Meine
Zeit in Ladakh nähert sich langsam dem Ende, und es ist eine
gute Chance um Rückschau zu halten und die Zeit zu reflektieren.
Alles in allem war es trotz Höhen und Tiefen eine wunderbare
und unvergessliche Zeit hier. Ganz bewusst hatte ich mir den Winter
hier ausgesucht, weil ich dachte, dass der Winter und die Kälte
hier mich an meine Grenzen bringen würden. Aber wie schon im
Bericht >Winter
in Leh< geschrieben, hatte ich zum einen Glück mit
der Kälte, weil es dieses Jahr wärmer war als das Letztes,
und zum anderen durch die Erwartungen dass es viel härter sein
könnte, konnte es ja nur besser kommen! So muss ich gestehen,
dass ich die winterliche Zeit sehr genossen habe, in der wir mit
Holz geheizt haben, nur ein paar Stunden Strom hatten, Wasser am
Fluss geholt haben und abends alle vor den Ofen kuscheln. Man muss
sicherlich auf vieles verzichten und der Tagesrhythmus ist stark
dem der Natur angepasst.
Aber für mich war es eine wunderbare Zeit den Alltag mit soviel
Handarbeit zu erleben und im Einklang mit der Natur zu leben!

Berge
in Ladakh, eine unglaublich schöne Sicht
Die Landschaft hat auch im Winter ihren Reiz und es lassen sich
tolle Ausflüge machen ( wie z.B. über den höchsten
befahren Pass der Welt zu kommen)
Auch haben die Menschen im Winter mehr Zeit, weil die meisten Arbeiten
erst jetzt im Frühling wieder los gehen, so dass sich viele
über uns freiwillige freuen, dass wir die Winterzeit in ihrem
Land verbringen.
Die Menschen sind so fröhlich und freundlich dass ich immer
wieder beeindruckt bin und gerne Augenblicke auf dem Markt verweile
um nur die Menschen zu beobachten, die so ausdrucksstark sind.

Hohe
Passstrasse
Auf die Arbeit bezogen bin ich im Grunde genau passend zur Eröffnung
des neuen Therapiezentrums(RAC) gekommen, so dass die anderen Freiwilligen
und ich in Zusammenarbeit mit den Locals die Räume gestalten
konnten. Mit viel Freude haben wir uns künstlerisch an den
Wänden ausgetobt und eine schöne gemütliche warme
Atmosphäre für die Behandlungen geschaffen!
Die Kinder und ihre Eltern waren hell auf begeistert und es ist
schön ihre freudigen Gesichter zu sehen.
Die Arbeit und die Therapien an sich gestalten sich nicht immer
einfach. Da zum einen wir Freiwilligen ein anderes Zeitgefühl
und Zeitmanagement kennen und gewöhnt sind, kulturelle Unterschiede
zu Missverständnissen führen können und die Kinder
z.T. aus verschiedenen Gründen unregelmäßig kommen
oder nicht zu Hause sind. So lässt sich's hier im Grunde weniger
gut planen bzw. ist es wichtig immer wieder offen und flexibel zu
bleiben. Hinzukommt dass man nicht immer alles versteht oder verstehen
kann und schlussendlich muss, somit gab es die ein oder andere Herausforderung
hier für mich. Und meine Grenzerfahrungen zeigten sich nun
auf ganz anderen Ebenen!
Natürlich kommt man als Freiwillige mit einigen bewussten und
unbewussten Erwartungen hier hin und es ist ein spannender Prozess
was sich daraus entwickelt, was es heißt loszulassen und was
man dadurch alles lernen kann. Somit gab es stimmungsmäßig
ein häufigeres hoch und runter ,aber durch das strahlende Lächeln
vieler Kinder, die Freude und die Herzlichkeit und die Dankbarkeit
der Familien lässt sich alles wieder aus einer anderen Sicht
betrachten.

Dolkar
und Kunzang mit Dechen
So kann man z.B. an dem Foto von Dechan einem 18 jährigen Mädchen
mit Dolker und Kunzang die Freude bei den Behandlungen sehen. Denn
Dechan liegt die meiste Zeit auf dem rücken in ihrem Zimmer,
auf Grund der stark unkontrollierten Bewegungen kann sie ohne Hilfe
keine anderen Positionen einnehmen. Auch nur mit vereinten Kräften
schaffen wir es sie umzulagern oder sie in den Rollstuhl zu bringen,
so war es für sie eine große Freude, dass wir mit ihr
einen sonnigen Frühlingsspaziergang gemacht haben. Was mir
wirklich ein Rätsel ist, wie Dechan trotz ihrer Einschränkungen
in diesem perfekten Lotussitz entspannen kann. Als jahrelange Yogini
beeindruckt sie mich wirklich. Solche und viele andere Momente lassen
die Zeit hier unvergesslich werden!
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Maskentänze
Hinzukommt, dass besonders im Februar und im März hier die
größten buddhistischen Feste mit Maskentänzen stattfinden,
wo wir dann mit den Locals hingefahren sind! Unglaublich wie viele
Menschen sich hier zusammen finden, ein buntes Gemisch von unterschiedlichen
Menschen, von denen die meisten Gebetsketten in der Hand haben!
Hier hat der Glaube und die Religion eine sehr viel stärkere
Bedeutung als wir dies in Deutschland gewöhnt sind und es ist
wunderschön zu beobachten, wie dies die Menschen erfüllt!
Somit kann ich auf allen Ebenen sehr viel mitnehmen und durfte unglaublich
viele Erfahrungen sammeln, wofür ich allen sehr dankbar bin.
Und ich werde mich immer wieder gerne an diese prägende und
einzigartige Zeit erinnern.
Simone
Simons, Ergotherapeutin