Bericht Skurbuchan Mai 07

von Stefanie Widmer

Am Busbahnhof treffe ich Mara, eine Sonderpaedagogin aus der franzoesischsprechenden Schweiz und Darhul, einen jungen Ladakhi, der bei einer anderen Hilfsorganisation in Leh arbeitet und uns auf dieser Reise als Uebersetzter und Ortskundiger unterstuetzen wird.

Stefi, Mara und Übersetzer

Alles Notwendige ist gepackt, Nahrungsmittel, Kleider, Schlafsack, Hilfsmittel und Kleider fuer die Kinder. Wir trinken noch einen Tee zusammen, dann klettern wir auf das Dach des Busses, um dort unser Gepaeck festzumachen. Die Fahrt kann beginnen! ...das heisst, zuerst stoppen wir fast an jeder Ecke, um weitere Leute und deren Gepaeck aufzuladen, bis sich im Innern des Busses Gasflaschen, Pakete und Menschen aufeinanderstapeln. Die Leute scherzen untereinander und es ist eine tolle Stimmung. Wir fahren durch die weite Gebirgsketten, alles ist ockerfarben, Wueste. Ladakhi Popmusik und Ruetteln. Die Landschaft zieht vorueber, veraendert sich, die Doerfer werden gruener mit ihren Gerstenfeldern und Aprikosenbaeumen, Straeucher bluehen. Peng! Ein Reifen ist geplatzt, alle steigen aus, die Maenner helfen einander und so ist das Rad schnell gewechselt.
Nach 6 Stunden Fahrt kommen wir in Domkhar an. Darhul fuehrt uns zu Jigmets Haus, wo wir von der herzlichen Grossmutter erst mal Tee serviert bekommen. Jigmet ist auch da. Er hat sich im letzten Jahr sehr gut entwickelt. Ein Anliegen von Ladakh-Hilfe ist es, die Kinder in den Schulen zu integrieren, was bei Jigmet gut gelungen scheint. Nachdem er noch vor einem Jahr fast autistische Zuege zeigte, ist er jetzt aufgeweckt und nimmt rege Kontakt auf mit uns. Auch seine Gangunsicherheit ist weniger geworden und die Handmotorik besser, wobei er hier sicher noch klare Defizite hat. Wir machen Koordinationsuebungen mit ihm fuer Arme und Beine und zeigen diese dem Bruder, welcher sich ruehrend um Jigmet kuemmert. So koennen sie zusammen mit Spielen weiter Jigmets Geschicklichkeit trainieren! Am naechsten Tag gehen wir mit in die Schule. Mit den zwei Lehrerinnen schauen wir spezielle Methoden fuer lernbehinderte Kinder an, um Jigmet das Koerperschema, die Farben, die Zahlen, die Buchstaben beizubringen. Er ist gerade im Begriff, all diese Dinge zu erlernen und die richtige Stimulation ist jetzt sehr wichtig fuer ihn! Der Morgen in der Schule ist sehr erfolgreich, sogar der Schuldirektor setzt sich zu uns und will viel wissen ueber die Foerderung von behinderten Kindern!

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Jigmet bei der Therapie


Spaeter hocken wir am Strassenrand und warten eine kleine Ewigkeit auf den Bus nach Skurbuchan. Irgendwann ist es dann soweit. In Skurbuchan findet gerade eine fuenfzehntaegige Puja statt, eine buddhistische Feier, waehrend der den ganzen Tag Gebete rezitiert werden. Frauen und Maenner in der traditionellen Kleidung, Teenager in in Sportswear, alle haben sie Gebetsmuehle oder -kette in der Hand!


Wir besprechen Stanzins Aktivitaeten und Defizite mit der Familie, schauen ihn gemeinsam an und geben verschiedene Tips zur optimalen Hilfe beim Gehen, Training der Koerperwahrnehmung.

Ein naechstes Ziel der Mutter ist es, dass Stanzin alleine zur Toilette gehen koennte. Dies ist bei den Ladakhitoiletten ziemlich schwierig, und wir vereinbaren, das naechste Mal einen speziellen Toilettenstuhl fuer Stanzin mitzunehmen.
Am folgenden Tag begleiten wir Stanzin zur Schule, um dort sein Verhalten zu beobachten und mit der Lehrerin den angepassten Lernstoff zu besprechen.
Am Nachmittag bleibt uns dann genuegend Zeit, um einen Berg zu besteigen, auf dem viele Choerten, buddhistische Heiligtuemer stehen. Wir geniessen die herrliche Aussicht und Ruhe da oben!


Abends liegen Mara und ich schon in unseren Schlafsaecken, als Mutter und Tante in unserem Zimmer auftauchen um mit uns zu plaudern. Wir freuen uns sehr darueber, denn die Familie war bei den letzten Besuchen nicht sehr offen gewesen gegenueber neuen Ideen fuer Stanzin, weil sie teilweise Mehrarbeit bedeuten. Es ist wichtig, einen Mittelweg zu finden zwischen Verstaendnis fuer die harte Familiensituation und Stanzins Foerderung. Wir haben ein gutes Gefuehl. Zum Abschied schenken sie uns einen ganzen Sack frische Minze und wuenschen, dass wir wiederkommen!
Stunden und viele Buskurven spaeter kommen wir in Goma an, das letzte Dorf bevor die totale Bergwueste beginnt. Wir besuchen Eashy, ein 19jaehriges behindertes Maedchen.
Das Zimmer, in welchem wir untergebracht sind, klebt wie ein Adlerhorst ueber dem Dorf.
Eashy ist nie zur Schule gegangen, verbringt die Tage allein im Haus, waehrend die Eltern bei der Arbeit sind. Wir versuchen, den Eltern aufzuzeigen, dass Eashy recht geschickt ist und wie wertvoll es waere, sie in alltaegliche Arbeiten wie Kochen, Abwaschen, Feldarbeit miteinzubeziehen. Am Abend sitzen wir dann alle in der warmen Kueche auf dem Lehmboden und kochen gemeinsam. Mit Eashy. Das ist wunderbar!
Morgens stehen wir in der Frueh auf, um den Frauen bei der Feldarbeit zu helfen. Auch das ist ein einzigartiges Erlebnis!

Die Therapeuten helfen bei der Feldarbeit


Und schon bricht der fuenfte Tag an, der Tag unserer Heimreise. Ladakhi Musik und Ruetteln und sieben Stunden spaeter sind wir wieder in Leh, mit vielen schoenen Erinnerungen und dem Gefuehl, etwas fuer die drei Kinder getan zu habe.




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