von Nicki Seger
Es wird
Herbst hier, die Blaetter fallen, die Abende sind schon sehr kuehl.
Die Natur und das gesellschaftliche Leben in Ladakh sind im Wandel.
Viele Einheimische verlassen die Gegend, um ueber den Winter mehr
suedliche Gefilde aufzusuchen - Aufbruchstimmung, auch fuer mich.
Nach drei Monaten Arbeit fuer Ladakh-Hilfe werde ich am Wochenende
meinen Rucksack packen und die Reise quer ueber das Himalaya zurueck
nach Delhi antreten. Zeit, um die letzten Monate nochmal Revue passieren
zu lassen.
Was
ist passiert hier in den letzten drei Monaten?
Aufgrund
der personellen Ausfaelle und Nicole's Urlaub war ich zum grossen
Teil im August mit der Arbeit hier alleine. Es gab viel zu tun, aber
gluecklicherweise kommt ja wie so oft, unverhofft, Beistand: eine
Physiotherapeutin aus Neuseeland hat ihr Interesse an unserer Arbeit
kundgetan und mir dann ueber 3 Wochen mit der Arbeit im M.A.C. und
bei den Hausbesuchen in den umliegenden Doerfern geholfen. Somit hatten
wir beide gleich mehrere Vorteile: geteilte Arbeit, viel Spass und
internationalen physiotherapeut. Erfahrungsaustausch.


Phyang
...................................................Satu Village
Der starke
Regen im August hat viele Strassen ueberschwemmt, Bruecken weggespuelt
und in einigen Doerfern ganze Haeuser zerstoert. Sehr deutlich wurde
das bei einem Hausbesuch in Phyang, wo ganze 7 Wohnhaeuser in den
Fluten verschwanden. Ein sehr schlimmer Anblick, Menschen die schon
wenig Besitz haben werden dann noch von so einer Tragoedie heimgesucht.
Aufgrund der Zerstoerungen sind diesen Sommer auch viele Camps ausgefallen,
da die Familien und Healthworker nun damit beschaeftigt waren ihre
Haeuser und Felder wieder instand zu setzen.
Leider
konnten wir anfangs wegen der schlechten Strassenverhaeltnisse nach
den Fluten auch unseren neu erworbenen Scooter nicht einsetzen. Doch
nach etwas Sonnenschein und Fahrstunden mit Vertrautwerden von Kupplung,
Gangschaltung, indischem Strassenverkehr und linksseitigem Fahren
war auch das kein Problem mehr. Jetzt koennen wir die woechentlichen
Hausbesuche um Leh und auch weitere Fahrten mit dem Scooter erledigen
und sind so nicht mehr auf teure Taxifahrten angewiesen und damit
viel unabhaengiger.
Fieldtrip
nach Sheyok und Satu:
Nachdem Ende August dann Christine nach ihrer langwierigen Anreise
ueber Srinagar endlich in Leh ankam und einige Tage spaeter auch Vera,
konnten Dolker und ich zu unserer schon lang geplanten Hausbesuchstour
in die Durbuk-Block-Doerfer aufbrechen.

Sheyok
In Sheyok
lebt Tarchin, ein 30 jaehriger buddhistischer Moench, der vor 5 Jahren
nach einem schweren Unfall ein Schaedel-Hirn-Trauma erlitt und somit
koerperl. stark beeintraechtigt ist. Das erste mal war Ladakh-Hilfe
dort letztes Jahr zu Besuch und seitdem macht Tarchin starke Fortschritte.
Er ist sehr motiviert und zeigt uns welche Uebungen er mehrmals taeglich
selbstaendig macht. Sein groesstes Interesse liegt in der Verbesserung
seiner Mobilitaet, d.h. Transfers, evtl. Laufen und in der Verbesserung
seiner Sprache. So ist auch wieder Improvisation angesagt und ich
versuche mich in logopaedischen Uebungen einschliesslich der Interessen
des Patienten - am Ende der 3 Tage Therapie sangen wir dann gemeinsam
buddh. Mantras (Gebete).


