Am Busbahnhof treffe
ich Mara, eine Sonderpaedagogin aus der franzoesischsprechenden Schweiz
und Darhul, einen jungen Ladakhi, der bei einer anderen Hilfsorganisation
in Leh arbeitet und uns auf dieser Reise als Uebersetzter und Ortskundiger
unterstuetzen wird.

Stefi, Mara
und Übersetzer
Alles Notwendige ist gepackt,
Nahrungsmittel, Kleider, Schlafsack, Hilfsmittel und Kleider fuer die
Kinder. Wir trinken noch einen Tee zusammen, dann klettern wir auf das
Dach des Busses, um dort unser Gepaeck festzumachen. Die Fahrt kann
beginnen! ...das heisst, zuerst stoppen wir fast an jeder Ecke, um weitere
Leute und deren Gepaeck aufzuladen, bis sich im Innern des Busses Gasflaschen,
Pakete und Menschen aufeinanderstapeln. Die Leute scherzen untereinander
und es ist eine tolle Stimmung. Wir fahren durch die weite Gebirgsketten,
alles ist ockerfarben, Wueste. Ladakhi Popmusik und Ruetteln. Die Landschaft
zieht vorueber, veraendert sich, die Doerfer werden gruener mit ihren
Gerstenfeldern und Aprikosenbaeumen, Straeucher bluehen. Peng! Ein Reifen
ist geplatzt, alle steigen aus, die Maenner helfen einander und so ist
das Rad schnell gewechselt.
Nach 6 Stunden Fahrt kommen wir in Domkhar an. Darhul fuehrt uns zu
Jigmets Haus, wo wir von der herzlichen Grossmutter erst mal Tee serviert
bekommen. Jigmet ist auch da. Er hat sich im letzten Jahr sehr gut entwickelt.
Ein Anliegen von Ladakh-Hilfe ist es, die Kinder in den Schulen zu integrieren,
was bei Jigmet gut gelungen scheint. Nachdem er noch vor einem Jahr
fast autistische Zuege zeigte, ist er jetzt aufgeweckt und nimmt rege
Kontakt auf mit uns. Auch seine Gangunsicherheit ist weniger geworden
und die Handmotorik besser, wobei er hier sicher noch klare Defizite
hat. Wir machen Koordinationsuebungen mit ihm fuer Arme und Beine und
zeigen diese dem Bruder, welcher sich ruehrend um Jigmet kuemmert. So
koennen sie zusammen mit Spielen weiter Jigmets Geschicklichkeit trainieren!
Am naechsten Tag gehen wir mit in die Schule. Mit den zwei Lehrerinnen
schauen wir spezielle Methoden fuer lernbehinderte Kinder an, um Jigmet
das Koerperschema, die Farben, die Zahlen, die Buchstaben beizubringen.
Er ist gerade im Begriff, all diese Dinge zu erlernen und die richtige
Stimulation ist jetzt sehr wichtig fuer ihn! Der Morgen in der Schule
ist sehr erfolgreich, sogar der Schuldirektor setzt sich zu uns und
will viel wissen ueber die Foerderung von behinderten Kindern!
)
Jigmet bei
der Therapie
Spaeter hocken wir am Strassenrand und warten eine kleine Ewigkeit auf
den Bus nach Skurbuchan. Irgendwann ist es dann soweit. In Skurbuchan
findet gerade eine fuenfzehntaegige Puja statt, eine buddhistische Feier,
waehrend der den ganzen Tag Gebete rezitiert werden. Frauen und Maenner
in der traditionellen Kleidung, Teenager in in Sportswear, alle haben
sie Gebetsmuehle oder -kette in der Hand!

Wir besprechen Stanzins Aktivitaeten und Defizite mit der Familie, schauen
ihn gemeinsam an und geben verschiedene Tips zur optimalen Hilfe beim
Gehen, Training der Koerperwahrnehmung.

Ein naechstes Ziel der Mutter
ist es, dass Stanzin alleine zur Toilette gehen koennte. Dies ist bei
den Ladakhitoiletten ziemlich schwierig, und wir vereinbaren, das naechste
Mal einen speziellen Toilettenstuhl fuer Stanzin mitzunehmen.
Am folgenden Tag begleiten wir Stanzin zur Schule, um dort sein Verhalten
zu beobachten und mit der Lehrerin den angepassten Lernstoff zu besprechen.
Am Nachmittag bleibt uns dann genuegend Zeit, um einen Berg zu besteigen,
auf dem viele Choerten, buddhistische Heiligtuemer stehen. Wir geniessen
die herrliche Aussicht und Ruhe da oben!

Abends liegen Mara und ich schon in unseren Schlafsaecken, als Mutter
und Tante in unserem Zimmer auftauchen um mit uns zu plaudern. Wir freuen
uns sehr darueber, denn die Familie war bei den letzten Besuchen nicht
sehr offen gewesen gegenueber neuen Ideen fuer Stanzin, weil sie teilweise
Mehrarbeit bedeuten. Es ist wichtig, einen Mittelweg zu finden zwischen
Verstaendnis fuer die harte Familiensituation und Stanzins Foerderung.
Wir haben ein gutes Gefuehl. Zum Abschied schenken sie uns einen ganzen
Sack frische Minze und wuenschen, dass wir wiederkommen!
Stunden und viele Buskurven spaeter kommen wir in Goma an, das letzte
Dorf bevor die totale Bergwueste beginnt. Wir besuchen Eashy, ein 19jaehriges
behindertes Maedchen.
Das Zimmer, in welchem wir untergebracht sind, klebt wie ein Adlerhorst
ueber dem Dorf.
Eashy ist nie zur Schule gegangen, verbringt die Tage allein im Haus,
waehrend die Eltern bei der Arbeit sind. Wir versuchen, den Eltern aufzuzeigen,
dass Eashy recht geschickt ist und wie wertvoll es waere, sie in alltaegliche
Arbeiten wie Kochen, Abwaschen, Feldarbeit miteinzubeziehen. Am Abend
sitzen wir dann alle in der warmen Kueche auf dem Lehmboden und kochen
gemeinsam. Mit Eashy. Das ist wunderbar!
Morgens stehen wir in der Frueh auf, um den Frauen bei der Feldarbeit
zu helfen. Auch das ist ein einzigartiges Erlebnis!
 
Die Therapeuten
helfen bei der Feldarbeit
Und schon bricht der fuenfte Tag an, der Tag unserer Heimreise. Ladakhi
Musik und Ruetteln und sieben Stunden spaeter sind wir wieder in Leh,
mit vielen schoenen Erinnerungen und dem Gefuehl, etwas fuer die drei
Kinder getan zu habe.
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