Winter 2009 in Ladakh -

eine "eisige" Betrachtung von Simone Simons

Der Winter in Leh ist halb so schlimm wie wir erwartet haben.
Hier sind gerade Anne, Alex und ich und wir fühlen uns richtig wohl hier!
Das Leben ist aufregend und spannend und es gibt jeden Tag neue Überraschungen, da hier wenig und manchmal nichts nach Plan läuft!
Das ist für uns strukturierte Deutsche schon mal eine ganz schöne Umstellung, aber auch eine wertvolle Erfahrung. Zeit, Organisation und Absprachen sind hier relativ! Die Ausdauer und die Gelassenheit der Ladakhis bezüglich *warten* ist beeindruckend! In jedem Fall heißt es dann erstmal einen leckeren Milktea trinken.
Aber zurück zum Winter: Ja es ist kalt, aber mit den richtigen Klamotten gut erträglich und es gibt ja überall Öfen um sich wieder aufzuwärmen.
Somit haben wir einen Gasofen im Wohnzimmer, wo wir die meiste Zeit nach der Arbeit verbringen. Im Schlafzimmer gibt es einen Holzofen, aber da es nicht allzu viel Holz gibt, nutzen wir ihn kaum. Stattdessen macht sich jeder seine Wärmeflasche und dann geht es ab in den kuscheligen Schlafsack.
Geduscht wird draußen im Duschzelt, in Eimern wird das warme Wasser runter getragen. Wenn die Sonne scheint ist es auch ganz angenehm, wenn nicht hat man die Qual der Wahl oder verschiebt es auf den nächsten Tag. Anziehen, eincremen etc. machen wir der Bequemlichkeit halber direkt vor dem Ofen. Spätestens nach der ersten Woche gewöhnt sich der Körper auch besser an die Kälte und man reagiert nicht mehr ganz so empfindlich. Die Füße können zwar immer noch kalt werden, aber es ist nicht mehr ganz so unangenehm wie in den ersten Tagen.
An Winterklamotten kann man hier auch alles kaufen, wobei die Qualität jedoch in Deutschland besser ist. Wer allerdings mehr Abwechslung möchte, kann auch hier gut Shoppen gehen.

Eisige Passstrassen in Ladakh

Wir Drei sind wirklich hier angekommen und dachten jetzt beginnt eine Zeit, in der wir auf viel verzichten müssen. Natürlich müssen wir auch auf einiges verzichten wie frisches Obst, einiges Gemüse, aber in Relation gibt es hier mehr als erwartet. Ich dachte ja schon an asketische Verhältnisse (worauf ich mich mental eingestellt hatte), aber es gibt hier Schokolade zu kaufen, eine Bäckerei mit leckeren Plätzchen, Fladenbrot, Knabberzeug, Äpfel, Karotten, Kartoffeln, Zwiebeln, Kohl, getrocknete Tomaten und Spinat, Milch und Joghurt, Eier, Erdnussbutter, Butter, Marmelade, Nutella, natürlich Reis, Linsen uvm. Daraus lässt sich eine Menge zaubern, und wir müssen sagen, anstatt abzunehmen müssen wir tatsächlich aufpassen, dass wir durch das leckere Essen nicht zunehmen.
Die Ladakhis haben auch eine gute und günstige Küche. Im Winter haben zwar noch viele Restaurants und Läden geschlossen, aber nach ein paar Tagen im Land, weiß man wo man alles bekommt.

Da es hier im Sommer mehr Betten für Touristen als für Einheimische gibt, sind wir doch ganz froh unsere Zeit jetzt hier genießen zu können, denn so ist das Leben hier ruhiger und beschaulicher. Viele Leute kennen uns vom Sehen und sind sehr freundlich. Im Sommer ist man wohl einer unter vielen.
Auch bei der Arbeit geht es deutlich ruhiger zu, da nicht alle Kinder in Leh sind, weil noch Ferien sind.

Alles in allem lässt es sich gut ohne fließend Wasser, Strom nur für ein paar Stunden, Plumpsklo, Wäschewaschen im Fluss etc auskommen.
Es hängt immer von der eigenen Einstellung ab und welche Ansprüche man hat. Aber für uns gilt weniger ist mehr.
Es ist eine wertvolle Erfahrung festzustellen worauf man verzichten kann und wo das Wesentliche liegt.
*Loslassen* ist immer ein ewiges Thema im Leben. Man kann sich vielmehr auf die alltäglichen dinge konzentrieren (Wasser holen, Wasser kochen, Wäsche waschen, auf dem Markt einkaufen usw., wobei alles vielmehr Zeit in Anspruch nimmt) ohne von Medien und Luxusartikeln abgelenkt zu werden - so ist hier alles *Handarbeit*.

Und zu guter Letzt lassen sich im Winter hier besondere Abenteuer erleben, wie einige buddhistische Festivals und der legendäre Icetrek auf dem Zanskarfluss!!!

Simone Simons, Februar 2009




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