8-Jan-2006
Exzerpt
aus einer Rundmail von Katrin Scheuerer
Weihnachten
in Leh
Also,
wie schon angekündigt haben wir am heiligen Abend in der Kirche
"Stille Nacht, heilige Nacht" gesungen. Wir, das sind Catherin,
Ulrike und ich (the three holy sisters) und Marco (ein Schweizer). Zu
diesem Event haben wir alle unsere tibetischen Kleider angezogen und
unsere männliche Begleitung sang, aus Ermangelung ordentlicher
Kleidung, in Jogginghosen. Das Ganze wurde vom Lokalfernsehen aufgezeichnet
und ein paar Tage später ausgestrahlt. Jetzt kennt uns wirklich
jeder in Leh und alle Leute, die uns kennen, sprechen uns darauf an.
Der Gottesdienst war auch, abgesehen von diesem Highlight, recht nett.
Es gab diverseste Gesangseinlagen u.a. von ein paar Kindern, die als
Könige, Maria und Josef usw. verkleidet waren.
Danach sind wir in unsere weihnachtlich geschmückte Bleibe. Der
Weihnachtsschmuck bestand aus kitschigen Überbleibseln von Diwali
(hinduistisches Weihnachtsfest) wie Glitzergirladen und Lametta. Der
Clou ist allerdings unser Christbaum, ein auf Packpapier aufgemalter
Baum, der mit allerhand Krimskrams geschmückt wurde und den jeder
Gast noch verschönern durfte. Anwesend waren neben der Gesangstruppe
noch eine weitere Schweizerin, ein Ladakhi, ein buddhistischer Mönch,
der mit einer deutschen verheiratet ist und normalerweise in Heiligenhafen
lebt und ein amerikanischer Fotojournalist (aktives Mitglied der Kirchengemeinde!).
Als ersten Gang haben wir einen Gemüseeintopf aus diversen Gemüsen
zu uns genommen, danach Feigen mit Speck und nebenher Lebkuchen und
Dominosteine aus Catherins Päckchen. Da wir hier keinen Wein auftreiben
konnten um Glühwein zu machen, hat Uli einen herrlichen Punsch
gezaubert. Die Hintergrundmusik zu unserem Menü war das Schlagen
des Mousse au Chocolat aus Schweizerschokolade (ca. 3 Stunden), das
es als Dessert gab. Danach haben wir uns gegenseitig beschert und die
Krönung des Abends war die Vorstellung der beiden Schweizer - die
unbefleckte Empfängnis! Nach dieser schauspielerischen Höchstleistung
hat sich unser US-amerikanische Gast abrupt verabschiedet und wir konnten
in gelöster Stimmung noch bis ein Uhr weiter feiern.
An den beiden Feiertagen haben wir zwei christliche Familien besucht
und uns dort an den Köstlichkeiten gelabt, z.B. indische, sehr
süße Süßigkeiten und im Fett Ausgebackenes.
Es ist hier so Tradition, dass sich die Familien gegenseitig besuchen
und es wird weniger innerhalb der Familie gefeiert. Somit kommen auch
Buddhisten und Moslems zu den christlichen Familien und an Losar werden
im Gegenzug die buddhistischen Familien heimgesucht.
Den Rest der Woche haben wir fleißig gearbeitet und verschiedene
Kinder zu Hause besucht. Am Freitag war dann offiziell mein letzter
Arbeitstag, da wir uns nächste Woche frei nehmen, um richtig
Losar feiern zu können.
Zur Pflege unserer Kontakte haben wir an einem Abend den Pfarrer und
Schuldirektor in einer Person samt Frau und Sohn zu uns eingeladen
und versucht ein bayrisches Essen zu machen. Es gab Blumenkohlsuppe,
Würschtl (von hier), Kartoffelnudeln und so eine Art Sauerkraut
(aus Kohl). Man war begeistert und es wurde viel gelacht, v.a. weil
wir deutschen Frauen so viel gegessen haben und ich meinte nur, dass
es deswegen sei, weil wir noch wachsen würden.
Außerdem ist gestern eine neue Kollegin aus Österreich
hier eingetroffen. Sie heißt Conny und gestern ging es ihr noch
ziemlich schlecht. Es scheint fast so, dass die bayrischen Frauen
die Robustesten sind, was die Gewöhnung an die Höhe anbelangt,
da Uli und ich kaum Probleme hatten.
Liebe
Grüße vom Dach der Welt
Katrin