuellten Tagen organisieren wir noch einen Ausflug zum wunderschoenen Tsomoriri-See. Dort lassen wir unsere vielfaeltigen Eindruecke nochmals Revue passieren.

Wunderschöner Tsomoririsee, 4500 m

05. Nov. 2007
Judith, Miriam, Gabi



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