Abschlussbericht Kargil von Annette Blum

Oktober 2011

Ladakh und die freundlichen und liebenswerten Ladakhis sind mir schon bei meiner ersten Reise 2006 in diese tolle Gegend ans Herz gewachsen und mir war klar, dass ich eines Tages wieder zurück kehren würde… So war es dann im Juni 2011 auch endlich soweit und ich machte mich erneut auf den Weg in die Höhen des Himalayas. Dieses mal erwartete mich jedoch eine ganz spezielle Aufgabe: das neue Projekt in Kargil mit aufzubauen.


Anna und Kathi hatten die ersten Bausteine gesetzt und schon Vieles auf die Beine gestellt. Schon fast 30 Patienten waren erfasst in der näheren Umgebung von Kargil und jetzt ging es vor allem um die Behandlungen der bereits erfassten Patienten. Zu Beginn machten wir uns zu Fuss auf den Weg zu den Häusern, um die Patienten zu behandeln, doch schon bald haben Norbu und Karola das kleine weisse Auto nach Kargil gebracht, so dass wir viiiel Zeit und Geld sparen konnten und immer lustige Fahrten hatten. Die Strassen sind grausam (mehr Schlaglöcher als Belag) und Frauen am Steuer auch eher selten und dann auch noch eine "Angres" ;) Wir hatten unseren Spass…

Annette mit Munawar Hussain


Unser Hauptziel war es, die Patienten genau zu untersuchen und die Mädels (Bilquees, Hamida und Zahera) so gut wie möglich in die Therapien einzuführen. Wir überliessen die Therapien hauptsächlich den Locals, damit sie diese auch während des Winters ohne Freiwillige gut selbständig ausführen können und damit das Vertrauen der Bevölkerung in ihre eigenen Landsleute gewonnen werden kann. Einige Kinder konnten wir bereits mit Hilfsmitteln (Splints, Sitzkisten, Stühlen, Tischen,…) beglücken, andere mit Windeln versorgen oder einfach therapieren und ihnen neue Möglichkeiten aufzeigen.
Viele der Kinder haben bereits in diesen zwei Monaten sehr grosse Fortschritte gemacht und auch viel Freude und Motivation gezeigt. Das Denken einiger Eltern konnten wir sicherlich auch ein Stück weit positiv beeinflussen, doch es wird noch eine gewisse Zeit dauern, bis sich das Denken der Bevölkerung gegenüber behinderten Kindern ändern wird… Wie gross die Rolle der Religion dabei mitspielt kann ich nicht einschätzen, aber viele Familien sehen es als gottgewollt an und dann ist es halt einfach so…


Jenny hat mich leider wegen einer Knieverletzung frühzeitig verlassen, sodass ich als einzige Westlerin die Stellung halten musste. Das wäre sicher auch nicht so schwierig gewesen, wenn die Zusammenarbeit und das Zusammenleben mit unserem indischen freiwilligen Speach teacher Giri etwas einfacher gewesen wäre. Dies hat jedoch zu einer noch engeren Beziehung zu den local Mädels und einigen Kargil- Freunden geführt, was mir sehr viel geholfen hat und ich hoffe, dass diese Freundschaften auch noch lange anhalten werden. So wurde ich oft zum Abendessen eingeladen und habe viel Zeit mit Kargilis verbracht. Viele Abende habe ich auf den Hügeln bei Goma Kargil verbracht und den Sonnenuntergang genossen bis der Muezzin aus allen Ecken der Stadt gerufen hat.
Das Leben im mehrheitlich muslimischen Kargil war kein Problem und eine sehr schöne Erfahrung. Da bis jetzt immer noch nicht viele Touristen in Kargil sind und fast niemand so lange wie wir da geblieben ist, sind die Menschen sehr interessiert und hilfsbereit. Schon nach kurzer Zeit kannte uns die halbe Stadt und wir wurden freundlich begrüsst.

Jedem, der nur ein wenig Pioniergeist und Abenteuerlust in sich trägt kann ich diese Arbeit nur empfehlen. Zum einen, weil ich voll hinter dem Projekt stehe und zum anderen, weil es jedem gut tut, mal in eine andere Welt einzutauchen und sich auf eine andere Kultur einzulassen…
Für mich war es eine sehr intensive, lehrreiche, glückliche Zeit mit unglaublich vielen tollen und fröhlichen Momenten, an die ich noch lange mit Freude zurückdenken werde!!


Vielen Dank an alle Beteiligten und lieben Menschen, die mir in dieser Zeit begegnet sind und die sie so unvergesslich gemacht haben!!! Julley



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