8-Jan-2006

Weihnachten 2005 in Ladakh

Exzerpt aus einer Rundmail von Katrin Scheuerer

Weihnachten in Leh

Also, wie schon angekündigt haben wir am heiligen Abend in der Kirche "Stille Nacht, heilige Nacht" gesungen. Wir, das sind Catherin, Ulrike und ich (the three holy sisters) und Marco (ein Schweizer). Zu diesem Event haben wir alle unsere tibetischen Kleider angezogen und unsere männliche Begleitung sang, aus Ermangelung ordentlicher Kleidung, in Jogginghosen. Das Ganze wurde vom Lokalfernsehen aufgezeichnet und ein paar Tage später ausgestrahlt. Jetzt kennt uns wirklich jeder in Leh und alle Leute, die uns kennen, sprechen uns darauf an. Der Gottesdienst war auch, abgesehen von diesem Highlight, recht nett. Es gab diverseste Gesangseinlagen u.a. von ein paar Kindern, die als Könige, Maria und Josef usw. verkleidet waren.

Danach sind wir in unsere weihnachtlich geschmückte Bleibe. Der Weihnachtsschmuck bestand aus kitschigen Überbleibseln von Diwali (hinduistisches Weihnachtsfest) wie Glitzergirladen und Lametta. Der Clou ist allerdings unser Christbaum, ein auf Packpapier aufgemalter Baum, der mit allerhand Krimskrams geschmückt wurde und den jeder Gast noch verschönern durfte. Anwesend waren neben der Gesangstruppe noch eine weitere Schweizerin, ein Ladakhi, ein buddhistischer Mönch, der mit einer deutschen verheiratet ist und normalerweise in Heiligenhafen lebt und ein amerikanischer Fotojournalist (aktives Mitglied der Kirchengemeinde!). Als ersten Gang haben wir einen Gemüseeintopf aus diversen Gemüsen zu uns genommen, danach Feigen mit Speck und nebenher Lebkuchen und Dominosteine aus Catherins Päckchen. Da wir hier keinen Wein auftreiben konnten um Glühwein zu machen, hat Uli einen herrlichen Punsch gezaubert. Die Hintergrundmusik zu unserem Menü war das Schlagen des Mousse au Chocolat aus Schweizerschokolade (ca. 3 Stunden), das es als Dessert gab. Danach haben wir uns gegenseitig beschert und die Krönung des Abends war die Vorstellung der beiden Schweizer - die unbefleckte Empfängnis! Nach dieser schauspielerischen Höchstleistung hat sich unser US-amerikanische Gast abrupt verabschiedet und wir konnten in gelöster Stimmung noch bis ein Uhr weiter feiern.


An den beiden Feiertagen haben wir zwei christliche Familien besucht und uns dort an den Köstlichkeiten gelabt, z.B. indische, sehr süße Süßigkeiten und im Fett Ausgebackenes. Es ist hier so Tradition, dass sich die Familien gegenseitig besuchen und es wird weniger innerhalb der Familie gefeiert. Somit kommen auch Buddhisten und Moslems zu den christlichen Familien und an Losar werden im Gegenzug die buddhistischen Familien heimgesucht.
Den Rest der Woche haben wir fleißig gearbeitet und verschiedene Kinder zu Hause besucht. Am Freitag war dann offiziell mein letzter Arbeitstag, da wir uns nächste Woche frei nehmen, um richtig Losar feiern zu können.


Zur Pflege unserer Kontakte haben wir an einem Abend den Pfarrer und Schuldirektor in einer Person samt Frau und Sohn zu uns eingeladen und versucht ein bayrisches Essen zu machen. Es gab Blumenkohlsuppe, Würschtl (von hier), Kartoffelnudeln und so eine Art Sauerkraut (aus Kohl). Man war begeistert und es wurde viel gelacht, v.a. weil wir deutschen Frauen so viel gegessen haben und ich meinte nur, dass es deswegen sei, weil wir noch wachsen würden.
Außerdem ist gestern eine neue Kollegin aus Österreich hier eingetroffen. Sie heißt Conny und gestern ging es ihr noch ziemlich schlecht. Es scheint fast so, dass die bayrischen Frauen die Robustesten sind, was die Gewöhnung an die Höhe anbelangt, da Uli und ich kaum Probleme hatten.

Liebe Grüße vom Dach der Welt

Katrin




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