Sprechübungen---------------Tarching
bei der Therapie
Da Sheyok in einem sehr abgelegenen Tal liegt, ist es uns leider nur
bedingt moeglich diesen Patienten regelmaessig zu betreuen. Nach langen
Gespraechen mit dem Dorfbuergermeister und den Eltern wollen wir nun
versuchen voruebergehend einen Heimplatz in Leh fuer Tarchin zu organisieren
um ihm eine kontinuierliche Therapie zu gewaehrleisten.
Das Schicksal dieses jungen, bemerkenswerten Menschen stimmt uns sehr
traurig und wir verabschieden uns mit gemischten Gefuehlen : Traurigkeit
ueber die schwierige Ausgangssituation aber dennoch Hoffnung, womoeglich
bald etwas daran aendern zu koennen. Auch der Optimusmus und die Motivation
des Patienten lassen uns staunen.
Weiter
geht unsere Tour ins Dorf Satu, welches sehr hoch liegt und man abends
den Schnee schon foermlich riechen kann. Das Dorf wirkt sehr arm,
nur Lehmhaeuser, wenig Wasser und eine Dorftoilette zu der man von
unserem Haus ca. 200 m laufen muss - fuer mich im Winter ein unvorstellbarer
Gang! Nachts muessen wir uns schon unter die dicken Ladakhi-Decken
verkriechen, die halten zwar schoen warm aber andererseits kann man
sich aufgrund des schweren Eigengewichtes kaum mehr bewegen.


Shakya
...........................Schnee bei Chang La
Der Check-up mit Shakya verlaeuft sehr gut. Ladakh-Hilfe war schon
oefter bei dem Jungen, die Familie ist mit Uebungen und Hilfsmitteln
(cornerseat) gut ausgestattet. Ueber die kalte Jahreszeit treten bei
den CP-Kindern vermehrt Atemprobleme auf und so wiederholen wir mit
der Mutter nochmal intensiv die wichtigsten Atemtherapie-Uebungen.
Am naechsten Morgen gehts dann zurueck nach Leh, wobei wir den Chang-La-Pass
mit ueber 5.000 Hoehenmetern ueberqueren muessen und so doch glatt
Ende August die Moeglichkeit zu einer Schneeballschlacht hatten.
Ausstellung
aller NGO's (non-governmental-orgnisations) in Leh:
Im
Rahmen des Ladakh-Festivals Ende September in Leh, hatten alle NGO's
die Moeglichkeit ueber ihre Arbeit zu berichten. Das Namgyal-Institut
bat uns um Mithilfe bei der Gestaltung ihres Standes und gaben uns
auch die Moeglichkeit dort ueber unsere Arbeit zu informieren. Nicole
und ich haben dazu ein informatives Fotoalbum gebastelt. 2 Tage dauerte
die Ausstellung und es war sehr interessant zu sehen, wieviele Organisationen
Entwicklungsarbeit in Ladakh leisten und es kamen interessante Kontakte
zur Zusammenarbeit zustande.


Vorbereitung
Ausstellung .................................Austellung von Aussen

Ausstellung
von Innen
Film
ist fertig!
Nach
wochenlangen Schneidearbeiten, Computerabstuerzen - alles nochmal
von vorn.....
ist nun endlich der Film fertig; Titel: " Disability in Ladakh.
A way of understanding and improving". Die letzten beiden Tage
war ich dafuer mit dem Filmteam von Health.Inc in einem professionellen
Schneide-Studio und jetzt ist alles unter Dach und Fach. Womoeglich
gibt es dann diesen Film schon auf dem Weitsicht-Festival
zu bewundern.

Ja, so
ziehen die Tage vorbei und meine drei Monate hier vergingen wie im
Fluge. Ich bin so voll mit neuen Erfahrungen und Eindruecken, dass
ich womoeglich erstmal etwas Abstand brauche um mir deren voll bewusst
zu werden.
Was bleibt ist ein tiefes Gefuehl von Dankbarkeit fuer diese Erfahrungen,
Bereicherung und eine starke Verbundenheit zu diesem Land, das ich
so nah und in einer ganz anderen Weise erfahren durfte.