Abschlussbericht von Simone Simons

Einsatz vom 27.01.2009- 02.04.2009

Meine Zeit in Ladakh nähert sich langsam dem Ende, und es ist eine gute Chance um Rückschau zu halten und die Zeit zu reflektieren.


Alles in allem war es trotz Höhen und Tiefen eine wunderbare und unvergessliche Zeit hier. Ganz bewusst hatte ich mir den Winter hier ausgesucht, weil ich dachte, dass der Winter und die Kälte hier mich an meine Grenzen bringen würden. Aber wie schon im Bericht >Winter in Leh< geschrieben, hatte ich zum einen Glück mit der Kälte, weil es dieses Jahr wärmer war als das Letztes, und zum anderen durch die Erwartungen dass es viel härter sein könnte, konnte es ja nur besser kommen! So muss ich gestehen, dass ich die winterliche Zeit sehr genossen habe, in der wir mit Holz geheizt haben, nur ein paar Stunden Strom hatten, Wasser am Fluss geholt haben und abends alle vor den Ofen kuscheln. Man muss sicherlich auf vieles verzichten und der Tagesrhythmus ist stark dem der Natur angepasst.
Aber für mich war es eine wunderbare Zeit den Alltag mit soviel Handarbeit zu erleben und im Einklang mit der Natur zu leben!

Berge in Ladakh, eine unglaublich schöne Sicht


Die Landschaft hat auch im Winter ihren Reiz und es lassen sich tolle Ausflüge machen ( wie z.B. über den höchsten befahren Pass der Welt zu kommen)
Auch haben die Menschen im Winter mehr Zeit, weil die meisten Arbeiten erst jetzt im Frühling wieder los gehen, so dass sich viele über uns freiwillige freuen, dass wir die Winterzeit in ihrem Land verbringen.
Die Menschen sind so fröhlich und freundlich dass ich immer wieder beeindruckt bin und gerne Augenblicke auf dem Markt verweile um nur die Menschen zu beobachten, die so ausdrucksstark sind.

Hohe Passstrasse


Auf die Arbeit bezogen bin ich im Grunde genau passend zur Eröffnung des neuen Therapiezentrums(RAC) gekommen, so dass die anderen Freiwilligen und ich in Zusammenarbeit mit den Locals die Räume gestalten konnten. Mit viel Freude haben wir uns künstlerisch an den Wänden ausgetobt und eine schöne gemütliche warme Atmosphäre für die Behandlungen geschaffen!
Die Kinder und ihre Eltern waren hell auf begeistert und es ist schön ihre freudigen Gesichter zu sehen.
Die Arbeit und die Therapien an sich gestalten sich nicht immer einfach. Da zum einen wir Freiwilligen ein anderes Zeitgefühl und Zeitmanagement kennen und gewöhnt sind, kulturelle Unterschiede zu Missverständnissen führen können und die Kinder z.T. aus verschiedenen Gründen unregelmäßig kommen oder nicht zu Hause sind. So lässt sich's hier im Grunde weniger gut planen bzw. ist es wichtig immer wieder offen und flexibel zu bleiben. Hinzukommt dass man nicht immer alles versteht oder verstehen kann und schlussendlich muss, somit gab es die ein oder andere Herausforderung hier für mich. Und meine Grenzerfahrungen zeigten sich nun auf ganz anderen Ebenen!
Natürlich kommt man als Freiwillige mit einigen bewussten und unbewussten Erwartungen hier hin und es ist ein spannender Prozess was sich daraus entwickelt, was es heißt loszulassen und was man dadurch alles lernen kann. Somit gab es stimmungsmäßig ein häufigeres hoch und runter ,aber durch das strahlende Lächeln vieler Kinder, die Freude und die Herzlichkeit und die Dankbarkeit der Familien lässt sich alles wieder aus einer anderen Sicht betrachten.

Dolkar und Kunzang mit Dechen


So kann man z.B. an dem Foto von Dechan einem 18 jährigen Mädchen mit Dolker und Kunzang die Freude bei den Behandlungen sehen. Denn Dechan liegt die meiste Zeit auf dem rücken in ihrem Zimmer, auf Grund der stark unkontrollierten Bewegungen kann sie ohne Hilfe keine anderen Positionen einnehmen. Auch nur mit vereinten Kräften schaffen wir es sie umzulagern oder sie in den Rollstuhl zu bringen, so war es für sie eine große Freude, dass wir mit ihr einen sonnigen Frühlingsspaziergang gemacht haben. Was mir wirklich ein Rätsel ist, wie Dechan trotz ihrer Einschränkungen in diesem perfekten Lotussitz entspannen kann. Als jahrelange Yogini beeindruckt sie mich wirklich. Solche und viele andere Momente lassen die Zeit hier unvergesslich werden!

Maskentänze


Hinzukommt, dass besonders im Februar und im März hier die größten buddhistischen Feste mit Maskentänzen stattfinden, wo wir dann mit den Locals hingefahren sind! Unglaublich wie viele Menschen sich hier zusammen finden, ein buntes Gemisch von unterschiedlichen Menschen, von denen die meisten Gebetsketten in der Hand haben! Hier hat der Glaube und die Religion eine sehr viel stärkere Bedeutung als wir dies in Deutschland gewöhnt sind und es ist wunderschön zu beobachten, wie dies die Menschen erfüllt!
Somit kann ich auf allen Ebenen sehr viel mitnehmen und durfte unglaublich viele Erfahrungen sammeln, wofür ich allen sehr dankbar bin.


Und ich werde mich immer wieder gerne an diese prägende und einzigartige Zeit erinnern.

Simone Simons, Ergotherapeutin



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