Geschichten aus dem täglichen Leben:

Die Wasserpumpe

Von Matthias Ziegler, 24.08.2007




Wasser ist ein wertvolles Gut, hörte ich als Kind meine Erziehungsberechtigten predigen.
Hhier in Ladakh sollte ich das am eigenen Leib erfahren, daheim braucht man nur den Wasserhahn um 20 Grad drehen und heraus sprudelt das Nass, sogar in der gewünschten Temperatur.

Diesem intakten Wassersystem verdanke ich stundenlanges Duschvergnügen. hier in Ladakh ist das anders, Wasser kommt einmal morgens von 6-7 Uhr. jetzt etwa von 7-8. Doch wo kommt das Wasser her, nicht wie bei uns daheim, aus dem Hahn im Bad, Dusche oder Küche, nein, draußen gibt es eine Wasserstelle, die in der oben genannten Zeit das kühle Nass von sich gibt. Morgens heißt es deshalb raus aus den betten und Kanister füllen, welche man dann im Halbschlaf an den benötigten Ort (Küche und Bad/Toilette) schleppt.
Da noch mehrer Leute das Haus der Moravian School bewohnen, wird das Wasser oft knapp (in einer Stunde läuft nicht genug durch, vor allem wenn jeder seine Kleider waschen muss).
Mr. K.C., der Vize Rektor der Schule und zugleich unser Nachbar, hatte die brillante Idee eine Wasserpumpe zu kaufen. Diese sollte das Wasserproblem lösen und somit ein endloses Wasservergnügen garantieren.

Gemacht, getan. Weil MR K.C. viel beschäftigt ist und gerne Aufgaben dirigiert, kümmern wir uns um den Kauf der Pumpe.
Ok, der Kauf der Pumpe wurde erst mit dem Vereinsvorstand besprochen, und dann gekauft. Jetzt fehlt nur noch Herr Hassan, der "plumper", um das ganze zu installieren.

Leider sind die Dinge nicht immer so einfach wie bei uns in Deutschland. Nach ein paar Tagen lässt er sich blicken und hinterlässt einen kleinen Zettel mit Hyroglyphen welche besagen, welche Teile er zum Installieren der Wasserpumpe benötigt.
Ich gebe mich geschlagen und ziehe los, um die gewünschten Teile zu besorgen.
Nach einer kleinen Odyssee finde ich einen Händler der die Hälfte der gewünschten Teile hat.
Auf meine Frage wo ich den die weiteren Teile finde, schreibt er mir den Namen eines Shops auf, welcher gleich um die Ecke sei. Natürlich kein Glück, die Teile sind auch hier nicht zu haben .
Nach weiterer Suche finde ich einen viel versprechenden Laden. Schon außen preist er die heiß ersehnten Teile auf Tafeln an.
Der Shopkeeper, welcher hinter einer Art heiligem Altar sitzt, was eigentlich sein Schreibtisch sein sollte, begrüßt mich freundlich und fordert mich, auf 5 min zu warten, bis er mich bedienen konnte. Währendessen dirigiert er wie ein Pascha seine Angestellten von seinem Altar aus quer durch die Gegend.

Auf seinem Schreibtisch befinden sich mehrere Statuen auch Räucherstäbchen brennen. Dahinter hängen ungefähr acht in gold gerahmte Bilder aller gängigen Hindugötter, welche alle noch mit Blumengrenzen behangen sind.

Aus 5 min werden 25 min. Das Warten vertreibe ich mir damit, den Chef zu beobachten wie er seine Leute durch die Gegend kommandiert und sie pflichtbewusst alles mit flinkem Eifer erledigen.

Endlich werde ich bedient, bekomme eine Handvoll kleiner Teile (Rohre, Isolierbinden usw) und die Rechnung. Verblüfft schaue ich drein als der gute Herr von mir knapp 2000 Rupien verlangt. Sofort denke ich, dass der nette Herr mich etwas über den Tisch ziehen will, selbst die gläubigsten Hindus stecken oft ihre Religion in die Hintertasche wenn es ums Geschäft geht.
Diesmal liege ich falsch, denn im selben Moment, indem ich dumm drein schaue und mich beschweren will, zieht ein Angestellter 2 lange Rohre aus einem Verschlag und präsentiert sie mir stolz. Die Dinger stehen wirklich auf der Liste und ich hab keinen Schimmer, wie ich die 4 Meter langen und insgesamt 20 Kilo schweren Dinger ins Office bringen soll. Was man nicht im Kopf hat, hat man in den Beinen ,bzw Armen. Also los geht's: ich schultere die langen Wasserleitungen und gehe langsam voran. dabei hab ich wirklich Angst, dass ich auf dem Heimweg jemanden damit erschlage vom Moped oder sonst irgendwie für Unruhe sorge. Langsam gehe ich Schritt für Schritt voran, alle Leute schauen seltsam drein, einen Westler mit solch exotischem Gepäck zu sehen.

Nach einer dreiviertel Stunde komme ich schnaufend im Office an. Warum müssen wir nur am Berg wohnen? Meine Schultern schmerzen und die Hände zittern, dennoch bin ich froh niemanden umgebracht zu haben und zugleich etwas stolz, die riesigen Teile hoch getragen zu haben.

Später am Tag präsentiere ich Mr K.C. und dem Plumper die Teile. Als Mr K.C. erfährt was der Spaß gekostet hat, fangen die grauen Zellen an zu arbeiten. "Hinter dem Haus hab ich noch ein Rohr, diese brauchen wir nicht". Etwas Wut brodelt in mir auf, denn auch er hatte zuvor den Zettel gelesen und jetzt auf einmal fällt es ihm ein. Na ja, nicht aufregen, du bist in Indien, da gehört das dazu. Wenigstens hilft mir der Plumper die zwei Rohre wieder zurück zubringen und installiert danach die Pumpe.

Mal sehen ob sie funktioniert, wenn es morgen wieder sieben Uhr wird. Dann kommt auf, ob sich der Muskelkater in meinen Schultern gelohnt hat.

Fortsetzung folgt!




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